Schlagwort-Archive: Finanzkrise

Kein Stress mit dem Stresstest

„…Der Stresstest ist ein Witz, weil er die Finanzmärkte ‚beruhigen‘ soll. Damit steht vorher fest, was hinterher herauskommt. Es müssen ein paar Banken durchfallen, damit der Test realistisch wirkt – aber es dürfen nicht zu viele sein, weil die Investoren sonst in Panik gerieten.

Von den Aufsehern wird also viel verlangt: Sie müssen einen ‚Worst Case‘ simulieren, der den Worst Case einer zweiten Finanzkrise roßräumig vermeidet. Daher wurde … angenommen, dass die Aktienkurse nur um maximal 15 Prozent einbrechen. Das ist lächerlich. Nach der Pleite von Lehman Brothers verloren die Börsen mehr als die Hälfte ihres Wertes. Noch lustiger ist es bei den Staatsanleihen … kommt die Pleite eines Eurolandes … nicht vor. …

Was … hilft? … Eigenkapital deutlich erhöhen… Diese Idee wird aber … hartnäckig bekämpft. Die Banken wollen weiter wie Hedgefonds agieren und mit fremdem Geld den eigenen Gewinn mehren. Das Risiko trägt ja der Steuerzahler.“

Kommentar der „taz“  (18.7.2011) zum sogenannten Banken-Stresstest.

Gutsituierter Protest

In einem Artikel über die Proteste und Protestbewegungen des Jahres 2010 stellt die „taz“ fest (18.12.2010):

„… Protest 2010 war der Protest der Integrierten … sah es überall dort mau aus, wo es tatsächlich existenziell wurde. Drei Beispiele:

Die deutsche und europäische Ausgrenzungspolitik gegen Roma hat kaum für Empörung gesorgt… Auch ist es bewegungspolitisch weder gelungen, die weltweite Finanzkrise als Kapitalismuskrise zu deuten, noch konnten gegen die massiven Sparprogramme der Bundesregiuerng auch nur annähernd nachhaltige Proteste mobilisiert werden. Rente und Pflege, Gesundheit und Hartz IV – der Kern des Wohlfahrtsstaates ist hinter dem berechtigten Geschrei um Schienen und Castoren still verschwunden.“

Griechenland wird nicht gerettet

In einem Interview mit der Frankfurter Rundsschau macht der französische „Star-Ökonom“ Jean-Paul Fitoussi auf ein paar Wahrheiten zu den Themen Europa, Griechenland und Finanzkrise aufmerksam.

Er verweist zunächst darauf, dass Griechenland das gleiche Recht auf einen „Bail-out“, eine staatliche Rettungsaktion habe, wie der Finanzsektor, der ebenfalls mit Staatskrediten gerettet wurde und derzeit kräftige Gewinne mit der griechischen Schuldenkrise macht. Und das „bail-out“ der Banken durch den Staat fand statt, obwohl die Banken nur ihren Profit im Sinn haben und ständig zum Nachteil der Öffentlichkeit handeln.

Dann zählt Fitoussi auf, dass die EU schon die Nicht-Euro-Mitglieder der Gemeinschaft im ehemaligen Ostblock schamlos im Regen stehen lässt und lediglich an die Weltbank verweist.

Und schließlich bestätigt er, dass es die deutsche Lohnzurückhaltung zwecks Exportsteigerung mit war, die Griechenland in das derzeitige Desaster stürzt.

Fitoussis Lösung: eine einheitliche EU-Regierung – auch mit Kompetenz in der Wirtschaftspolitik. Genau das aber will Kanzlerin Merkel, die Schutzheilige der deutschen Exportwirtschaft und der Deutschen Bank, unbedingt verhindern.

Dubai lässt Hochtief-Deal platzen

Der größte Börsengang des Jahres in Deutschland platzte wegen der „Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten“ durch Zahlungsschwierigkeiten des Emirats Dubai. Bis zu einer Milliarde Euro erhoffte sich der Baukonzern Hochtief, der 49 Prozent seiner Aktien an die Börse bringen wollte.

Quelle: taz 5.12.2009

Kinder sterben wegen Lehman-Pleite

Die Weltbank rechnet für dieses Jahr mit 30.000 bis 50.000 toten Kindern in Afrika, die es nicht gegeben hätte, wäre die Bank Lehman Brothers nicht pleite gegangen.
Afrika leidet unter der weltweiten Finanzkrise – insbesondere die Länder, die den Rezepten des internationalen Währungsfonds gefolgt waren und zum Nutzen ausländischer Investoren ihre Volkswirtschaften geöffnet hatte. Derzeit liegen Investitionsprojekte im Wert von 82 Milliarden US-Dollar wegen der Finanzmarktkrise auf Eis. Neuinvestitionen schrumpften von 32,7 auf 26,7 Milliarden Dollar in nur einem Jahr. So kippte der Bergbauriese Rio Tinto in Guinea den Ausbau einer Bauxitmine (6,5 Milliarden Dollar), der Stahlkonzern Arcelor Mittal Investitionen in eine Eisenerzmine in Liberia im Wert von 1,5 Milliarden.
Nach der Finanzkrise litt Afrika besonders unter der dadurch ausgelösten Spekulationswelle mit Lebensmitteln, die die Nahrungsmittelpreise in die höhe trieb. Und noch etwas: das Krisengeld des IWF kommt in Afrika nicht an: 82 Prozent der internationalen Hilfen gegen die Folgen der Finanzkrise gingen in europäische Länder, nur 1,6 Prozent nach Afrika.
Quelle: die tageszeitung (15.9.2009)

3000 Euro schon bezahlt

3000 Euro pro Bundesbürger – von Kleinkindern bis zu Greisen – sind zwischenzeitlich für die Finanzkrise und die daraus folgende Rezession der Realwirtschaft verfrühstückt. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung errechnet.
Die „taz“ (15.9.2009) schreibt dazu, dass die CDU in der kommenden Bundesregierung nach Steuerquellen und Ausgabensenkungen suchen wird, um diese Rechnung zu bezahlen.

1 Jahre Krise – keine Änderung

Die Krise ist ein Jahr alt – wenn man sie mit dem symbolträchtigen Zeitpunkt der Lehman-Pleite datiert. Und an den Finanzmärkten geht alles seinen gewohnten Gang. In der „taz“ (15.9.2009) schreiben Ines Pohl und Reiner Metzger über die Gründe:

Die Gelegenheit zur Reform wurde verpasst… Es gibt keinen Wandel … wie bei den beiden Roosevelt-Präsidenten der USA… Ein Jahr danach wissen wir, wie klein das Reformzeitfenster wirklich ist. Zentralbanker und Finanzminister mussten nach der Lehman-Pleite schnell handeln…
Doch der Preis für die koordinierten Notmaßnahmen war der Friede mit der Finanzwirtschaft. Es wurden und werden keine wirklich nachhaltigen Kriterien auf internationaler Ebene in die Weltwirtschaft eingebaut. Die völlige Fixierung auf ein möglichst hohes Wirtschaftswachstum konnte und kann kein Politiker brechen. Es fehlt jeder Mechanismus, grundlegend neues Denken in die Zonen der Macht eindringen zu lassen. Der ferne Druck der begrenzten Ressourcen der Erde … – so etwas bringt keine Spenden für den Wahlkampf… Auch die Wähler stimmen lieber über Konkretes ab, selbst wenn sie die Hauptlast jeder Krise tragen müssen.

Freche Krisengewinnler

Für Deutsche Bank Chef Ackermann  ist die Krise schon vorbei. Mit 22,6 Prozent Eigenkapitalrendite im ersten Quartal ist er seinem selbstgesteckten Ziel von 25 Prozent schon wieder sehr nahe und kann seinen Aktionären reichlich Dividende versprechen.

Die Bank, die mit ihrem Geschäftsschwerpunkt Investmentbanking die Finanzkrise wesentlich mitverschuldet hat, verdient gerade im Geschäft mit Staatsanleihen, die wegen der der Krise zur Finanzierung von „Rettungsschirmen“ und Konjunkturpaketen ausgegeben werden müssen, richtig viel Geld. 1,8 Milliarden Euro Gewinn im ersten Viertel des Jahres sind viel.

Entsprechend frech führt sich Krisengewinnler Ackermann schon wieder auf: Die „verschärften regulatorischen Vorgaben“ würden künftige Gewinne der Bank erschweren. Soll wohl heißen, dass man weniger Aufsicht will.

Ihre Geschäfte macht die Deutsche Bank übrigens nicht nur mit der verrufenen Investment-Sparte, die jetzt gerade kräftig an den Krisen-Folgen mitverdient. Und auch nicht mit dem Steuerflucht-Geschäft in Offshore-Tochtergesellschaften. Die Deutsche Bank finanziert laut dem Bericht „Bank Secrets“ der belgischen NGO Vlaanderen Netwerk extrem viele „unethische“ Investitionen – vor allem von Bergbau und Energiekonzernen, die laut Entwicklungsorganisation „Urgewald“ in „Kriege, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzung“ verwickelt sind. Freeport (USA), CNPC/Petro China, Anglo-Gold Ashanti (Südafrika), Aveva (Atomkonzern Frankreich) oder Vedanta (Indien) könnten ihre gefährlichen Milliardenprojekte ohne die Finanzierung durch die Deutsche Bank nicht voranbringen.

Quelle: die tageszeitung 27.5.2009

Und jetzt die Staatsanleihen-Blase

Derzeit entsteht wohl die nächste Spekulationsblase. Weil die Staaten zur Bekämpfung der Finanzkrise jede Menge neue Schulden machen und zu diesem Zweck Staatsanleihen an den Finanzmärkten plazieren, hat sich gerade eine Kursblase in diesem Bereicht gebildet.

So sollen allein die Amerikaner infolge der Finanzkrise 4,8 Billionen Dollar Staatsanleihen ausgegeben haben – gefolgt von Japan mit 1,3 Billionen und Großbritannien mit 808 Milliarden. Deutschland ist mit 535 Millionen Dollar dabei und damit unter den G12-Staaten, die insgesamt 10,2 Billionen Dollar auf die Finanzmärkte warfen, eher im Mittelfeld zu finden.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 25.5.2009