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Unternehmen warnen vor Blase

Allianz-Chef Michael Diekmann warnt vor einer neuen Finanzmarktblase: „Es ist viel billiges Geld dort draußen“ und „wir finanzieren gerade die nächste Finanzblase“, warnt er und fordert: „Die Banken sollten mehr Risiken im Kundengeschäft eingehen, anstatt mit dem billigen Geld Eigenhandel zu betreiben, der letzten Endes keinen Wert schafft.“

Und auch Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz ist besorgt: „Da sind schon wieder Spekulanten und Finanzjongleure unterwegs, die munter mit Derivaten handeln.“ Er sieht als Anzeichen der laufenden Blase, dass Rohstoffe nicht mehr auf Jahresbasis gehandelt würden, sondern ausschließlich am finanzmarktorientierten, kurzfristigen Spotmarkt.

Quelle: telepolis

Bubble-Economy

Schön zusammengestellt hat die Berliner „tageszeitung“ in ihrer Ausgabe vom 20.11.2009 die gerade aktuellen Spekulationsblasen:

  • Spekulation mit Zinsunterschieden in verschiedenen Ländern – sogenannte Carry Trades. Hier legen die Großbanken derzeit vor allem das billige Staatsgeld gewinnbringend an.
  • Die aktuelle Aktienspekulation, die die Börsenindizes nach oben treibt. Weil dahinter keine realwirtschaftlich positive Entwicklung steht ist dies wohl nur der Zweckoptimismus von Spekulanten, die wieder einmal die „Kleinanleger“ auf einen Zug steigender Kurse aufsteigen lassen wollen – obwohl klar ist, dass die Kleinanleger in so einen Markt immer zu spät einsteigen – und dann, wenn die Blase geplatzt ist, zu spät und mit viel Verlust aussteigen (während die Spekulanten rechtzeitig vorher Kasse gemacht haben)
  • 80 Dollar kostet derzeit das Fass Rohöl (159 Liter) – Ergebnis einer beispiellosen Spekulation an den Warenterminbörsen.
  • Das Gold hat aus Gründen der Spekulation die Marke von 1000 Dollar je Feinunze geknackt und steuert auf 1100 Dollar zu.

Lehman-Lehren

Die Süddeutsche Zeitung (15.9.2009) befragte Wirtschaftswissenschaftler zu den Lehren aus der Lehman-Pleite und der dadurch ausgelösten Banken- und Wirtschaftskrise – unter anderem Nobelpreisträger Joseph Stiglitz:

Aus dem Bankrott von Lehman Brothers sind zwei … Lehren zu ziehen: Erstens darf man Banken nicht erlauben, dass sie so groß und verwoben werden, dass ihr Untergang eine Krise auslöst… Zweitens gibt es … Handlungsalterniven sowohl zum Ansatz von Henry Paulson, Ben Bernanke und Timothy Geithner, Lehman einfach untergehen zu lassen und zu zu hoffen, dass alles gut geht, als auch zur Blankoscheck-Politik der Regierung Obama. Es hätte … gesetzliche Vorschriften gegeben, um Banken unter staatliche Zwangsverwaltung zu stellen… stattdessen schüttet man Hunderte Milliarden Dollar in die Banken.
Der Finanzsektor will uns glauben machen, dass alles gut geworden wäre, wenn man nur Lehman gerettet hätte. Das ist reiner Unsinn. Lehman war eine Folge, keine Ursache. Der Zusammenbruch war die Konsequenz verfehlter Leihepraktiken und unangemessener Aufsicht… Die Finanzmärkte haben ihre Kredite aus einer Spekulationsblase heraus gegeben, die sie selbst geschaffen haben… Die Branche hat in harter Lobbyarbeit alle die Regulierungen beseitigt, die die Fehlentwicklunen hätten verhindern oder zumindest begrenzen können…
Auch wenn Lehman nicht untergegangen… wäre, hätten der Weltwirtschaft Schwierigkeiten bevorgestanden… Der Fall von Lehman hat den Prozess des Kreditabbaus beschleunigt und die dahinterliegenden Probleme offengelegt.

Bernanke beklaut

Peinlich: Im Zuge seiner erneuten Ernennung als US-Notenbankchef, kam heraus, dass eine Bande von Identitätsdieben Schecks aus der Brieftasche der Ehefrau von Ben Bernanke entwendet hatten und sich damit voriges Jahr gleich mehrmals vom Konto des Ehepaares bedienten.

Die „Frankfurter Rundschau“ (28.8.2009) witzelte, dass die Diebe Bernankes Spitznamen „Helikopter-Ben“ wohl zu ernst genommen hatten. Den Spitznamen hatte er sich erworben, weil er 2002 in einem Vortrag über den Neoliberalen-Gott Milton Friedman vorgeschlagen hatte, im Falle einer Deflation Notenbank-Geld aus Hubschraubern aufs Volk zu werfen.

US-Präsident Obama hat Bernanke gerade für eine zweite Amtszeit vorgeschlagen, was der Asien-Chef der Bank Morgan Stanley, Stephen Roach, für keine gute Idee (Quelle: telepolis) hält – weil Bernanke wie sein Vorgänger Alan Greenspan die Grundüberzeugung vertritt, die Notenbanken sollten Spekulationsblasen einfach ignorieren und lediglich nach deren Platzen mit frischem Geld eingreifen. Deswegen schritt Bernanke auch nicht gegen die Explosion des Derivate-Markts oder Geschäfte mit extremen Hebeln ein und setzte damit die Politik seines langjährigen Vorgängers fort.

Roach hält deswegen die erneute Nominierung Bernankes durch den US-Präsidenten für kurzsichtig: „Es ist als ob man einen erwiesenen Kurpfuscher für die Erfindung einer Wunderkur lobt.“ mein er und verweist darauf, dass Bernankes Verdienste im Krisenmanagement trotz der Feierlaune an der Wallstreet noch nicht sicheren Bestand haben.