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Neue Internet-Blase

Die Zeit (26.5.2011) macht auf die gerade beginnende zweite Internet-Blase aufmerksam. Kapitalisten investieren in Firmen, die gemessen an Umsatz und Gewinn eher klein sind – aber in der „Bewertung“ zu gigantischen Vermögenswerten aufgeblasen werden. Facebook, der Gigant der Blase, macht bei 2,5 Milliarden US-Dollar Umsatz (geschätzt) etwa 830 Millionen Dollar Gewinn (auch geschätzt). Das führt dann zu einem „Börsenwert“ von 60 Milliarden US-Dollar (60.000.000.000 $). Ähnlich die Verhältnisse beim Internet-Telefoniekonzern Skype: 860 Millionen Dollar Umsatz, 7 Millionen Dollar Verlust, „Wert“: 8,5 Milliarden Dollar. Und bei LinkedIn, einem anderen sozialen Netzwerk, soll ein eher mittelständischer Umsatz von 243 Millionen Dollar im Jahr und einem Gewinn von 15 Millionen Dollar für einen Großkonzern-Unternehmenswert von 8 Milliarden Dollar gut sein.

Unternehmen warnen vor Blase

Allianz-Chef Michael Diekmann warnt vor einer neuen Finanzmarktblase: „Es ist viel billiges Geld dort draußen“ und „wir finanzieren gerade die nächste Finanzblase“, warnt er und fordert: „Die Banken sollten mehr Risiken im Kundengeschäft eingehen, anstatt mit dem billigen Geld Eigenhandel zu betreiben, der letzten Endes keinen Wert schafft.“

Und auch Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz ist besorgt: „Da sind schon wieder Spekulanten und Finanzjongleure unterwegs, die munter mit Derivaten handeln.“ Er sieht als Anzeichen der laufenden Blase, dass Rohstoffe nicht mehr auf Jahresbasis gehandelt würden, sondern ausschließlich am finanzmarktorientierten, kurzfristigen Spotmarkt.

Quelle: telepolis

Aktien- und Anleihenblase

Seit März steigen die Aktienpreise – gleichzeitig auch die Anleihenkurse und aktuell auch noch der Goldpreis. Alle jubeln: die Krise ist vorbei. Doch in einem normalen Konjunkturzyklus entwickeln sich Aktien- und Anleihenkurse gegenläufig: Wenn die Verzinsung lang laufender Staatsanleihen sinkt, dann erwarten die Anleger eine nur geringe Inflation, was eigentlich schlecht für die Aktienwerte ist. Derzeit ist wegen der Deflation sogar die Realverzinsung sehr hoch. Doch trotzdem klettern die Aktienkurse – und zwar so stark, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis (also das Verhältnis von Unternehmenswert zu Unternehmensgewinn) bei den Dax-Werten von derzeit 30 auf 13 sinken wird. Das aber ist eine veritable Wirtschaftskrise samt der daraus resultierenden Arbeitslosigkeit. Ein weiteres Indiz dafür, dass mitten in der Krise eine weitere Blase entstanden ist, ist die Tatsache, dass zwar gerade eine Börsenrallye stattfindet, die Unternehmen gleichzeitig aber nur schwer an Kredite für ihre Produktion herankommen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 7.9.2009

Bailout-Bubble

Der Fondsmanager John Carey, seit 1986 dritter Manager des 81 Jahre alten Pioneer Funds, der 11 Milliarden Dollar verwaltet, äußert sich in der „Zeit“ (2.7.2009) kritisch über die Folgen der staatsfinanzierten Bankenrettung. Die Flut an Rettungsgeldern habe dazu geführt, dass sich die Banken an der Börse viel zu schnell „erholten“. Man könne nicht sehen, welche Banken gut, welche schlecht gewirtschaftet hätten. Nach der Internet- und der Immobilienblase könnte jetzt die Rettungsblase (bailout-bubble) kommen, weil die Banken zuviel Geld zur Verfügung hätten.

Blase platzt schon vor dem Aufpumpen

Am Dienstag Abend freuten sich die Börsen-Fernseher von „Bloomberg“ schon, dass die US-Immobilienkrise quasi vorbei sei. Mit vielen bunten Chart-Bildchen machten allerhand „Experten“ in Zocker-Optimismus.

Zum Glück lieferte am folgenden Tag (3.6.2009) die Süddeutsche Zeitung gleich auf der Titelseite ein paar Fakten, um diesem künstlich aufgepumpten Immobilien-Bläschen gleich wieder die Luft rauszulassen: In Florida, Las Vegas und den Hamtons von Long Island bricht gerade der US-Markt für Ferienwohnungen zusammen.

Der Ferien- und Zweitwohnungsmarkt der USA machte 2006 fast 40 Prozent des gesamten Immobilienmarktes aus. Dass jetzt Ferienhausbesitzer mindestens sechs Monate brauchen, um eine solche Immobilie loszuwerden und dann auch nur noch zwei Drittel des Vorjahreswerts erzielen, spricht Bände.

Pfandbrief-Krise

Da hat ist sie aber ins Fettnäpfchen getreten – unsere Kanzlerin. Sie kritisiert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Großanlegern aus Banken und Versicherungen für 60 Milliarden Euro Pfandbriefe abkaufen will – und die Zocker-Zeitungen Financial Times (London) und Wall Street Journal (New York) reagieren verschnupft.

Dabei hat die Kanzlerinnen-Kritik einen nachvollziehbaren Kern: Zwar wurde die Finanzkrise durch den Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts ausgelöst – eigentliche Ursache war aber die Blase, die sich in den Jahren zuvor bildete, als die US-amerikanische und die englische Notenbank die Finanzmärkte mit billigem Geld fluteten. Deshalb fragen sich Merkl (und auch Steinbrück), ob die Milliarden der Notenbanken für die Finanzmärkte nicht gerade schon wieder eine neue Spekulationsblase nähren.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 4.6.2009

Und jetzt die Staatsanleihen-Blase

Derzeit entsteht wohl die nächste Spekulationsblase. Weil die Staaten zur Bekämpfung der Finanzkrise jede Menge neue Schulden machen und zu diesem Zweck Staatsanleihen an den Finanzmärkten plazieren, hat sich gerade eine Kursblase in diesem Bereicht gebildet.

So sollen allein die Amerikaner infolge der Finanzkrise 4,8 Billionen Dollar Staatsanleihen ausgegeben haben – gefolgt von Japan mit 1,3 Billionen und Großbritannien mit 808 Milliarden. Deutschland ist mit 535 Millionen Dollar dabei und damit unter den G12-Staaten, die insgesamt 10,2 Billionen Dollar auf die Finanzmärkte warfen, eher im Mittelfeld zu finden.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 25.5.2009