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Keine Arbeiterkinder

Wer sich fragt, warum Journalisten mehrheitlich als Propagandisten der Reichen agieren, findet eine wichtige Antwort in einer Studie, die die soziale Herkunft von Journalistenschülern untersuchte. Auffälliges Fazit: Während insgesamt jeder zweite Student aus „besseren Kreisen“ kommt, sind es bei den Journalistenschülern drei von vier. Und während sich unter allen Studenten gelegentlich noch Kinder aus Facharbeiterhaushalten oder sogar aus Familien mit Hilfsarbeitern finden, ist dies an den Kaderschmieden der Medienelite nicht der Fall.

In ihrem Artikel zum Thema witzelt die „telepolis“, dass sich bei der Hilfe des Zeit-Chefredakteurs Giovanni di Lorenzo für das Comeback des ehemaligen Verteidigungsminister Guttenberg nicht nur „Haar-Gel zu Haar-Gel“ gesellte, um zu schließen, dass es dabei um eine Verständigung der Macht-Eliten untereinander ging. Und in einem weiteren Zitat wird der Selbstversuch eines Redakteurs der „Süddeutschen Zeitung“ mit einer Parteimitgliedschaft bei den „Linken“ zitiert, der freimütig bekannte, dass in seiner Verwandtschaft „keiner arbeitslos, keiner in einer Gewerkschaft“ sei und dass er einst erschrak, als er einen Schulfreund besuchte, dessen Familie in einer 75-Quadratmeter-Wohnung lebte.

Das Fazit der Studie: Weil großbürgerliche Journalisten die Welt aus großbürgerlicher Perspektive betrachten, finden bestimmte Themen überhaupt nicht statt und werden die anderen eben aus der großbürgerlichen Klassenperspektive behandelt.

Feine Gesellschaft

…es mag ja sein, irgendwer ist in irgendwas nicht integriert, doch wenn die Spitzen der Gesellschaft ein „bestimmtes Gen“ diagnostizieren, das Juden eigen ist, oder finden, deutsche Manager würden heute wie die Juden im Dritten Reich behandelt (Prof. Hans-Werner Sinn), dann darf man nicht nur an der Bildung der Eliten zweifeln, sondern sich auch fragen, wohin man sich integrieren soll. Es gibt also Herrschaften, die das Problem sind, als dessen Lösung sie sich ausgeben. Es gibt eine feine Gesellschaft, die man nur richtig behandelt, indem man sich vor ihr rettet, und es gibt ein Deutschland, das gehört abgeschaft.

Roger Willemsen in einem Beitrag für das „Zeitmagazin“ (Nr. 39)

Bildungselite: Herkunft statt Leistung

Geld zu Geld gesellt sich gern – dieses Sprichwort gilt auch für die „Begabtenförderung“ durch die Stipendien der Stiftungen, die Studienförderung betreiben. 72 Prozent der Stipendiaten haben Eltern, die dem Sozialstatus (Beruf und Bildung) nach gehoben und hoch einzuordnen sind, nur 28 Prozent haben Eltern aus mit niedrigem oder mittlerem Sozialstatus.

Nur bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und – interessant – der Hanns-Seidel-Stiftung der CSU gibt es davon eine nennenswerte Abweichung zugunsten der Stipendiaten, die Eltern mit niedrigem oder mittlerem Sozialstatus haben. Die übrigen Parteistiftungen (Ausnahme FDP, die keine Angaben macht) und die Förderwerke der Kirchen liegen im Schnitt. Und signifikant gegen Kinder aus Elternhäusen mit niedrigem oder mittlerem Sozialstatus arbeiten die Stiftung der deutschen Wirtschaft und – ausgerechnet – die Studienstiftung des deutschen Volkes. Letztere vergibt übrigens mit 10.000 die meisten Stipendien an Studenten.

Quelle: Die Zeit 24.9.2009

Unverantwortlich und wahnsinnig

Die Finanzinvestoren zocken schon wieder ordentlich in Öl, die Bankmanager warnen schon wieder vor zu viel Regulierung, und die Politiker … streiten lieber um Steuersenkungen… Nicht besser das Finanzministerium und die Bundesbank. Die zentralen Krisenbekämpfer sprechen am liebsten über Exit-Strategien, wie sie nach der Krise wieder ordnungspolitisch sauber den Staatshaushalt sanieren wollen…
Jede einzelne Tat ist unverantwortlich, zusammengenommen verdichtet sich das Verhalten der Wirtschafts- und Parteien-Elite dieses Landes zum Wahnsinn. Sie spinnen, um es klar zu sagen, und gefährden damit Wohlstand, Jobs und Wachstum. Denn die Krise ist noch nicht einmal zur Hälfte ausgestanden. Der wichtigste Brocken ist noch nicht halbwegs aus dem Weg geschafft: die schlingernden Banken…
Das Problem: Wenn die Banken nicht von den toxischen Papieren befreit sind und gleichzeitig … zu wenig Eigenkapital besitzen, werden sie alles tun, um zu überleben… ,sie werden keine Risiken eingehen, sondern die gesamten Überschüsse zum Aufstocken der schwachen Eigenkapitalbasis verwenden… Also werden die Banken keine neuen Kredite mehr geben, weshalb immer mehr Firmen … insolvent werden.
Deshalb müssen die Banken viel härter angepackt werden… gilt es den Banken ihre Lieblingsspielzeuge aus der Hand zu nehmen. Dazu zählt der intransparente Handel mit Derivaten… genauso das kurzfristige Gezocke an den Terminbörsen für Devisen und Rohstoffe… Die Banken haben der Realwirtschaft zu dienen, durch die Vergabe von Krediten im Casino haben sie dagegen nichts zu suchen.

Robert von Heusinger in einem Kommentar der Frankfurter Rundschau (18.6.2009)

Manager drohen

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeutung (5.6.2009) droht Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef der Commerzbank, der Politik wegen der derzeit laufenden Bemühungen, Managerbereicherung zu reduzieren.

Die Politik unterschätzt die Verärgerung der Manager

Müller, der eine von Ex-Kanzler Schröder eingesetzte „Corporate Governance“ Kommission leitet, macht klar, dass die von ihm als „Elite“ bezeichneten Manager weder Gehaltskürzungen, noch Wartezeiten beim Wechsel von Vorstands- auf Aufsichtsratsposten hinnehmen wollen. Und im übrigen seien nicht die Bankmanager an der Finanzkrise schuld, sondern die staatliche Bankenaufsicht, die bei der US-Subprime-Krise versagt hätten.
Dazu passend: das feiste Lächlen von Müller auf dem Foto zum Interview.

Staat soll Rendite sichern

Ulrich Brand, Professer für internationale Politik in Wien, attac-Mitglied und Mitherausgeber des „ABC der Alternativen“ (Hamburg 2007) machte sich in der taz vom29.1.2009 ein paar Gedanken zu dem exklusiven Davoser Club, der sich Weltwirtschaftsforum nennt (bis 1987 hieß die Veranstaltung noch europäisches Management Forum), besteht aus den Chefs der 1000 größten Unternehmen der Welt, von denen jedes mehr als 4 Milliarden Dollar Jahresumsatz macht. Heuer hatte der club 41 Staats- und Regierungschefs zu Gast. Nicht etwa um diesen die eigene Mitschuld am aktuellen Desaster einzugestehen. Nein ätzt Brand, um eine „postneoliberale“ Suche zu veranstalten, deren Ziel allein ist, den Staat dazu zu bringen, die Renditen dieser „Welt-Elite“ zu sichern.

Und Brand bringt noch eine Erkenntnis mit: Die Bismarckschen Sozialreformen von 1871 und Roosevelts New Deal von 1933 fußten nicht auf der freiwilligen Einsicht der wirtschaftlichen und politischen Elite – sondern waren die Antwort auf eine erstarkende Arbeiterbewegung. Die allerdings ist 2009 leider nicht in Sicht.