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Nicht so toll

Krisenzeiten sind auch die Zeiten, in denen windige „Berater“ und „Experten“ versuchen, mit Ängsten der Sparer Geld zu machen. Die „telepolis“ hat jetzt untersucht, wie „sicher“ die angeblichen Wundermittel für Kleinanleger sind. Ergebnis: Weder Schweizer Franken noch Goldbarren oder Immobilien sind wirklich geeignet, um Erspartes vor den befürchteten Folgen eines Euro-Bankrotts zu schützen.

Steuersenkung für Banken

Während in Spanien die Bevölkerung darunter leidet, dass der Mehrwertsteuersatz auf 18 Prozent angehoben wurde – was die täglich notwendigen Einkäufe verteuert – machte die spanische Regierung den Banken des Landes ein Geschenk: Die Mehrwertsteuer für den Verkauf von Immobilien wurde auf 4 Prozent gesenkt. Ziel ist, den Banken den Verkauf von Häusern zu erleichtern, für die sie einst Kredite vergaben, die von den Kreditnehmern aber in der Krise nicht mehr zurückgezahlt wurden, worauf dann die Zwangsenteignung der Hausbesitzer erfolgte.

Quelle: telepolis, 24.8.2011

Kommentar: Ein ähnlich schönes Beispiel wie die Subvention für deutsche Rüstungsexporte, die in den Griechenland-Hilfspaketen enthalten ist (Griechenland, darf nicht von den beschlossenen Rüstungsgeschäften Abstand nehmen, um seine Staatsschulden zu verringern).

Ausgehöhltes Eigentumsrecht

Im Kapitalismus wird stets gepredigt, dass das gesetzlich verbriefte Eigentum zentrale Voraussetzung aller Wirtschaftstätigkeit ist. „Die Zeit“ berichtet nun (11.11.2010), dass ausgerechnet die Immobilienkredite, die die weltweite Finanzmarktkrise ausgelöst haben, dieses juristische Vertragssystem des Eigentums unterlaufen und aushöhlen:

Denn in vielen Fällen in den USA sind Hypothekenkreditgeber nicht rechtssicher ins öffentliche Grundbuch eingetragen. Der Grund: Beim „bündeln“ von Hypothekenkrediten zu finanzmarktfähigen MBS (=Mortgage Backed Securities) wechselte eine Grundschuld mehrmals den Besitzer. Den Banken war der Verwaltungsaufwand zu teuer und sie schufen 1995 ein privatisiertes, nicht-öffentliches elektronisches Grundbuch namens MERS. Dieses MERS ist offiziell als Hypothekenkreditgeber im öffentlichen Grundbuch eingetragen.

Will nun eine Bank wegen eines geplatzten Kredits das Haus zwangsräumen lassen, so wird der Antrag vor Gericht dazu von MERS gestellt. Seit aber mit dem Platzen der Immobilienblase in den USA massenhaft Zwangsräumungen stattfinden werden die Schwächen dieses Systems offenbar: „Beglaubigungssklaven“ bestätigen im Auftrag von MERS, dass die notwendigen Kreditpapiere vorhanden, der Kredit nicht bezahlt wird und deshalb die Räumung beantrag wird. Dabei kommt es vor, dass Hausbesitzer, die ihr Haus bar bezahlt haben und keinerlei Kredit beantragt haben geräumt werden sollen, dass Bankangestellte nach der Kreditmeldung an MERS die Originalverträge vernichtet haben und dass ein „Beglaubigungssklave“ zu Protokoll gibt, dass er höchstens 90 Sekunden Zeit habe, einen Räumungsantrag zu bearbeiten.

Wegen der deshalb anstehenden Prozesse rechnet Standard & Poors damit, dass die Banken wegen der nun notwendigen Kredit-Rückkäufe von MERS etwa 31 Milliarden Dollar zusätzliche Verluste aus der Immobilienblase einplanen müssen.

Enteignungs-Rekord

Faule Immobilienkredite waren Auslöser der Finanzmarktkrise von 2008. Bezahlen müssen dafür aber US-Hausbesitzer, denen Kredite aufgeschwatzt wurden, die mit normalem Einkommen nicht finanzierbar waren und lediglich auf die Spekulationsblase einer immerwährenden Wertsteigerung der Häuser baute. Jetzt wird den Hausbesitzern die Rechnung präsentiert. Allein im August wurden mehr als 95.000 Wohnungen in den USA ihren Besitzern weggenommen und an die Banken übereignet – 25 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Auch stieg die Enteignungszahl nunmehr neun Monate lang in Folge an. Seit Beginn der Krise wurden 2,3 Millionen Häuser enteignet und für 2010 wird die Gesamtzahl auf eine Million geschätzt.
Quelle: taz (17.9.2010)

Kein Ende der (Immobilien-)Krise

In den USA, wo die aktuelle Finanzmarktkrise mit dem Platzen einer Immobilienkreditblase begann, bleibt dieser für die US-Binnenwirtschaft wichtige Markt extrem schwach. Derzeit wird nur noch mit 3,8 Millionen verkauften Immobilien für dieses Jahr gerechnet – fast eine Million weniger als Anfang des Jahres erwartet. Im Land wurden außerdem nur 276.000 neue Häuser statt der dort erwarteten 330.000 verkauft. Schlechte Aussichten für eine Wirtschaft, die in sieben der acht Spekulations-, Konjunktur- und Wirtschaftskrisen durch einen boomenden Immobilienmarkt aus dem Depressionstal gezogen wurde. Die US-Wirtschaft hat wahrlich den von „telepolis“ in diesem Zusammenhang festgestellten Schüttelfrost.

Gewerbe-Immobilien-Blase platzt gerade

Derzeit berechen die Preise am US-Gewerbeimmobilienmarkt ein. Laut „taz“ (17.5.2010) könnte dies nach Berechnungen des internationalen Währungsfonds (IWF) einen Abschreibungsbedarf bei den Banken von fast 590 Milliarden Dollar auslösen. Zum Vergleich: Der Crash am Eigenheimmarkt der USA – Auslöser der aktuellen Finanzmarktkrise – hatte Wertberichtigungen von nur 520 Milliarden Dollar zur Folge.

Bauarbeiter bluten

Die staatliche HSH-Nordbank finanzierte mit einem Kredit von 520 Millionen Euro ein Geschäft des Immobilien-Konzerns O’conner Capital Partners. Für 440 Millionen Euro wurde in New York ein Wohnblock mit 583 Wohnungen gekauft. Die Wohnungen aus den 50er-Jahren sollten so saniert werden, dass am Ende 760 Millionen Euro durch den Verkauf erzielt werden sollten.

Die Finanzkrise kam dazwischen – und ihr Auslöser, die Immobilienkreditkrise privater Haushalte. Jetzt sollen Arbeitnehmer bluten. Die US-Baugewerkschaft „United Brotherhood of Carpenters“ wandte sich an die Hamburger Linkspartei und klagte darüber, dass wegen der Finanzierungslücken jetzt die Löhne der Arbeitnehmer gedrückt werden – indem nur noch Baufirmen mit Aufträgen für die Luxussanierung der Wohnungen bedacht würden, deren Arbeiter nicht gewerkschaftlich organisiert sind (und damit niedrigere Löhne bekommen und keine Krankenversicherung für die Familien der Arbeitnehmer).

Quelle: taz 30.12.2009

Mieter werden an Heuschrecken verkauft

Real Estate Investment Trusts (Reits) heißen börsennotierte Immobilien-Aktiengesellschaften. Diese sind in Deutschland erst seit der letzten Legislaturperiode zugelassen, sie wurden von der großen Koalition erlaubt. Vorher gab es nur auf langfristige Steuervorteile angelegte offene oder geschlossene Immobilienfonds.

Jetzt will die CDU-FDP-Koalition die Reits ausweiten: Anstatt bisher nur für Gewerbeimmobilien sollen nun auch Mietwohnungen an Reits verkauft werden dürfen. Der deutsche Mieterbund befürchtet, dass damit auch Mietwohnungen der Börsenspekulation anheim gegeben werden, dass eine möglichst hohe Rendite zum ausschließlichen Ziel auf dem Wohnungsmarkt wird – mit nachteiligen Folgen für die Mieter.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 16.10.2009

760 Milliarden CMBS

Da platzt gerade wieder ein Teil der Immobilienblase: Jetzt geht es um Gewerbeimmobilien. So meldete gerade die US-Hotelkette Extended Stay mit ihren 680 Hotels für Geschäftsreisende den berühmten Gläubigerschutz nach Paragraph 11 des US-Konkursrechts Insolvenz zur Restrukturierung an.

Und während die Optimisten wieder einmal davon ausgehen, die Sache sei mit ein paar Abschreibungen erledigt, warnt der Offenmarktausschuss der Federal Reserve vor den subtantiell negativen Folgen für Banken wegen der steigenden Verluste bei Gewerbeimmobilien.

Denn das hat Auswirkungen auf den Finanzmarkt der Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS) bei denen Kredite für Gewerbeimmobilien verbrieft sind. Dieser Markt hat eine Größe von 760 Milliarden Dollar und die Deutsche Bank schätzt, dass zwei Drittel der Hypotheken in diesem Bereich, die zwischen 2009 und 2018 fällig werden, nicht finanziert werden können – was einem ungedeckten Kapitalbedarf von weiteren 100 Milliarden Dollar entspricht.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 17.6.2009

Blase platzt schon vor dem Aufpumpen

Am Dienstag Abend freuten sich die Börsen-Fernseher von „Bloomberg“ schon, dass die US-Immobilienkrise quasi vorbei sei. Mit vielen bunten Chart-Bildchen machten allerhand „Experten“ in Zocker-Optimismus.

Zum Glück lieferte am folgenden Tag (3.6.2009) die Süddeutsche Zeitung gleich auf der Titelseite ein paar Fakten, um diesem künstlich aufgepumpten Immobilien-Bläschen gleich wieder die Luft rauszulassen: In Florida, Las Vegas und den Hamtons von Long Island bricht gerade der US-Markt für Ferienwohnungen zusammen.

Der Ferien- und Zweitwohnungsmarkt der USA machte 2006 fast 40 Prozent des gesamten Immobilienmarktes aus. Dass jetzt Ferienhausbesitzer mindestens sechs Monate brauchen, um eine solche Immobilie loszuwerden und dann auch nur noch zwei Drittel des Vorjahreswerts erzielen, spricht Bände.