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Umfairteilen

Nochmal: Das reichste Prozent der Deutschen besitzt mehr als ein Drittel der Vermögenswerte. Die reichsten 10 Prozent bringen es zusammen auf zwei Drittel. Dagegen verfügt die ärmere Hälfte der Bevölkerung gerade mal über 1,4 Prozent des Vermögens (also etwa ein Siebzigstel). Das sind Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)

Deshalb hat die Initiative aus Gewerkschaften und Sozialverbänden recht, wenn sie fordert „umfairteilen“ und dazu eine stärkere Besteuerung hohere Einkommen und Vermögen vorschlägt. Immerhin wurden seit 1998 die höchsten Einkommensteuersätze von 53 auf 42 Prozent gesenkt, werden derzeit Kapitaleinkommen (Zins- und Spekulationsgewinne) nur mit 25 Prozent besteuert und gibt es keine Vermögenssteuer und nur extrem niedrige Erbschaftssteuern.

Würde der Spitzensteuersatz für Einkommen von mehr als 100.000 Euro jährlich bei Alleinverdienenden von 42 auf 49 Prozent steigen, würde der Staat 1,8 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen. Eine einmalige Vermögensabgabe von 10 Prozent auf alle Vermögen mit einem Wert von über 250.000 Euro bei Alleinstehenden und 500.000 Euro bei Ehepaaren würde 230 Milliarden Euro einbringen.

Quelle: die tageszeitung, 6.8.2012

Zwangsanleihe

Es wurde zwar schon oft in der Geshichte praktiziert – in verschiedenen Ländern – doch in der aktuellen Debatte wird so getan, als sei dieses Mittel zur Staatsfinanzierung Teufelszeug. Es geht um das Instrument der Zwangsanleihe bei Vermögenden. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW hat nun eine Arbeit veröffentlicht, in der die Wirkungen einer solchen Zwangsanleihe untersucht werden.

Überraschend: Wenn in Deutschland alle Vermögen über 250.000 Euro pro Person (über 500.000 Euro bei Ehepaaren) mit einer solchen Zwangsabgabe belegt würden, kämen bei einem Zwangsanleihesatz von 10 Prozent auf das Vermögen, das über dem Freibetrag liegt immerhin stolze 230 Milliarden Euro zusammen. Die Studie des DIW liefert mehr Hintergrund dazu, ebenso der teleplis-Autor Alexander Dill, der sich ebenfalls für eine solche Zwangsabgabe der Reichen ausspricht.

Quelle: telepolis, 11.7.2012

Lohnquote sinkt weiter

Durch die Finanzmarktkrise von 2008 wurde der langjährige Trend, dass der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen zurückgeht und der Anteil der Kapitaleinkommen aus Anlagegeldern stetig wächst nur kurz unterbrochen. Wie der Verteilungsbericht des DGB-Nahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) ausweist, ist die Nettolohnquote weiter gesunken und beträgt nunmehr nur noch 42 Prozent des Volkseinkommens. Im Jahr 1991 hatte dieser Anteil noch deutlich höher gelegen (49 Prozent) und in den 1960er-Jahren wurden sogar rund 55 Prozent der Einkommen aus nichtselbständiger Arbeit generiert.

Quelle: telepolis, 2.12.2011

Alte reich, junge arbeitslos

Jeder sechste junge US-Amerikaner im Alter von 24 bis 35 Jahren  ist arbeitslos (14,4 Prozent) – mehr als doppelt so viele wie im „Vorkrisenjahr“ 2007 (6,1 Prozent). Und unter den Arbeitslosen befinden sich besonders viele junge Männer, da in der Rezession vor allem die Bauindustrie Arbeiter entlässt oder nicht einstellt.

Besser hat es dagegen die ältere Generation: Ein „typischer“ Haushalt, der von über 50-jährigen geführt wird, verfügt über ein Nettovermögen von rund 160.000 US-Dollar – Haushalte von unter 35-jährigen müssen sich mit weniger als 3500 Vermögens-Dollars bescheiden. Diese Kluft ist größer geworden: 1984 verfügten die Haushalte der älteren etwa 10-mal soviel Vermögen wie die Haushalte der jüngeren US-Amerikaner (108.000 Dollar), heute (Daten von 2009) beträgt der Satz das 40-fache.

Quelle: telepolis, 8.11.2011

Bankenrettung für Reiche

„…Wie viel genau die WestLB kosten wird, ist nicht abzusehen. 77 Milliarden ihrer Ramschwerte wurden bereits in eine Bad Bank ausgelagert… an den verschiedenen Schrumpfvarianten für die WestLB fällt auf, dass sie eines gemeinsam haben: Sie alle wollen noch mehr Papiermüll zur Bad Bank verschieben…

Haften werden die Steuerzahler. So war es auch bei der Hypo Real Estate, der Commerzbank, der IKB und diversen weiteren Landesbanken…

Warum eigentlich? Schließlich profitieren längst nicht alle… Wer eine Bank rettet, rettet das Vermögen ihrer Kunden. Besitz ist in Deutschland jedoch sehr ungleich verteilt. Das reichste Hundertstel kommt bereits auf 23 Prozent des gesamten Eigentums. Diesen Superreichen vor allem nutzt es, wenn der Staat die Banken stützt. Für diesen Dienst könnnten die Millionäre ruhig zahlen.

Die Grünen zum Beispiel schlegen eine Vermögensabgabe vor… Die OECD kritisiert immer wieder, dass Deutschland Vermögen zu niedrig besteuert…“

Kommentar der „taz“ (17.2.2010)

Luxuswaren

36 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Luxuswaren werden von französischen Firmen gemacht – 23 Prozent in den USA und 13 Prozent in Italien. Die 36 Prozent entsprechen 35 Milliarden Euro, was in der französischen Wirtschaft mehr ist als aus der dortigen Luft- und Raumfahrtindustrie.

Der Markt mit 200.000 Beschäftigten und 40.000 Firmen wird beherrscht von zwei großen Konzernen: LVMH mit Marken wie Louis Vutton, Moet Hennessy, Dior, Kenzo, Givenchy, Tag Heuer, Dom Pérignon und PPR mit Marken wie Gucci und Yves Saint Laurent. Marken wie Hermès, Chanel und L’Oréal sind noch selbstständig. Das Vermögen von LVMH-Chef Bernard Arnault wird auf 23 Milliarden Euro geschätzt.

Frankreichs Erfolg mit Luxuswaren hat eine Tradition, die zu den absolutistischen Königen im 17. Jahrhundert zurückreicht und heute davon profitiert, dass die Neureichen aus Russland und China nach Frankreich zum Einkaufen fliegen. Diese bringen soviel Geld mit, dass beispielsweise Louis Vutton Läden seit kurzem eine Stunde früher schließen, um nicht jeden Tag leer gekauft zu werden.

Während der Luxus boomt sank in Frankreich der Anteil der Industrie an der Wertschöpfung des Landes zwischen 1998 und 2008 von 22 auf 16 Prozent.

Quelle: Die Zeit 30.9.2010

Reiche werden schneller reicher

1979 hatte das reichste Prozent der US-Amerikaner im Durchschnitt das 7,9-fache Einkommen wie die Mittelschicht – das mittlere Einkommens-Fünftel. 10 Jahre später, 2007, war dieser Unterschied auf das 23,9-fache angewachsen.

Im selben 10-Jahres-Zeitraum war das Einkommen des ärmsten Fünftels der Bevölkerung um 16 Prozent gewachsen, das Mittelschicht-Fünftel hatte einen Einkommenszuwachs von 25 Prozent. Dagegen konnte sich das reichste Fünftel der US-Bevölkerung fast eine Einkommens-Verdoppelung (95 Prozent Steigerung) gutschreiben.

Dritte Betrachtung: Das reichste Prozent der US-Haushalte konnte sein Einkommen von ursprünglich 1,3 Millionen US-Dollar jährlich in 10 Jahren um fast eine Million Dollar steigern. Dagegen betrug der Zuwachs beim ärmsten Einkommensfünftel gerade einmal 200 Dollar pro Monat. Wären die Einkommen im selben Maß gestiegen, wie das der Reichen, hätten die Ärmeren 700 Dollar monatlich mehr bekommen müssen.

Quelle: telepolis

Arm und reich

Die 10 Prozent der Bundesbürger mit dem niedrigsten Einkommen, bekommen gerade mal 3,9 Prozent des gesamten Nettoeinkommens in der Bundesrepublik Deutschland. Aber auch wer mehr Einkommen hat, wird noch lange nicht entsprechend seinem Bevölkerungsanteil am Einkommen beteiligt. Selbst die Bundesbürger, die schon oberhalb des Einkommens-Durchschnitts liegen – statistisch nennt man das das sechste Dezil (also die Einkommen zwischen 50 und 60 Prozent des Einkommens, die eigentliche Mittelschicht) bekommt nur 9,4 Prozent des deutschen Gesamt-Nettos. Dagegen bekommen die reichsten 10 Prozent satte 22 Prozent des deutschen Netto-Einkommens.

Armuts- und Reichtumsschwellen liegen in Deutschland bei folgenden Nettoeinkommen:
Single: Armutsschwelle: weniger als 913 Euro netto im Monat. Reichtsumsschwelle: Mehr als 3043 Euro netto monatlich.
Alleinerziehende mit 1 Kind: Armut: weniger als 1187 Euro im Monat; Reichtum mehr als 3957 Euro monatlich
Familie mit 2 Kinder: Armut: weniger als 1917 Euro monatlich, Reichtum: über 6390 Euro netto.

Quelle: Südwest Presse (26.6.2010)

Echte Millionäre

Ein „investierbares Vermögen“ ist der Geldbesitz, der nicht im eigenen Haus, nicht im Besitz von Konsumgütern (z.B. Autos, Möbel) und auch nicht in Sammlungen (z.B. Bilder, Briefmarken) steckt – also frei verfügbares Vermögen. Demnach sind echte Dollar-Millionäre solche, die ein „investierbares Vermögen“ von mehr als einer Million Dollar ihr eigen nennen.

In Deutschland lebe 810.000 solcher echter Dollar-Millionäre. Das ist Platz 3 auf der Welt (nach den USA 2,46 Millionen Dollar-Millionäre) und Japan (1,37 Millionen) und gemessen an der Bevölkerungszahl wohl die höchste Dichte „echter Dollar-Millionäre“ der Welt.

Quelle: Die Zeit, 17.6.2010

Reiche deutsche Millionäre

Die „taz“ (12.3.2010) macht auf einen Nebenaspekt zu den Meldungen aufmerksam, dass es weltweit wieder mehr als 1000 Dollar-Milliardäre gebe.

…haben die deutschen reichsten zehn Prozent der Bevölkerung ein Vermögen von etwa 4 Billionen Euro angsammelt, laut einer Studie des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Das ist weit mehr als alle Milliardäre der Welt zusammen. Wenn zum Beispiel der deutsche Staat nach Potenzialen zum Stopfen seiner Haushaltslöcher sucht, so braucht er weder nach den Reichen in Übersee noch nach den Bedürftigen im eigenen Land schielen – es gibt genug Vermögende in seinem Hoheitsbereich. Denn eine wirklich interessante Liste fehlt noch im alljährlichen Hitparadenreigen: die der Rekordsteuerzahler. Dann könnte man vergleichen, ob sich auch dort all die Milliardäre und Millionäre angemessen wiederfinden.

Klare Worte

Beim diesjährigen Weltsozialforum in Porto Allegre wurden Wege aus der kapitalistischen Wachstumswirtschaft gesucht. Dazu veröffentliche die taz einen Bericht (28.1.2010), in dem sich die beiden folgenden Zitate finden:

Für den Übergang zu einer nichtkapitalistischen Ordnung brauchen wir ein Bündnis zwischen den Unzufriedenen und den Enteigneten.

(David Harvey, Stadtforscher)

Das Finanzkapital ist unser gemeinsamer Feind

(Susan George, Attac)

Und noch eine interessante Zahl, die George in dem Artikel liefert: Die reichsten 8,5 Millionen Menschen auf der Welt (= jeder 1000. Mensch) besitzen ein Vermögen von 38 Trillionen Dollar, von denen ein Drittel in Steueroasen versteckt ist.

Teure Villa wegen Krise nicht verkauft

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ meldet streiten sich eine brasilianische Bankierswitwe und ein russischer Oligarch derzeit vor einem französischen Gericht um 39 Millionen Euro. Das Geld hatte der Russe als „Anzahlung“ für den Kauf der teuersten Villa der Welt gezahlt. Doch die Finanzkrise verhagelte dem Milliardär den 390 Millionen Euro teuren Kauf. Doch die Brasilianerin, die zuerst nicht verkaufen wollte, dann wegen des hohen Preises das Luxus-Anwesen doch veräußern wollte, will die „Anzahlung“ nun behalten – was angeblich nach französischem Recht legal sei – und die Villa nun auch nicht mehr hergeben. Sie hat zwischenzeitlich ihr Hauspersonal (Köche, Gärtner, Wachleute) wieder eingestellt.

Quelle: SZ-Online

Superreiche mit geringem Steuersatz

Wer zum reichsten tausendstel der Bevölkerung Deutschlands gehört hat ein Monatseinkommen von mehr als 50.000 Euro (das verdient ein gut verdienender Angestellter im Jahr) und zahlt darauf durchschnittlich 36 Prozent Einkommenssteuer.

Wer zum obersen hundertstel der Bevölkerung gehört verdient monatlich mehr als 15.000 Euro und zahlt auch nicht mehr Steuern. Dabei liegt der Spitzensteuersatz offiziell doch bei 42 Prozent (während er vor 25 Jahren noch bei 53 Prozent lag).

Wer zu den obersten 5 Prozent gehört verdient übrigens rund 7.500 Euro monatlich. Und wer im Monatsdurchschnitt 5250 Euro verdient (inklusive Weihnachts- und Urlaubsgeld), der zählt schon zu den 10 Prozent der Bevölkerung, die zu den Spitzenverdienern mit Höchststeuersatz gehören.

Zum oberen Fünftel in der Einkommenspyramide zählt schon, wer im Monatsdurchschnitt 3250 Euro versteuern muss.

Dagegen verdienten 40 Prozent der Steuerpflichtigen im Jahr 2005 inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld durchschnittlich gerade einmal 1900 Euro brutto. Und beim unteren Drittel sinkt das Monatseinkommen auf nicht einmal 1500 Euro.

Klar, dass diese Niedriglöhner fast keinen Beitrag zum staatlichen Einkommenssteueraufkommen leisten können (dafür aber mit ihrem Anteil mehr als die Hälfte der Sozialversicherung finanzieren). Dagegen zahlen die oberen 10 Prozent zwar mehr als die Hälfte der Einkommenssteuer – wie der Durchschnittssteuersatz zeigt, aber nicht entsprechend der Gesetze. Es gibt offentlich viele Steuerschlupflöcher.

Quelle: taz 23.11.2009

Lastenausgleich wäre eine Möglichkeit

Karl-Martin Hentschel, bis vor kurzem Landtagsabgeordneter der Grünen in Schleswig-Holstein, macht in der „taz“ (9.11.2009) einen interessanten Vorschlag zur Tilgung der derzeit 1,6 Billionen Euro staatlicher Schulden. Er erinnert an den „Lastenausgleich“ der Nachkriegsjahre und daran, dass die Möglichkeit eines solchen Lastenausgleichs auch nach der deutschen Wiedervereinigung erwogen wurde.

Interssant, dass 1992 diese Idee von Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Arbeitsminister Norbert Blüm und der damaligen stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Angela Merkel befürwortet wurde – schließlich aber an Finanzminister Theo Waigel (CSU) und dem FDP-Vorsitzenden Otto Graf Lambsdorff scheiterte – mit der Folge, dass die deutsche Einheit mit über 1,5 Billionen Euro Schulden finanziert wurde (vorwiegend aus den Sozialversicherungen, deren Beiträge dadurch stiegen).

1948 bezahlten die Besitzer von Geldvermögen (z.B. Sparbücher) die Kriegsfolgen bei der Währungsreform mit einem Vermögensverlust von 90 Prozent. Sonstige Vermögen wurden dann mit einer Lastenausgleichsabgabe von 50 Prozent belegt, die dann innerhalb 30 Jahren abzuzahlen waren. Hentschel nennt diese Vermögens-Umverteilung als Ursache des Booms der 1950er-Jahre.

Übertragen auf heutige Gegebenheiten meint der Autor, dass ein „Lastenausgleich von etwa 16 Prozent reichen würde – was bei einer Streckung auf 30 Jahre und einem Schuldzinsendienst von 4 Prozent pro Jahr einer Anfangsbelastung von 0,9 Prozent der großen Vermögen entsprechen würde – Vermögen, die sich seit 1990 verdoppelt haben!

Wegen der Tatsache, dass heute – anders als 1952 – die Hälfte der Bevölkerung ein Haus oder eine Wohnung als Eigentum besitzt schlägt Hentschel vor, den „Lastenausgleich“ progressiv zu staffeln. Die ersten 20.000 Euro Vermögen könnten ganz abgabenfrei bleiben und ab 500.000 Euro sollte eine Spitzenabgabe von 25 Prozent gezahlt werden (die Hälfte des Satzes der 1950er-Jahre).

Reiche Deutsche

Unter 1000 Deutschen sind fast 10 (genau: 9,9), die im Jahr 2008 über ein investierbares Kapital von mindestens einer Million US-Dollar verfügten. Das sind deutlich mehr Superreiche als in den USA (7,7 auf 1000 Einwohner) oder England (5,8). Relativ die meisten Superreichen gibt es in der Schweiz, wo 24,4 von 1000 Einwohnern soviel verfügbares Geld haben.

Anders als in USA und England gibt es in Deutschland keine Vermögenssteuer mehr. Diese wurde in den 1990er-Jahren abgeschafft.

Quelle: Frankfurter Rundschau 15.9.2009

Reiche haben Sorgen

Als „zynisch“ empfindet die Kommentatorin Sibylle Haas von der „Süddeutschen Zeitung“ (27.8.2009) die Sorgen der Reichen, die das DIW ermittelt hat. Angesichts von Monats-Nettoeinkommen, die bei reichen Singles bei 2600 Euro beginnen (vierköpfige Familien 5460 Euro netto monatlich), seien die Sorgen von Schickedanz, Schaeffler und Co. vor sozialem Abstieg doch so, dass sie jeder Normalarbeitnehmer gerne haben möchte.

Denn die Realität der Niedriglöhner mit weniger als 10 Euro pro Stunde Lohn (brutto!), der Kurzarbeiter und der Normalarbeitnehmer, die beispielsweise im öffentlichen Dienst laut Bundesfinanzplan nicht mehr als 1 Prozent jährlich Lohnzuwachs bekommen dürfen, sieht anders aus. „Von der Genügsamkeit der Masse können die besorgten Reichen eine Menge lernen“ schreibt die Kommentatorin unter Bezug auf die sinkenden Reallöhne während der Boomjahre 2004 bis 2008 als die Gewinne der Reichen explodierten. Der Anteil der Reichen in der Bevölkerung stieg in dieser Zeit von 5 auf 7 Prozent. Aber nur 1 Prozent der Deutschen bezeichnet sich als „sorgenfrei reich“ – in der Regel ältere Paare ohne Kinder aus Westdeutschland mit eigenem Haus und 400.000 Euro Vermögen. Diese sorglos Reichen sind übrigens zu mehr als der Hälfte höhere Beamte oder leitende Angestellte im öffentlichen Dienst.

Reiche sahnen ab

Im Jahr 2008 – zu Beginn der aktuellen Weltwirtschaftskrise –  bekamen 0,01 Prozent der US-Bevölkerung – etwa 30.000 Menschen – sagenhafte 6 Prozent des Volkseinkommens – 840 Milliarden Dollar. Dies ist der höchste in der Geschichte gemessene Wert.

Zum Vergleich: 1929 – zu Beginn der größten Weltwirtschaftskrise des vorigen Jahrhunderts – brachten es die Superreichen nur auf 5 Prozent des Volkseinkommens.

Ausgelöst durch die Rooseveltschen Sozialreformen folgten dann 50 Jahre des sozialen Ausgleichs in den USA – die Superreichen mussten sich mit kaum mehr als einem Prozent am Volkseinkommen bescheiden – bis 1981 der marktradikale Republikaner Ronald Reagan Präsident wurde. Sofort schnellte der Anteil, den die 0,01 Prozent der Superreichen US-Bürger vom Volkseinkommen einstrichen nach oben – bis eben zum Beginn der aktuellen Krise 2008

Quellen: Die Zeit 20.8.2009, deutsche Wikipedia (Artikel zu USA und Reagan)