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Hunger-Gewinne

Die Organisation „foodwatch“ hat einen Bericht veröffentlicht. In „Die Hungermacher – Wie Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co. auf Kosten der Ärmsten mit Nahrungsmitteln spekulieren“ wird deutlich, welche Größenordnung zwischenzeitlich die Spekulation mit Agrarprodukten erreicht hat: bis Ende März haben Versicherungen und andere Anleger den Investmentbanken und Hedgefonds Nahrungsmittelwetten im Wert von 600 Milliarden US-Dollar abgekauft. Damit ist dieser Markt zu vier Fünfteln (80 Prozent) von Finanzspekulanten beherrscht, die nur das kurzfristige Interesse haben, die Nahrungsmittelpreise in die Höhe zu treiben – mit der Folge noch größeren Hungers in der Welt.

Begleitend zur Veröffentlichung des Berichts gab es auch eine E-Mail-Aktion an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit dem Titel „Hände weg vom Acker, Mann“.

Quelle: telepolis (18.10.2011)

Kein Crash aber Index sinkt

Als metaphysische Mysterien beschreibt die „telepolis“ (14.9.2011), dass bislang der große Aktiencrash ausblieb. Billiges Geld der Zentralbanken, der Renditezwang der institutionellen Anleger, die hohen Einstiegspreise bei anderen „Finanzprodukten“ (Immobilien, Gold u.ä.) und die Möglichkeit, mit minimalen Differenzen Geld zu verdienen und dies mit Leerverkäufen auch noch bei fallenden Kursen werden in dem Artikel als Gründe genannt. Der ganz große Crash bleibt aus, obwohl im Börsen-Casino nur noch Altlasten gehandelt oder umverpackt werden. Aber am Ende sinken die Kurse und Börsen-Indizes wie im Beispiel Japan, wo vor 20 Jahren der Nikkei-Index der Tokioter Börse mit Höchsständen von 40.000 Punkten glänzte, die er seither nie mehr erreichte (aktuell dümpelt dieser Index deutlich unter 10.000 Punkten).

Zwischenstand: 119 Dollar

Kriege und Krisen sind der Spekulanten beste Freunde. Die Freiheitsbewegungen in Nordafrika müssen gerade als Sündenböcke für eine Spekulationsblase herhalten, die sich an den Ölpreis-Börsen herausbildet. Bei 119 Dollar pro Fass (barrel, 159 Liter) liegt der aktuelle Ölpreis, was mit dem Aufstand der libyschen Bevölkerung gegen ihren Diktator begründet wird. Doch Rohstoff-Spekulanten und Ölkonzernen ist eigentlich egal, ob der schießwütige Diktator weiter Menschen ermorden lässt oder ob die Demokratiebewegung am Ende gewinnt. Hauptsache es gibt eine so genannte Begründung für das Einfahren von Spekualtionsgewinnen.

Spekulation mit Ackerland

Die Chinesen sind die bekannt Bösen in diesem Spiel: Vor allem in Afrika kaufen sie Ackerland. Aber auch in Deutschland werden die meisten landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr von Landwirten gekauft, sondern von Finanzinvestoren.

Neben der aus Inflationsangst getätigten Flucht in die „Sachwerte“ geht es vor allem um die Steigerung der Bodenpreise, die im Jahr 2009 den Anlegern eine schöne Rendite von 9,6 Prozent bescherte. Und die Spekulanten setzen darauf, dass Nahrungsmittel knapp und teuer werden – „bei Lebensmitteln sind die Menschen erpressbar“ beschreibt die „taz“ (12.11.2010) das Kalkül der Spekulanten.

Allerdings warnt die „taz“-Autorin auch davor, dass jetzt gerade eine neue Spekulationsblase entsteht – die Acker-Blase. Ulrike Herrmann schreibt weiter:

Wie jede Blase würde auch eine Acker-Blase platzen. Aber das ist kein Grund zur Schadenfreude. Denn solange sich die Blase aufpumpt würden weltweit die Lebensmittelpreise steigen – und ausgerechnet am Hunger der Armen wollen die neuen Agrarinvestoren verdienen.

Regeln gegen die Finanzkrise

Ulrike Herman („Hurra, wir dürfen zahlen“) erinnert in einem Leitartikel der „taz“ (25.6.2010) nicht nur an die „Schwarmblödheit“, die Dummheit der Anleger, die auch die nächste Finanzmarktkrise befeuern wird. Sie erinnert auch an die immer noch überälligen, notwendigen Finanzmarktregulierungen und die Gründe, warum es bislang damit nicht geklappt hat:

1. Banken brauchen mehr Eigenkapital, damit sie nicht sofort pleite gehen, wenn sie Verluste am Finanzmarkt einfahren. Dagegen sind die Banken, weil das ihre Gewinne senkt.

2. Nötig ist ein Trennbankensystem, das es normalen Geschäftsbanken verbietet, im Finanzmarktcasino mit Rohstoffen, Aktien, Währungen oder Staatsanleihen zu zocken (Idee des ehemaligen Chefs der US-Notenbank Paul Volcker). Dazu ist vor allem das Verbot des „Eigenhandels“ nötig – Geschäftsbanken sollen nur im Kundenauftrag, nicht aus eigenem Profitstreben tätig werden können. Auch muss es Geschäftsbanken verboten sein, Hedgefonds und Private Equity Fonds Geld für ihre Spekulationsgeschäfte zu leihen. Und selbstverständlich müsste es Geschäftsbanken auch verboten sein, Investmentbanken Kredite für die Finanzierung von Finanzmarktspekulationen zu geben (Vorschlag von US-Ökonom Nouriel Roubini). Gegen die Trennung der Banken sind die Europäer, Gegen das Eigenhandels-Verbot die Deutsche Bank, die US-Banken gegen das Kreditverbot von Geschäftsbanken an Investmentbanken.

3. Bei Spekulation mit Rohstoffen müssen die Spekulanten verpflichtet werden, am Ende der Laufzeit der Papiere, die Ware auch abzunehmen (Vorschlag von Unctad-Chefökonom Heiner Flassbeck) Dagegen sind die Spekulanten, die selbstverständlich keine Lagerhäuser für die Spekualtionsware besitzen.

Da alle dieses einfachen Regeln an der kapital-mächtigen Finanzmarkt-Lobby scheitern, müssen also weiter die Bürger über die Staatsverschuldung die Spekulationsverluste der Banken und Fonds finanzieren.

Spekulanten erfolgreich

Für Börsenspekulanten war das Krisenjahr 2009 sehr erfolgreich. Wer sich etwa Am 1. Januar 2009 in einen Aktienfonds einkaufte, der den deutschen Aktienindex (Dax) in seinem Portfolio abbildete, und am 31.12. verkaufte, der hatte einen Gewinn von über 20 Prozent eingestrichen (abzüglich der Kosten des Fonds und – vielleicht – der Steuern auf diesen Gewinn).

Noch mehr Gewinn sackten die Goldspekulanten ein, die innerhalb eines Jahres 30 Prozent Rendite einstrichen. Triebfeder der Spekulationswelle ist das billige Geld aus den „Rettungsfonds“ der Notenbanken. Selbst die Deutsche Bank – einer der Hauptprofiteure des Spekulationsgeschäfts – muss zugeben „Nach unseren Berechnungen schwimmt die Welt schon seit Jahren im Geld“.

Problematisch nur: Der gigantisch wachsenden Geldmenge (allein nach der Pleite der Lehman-Bank wurden in den USA 800 Milliarden Dollar „gedruckt“) steht kein vergleichbarer Warenwert mehr gegenüber.

Quelle: taz 29.12.2009

Geld für Umwelt statt für Spekulanten

Vorschläge für eine klimafreundliche Finanz- und Wirtschaftspolitik machte das gewerkschaftliche Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK):

Ein 30-Milliarden-Staatsprogramm für Investitionen in den Klimaschutz (z.B. für die energetische Sanierung von 2 Prozent der Wohnungen im Jahr, statt nur 1 Prozent derzeit): Dieses Programm würde in der Wirtschaft Folge-Investitionen von 70 Milliarden Euro auslösen und die Arbeitslosenzahl unter 2 Millionen drücken.

Einführung einer Börsenumsatzsteuer, um kurzfristige Spekulationen zu verteuern und stattdessen die Geldanlage in langfristig orientierte Umweltfonds attraktiver zu machen.

Quelle: taz 27.10.2009

Mieter werden an Heuschrecken verkauft

Real Estate Investment Trusts (Reits) heißen börsennotierte Immobilien-Aktiengesellschaften. Diese sind in Deutschland erst seit der letzten Legislaturperiode zugelassen, sie wurden von der großen Koalition erlaubt. Vorher gab es nur auf langfristige Steuervorteile angelegte offene oder geschlossene Immobilienfonds.

Jetzt will die CDU-FDP-Koalition die Reits ausweiten: Anstatt bisher nur für Gewerbeimmobilien sollen nun auch Mietwohnungen an Reits verkauft werden dürfen. Der deutsche Mieterbund befürchtet, dass damit auch Mietwohnungen der Börsenspekulation anheim gegeben werden, dass eine möglichst hohe Rendite zum ausschließlichen Ziel auf dem Wohnungsmarkt wird – mit nachteiligen Folgen für die Mieter.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 16.10.2009

Regulierung senkt Ölpreis

Allein die Ankündigung, dass es schärfere Regeln für Rohstoff-Spekulationen geben soll, sorgte dafür, dass die Ölspekulanten sich zurückzogen und der Ölpreis sank. Die Chigagoer Terminbörse will Überschreitung von sogenannten Positionslimits einzelner Händler schärfer ahnden – durch Strafzahlungen oder Verurteilungen wegen Preismanipulation. Das führte dazu, dass der Ölpreis an einem einzigen Tag um 1,5 Prozent abrutschte.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 15.9.2009

1971: Währungsspekulation beginnt

1944 setzten die USA durch, dass der Dollar Leitwährung der Weltwirtschaft wurde – und verwarfen einen Vorschlag von John Maynard Keynes, der eine goldgedeckte Weltwährung gefordert hatte. 1971 kündigte Präsident Nixon die festen Wechselkurse und die Verpflichtung, Gold in Dollar umzutauschen. Ursache: die Kosten des Vietnamkriegs ließen sich nicht mehr in diesem Rahmen finanzieren.

Es begann die Spekulation mit Währungen (unter anderem wurde hier George Soros reich). 2007 wurden dann täglich 2500 Milliarden Dollar an Devisen gehandelt – 125 Milliarden davon wurden zur Finanzierung der Geschäfte in der Weltwirtschaft gebracht, die restlichen 95 Prozent sind Spekulantengeld.

Die trotzdem weiter bestehehende Doppelrolle des Dollars als Leitwährung und Staatswährung – nunmehr unreguliert – ist wichtige Ursache der aktuellen Krise: Die amerikaner konnten sich mit ihrer überbewerteten Währung den Kredit für ihr gigantisches Handelsbilanzdefizit verschaffen – und China und Deutschland gabe gerne Geld für Dollar-Zertifikate, da ihre Exportindustrie vom US-Markt protifiterte.

Und die Spekulanten sorgten dafür, dass der Dollar immer weiter ausschlug. Dagegen mussten sich die Regierungen der Welt mit 6900 Milliarden Dollar Devisenreserven absichern – innerhalb von nur 10 Jahren stieg dieser Betrag von 5,6 auf 11,7 prozent des weltweiten Sozialprodukts.