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Kündigungsliste

Noch immer arbeitet die Schlecker-Drogeriemarktkette ihre internen Kündigungslisten ab. Wer Betriebsratsmitglied ist oder langjährig beschäftigt, der muss mit „leistungsbedingten“ Abmahnungen rechnen, damit die Firma Gründe zur Kündigung in die Hand bekommt. Die 20-seitige Liste stammt aus dem Jahr 2009 und wurde auf Veranlassung von Personaldirektor Michael Strisciulli erstellt.

Quelle: taz 2.5.2011

Geisterdebatte zur Leiharbeit

Es war im Jahr 2003 als das Gesetzespaket „Hartz II“ von der damaligen rot-grünen Bundestagsmehrheit und unter Zustimmung der damaligen schwarz-gelben Opposition verabschiedet wurde. Kerngedanke war es, die Leiharbeit für Unternehmen attraktiver zu machen – weil so angeblich Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose geschaffen werden sollten. Hartz II waren im wesentlich 2 Maßnahmen: Die Abschaffung des vorher geltenden so genannten Synchronisationsverbotes ermöglichte es Leiharbeitsfirmen Arbeitnehmer genau so lange zu beschäftigen, wie das Unternehmen, das sie ausleiht, die Leiharbeitnehmer benötigt. Damit entfiel für Leiharbeitsfirmen das unternehmerische Risiko, Arbeitnehmer auch dann beschäftigen zu müssen, wenn gerade kein Ausleih-Auftrag da war. Und der zweite Teil des Gesetzes war die Abschaffung der zeitlichen Begrenzung für Leiharbeiter-Beschäftigung (vorher: sechs Monate).

Logisch, dass vor allem Konzerne schnell erkannten, welches Lohndrücker-Potenzial in der neuen Leiharbeit steckte: Überall wurden konzerninterne und konzernübergreifende Leiharbeitsfirmen gegründet, die nur einen Zweck hatten: entlassenen Stamm-Arbeitnehmern die bisherige Arbeit zu halbiertem Lohn anzubieten.

Deshalb ist die Aufregung um Schleckers XL-Märkte und die Leiharbeitsfirma „Meniar“ (die von einem früheren Schlecker-Personalchef geführt wird) scheinheilig. Das war und ist Ziel der „Hartz II“-Gesetze.

Schlecker drückt Löhne

16.500 Filialen mit 35.000 Beschäftigten zählt der Schlecker-Drogeriemarktkonzern. Vor den deutschen Arbeitsgerichten wird gerade offenbar, wie der Konzern, der offenbar in Finanzierungsschwierigkeiten steckt, sich sanieren will: Von 1998 bis 2008 zahlte Schlecker nach einem langwierigen Gerichtsverfahren seinen Beschäftigten den Tariflohn von 9,87 bis 12,34 Euro pro Stunde. Jetzt werden diese Mitarbeiter gekündigt (mit dem Argument, dass die kleinen Schecker-Filialen durch sogenannte XL-Märkte ersetzt werden sollen) und man stellt „Aushilfskräfte“ ein, die lediglich für eine Woche zum Stundenlohn von 6,78 Euro beschäftit werden.

Damit wird nicht nur der Tarifvertrag unterlaufen (was bei Nicht-Gewerkschaftsmitgliedern rechtlich zulässig ist) sondern auch die Mitbestimmung der Betriebsräte bei Einstellungen: Wenn diese die Einstellung der Wochenlöhnerinnen verweigern, folgt ein Gerichtsverfahren, das so lange dauert, dass die Betroffenen längst wieder weg sind, ehe das Arbeitsgerichtsurteil gesprochen ist.

Quelle: taz 10.10.2009

Schlecker macht frech weiter

Die Schlecker-Drogeriemärkte verändern sich: In den nächsten Jahren sollen laut Gewerkschaft ver.di 4000 Kleinfilialen mit 12.000 Mitarbeiterinnen geschlossen werden – allein heuer sollen es schon 600 gewesen sein. Aufmachen will der Ehinger Unternehmer Anton Schlecker dagegen so genannte XL-Märkte mit größerer Fläche, größerem Sortiment und – tatsächlich – mehr Mitarbeitern.

Die allerdings sind die Gekniffenen: Galt in den Kleinfilialen ein nach jahrelangen Auseinandersetzungen mühsam von ver.di erkämpfter Anerkennungstarifvertrag, der den Schlecker-Mitarbeitern die – niedrigen – Handels-Löhne sicherte, sollen sie künftig für 6,50 bis 8 Euro die Stunde in den XL-Märkten arbeiten. Das sind bis zu 50% unter dem Tarifniveau. Aber die Mitarbeiter, die dem Drogeriemarkt-Milliardär seinen Reichtum erwirtschafen haben keine Wahl – sie können sich ja nicht in die Erwerbslosigkeit abmelden.

Insofern: Die Schlecker-Mitarbeiter haben allen Grund zu streiken: Für Tarifbindung auch in den XL-Märkten! Und als Kunden können wir das mit unserem Einkaufsverhalten unterstützen!