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Umfairteilen

Nochmal: Das reichste Prozent der Deutschen besitzt mehr als ein Drittel der Vermögenswerte. Die reichsten 10 Prozent bringen es zusammen auf zwei Drittel. Dagegen verfügt die ärmere Hälfte der Bevölkerung gerade mal über 1,4 Prozent des Vermögens (also etwa ein Siebzigstel). Das sind Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)

Deshalb hat die Initiative aus Gewerkschaften und Sozialverbänden recht, wenn sie fordert „umfairteilen“ und dazu eine stärkere Besteuerung hohere Einkommen und Vermögen vorschlägt. Immerhin wurden seit 1998 die höchsten Einkommensteuersätze von 53 auf 42 Prozent gesenkt, werden derzeit Kapitaleinkommen (Zins- und Spekulationsgewinne) nur mit 25 Prozent besteuert und gibt es keine Vermögenssteuer und nur extrem niedrige Erbschaftssteuern.

Würde der Spitzensteuersatz für Einkommen von mehr als 100.000 Euro jährlich bei Alleinverdienenden von 42 auf 49 Prozent steigen, würde der Staat 1,8 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen. Eine einmalige Vermögensabgabe von 10 Prozent auf alle Vermögen mit einem Wert von über 250.000 Euro bei Alleinstehenden und 500.000 Euro bei Ehepaaren würde 230 Milliarden Euro einbringen.

Quelle: die tageszeitung, 6.8.2012

Alte reich, junge arbeitslos

Jeder sechste junge US-Amerikaner im Alter von 24 bis 35 Jahren  ist arbeitslos (14,4 Prozent) – mehr als doppelt so viele wie im „Vorkrisenjahr“ 2007 (6,1 Prozent). Und unter den Arbeitslosen befinden sich besonders viele junge Männer, da in der Rezession vor allem die Bauindustrie Arbeiter entlässt oder nicht einstellt.

Besser hat es dagegen die ältere Generation: Ein „typischer“ Haushalt, der von über 50-jährigen geführt wird, verfügt über ein Nettovermögen von rund 160.000 US-Dollar – Haushalte von unter 35-jährigen müssen sich mit weniger als 3500 Vermögens-Dollars bescheiden. Diese Kluft ist größer geworden: 1984 verfügten die Haushalte der älteren etwa 10-mal soviel Vermögen wie die Haushalte der jüngeren US-Amerikaner (108.000 Dollar), heute (Daten von 2009) beträgt der Satz das 40-fache.

Quelle: telepolis, 8.11.2011

Amerika verarmt

Aktuelle Daten zur zunehmenden Armut in den USA hat die dortige Statistikbehörde veröffentlicht:

  • Die Zahl der US-Amerikaner ohne Krankversicherung ist 2010 gegenüber 2009 um 900.000 auf 49,9 Millionen gewachsen – trotz der Reform der Krankenversicherung. Die Quote der nicht versicherten US-Amerikaner bleibt bei 16,3 Prozent.
  • Von 2009 auf 2010 hatten 6,6 Millionen Männer und 2,8 Millionen Frauen, die im Vorjahr einen Vollzeitarbeitsplatz hatten, ihre Einkommensgrundlage verloren.
  • Gegenüber 2009 ist 2010 das durchschnittliche Haushalts-Jahreseinkommen um 2,3 Prozent auf 49.445 US-Dollar gefallen.
  • 9,2 Millionen Familien (11,7 Prozent aller Familien) leben unter der Armutsgrenze, die 2010 für eine vierköpfige Familie mit Kindern unter 18 Jahren bei 22.314 US-Dollar Jahreseinkommen liegt.

Quelle: telepolis, 14.9.2011

Revolution der Verarmten

Die „taz“ (9.2.2011) macht darauf aufmerksam, dass die Revolutionen in Ägypten und Tunesien auch wirtschaftliche Ursachen haben. Beide Länder folgten nämlich der kapitalistischen Regel, wonach die „Liberalisierung der Märkte“ und die Privatisierung von staatlichen Aufgaben ein Segen sei. In beiden Ländern war es aber nur eine kleine Elite, die davon profitierte. Der Großteil der Bevölkerung litt unter steigenden Lebensmittelpreisen und Arbeitsplatzverlusten aufgrund des Verschwindens traditioneller Handwerksbetriebe, die der globalen Billigkonkurrenz nicht mehr gewachsen waren. In beiden Ländern wuchs die Kluft zwischen Reich und Arm und die damit auch die Wut auf die Oberschichten, die ihren Reichtum immer ungenierter vor der verarmenden Bevölkerung zur Schau stellten.

Arme Ostdeutsche

Ostdeutsche Haushalte hatten 2008 ein Gesamteinkommen aller im Haushalt lebenden Personen von durchschnittlich monatlich 2292 Euro monatlich. Das ist nicht nur deutlich weniger als Haushalte in den alten Bundesländern haben (3065 Euro) sondern sogar 1 Euro weniger als 2003 (im Westen stieg der Wert um 99 Euro an). Dies ist das Ergebnis der akutellen Haushaltsstichprobe des statistischen Bundesamts für die ausführliche Angaben aus 60.000 Haushalten ausgewertet werden.

Quelle: taz 9.12.2010

Jeder sechste ist arm

Als arm gilt bei Statistikern, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. In Euro ausgedrückt bedeutet dies, dass ein Ein-Personen-Haushalt bei weniger als 801 Euro verfügbarem Einkommen arm ist und ein Vier-Personen-Haushalt ist arm, wenn dort weniger als 1683 Euro pro Monat zur Verfügung stehen.

In Deutschland ist damit im statistischen Schnitt einer von sechs Menschen von Armut bedroht oder tatsächlich arm. Bei alleinerziehenden Familien sind 4 von 10 Menschen arm. Und in den neuen Bundesländern ist jeder fünfte Einwohner von Armut bedroht, im reichen Baden-Württemberg dagegen nur einer von zehn.

Quelle: telepolis

Reiche werden schneller reicher

1979 hatte das reichste Prozent der US-Amerikaner im Durchschnitt das 7,9-fache Einkommen wie die Mittelschicht – das mittlere Einkommens-Fünftel. 10 Jahre später, 2007, war dieser Unterschied auf das 23,9-fache angewachsen.

Im selben 10-Jahres-Zeitraum war das Einkommen des ärmsten Fünftels der Bevölkerung um 16 Prozent gewachsen, das Mittelschicht-Fünftel hatte einen Einkommenszuwachs von 25 Prozent. Dagegen konnte sich das reichste Fünftel der US-Bevölkerung fast eine Einkommens-Verdoppelung (95 Prozent Steigerung) gutschreiben.

Dritte Betrachtung: Das reichste Prozent der US-Haushalte konnte sein Einkommen von ursprünglich 1,3 Millionen US-Dollar jährlich in 10 Jahren um fast eine Million Dollar steigern. Dagegen betrug der Zuwachs beim ärmsten Einkommensfünftel gerade einmal 200 Dollar pro Monat. Wären die Einkommen im selben Maß gestiegen, wie das der Reichen, hätten die Ärmeren 700 Dollar monatlich mehr bekommen müssen.

Quelle: telepolis

Arm und reich

Die 10 Prozent der Bundesbürger mit dem niedrigsten Einkommen, bekommen gerade mal 3,9 Prozent des gesamten Nettoeinkommens in der Bundesrepublik Deutschland. Aber auch wer mehr Einkommen hat, wird noch lange nicht entsprechend seinem Bevölkerungsanteil am Einkommen beteiligt. Selbst die Bundesbürger, die schon oberhalb des Einkommens-Durchschnitts liegen – statistisch nennt man das das sechste Dezil (also die Einkommen zwischen 50 und 60 Prozent des Einkommens, die eigentliche Mittelschicht) bekommt nur 9,4 Prozent des deutschen Gesamt-Nettos. Dagegen bekommen die reichsten 10 Prozent satte 22 Prozent des deutschen Netto-Einkommens.

Armuts- und Reichtumsschwellen liegen in Deutschland bei folgenden Nettoeinkommen:
Single: Armutsschwelle: weniger als 913 Euro netto im Monat. Reichtsumsschwelle: Mehr als 3043 Euro netto monatlich.
Alleinerziehende mit 1 Kind: Armut: weniger als 1187 Euro im Monat; Reichtum mehr als 3957 Euro monatlich
Familie mit 2 Kinder: Armut: weniger als 1917 Euro monatlich, Reichtum: über 6390 Euro netto.

Quelle: Südwest Presse (26.6.2010)

Aufruf zum Aufstand

Wann, wenn nicht jetzt? Wer, wenn nicht wir? Die erste Bürgerpflicht nach Vorlage des schwarz-gelben Spardiktats heißt: Aufstand jetzt! Nicht gegen Haushaltssanierung grundsätzlich. Die ist alternativlos. Aber gegen das einseitige Spardiktat, das Schwarz-Gelb verordnet.
Es richtet sich in aller erster Linie gegen die sozial Schwachen. Die eh am wenigsten haben, sollen am meisten verzichten. Da mögen Merkel und Westerwelle von Fairness und Ausgleich reden, was sie wollen. Fakt ist: Sie lügen. Und noch schlimmer: Sie wissen das…
Die Kanzlerin hat aus Rücksicht auf den Koalitionspartner FDP darauf verzichtet, die Spitzensteuer zu erhöhen … Merkel aber fehlt jede Richtschnur für die Sparorgie. Statt die Krise zu nutzen, um ideengetriebene Politik zu betreiben, zeigt sie sich als Getriebene jener Kräfte, die von der Spaltung der Gesellschaft profitieren − inklusive ihrer politischen Vertretung, der FDP.

Kommentar der Online-Ausgabe der „Frankfurter Rundschau“ zu den Sparplänen

Kinder machen Arm

Haushalte, in denen 4 und mehr Kinder leben sind zu mehr als einem Drittel arm (Stand 2007). 10 Jahre zuvor waren es „nur“ ein Fünftel dieser Haushalte.

Bei 3 Kindern ist heute jeder fünfte Haushalt arm, vor zehn Jahren nur jeder achte. Und selbst bei nur einem Kind im Haushalt ist jeder sechste arm, zehn Jahre zuvor nur jeder zehnte.

Quelle: Die Zeit (18.2.2010)

Haiti, Dominikanische Republik und Deutschland

In einer interessanten Tabelle hat die „taz“ (21.1.2010) aussagekräftige Daten zum wirtschaftlichen Vergleich des nicht-funktionierenden Staates Haiti, dem benachbarten „Entwicklungsland“ Dominikanische Republik und dem Industrieland Deutschland.

  • Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung beträgt in Haiti 690 Dollar, im Nachbarland 4626 Dollar und in deutschland 30.270 Dollar
  • Haitianer werden im Schnitt knapp 60 Jahre alt, ihre Insel-Nachbarn über 70 und die Deutschen knapp 80 Jahre.
  • Nur die Hälfte der Menschen in Haiti kann Lesen und Schreiben, in der Dominikanischen Republik sind es 87% und in Deutschland 99%
  • Vier von fünf Menschen in Haiti leben unter der Armutsgrenze, im Nachbarland sind es 42,2 Prozent und in Deutschland 11%
  • Ein Haitianer verbraucht im Jahr 30 Kilowattstunden Strom, der Nachbar im anderen Inselstaat schon 1300 Kilowatt und ein Deutscher 6600 Kilowatt
  • Das Land Haiti verfügt über „Währungs und Goldreserven“ im Wert von 710 Millionen US-Dollar, die Dominikaner als Staat über 2,29 Milliarden Dollar und Deutschland über 183 Milliarden Dollar

Armes Weltdorf

In ihrer neuesten Großgrafik beschäftigt sich „Die Zeit“ (5.11.2009) mit dem „Weltdorf“ und bereitet einige statistische Basisdaten zur Globalisierung auf:

  • 18 von 100 Menschen auf diesem Planeten haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 38 haben keine Sanitäranlagen (z.B. Toiletten). Umgerechnet in absolute Zahlen sind dies 1,2 Milliarden Menschen ohne sauberes Trinkwasser und 2,5 Milliarden ohne sanitäre Einrichtungen.
  • 1 Prozent der Menschheit ist obdachlos (bei derzeit 6,8 Milliarden Menschen bedeutet dies 68 Millionen Obdachlose), ebensoviele sind auf der Flucht.
  • 5 Prozent der Menschheit lebt in Ländern, in denen Krieg herrscht, 340 Millionen Menschen sind davon betroffen, 4 Prozent sind bei den jeweiligen Landesbehörden als arbeitslos gemeldet.
  • 46 von 100 Menschen auf der Erde leben von weniger als 2,50 Dollar am Tag – 3,1 Milliarden. 14 Prozent der Menschheit hungert (950 Millionen) und 13 Prozent sind Analphabeten (880 Millionen).
  • Die Hälfte der Menschheit lebt schon in Städten, 15 Prozent (1 Milliarde) in Slums.

Mehr kann man hier nachlesen, bzw. nachsehen

90 Millionen Arme mehr

Ende 2010 werden wegen der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise weltweit 90 Millionen Mehr extrem arm sein. Diese Folgen der geplatzten Spekulationsgeschäfte machten IWF und Weltbank bei einem Treffen des gemeinsamen Entwicklungsauschusses der beiden Organisationen aus.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 6.10.2009

Reiche haben Sorgen

Als „zynisch“ empfindet die Kommentatorin Sibylle Haas von der „Süddeutschen Zeitung“ (27.8.2009) die Sorgen der Reichen, die das DIW ermittelt hat. Angesichts von Monats-Nettoeinkommen, die bei reichen Singles bei 2600 Euro beginnen (vierköpfige Familien 5460 Euro netto monatlich), seien die Sorgen von Schickedanz, Schaeffler und Co. vor sozialem Abstieg doch so, dass sie jeder Normalarbeitnehmer gerne haben möchte.

Denn die Realität der Niedriglöhner mit weniger als 10 Euro pro Stunde Lohn (brutto!), der Kurzarbeiter und der Normalarbeitnehmer, die beispielsweise im öffentlichen Dienst laut Bundesfinanzplan nicht mehr als 1 Prozent jährlich Lohnzuwachs bekommen dürfen, sieht anders aus. „Von der Genügsamkeit der Masse können die besorgten Reichen eine Menge lernen“ schreibt die Kommentatorin unter Bezug auf die sinkenden Reallöhne während der Boomjahre 2004 bis 2008 als die Gewinne der Reichen explodierten. Der Anteil der Reichen in der Bevölkerung stieg in dieser Zeit von 5 auf 7 Prozent. Aber nur 1 Prozent der Deutschen bezeichnet sich als „sorgenfrei reich“ – in der Regel ältere Paare ohne Kinder aus Westdeutschland mit eigenem Haus und 400.000 Euro Vermögen. Diese sorglos Reichen sind übrigens zu mehr als der Hälfte höhere Beamte oder leitende Angestellte im öffentlichen Dienst.

Strafe statt Hilfe

Georg Rammer, lange Zeit als Psychologe in der Kinder- und Jugendhilfe tätig, engagiert sich bei Attac gegen Kinderarmut und schreibt in der „taz“ (29.7.2009):

Der Bundestag hat einen runden Tisch einberufen, um Unrecht und Leid aufzuarbeiten, das Heimkindern vor 40 bis 50 Jahren angetan wurde. … Seither hat sich die soziale Arbeit … verbessert, dennoch versagt die Kinder- und Jugendhilfe auch heute, weil sie wie vor 50 Jahren in dem Denkfehler verharrt, für die Entwicklungsschäden von Kindern seien allein deren Eltern verantwortlich. Politische Entscheidungen, welche Probleme in den Familien erst verursachen werden ignoriert. Die Kinder- und Jugendhilfe macht sich damit zur Bad Bank der menschlichen Kosten, die auf eine Spaltung in Arm und Reich zurückzuführen sind. …
Inzwischen leben 2,5 Millionen Kinder an der Armutsschwelle. Rund 2 Millionen Minderjährige sind auf Hartz IV angewiesen …
Der Sozialwissenschaftler Hurrelmann … warnte: „Kinder können offensichtlich ein weiteres Auseinanderklaffen der Gesellschaft nicht verkraften“. Er schrieb das 1995, lange bevor die Aufspaltung in Arm und Reich durch die Agenda 2010 und Hartz IV eine Zuspitzung erfahren hat. …
Doch als verantwortlich für die Probleme der Kinder gelten stattdessen allein die Eltern … Kinder werden viel häufiger als noch vor wenigen Jahren gegen den Willen ihrer Eltern aus der Familie genommen. So bekommen Jugendämter wieder den Charakter von Eingriffsbehörden, die statt Hilfe Kontrolle und Strafe zu bieten haben.
Dieser Trend wird durch das Kinderschutzgesetz verstärkt, das vom Bundesfamilienministerium ausgearbeitet wurde. … Der Gesetzentwurf belebt den Geist der 1950er-Jahre wieder, der „Unterschichtseltern“ zu Versagern stempelt …
Die Politik rüstet sich für die absehbaren Folgen der Wirtschaftskrise und gegen die Opfer der wachsenden Ungerechtigkeit. Schon fordert der hessische Innenminister (wie auch der Berliner Innensenator) geschlossene Heime für „kriminelle Kinder“…