Schlagwort-Archive: Notenbanken

Manipuliert Notenbank die Aktienkurse nach oben?

Der derzeitige Boom der Aktienkurse könnte möglicherweise darauf zurückzuführen sein, dass die amerikanische Notenbank „Federal Reserve“ (Fed) seit einem dreiviertel Jahr massiv als Aktienaufkäufer auftritt.

Dies vermutet die Internet-Zeitschrift „telepolis“ in diesem Artikel und liefert dazu einige Indizien: Die US-Unternehmen hätten neue Aktien im Wert von 300 Milliarden US-Dollar ausgegeben – davon seien nur 17 Milliarden von inländischen und 109 Milliarden von ausländischen Investoren gekommen. Ein weiteres Indiz sei, dass sich die „Fed“ weigere, ihre Bilanzen offenzulegen, trotz eines Gerichtsbeschlusses, den die Nachrichtenagentur Bloomberg erwirkte.

Und schließlich hätten sich führende Finanzpolitiker der demokratischen Partei entsprechend geußert.

Kräftige Gewinne bei Bankenrettung

Die US-Notenbank (Federal Reserve – „Fed“) hat seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor 2 Jahren offenbar einen Gewinn von 14 Milliarden Dollar aus ihren Verleihaktionen an Banken erwirtschaftet. Auch der amerikanische Staat soll an seinen Rettungsaktionen verdient haben – 1,4 Milliarden Dollar von Goldman Sachs, 1,3 Milliarden von Morgan Stanley – durch den Rückverkauf der im Zuge der Stützungsaktionen übernommen Bankaktien. Allerdings haben die USA noch große Risiken im Rettungsportfolio: den Versicherer AIG und die Immobilienbanken „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ sowie die Autokonzerne General Motors und Chrysler.

In Deutschland geht es bescheidener zu. Der Bankenrettungsfonds Soffin hat bislang 320 Millionen Euro Gebühren für seine Bankgarantien von 130,7 Milliarden eingenommen. Und ob man die 22 Milliarden für die Hypo Real Estate und die Commerzbank wiedersieht ist fraglich. Hohes Risiko, geringe Einnahmen ist also das schlechte Staatsgeschäft.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 1.9.2009

Inflation – Gefahr oder nicht?

„Die Zeit“ (Nr. 24, 4.6.200) riss eine Debatte zur Inflationsgefahr an. Befürworte Uwe Jean Heuser wies darauf hin, dass derzeit nicht nur die Rohstoffpreise kräftig anziehen, sondern die geplatzten Finanzblasen vor allem darauf zurückzuführen waren, dass die Notenbanken mit einer Niedrigzinspolitik zuviel Liquidität in die Geldmärkte gepumpt hatten und dieses „Mehr vom Alten“ jetzt durch die staatlichen Bankenstützungen noch verstärkt würde.

Demgegenüber meinte Mark Schieritz, dass keine Inflationsgefahr bestünde, weil die Finanzblasen nicht durch Notenbank-Geld befeuert wurden, sondern durch die Privatkredite, die Banken den Spekulanten gewährten. Der Fehler sei also nicht die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank gewesen, sondern die Weigerung des damaligen Fed-Chefs Greenspan, die Finanzmärkte zu regulieren. Inflation sei auch ausgeschlossen, weil das japanische Beispiel zeige, dass trotz hoher Staatsverschuldung (prozentual doppelt soviel wie in Deutschland) die Preise nicht stiegen und deshalb die Geldgeber bei der Refinanzierung von Staatskrditen die Zinsschraube auch nicht anzögen.

Man darf also auch hier gespannt sein, wer recht hat – Optimisten oder Pessimisten.

Pfandbrief-Krise

Da hat ist sie aber ins Fettnäpfchen getreten – unsere Kanzlerin. Sie kritisiert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Großanlegern aus Banken und Versicherungen für 60 Milliarden Euro Pfandbriefe abkaufen will – und die Zocker-Zeitungen Financial Times (London) und Wall Street Journal (New York) reagieren verschnupft.

Dabei hat die Kanzlerinnen-Kritik einen nachvollziehbaren Kern: Zwar wurde die Finanzkrise durch den Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts ausgelöst – eigentliche Ursache war aber die Blase, die sich in den Jahren zuvor bildete, als die US-amerikanische und die englische Notenbank die Finanzmärkte mit billigem Geld fluteten. Deshalb fragen sich Merkl (und auch Steinbrück), ob die Milliarden der Notenbanken für die Finanzmärkte nicht gerade schon wieder eine neue Spekulationsblase nähren.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 4.6.2009