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Verluste und Bonuszahlungen

Die Hypo Real Estate Holding (HRE) wird von Manuela Better geführt. Die zwischenzeitlich zu 100 Prozent in Staatsbesitz befindliche Pleitebank benötigte 40 Milliarden Euro Staatsgarantieren, um faule Wertpapiere im Wert von 200 Milliarden Euro in eine „Bad Bank“ abschieben zu können. 2009 machte die HRE einen Verlust von 2 Milliarden Dollar. Dafür ließ Better an die Topmanager der Bank Bonuszahlungen von 25 Millionen Euro anweisen.

Quelle: taz 20.9.2010

Millionen für Pleite-Bankiers

Nur für’s Protokoll: Die verstaatlichte Hypo Real Estate, die gerade wieder 40 Milliarden Euro Staatsgarantien brauchte schüttete an ihre 1400 Mitarbeiter 25 Millionen Euro Bonuszahlungen aus – im Schnitt also knapp 18.000 Euro im Einzelfall, was in etwa dem Jahresgehalt eines Niedriglöhners entspricht.
Nach einem Zeitungsbericht sollen 200 Manager von mit Staatshilfen geretteten Banken in Deutschland jeweils mehr als 500.000 Euro Bonuszahlungen erhalten haben – nachdem die Staatshilfen flossen.
Rudolf Hickel, Direktor des Bremer Instituts Arbeit und Wirtschaft fordert deshalb, das Gewinnpotenzial von Bankgeschäften zu reduzieren, um damit ganz nebenbei die Anreize für solche Bonuszahlungen zu vermindern.
Quelle: taz 27.9.2010

10 Prozent mehr Gehalt

10 Prozent mehr Gehalt als im Vorjahr bekamen die Vorstandschef der im Börsenindex DAX aufgeführten Unternehmen im Jahr 2009. Im Durchschnitt beziehen die Chefs der großen deutschen Aktiengesellschaften ohne Altersvorsorgebeiträge pro Jahr 3,46 Millionen Euro (rund 300.000 Euro monatlich). Ausgerechnet hat das die Beraterfirma Towers Watson, die die Geschäftsberichte von 29 der 30 DAX-Unternehmen auswertete.

Quelle: taz 31.3.2010

2 Milliarden Bonus

Mitten in den Krisenjahren 2008 und 2009 kassierten 2500 ehemalige Angestellte der Pleite-Bank Lehman-Brothers „Garantieboni“ im Gesamtwert von 2 Milliarden Dollar, 400.000 Dollar im Schnitt pro Mann (oder 5 Jahresgehälter eines gut verdienenden US-Angestellten). Der Grund: Die Bankmanager waren noch im Oktober 2008 aus dem von Lehman übernommenen Bankhaus Nomura gekommen und mit den „Garantieboni“ zum bleiben überredet worden.

Quelle: Süddeutsche Zeitung (1.2.2010)

Steuer-Witz

Die Pläne des britischen Finanzminister Alistair Darling, im Jahr 2010 Bonus-Zahlungen von Bankmanagern mit 50 Prozent zu besteuern wird von der „tageszeitung“ (9.12.2009) so kommentiert:

Eine Steuer, die nur ein Jahr erhoben wird und deshalb kaum Einnahmen bringt, ist ein Witz…

Wohlwollend kann man die britische Ein-Jahres-Steuer als Zeichen der gebeutelten Labour-Regierung an die Wähler und die Finanzelite verstehen. Die Verursacher der Krise, so die Botschaft, können nicht einfach fortfahren wie bisher. Sie sollen für die Kosten der Schäden, die sie verursachen aufkommen…

Der Ausweg liegt auf der Hand: einen Bonus, der 2010 hoch besteuert wird, kann man auch ins nächste Jahr verlagern. Und die Hochrisiko-Geschäfte ebenso. Mit einer wirksamen Regulierung der Finanzwirtschaft hat diese Politik … also nichts zu tun.

Boni-Vergleiche

143.000 Dollar ist die durchschnittliche Pro-Kopf-Bonuszahlung, die 2009 die 23 größten Wall-Street-Banken an ihre Mitarbeiter ausschütteten.

220 Dollar ist das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen eines Äthiopiers (80 Millionen Einwohner, wie Deutschland) im selben Jahr.

110 Dollar ist das Einkommen von Menschen in Kongo und Burundi. Die Länder mit dem größten Anteil Hungernder an der Bevölkerung haben also ein durchschnittliches Pro-Kopf-Jahreseinkommen, das weniger als ein Tausendstel der Bonus-Zahlung an die Banker beträgt.

Quelle: die tageszeitung 15.10.2009

Rekord-Boni

Für Ulrich Thielemann, Wirtschaftsethiker der Universität St. Gallen, sind Bonuszahlungen „das entscheidende Mittel der Banken, um ein falsches Unternehmensziel durchzusetzen, nämlich das der Gewinnmaximierung“.

Dieses System funktioniert bestens: Die 10 größten Banken Amerikas machen fette Gewinne und schütten an ihre Mitarbeiter Rekord-Boni aus. Die allergrößte Bank der USA, die Bank of America wird 2009 voraussichtlich 124 Milliarden Dollar Gewinn machen. Davon werden dann 30 Milliarden Dollar als Boni ausgeschüttet – über 100.000 Dollar pro Mitarbeiter. Bei der Nummer 2, J.P. Morgan Chase werden von 103 Milliarden Gewinn-Dollar 29,5 Millionen an die Banker ausgezahlt – fast 134.000 Dollar pro Beschäftigten. Die Nummer drei, die Citigroup, gibt sich mit einem Bonus von 71.000 Dollar pro Mitarbeiter fast bescheiden, von 94 Milliarden Dollar Gewinn werden „nur“ 22 Milliarden für Bonuszahlungen verwendet.

Auf Platz vier folgt der Bonus-Spitzenreiter Goldman Sachs, der von 44 Milliarden Dollar Gewinn fast die Hälfte an die eigenen Manager auszahlt – 740.000 Dollar pro Mitarbeiter. Die Nummer fünf, Morgan Stanley, wird 23 Milliarden Dollar Gewinn einfahren und davon den größten Teil als Boni wieder auszahlen – 16,4 Milliarden Dollar oder 263.000 Dollar pro Mitarbeiter.

Gleichzeitig geht das Bankensterben in den USA weiter: In Kürze wird dort Bank Nummer 100 pleite gehen – ein Fest für die Investmentbanker, die gerade mit Bankübernahmen viel Geld verdienen. Im Finanzmarktcasino gibt es also gerade eine gigantische Finanzmacht-Konzentrationswelle – finanziert von den Steuerzahlern, die die großen Banken „retten“ mussten.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 15.10.2009

Umverteilung geht weiter

Der öffentlich zelebrierte Kampf gegen die Boni von Bankmanagern lenkt davon ab, dass es in Pittsburgh beim G20-Gipfel nicht gelungen ist, die Krise ernsthaft anzugehen – eine Krise, die in den Industriestaaten bislang 25 Millionen Arbeitsplätze gekostet hat (soviel Vollzeit-Arbeitsplätze gibt es in Deutschland). In einem Kommentar der „Süddeutschen Zeitung“ (24.9.2009) weist Alexander Hagelüken darauf hin, dass sich vor allem die Regierungen von London und Washington von ihren Banken einspannen lassen – weil diese enorme politische Macht haben: Vor der Krise stammten 40 Prozent aller Firmengewinne in den USA aus dem Bankensektor, der nur 10 Prozent der Arbeitsplätze des Landes bietet. „Die Superrenditen sind eine Droge, die immer noch wirkt“ schreibt Hagelüken und weiter:

…fällt doch auf, was auf der Agenda von Pittsburgh völlig fehlt: die Frage, wie das Wirtschaftssystem der Zukunft aussehen soll. Nach der Lehman-Pleite war viel von der Krise des Kapitalismus die Rede, von Fehlentwicklungen der Marktwirtschaft. Weil Renditen über alles gestellt wurden, womit die Gewinne explodierten und die Löhne stagnierten… Inzwischen ist die Debatte über das richtige Wirtschaftsmodell aber wieder erlahmt. Und Ackermann und andere propagieren längst erneut maximale Gewinne. Die große Umverteilung soll offenbar so weitergehen wie bisher.


Politik schont Banken

Die „Zeit“ (10.9.2009) macht auf einen Vorgang aufmerksam, der beispielhaft für den politischen Umgang mit der Krise ist: Im Wahlkampf geht die SPD damit hausieren, die Banken an den Kosten der Bankenrettung zu beteiligen. Doch im Oktober 2008 lief das ganz anders: Zwar waren sich die Finanz- und Haushaltspolitiker der großen Koalition einig, auch die Banken an den Kosten des 500-Milliarden-Euro-Rettungspakets zu beteiligen. Doch die Fraktionsvorsitzenden von CDU (Volker Kauder) und SPD (Peter Struck) wollten die Opposition mit im Boot haben – und versprachen der FDP, dass für die Kosten des Rettungspakets allein der Steuerzahler aufkommt und die Banken das Staatsgeld zum Nulltarif bekommen.

In dem Artikel geht es übrigens auch um die verlogene Diskussion um Bonuszahlungen an Banker. Zitiert wird dazu der Deutschland-Chef von Goldman Sachs Alexander Dibelius. Der hält die Boni-Debatte für verlogen und fordert mit Blick auf den Bericht der UN-Kommission unter Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, eine „allgemeine Verteilungsdebatte“ zu führen. Denn laut UNO ist das Problem nicht die Zahlungen von Boni an Banker, sondern die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich!

Phantastische Bonuszahlungen

Zur Jahresmitte hat die Großbank Goldman Sachs 11,4 Milliarden Dollar (7,9 Milliarden Euro) für Bonuszahlungen an ihre führenden Manager zurückgelegt. Damit fallen mitten in der Wirtschaftskrise die Sonderzahlungen für die Bankmanager so hoch aus wie nie zuvor.

Lustig: Es gibt wieder sogenannte „Garantieboni“ bei denen die eigentlich als Bonus für gute Leistung gedachten Sonderzahlungen für ein Jahr garantiert sind – ganz unabhängig von der tatsächlich erbrachten „Leistung“.

Quelle: Die Zeit 20.8.2009

Gewinne und Boni

In der „Zeit“ (23.7.2009) weist Arne Storn auf einiges hin, was sich hinter den Milliardengewinnen der internationalen Großbanken im 2. Quartal (Goldman Sach 3,4 Miliarden Dollar, JPMorgan Chase 2,7 Milliarden, Bank of America 3,2 Milliarden, Citigroup 4,3 Milliarden) verbirgt und macht einen gut begründeten Vorschlag gegen die Finanzmarkt-Zockerei:

Zu den Hintergründen der Gewinne: Sie sind unter anderem Ergebnis mangelnder Konkurrenz – Bear Stearns, Lehman Brothers oder Merril Lynch sind pleite und vom Markt verschwunden. Dazu kommen geänderte Bilanzregeln, die Abschreibungen unnötig machen und damit Verluste kaschieren; ebenso günstige Zinsen der Notenbanken und Rettungs-Staatsgelder, die an die Banken durchgereicht wurden (Beispiel: der Versicherer AIG).

Und der Vorschlag: Unglaublich aber wahr: die Hälfte ihrer Gewinne schütten die Banken an ihre Mitarbeiter aus – vor allem jene „Top Banker“, die im Finanzmarktcasino zocken. Dabei handeln die Bankmitarbeiter nicht auf eigenes Risiko, da sie ja mit den Kundengeldern der Bank ihre riskanten Geschäfte tätigen. Arne Storn schlägt daher vor, die Gewinne stärker zum Aufbau größeren Eigenkapitals der Banken zu nutzen und die Bonuszahlungen auf 10 bis 20 Prozent des Gewinns zu begrenzen. Das würde seiner Meinung nach den Hang zur kurzfristigen Zockerei begrenzen.

Banker wollen Boni vom Gericht

1,5 Millionen Euro Abfindung klagte Jens-Peter Neumann vor dem Arbeitsgericht Frankfurt ein, nachdem ihm bereis ein Bonus von 3 Millionen Euro ausbezahlt worden war. Neumann war bei der Dresdner Bank für das Kapitalmarktgeschäft zuständig – ehe diese von der Commerzbank übernommen wurde.

Die Vorstände der Investmentbank Dresdner Kleinwort Eduardo Listorti, Stefan Gütter und Martin Newson klagen vor dem Londoner High Court Bonuszahlungen von 6,6 Millionen, 4,3 Millionen und 3,2 Millionen Euro ein – weil ihre Geschäftsbereich 2008 Gewinne gemacht und ihre Ziele übererfüllt hätten. So hätte etwa Listorti mit seinen Spekulationen auf Rohstoffe, Devisen und Anleihen 1,1 Milliarden Euro Ertrag erzielt.

Zur Erinnerung: Die Commerzabank hatte mit dem Kauf der Dresdner Bank 400 Millionen Euro Bonusverpflichtungen übernommen, die sie strich als der Jahresabschluss 2008 vorlag. Der Bund hatte zwischenzeitlich die Commerzbank gerettet und war dort mit 25 Prozent zum größten Aktionär aufgestiegen.

Auch bei Barclays kassieren die Manager wieder kräftig ab – nur ohne Gericht: Die Tochter Barclay Global Investment (BGI) zahlt an Barclays Präsident bob Diamond eine Prämie von 25 Millionen Euro für den Verkauf der Tochterfirma BGI an die amerikanische Investmentgesellschaft Blackrock. BGI-Topmanager Blake Grossmann bekommt sogar rund 60 Millionen Euro für das Geschäft.

Ander Banken wie die Schweizer UBS, die Citgroup und die Bank of Amerika haben Wege gefunden, ihren Managern wieder Spitzengehälter zu zahlen – sie haben einfach die Boni gekürzt und dafür die Fixgehälter kräftig angehoben.

Quelle: Süddeutsche Zeitung (18.6.2009)