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Neuer Job

Der frühere Arcandor-Vorstandschef Thomas Middelhoff hat allen Grund, sich zu freuen – nicht nur weil die 175-Millionen-Euro Schadenersatzklage, die Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gegen Middelhoff anstrengte, nach Ansicht von Richterin Regina Pohlmann in vier der fünf geltend gemachten Fälle verjährt sind (Der Vorwurf gegen Middelhoff lautet, ungünstige Mietverträge für Karstadt-Warenhäuser nicht angefochten zu haben). Middelhoff hat auch einen neuen Job: bei der Firma Pulse Capital Partners in New York. Diese Firma vermittelt „Investoren“ an „kleinere“ Hedgefonds. „Kleiner“ bedeutet in diesem Fall ein Einlagekapital von bis zu 300 Millionen Dollar. Middelhoff soll mithelfen, Großanleger-Geld in diese Fonds zu locken, damit diese auf über 1 Milliarde US-Dollar (1.000.000.000 $) kommen – der Betrag, der an der Wall Street als nötig erachtet wird, um im Casino richtig mitspielen zu dürfen.

Middelhoff hatte nach seinem Abgang vom insolventen Handelskonzern Arcandor mit dem Unternehmensberater Roland Berger und dem Investmentbanker Florian Lahnstein 2009 die Firma BLM in London gegründet. Das Trio trennte sich aber, wobei Middelhoff den Geschäftsbereich Hedgefonds mitnahm. Bei Pulse arbeitet Middelhoff mit alten bekannten zusammen: Gary Long (Gründungspartner von Pulse) und Ibrahim Ghargour. Die hatte er kennengelernt als er nach seinem Abgang bei Bertelsmann (2002) bei der in Bahrein angesiedelten Investmentbank Investcorp arbeitete. Diese leitet Öl-Dollars aus der Golfregion in Unternehmensbeteiligungen und Immobilien in London und New York um. Gharghour leitete das Hedgefonds-Geschäft von Investcorp, die damals von Long als Finanzchef und Präsident geführt wurde. 2008 machte Investcorp 800 Millionen Dollar Verlust. Garghour ging 2009.

Jetzt will das Trio seine Kontakte zu den Reichen und Mächtigen in Arabien und den Akteuren der Wall Street nutzen, um Milliarden an die Hedgefonds zu vermitteln – gegen Gewinnbeteiligung.

Quelle: Die Zeit (20.4.2011)

Der Wettkönig

„Die Zeit“ (2.9.2010) stellte vor einigen Monaten den Chef des Hedgefonds FX Concepts in einem Artikel über Finanzmarktspekulation vor. John Taylor verwaltet 8 Milliarden Dollar und kann am Markt mit bis zu 23 Milliarden Dollar spekulieren. Und seit Frühjahr platziert er seine Währungs-Wetten gegen den Euro, gegen Griechenland. Seine – zwischenzeitliche eingetroffene Vorhersage: „Im September oder Oktober werden wir sagen: Oh Gott, Griechenland schafft es nicht.“ Taylors Fonds hat mit diesen Wetten gigantische Gewinne gemacht.

Regeln gegen die Finanzkrise

Ulrike Herman („Hurra, wir dürfen zahlen“) erinnert in einem Leitartikel der „taz“ (25.6.2010) nicht nur an die „Schwarmblödheit“, die Dummheit der Anleger, die auch die nächste Finanzmarktkrise befeuern wird. Sie erinnert auch an die immer noch überälligen, notwendigen Finanzmarktregulierungen und die Gründe, warum es bislang damit nicht geklappt hat:

1. Banken brauchen mehr Eigenkapital, damit sie nicht sofort pleite gehen, wenn sie Verluste am Finanzmarkt einfahren. Dagegen sind die Banken, weil das ihre Gewinne senkt.

2. Nötig ist ein Trennbankensystem, das es normalen Geschäftsbanken verbietet, im Finanzmarktcasino mit Rohstoffen, Aktien, Währungen oder Staatsanleihen zu zocken (Idee des ehemaligen Chefs der US-Notenbank Paul Volcker). Dazu ist vor allem das Verbot des „Eigenhandels“ nötig – Geschäftsbanken sollen nur im Kundenauftrag, nicht aus eigenem Profitstreben tätig werden können. Auch muss es Geschäftsbanken verboten sein, Hedgefonds und Private Equity Fonds Geld für ihre Spekulationsgeschäfte zu leihen. Und selbstverständlich müsste es Geschäftsbanken auch verboten sein, Investmentbanken Kredite für die Finanzierung von Finanzmarktspekulationen zu geben (Vorschlag von US-Ökonom Nouriel Roubini). Gegen die Trennung der Banken sind die Europäer, Gegen das Eigenhandels-Verbot die Deutsche Bank, die US-Banken gegen das Kreditverbot von Geschäftsbanken an Investmentbanken.

3. Bei Spekulation mit Rohstoffen müssen die Spekulanten verpflichtet werden, am Ende der Laufzeit der Papiere, die Ware auch abzunehmen (Vorschlag von Unctad-Chefökonom Heiner Flassbeck) Dagegen sind die Spekulanten, die selbstverständlich keine Lagerhäuser für die Spekualtionsware besitzen.

Da alle dieses einfachen Regeln an der kapital-mächtigen Finanzmarkt-Lobby scheitern, müssen also weiter die Bürger über die Staatsverschuldung die Spekulationsverluste der Banken und Fonds finanzieren.

Wirtschaftsfaktor Hedgefonds

80 Prozent aller weltweit aktiven Hedgefonds sind in London angesiedelt, obwohl sie offiziell in irgendwelchen Steuerhinterziehungs-Staaten residieren. 2000 Milliarden Dollar ist diese „Industrie“ wert, sie zahlt in Großbritannien jährlich 5,3 Milliarden Pfund Steuern und beschäftigt 10.000 Menschen dort direkt und 30.000 indirekt. Deshalb widersetzt sich die britische Regierung jeder Regulierung der Finanzmärkte.

Allerdings: Allein die Deutsche Bank hat eine Bilanzsumme, die 1670 Milliarden Euro umfasst. Insofern ist eine Regulierung der Hedgefonds zwar nötig – aber noch wichtiger ist die Regulierung des Bankensektors. Denn dieser hat die Finanzkrise durch den internen Handel mit „Schrottpapieren“ ausgelöst – und nicht die Hedgefonds.

Quelle: taz, 19.5.2010

Hedgefonds schaden der US-Wirtschaft

Unter dem Artikel „Hollywood und nichts dahinter“ liest die Financial Times Deutschland den Hedgefonds-Spekulanten die Leviten, die gerade den Euro im Verhältnis zum Dollar auf Talfahrt schicken. Die Botschaft: Macht nur weiter US-Spekulanten, die deutschen Exporteure wird’s freuen und sie werden die US-Realwirtschaft endgültig dem Boden gleichmachen.

Wetten mit dem Hunger

„Mann muss kein Bauer sein, um mit Ackerland Geld zu verdienen… Investmenthäuser wie Goldman Sachs und Morgan Stanley, die führende deutsche Fondsgesellschaft DWS, die zur Deutschen Bank gehört, Spezialisten wie Agrarius und AgroEnergy, dazu Hedgefonds, die Anlagebüros von Milliardären – sie alle wetten … auf Mutter Erde … Und selbst Kleinanleger sind dabei. Für sie gibt es Zertifikate auf Acker.

Landgrab, wie die Amerikaner sagen, … beginnt mit zwei nüchternen Zahlen… Sie stehen in jedem Fondsprospekt,… Die erste Zahl sind 1,5 Milliarden. Das ist die derzeit nutzbare Ackerfläche der Erde in Hektar. Die zweite ist 200.000. So viele Menschen kommen jeden Tag zu den 6,8 Milliarden hinzu, die von der Erde leben wollen.

Schon heute hungern 850 Millionen von ihnen. Wer sein Geld vermehren will, der kauft … Güter, die sich nicht vermehren lassen, die aber immer mehr Menschen haben wollen. Die Nachfrage ist größer als das Angebot, der Preis steigt…

Auch Staaten haben die neue Bedeutung fruchtbaren Bodens entdeckt. Sie folgen ebenfalls einer simplen Logik: Kaum etwas ist gefährlicher als ein hungerndes Volk. Chinesen, Araber … ziehen derzeit um den Globus, um sich fruchtbaren Boden zu sichern.

In den arabischen Staaten geht schlicht das Wasser aus…

In China nimmt der Fleischverbrauch rasch zu, was den Bedarf an Weideland und Getreide noch schneller wachsen lässt.“

Auszug aus einem Artikel der „Zeit“ (11.2.2010) zur laufenden Bodenspekulationswelle

Verdacht auf Bilanzfälschung

Den Vorwurf der Bilanzfälschung erhebt ein Hamburger Anwalt laut „Süddeutscher Zeitung“ (4.2.2010) gegen die HSH Nordbank und die Hypo Real Estate (HRE). Danach wollten Ende 2007 beide Banken verschleiern, dass in ihren Büchern mehr Risiken standen, als durch Kapitalanteile gedeckt werden konnten.

Zunächst wurden deshalb von den beiden Banken in dem Projekt „St. Pancras“ Immobilienkredite von jeweils 3,8 Milliarden Dollar in Zweckgesellschaften ausgelagert und damit aus den Büchern entfernt. In einem zweiten Schritt wurden diese Kreditrisiken dann gebündelt und an eine Zweckgesellschaft des Hedgefonds „Dynamic Credit Partners“ verkauft – für jeweils nur 3 Milliarden Dollar. Dabei soll der selbst nur sechs Millionen Euro eingebracht haben. Der Rest des Kaufpreises wurde jeweils von der einen für die andere Bank durch kurzfristige Kredite finanziert.

Nach Ablauf der Bilanzprüfung, die beispielsweise den HRE-Aktionären vorspiegelte, problemlos einen „Gewinn“ von 101 Millionen Euro ausschütten zu können, sollen die Geschäfte dann rückabgewickelt worden sein.

Die HRE wurde zwischenzeitlich vom Staat gerettet und lagert gerade 210 Milliarden Euro Finanzpapier-Schrott in eine „Bad Bank“ aus. Gegen die Vorstände der HSH Nordbank, den derzeitigen, Dirk Nonnemacher und seinen Vorgänger Hans Berger, ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg.

Londoner City erfolgreich

Die Beschlüsse von Pittsburgh lenken davon ab, dass es der Londoner Bankenwelt gelungen ist, über die britische Regierung zu verhindern, dass den Finanzmarkt-Spekulanten allzu strenge Regulierungen das Geschäft verhageln. Dabei hatte die Regierung keine Chance: 15 Prozent des britischen Inlandsprodukts stammt aus der Finanzbranche (Deutschland: 6 Prozent). Vor allem wird es auch nach Pittsburgh keine Regulierung der hochspekulativen Hedgefonds geben. Ein schöner Sieg für den „Finanzplatz“ London.

Krisengewinnler

Manche sehen in George Soros einen Menschenfreund, der sein riesiges Vermögen nutzt, um demokratische Bildung zu fördern. Und viele sehen in Soros einen profilierten Kritiker des Casino-Kapitalismus, der die notwendigen Kontrollen für die Finanzmärkte fordert. Und immerhin bezeichnete er die derzeitige Wirtschaftskrise korrekt als die schwerste seit den 1930er-Jahren.

 Dass Soros aber jetzt wieder einmal zu den Hauptprofiteuren der Spekulationsgeschichte ins Rampenlicht rückt, wird gerne beiseite geschoben. Der 79-jährige ist derzeit mit einem Jahreseinkommen von 1,1 Milliarden US-Dollar der bestbezahlte Hedgefonds-Manager der Welt. Während die Konkurrenz unter dem Abzug von Kapital leidet, punktet Soros mit seinem Fonds, den er erst 2007 auflegte. Offenbar sah der Oberspekulant eine Möglichkeit, im Casino risikolos Gewinne mitzunehmen.

Soros hat immer erfolgreich auf unregulierten Märkten spekuliert – 1993 als er mit geliehenen Pfund gegen die Bank von England wettete und so das Pfund aus dem  europäischen Währungssystem kegelte. Auch in der Asienkrise 1998 wettete Soros gegen ganze Volkswirtschaften. Und bei seinen Spekulationsgeschäften ist Soros durchaus kriminell: 2006 verurteilte ihn ein französisches Gericht in letzter Instanz wegen Insiderhandels. Es ging um eine Spekulation mit dem Verkauf von Aktien der Großbank Société Générale, die ihm 2,2 Milliarden Dollar Gewinn bescherte. Und Soros gründet seine Firmen immer in Steueroasen, die der US-Bankenaufsicht entzogen sind. Sein berühmter Quantum-Fonds residiert in solchen Finanzplätzen und schon 1968 managte er einen Hedge-Fonds auf Curacao.

Quellen: Frankfurter Rundschau (3.9.2009) und Wikipedia

Höllenhund blutet aus

Der amerikanische Finanzinvestor Cerberus – Inbegriff der „Heuschrecke“ – musste seit Beginn der Finanzkrise einen Kapitalabfluss aus seinen Hedgefonds von 5,5 Milliarden Dollar hinnehmen – 71 Prozent. Noch aber verwaltet der Höllenhund mit Hedge-, Immobilien- und Private-Equity-Fonds 24 Milliarden Dollar. Cerberus, der 1992 von Stephen Feinberg gegründet wurde steht in der Tradition der 1990 pleite gegangenen Skandal-Investmentbank Drexel Burnham Lambert, die das Geschäft mit schuldenfinanzierten Firmenübernahmen aggressiv vorantrieb.

Mit billigen Krediten kaufte Cerberus im Mai 2007 für 7,4 Milliarden Dollar 80 Prozent der Chrysler-Anteile vom Daimler-Konzern – aber auch Anteile an der Fluggesellschaft Air Canada oder deutschen Wohnungsbaugesellschaften. Da alles mit Kredit finanziert war, gab es für die Investoren traumhafte 20 Prozent Eigenkapitalrendite. Die Kreditzinsen bedienen und die Tilgung bezahlen mussten die übernommenden Unternehmen – meist in Form von Lohnverzichten der Arbeitnehmer.

Jetzt ziehen die Geldgeber ihr Kapital aus den Hedgefonds ab – von den 1,9 Billionen Dollar zu Beginn der Finanzkrise 2007 sind bereits 300 Millionen weg – deutlich mehr als den aus Wertverlusten der Fondsanteile kommenden Kapitalvernichtungen. Das nimmt Cerberus zumindest die Möglichkeit, sich weiter auf dem deutschen Firmenmarkt zu tummeln. Ein klein wenig Machtverlust.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 1.9.2009