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Geld(-kapital) ist (Banken-)Macht

Die „Zeit“ (4.2.2010) hat zusammengetragen welche Marktkapitalisierung große Banken der Welt haben und wie sich dieser „Wert“ in den 12 Monaten zwischen Februar 2009 und Februar 2010 verändert hat.

  • Industrial & Commercial Bank of China: 173,27 Milliarden Euro (+ 29,5 %)
  • HSBC HDG: 136,98 Milliarden Euro (+84,5 %)
  • JP Morgan Chase: 112,28 Milliarden Euro (+ 51,1 %)
  • Bank of China: 102,2 Milliarden Euro (+ 30,9 %)
  • Bank of America: 96,09 Milliarden Euro (+ 192,7 %)
  • Citigroup: 68,37 Milliarden Euro (+ 352,9 %)
  • Goldman Sachs Group: 56,65 Milliarden Euro (+ 94,7 %)
  • Credit Suisse Group: 38,54 Milliarden Euro (+ 69,4%)
  • Deutsche Bank: 28,35 Milliarden Euro (+ 139,9%)
  • Commerzbank: 6,88 Milliarden Euro (+ 167,8 %)

Henkel und Sarrazin als Rassisten geoutet

Die „Nachdenkseiten“ berichten über eine offenen Brief eines US-Wirtschaftsprofessors an die Bank of America, in dem gefordert wird, den früheren BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel als „Senior Advisor“ zu entlassen. Der Brief wurde vom Medienmagazin „Berliner Journalisten“ übersetzt und ist hier nachzulesen.

Kernvorwurf des Briefs ist, dass Henkel entlassen werden müsse, weil er durch seine Unterstützung für den Bundesbank-Direktor Thilo Sarrazin und dessen in „Lettre international“ geäußerten Thesen zur Einwanderung von türkischen „Obst- und Gemüsehändlern“ und der angeblich höheren Intelligenz von „Juden“ – sowie in einer Antwort auf den Vorwurf eines US-Ökonomen, Henkel sei in der Finanzkrise inkompetent gewesen, wo sich Henkel auf diskriminierende, inzwischen verbotene Praktiken rassistisch begründeter Mieterhöhungen beruft, untragbar für die Bank of America geworden sei.

In dem offenen Brief wird u.a. auch darauf hingewiesen, dass auch in Amerika eingewanderte (italienische) „Obst- und Gemüsehändler“ zum wirtschaftlichen Erfolg der USA beigetragen hätten. Und es wird gesagt, dass Henkel auch der Bank geschadt habe, indem er als Berater seit 2006 auf die falsche Politik der Deregulierung gedrängt habe.

Wall Street hat gewonnen

„Die Zeit“ stellt lakonisch fest „Die Wall Street siegt“ (17.12.2009). Denn bei den anstehenden Finanzmarktregulierungen fehlen ausgerechnet belastbare Regeln für den Derivate-Markt. Dieser Markt, der derzeit 600 Billionen Dollar umfasst (vor der Krise waren es 700 Billionen) war Auslöser der Wirtschaftskrise und ist immer noch der für die Realwirtschaft, die Staaten, die Währungen und die Menschen gefährlicheste Teil des Finanzmarkts.

Doch das Wall Street Kartell der Derivate-Profiteure – die Großbanken J.P. Morgan Chase, Goldman Sachs, Bank of America, Morgan Stanley, Citigroup und Deutsche Bank haben Regeln verhindert – insbesondere die Regel, dass Derivate-Geschäfte an einer Börse öffentlich überprüfbar notiert werden sollten.

So bleibt es bei den undurchsichtigen Hinterzimmerdeals, die über den Ladentisch (englisch: over the counter) gemacht werden. Diese können zwar theoretisch nützlich sein, indem sie z.B. ein US-Unternehmen, das seine Waren nach Europa exportiert, gegen einen möglichen Verfall des Euro schützen; doch in der Realität sind es vor allem Geschäfte, die Hedgefonds und Banken machen, um auf möglichst hohe Gewinne zu wetten. Gefährlich sind die undurchsichtigen Derivate deshalb, weil sie meistens eine Transaktionskette beinhalten, die explodiert, sobald ein beteiligter Vertragspartner im Ernstfall nicht zahlen kann – so wie voriges Jahr die Investmentbank Lehman Brothers und der Versicherungskonzern AIG.

Die Großbanken der Wall Street haben die Politik eingesackt, indem sie in einer Kampagne prominente Kunden der Realwirtschaft – Apple, General Electric, IBM – gegen Derivate-Regeln aufmarschieren ließen. Diese Großkunden haben ein eigennütziges Interesse: Nicht um die Absicherung von Geschäften geht es ihnen, sondern um das Erlangen von Steuervorteilen und die Möglichkeit zur Bilanzkosmetik, die mit dem Derivatehandel einher geht. Deshalb hat der Bankeregeln-Gesetzentwurf des amerikanischen Repräsentantenhauses Ausnahmeregeln für diese „Endkunden“ und die gerade beliebten Devisen-Wetten (die schon vor 10 Jahren beim Zusammenbruch des Hedgefonds LTCM beinahe den Systemkollaps auslösten).

Rekord-Boni

Für Ulrich Thielemann, Wirtschaftsethiker der Universität St. Gallen, sind Bonuszahlungen „das entscheidende Mittel der Banken, um ein falsches Unternehmensziel durchzusetzen, nämlich das der Gewinnmaximierung“.

Dieses System funktioniert bestens: Die 10 größten Banken Amerikas machen fette Gewinne und schütten an ihre Mitarbeiter Rekord-Boni aus. Die allergrößte Bank der USA, die Bank of America wird 2009 voraussichtlich 124 Milliarden Dollar Gewinn machen. Davon werden dann 30 Milliarden Dollar als Boni ausgeschüttet – über 100.000 Dollar pro Mitarbeiter. Bei der Nummer 2, J.P. Morgan Chase werden von 103 Milliarden Gewinn-Dollar 29,5 Millionen an die Banker ausgezahlt – fast 134.000 Dollar pro Beschäftigten. Die Nummer drei, die Citigroup, gibt sich mit einem Bonus von 71.000 Dollar pro Mitarbeiter fast bescheiden, von 94 Milliarden Dollar Gewinn werden „nur“ 22 Milliarden für Bonuszahlungen verwendet.

Auf Platz vier folgt der Bonus-Spitzenreiter Goldman Sachs, der von 44 Milliarden Dollar Gewinn fast die Hälfte an die eigenen Manager auszahlt – 740.000 Dollar pro Mitarbeiter. Die Nummer fünf, Morgan Stanley, wird 23 Milliarden Dollar Gewinn einfahren und davon den größten Teil als Boni wieder auszahlen – 16,4 Milliarden Dollar oder 263.000 Dollar pro Mitarbeiter.

Gleichzeitig geht das Bankensterben in den USA weiter: In Kürze wird dort Bank Nummer 100 pleite gehen – ein Fest für die Investmentbanker, die gerade mit Bankübernahmen viel Geld verdienen. Im Finanzmarktcasino gibt es also gerade eine gigantische Finanzmacht-Konzentrationswelle – finanziert von den Steuerzahlern, die die großen Banken „retten“ mussten.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 15.10.2009

Gute Zertifikate-Stimmung

Es wahren sogenannte „Zertifikate“ der Lehman Brothers, die dafür sorgten, dass dieses Finanzmarktprodukte bei deutschen Anlegern in Verruf gerieten. Doch ist das Anleger-Gedächtnis sehr sehr kurz. Beim Jahrestreffen des Deutschen Derivate Verbands (DDV) jubelte dessen geschäftsführender Vorstand Hartmut Knüppel, dass sich das Marktvolumen, das in der Krise auf 78 Milliarden Euro abgesackt war, derzeit wieder der 100 Milliarden Grenze nähere.

Dabei kaufen die Anleger die komplizierten Finanzmarktprodukte vor allem dann, wenn diese mit einer „Garantie“ für eine teilweisen oder ganzen Kapitalschutz versehen sind. Dafür müssen sie hohe Gebühren und Vertriebsprovisionen bezahlen, was die reale Rendite meist soweit schrumpfen lässt, dass nicht einmal mit Steuersparmodellen ein realer Anlagegewinn herauskommt – aber gute Gewinne für die Vertreiber wie die Bank Merril Lynch (die von der Bank of America übernommen wurde und jetzt wieder in Deutschland Zertifikate verkauft).

Quelle: Süddeutsche Zeitung 6.10.2009

Gewinne und Boni

In der „Zeit“ (23.7.2009) weist Arne Storn auf einiges hin, was sich hinter den Milliardengewinnen der internationalen Großbanken im 2. Quartal (Goldman Sach 3,4 Miliarden Dollar, JPMorgan Chase 2,7 Milliarden, Bank of America 3,2 Milliarden, Citigroup 4,3 Milliarden) verbirgt und macht einen gut begründeten Vorschlag gegen die Finanzmarkt-Zockerei:

Zu den Hintergründen der Gewinne: Sie sind unter anderem Ergebnis mangelnder Konkurrenz – Bear Stearns, Lehman Brothers oder Merril Lynch sind pleite und vom Markt verschwunden. Dazu kommen geänderte Bilanzregeln, die Abschreibungen unnötig machen und damit Verluste kaschieren; ebenso günstige Zinsen der Notenbanken und Rettungs-Staatsgelder, die an die Banken durchgereicht wurden (Beispiel: der Versicherer AIG).

Und der Vorschlag: Unglaublich aber wahr: die Hälfte ihrer Gewinne schütten die Banken an ihre Mitarbeiter aus – vor allem jene „Top Banker“, die im Finanzmarktcasino zocken. Dabei handeln die Bankmitarbeiter nicht auf eigenes Risiko, da sie ja mit den Kundengeldern der Bank ihre riskanten Geschäfte tätigen. Arne Storn schlägt daher vor, die Gewinne stärker zum Aufbau größeren Eigenkapitals der Banken zu nutzen und die Bonuszahlungen auf 10 bis 20 Prozent des Gewinns zu begrenzen. Das würde seiner Meinung nach den Hang zur kurzfristigen Zockerei begrenzen.

Banker wollen Boni vom Gericht

1,5 Millionen Euro Abfindung klagte Jens-Peter Neumann vor dem Arbeitsgericht Frankfurt ein, nachdem ihm bereis ein Bonus von 3 Millionen Euro ausbezahlt worden war. Neumann war bei der Dresdner Bank für das Kapitalmarktgeschäft zuständig – ehe diese von der Commerzbank übernommen wurde.

Die Vorstände der Investmentbank Dresdner Kleinwort Eduardo Listorti, Stefan Gütter und Martin Newson klagen vor dem Londoner High Court Bonuszahlungen von 6,6 Millionen, 4,3 Millionen und 3,2 Millionen Euro ein – weil ihre Geschäftsbereich 2008 Gewinne gemacht und ihre Ziele übererfüllt hätten. So hätte etwa Listorti mit seinen Spekulationen auf Rohstoffe, Devisen und Anleihen 1,1 Milliarden Euro Ertrag erzielt.

Zur Erinnerung: Die Commerzabank hatte mit dem Kauf der Dresdner Bank 400 Millionen Euro Bonusverpflichtungen übernommen, die sie strich als der Jahresabschluss 2008 vorlag. Der Bund hatte zwischenzeitlich die Commerzbank gerettet und war dort mit 25 Prozent zum größten Aktionär aufgestiegen.

Auch bei Barclays kassieren die Manager wieder kräftig ab – nur ohne Gericht: Die Tochter Barclay Global Investment (BGI) zahlt an Barclays Präsident bob Diamond eine Prämie von 25 Millionen Euro für den Verkauf der Tochterfirma BGI an die amerikanische Investmentgesellschaft Blackrock. BGI-Topmanager Blake Grossmann bekommt sogar rund 60 Millionen Euro für das Geschäft.

Ander Banken wie die Schweizer UBS, die Citgroup und die Bank of Amerika haben Wege gefunden, ihren Managern wieder Spitzengehälter zu zahlen – sie haben einfach die Boni gekürzt und dafür die Fixgehälter kräftig angehoben.

Quelle: Süddeutsche Zeitung (18.6.2009)