Archiv der Kategorie: Im Casino

55 Milliarden „Peanuts“ von der „Bad Bank“

Um 55,5 Milliarden Euro „verrechnet“ hat sich die „Bad Bank“ in der die mit Staatsschulden abgesicherten Risiken der Hypo Real Estate liegen. Das senkt Schäubles Schuldenberg um mehr 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (von 84,2 auf 83,2 Prozent des BIP). Ein geradezu irrsinniger „Buchungsfehler“, der zudem von der Regierung noch längstmöglich verschwiegen wurde.

Quelle: telepolis, 29.10.2011

Hunger-Gewinne

Die Organisation „foodwatch“ hat einen Bericht veröffentlicht. In „Die Hungermacher – Wie Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co. auf Kosten der Ärmsten mit Nahrungsmitteln spekulieren“ wird deutlich, welche Größenordnung zwischenzeitlich die Spekulation mit Agrarprodukten erreicht hat: bis Ende März haben Versicherungen und andere Anleger den Investmentbanken und Hedgefonds Nahrungsmittelwetten im Wert von 600 Milliarden US-Dollar abgekauft. Damit ist dieser Markt zu vier Fünfteln (80 Prozent) von Finanzspekulanten beherrscht, die nur das kurzfristige Interesse haben, die Nahrungsmittelpreise in die Höhe zu treiben – mit der Folge noch größeren Hungers in der Welt.

Begleitend zur Veröffentlichung des Berichts gab es auch eine E-Mail-Aktion an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit dem Titel „Hände weg vom Acker, Mann“.

Quelle: telepolis (18.10.2011)

Stresstestgeprüfte Bank macht Stress

2008 mussten Frankreich, Belgien und Luxemburg die Dexia-Bank mti 6,4 Milliarden Euro direkt stützen und Garantien für weitere 150 Milliarden Euro abgeben. Danach bestand die Bank den sogenannten europäischen „Stresstest“ mit Auszeichnung, die so genannte Kernkapitalquote lag weit über den geforderten 5 Prozent, sogar über 10 Prozent.

Dennoch musste am Ende eine „Bad Bank“ für Risiko-Papiere gegründet und der Rest der Bank verstaatlicht werden – was vor allem Belgiens Staatsverschuldung weiter nach oben treibt und das Land damit zu einem bevorzugten Angriffsziel der Finanzmarkt-Spekulanten macht. 90 Milliarden Euro kostet die Abwicklung der Dexia-Bank, die zu viele griechische Staatsanleihen hielt.

Quelle: telepolis (11.10.2011)

Kein Crash aber Index sinkt

Als metaphysische Mysterien beschreibt die „telepolis“ (14.9.2011), dass bislang der große Aktiencrash ausblieb. Billiges Geld der Zentralbanken, der Renditezwang der institutionellen Anleger, die hohen Einstiegspreise bei anderen „Finanzprodukten“ (Immobilien, Gold u.ä.) und die Möglichkeit, mit minimalen Differenzen Geld zu verdienen und dies mit Leerverkäufen auch noch bei fallenden Kursen werden in dem Artikel als Gründe genannt. Der ganz große Crash bleibt aus, obwohl im Börsen-Casino nur noch Altlasten gehandelt oder umverpackt werden. Aber am Ende sinken die Kurse und Börsen-Indizes wie im Beispiel Japan, wo vor 20 Jahren der Nikkei-Index der Tokioter Börse mit Höchsständen von 40.000 Punkten glänzte, die er seither nie mehr erreichte (aktuell dümpelt dieser Index deutlich unter 10.000 Punkten).

Es nützt nichts

143 Milliarden Euro Staatsanleihen von Ländern, die Angriffsziele der Spekulanten sind, hält die Europäische Zentralbank. Allein im August 2011 waren es 70 Milliarden Euro, die Hälfte davon im Rahmen der Aufkaufprogramme zur Euro-Rettung. Doch es nützte alles nichts: Die Spekulanten, die an überhöhten Zinsen verdienen, nahmen Italien ins Visier, das dann von Deutschland gedrängt wurde, sich wie Griechenland kaputt zu sparen.

Den Zwischenstand gab es bei der „telepolis“ (13.9.2011)

Notmaßnahme: Euro-Koppelung

Am 7.9.2011 zog die Schweizer Nationalbank die Notbremse. Nachdem das vagabundierende Anlagekapital wegen der angeblichen „Härte“ des Schweizer Franken sogar bereit war, schweizer Staatsanleihen mit einem „Minuszins“ zu kaufen (d.h. der Schweizer Staat zahlt am Ende der Laufzeit der Anleihe weniger als den Kaufpreis zurück) und den Kurs des Schweizer Franken so hoch trieb, dass die gesamte Volkswirtschaft und insbesondere der arbeitsplatzintensive Tourismus kurz vor einem tödlichen Mangel an ausländischen Kunden stand, wurde jetzt der „harte“ Franken an den „weichen“ Euro gekoppelt – mit einem Wechselkursverlust zum Vortag von 10 Prozent auf 1,20 Euro.

Jetzt trauern einige Euro-Gegner ihrem Fluchtgeld nach. Aber es bleibt ja noch die Goldpreis-Spekulation, die derzeit das überschüssige Bargeld der Reichen, Banken und Versicherungskonzerne anzieht – Nachteil: Verzinsung Null und dazu das Risiko, dass irgendjemand erkennt, dass man Goldbarren zwar in die Aktentasche stecken und als Steuerflüchtling in die Schweiz bringen kann, dies aber den Kapitalismus auch nicht wirklich voranbringt (dessen Zweck ja die Rendite auf eingesetztes Kapital ist).

Börsen sehen Rezession kommen

Zwischenstand im aktuellen Absturz der Börsen: Der Leitindex DAX hat etwa ein Viertel seines Wertes seit August verloren und liegt damit auf dem Niveau von vor 2 Jahren (5246 Punkte). Als Grund nennen die Börsianer immer häufiger, dass die Krisen-Sparpakete unmittelbar in eine Rezession der „Realwirtschaft“ führen und deshalb Unternehmensbeteiligungen (Aktien) keine Anlageform für die Gelder der Reichen mehr sind.

Kommentar: Die Spekulanten-Party ist mal wieder vorbei und Angela Merkels „XXL-Aufschwung“ platzt wie die Börsenblase. Bezahlen müssen aber leider wieder einmal die Beschäftigten, die Arbeitslosen und die sozial Ausgegrenzten.

Quelle: telepolis, 6.9.2011

Steuersenkung für Banken

Während in Spanien die Bevölkerung darunter leidet, dass der Mehrwertsteuersatz auf 18 Prozent angehoben wurde – was die täglich notwendigen Einkäufe verteuert – machte die spanische Regierung den Banken des Landes ein Geschenk: Die Mehrwertsteuer für den Verkauf von Immobilien wurde auf 4 Prozent gesenkt. Ziel ist, den Banken den Verkauf von Häusern zu erleichtern, für die sie einst Kredite vergaben, die von den Kreditnehmern aber in der Krise nicht mehr zurückgezahlt wurden, worauf dann die Zwangsenteignung der Hausbesitzer erfolgte.

Quelle: telepolis, 24.8.2011

Kommentar: Ein ähnlich schönes Beispiel wie die Subvention für deutsche Rüstungsexporte, die in den Griechenland-Hilfspaketen enthalten ist (Griechenland, darf nicht von den beschlossenen Rüstungsgeschäften Abstand nehmen, um seine Staatsschulden zu verringern).

Banken machen Gewinn mit Staatsschulden

Vor 20 Jahren hielten Banken etwa 10 Prozent der weltweiten Staatsschulden und finanzierten ihre Kreditvergaben vor allem auf dem Interbankenmarkt, indem sie bei anderen Banken Kredite aufnahmen, die sie mit Zinsaufschlag an ihre Kunden weitergaben.

Inzwischen werden 40 Prozent der weltweit ausgegebenen Staatsschulden-Papiere von Banken gehalten. Damit sind die mit Staatsgeldern geretteten Banken (was die Staatsschulden nach oben trieb) die Hauptverursacher der aktuellen Staatsschulden-Krise. Denn die Banken „managen“ ihre Staatsschulden-Portfolios „aktiv“. Das bedeutet, dass die Staatspapier-Händler der Banken einerseits dafür sorgen, dass sich mit Zinsdifferenzen auf Kosten der Staaten hohe Renditen für die Banken erwirtschaften lassen und andererseits, dass der Herdentrieb der Händler ganze Staaten in den finanziellen Untergang treibt, wenn die Meute wegen irgendwelcher neoliberaler „Ratings“ auf einen Schlag Papiere eines Staates wie Griechenland verkauft und damit dessen Bonität nach unten und die dazugehörigen Zinsen weit nach oben treiben.

Quelle: telepolis, 20.8.2011

Sieben Dummheiten

Vor, während und nach einem Crash haben „Analysten“ immer eine „Erklärung“ parat, warum die Börsen-Meute gerade in diese oder jene Richtung trampelt. In der „telepolis“ hat Alexander Dill einmal diese sieben Dummheiten übersichtlich präsentiert. Sehr lesenswert für alle, die von „Marktbereinigung“, „Kurskorrektur“, „Zyklus“ oder „Konjunktur“ die Schnauze voll haben.

Panikniveau steigt

Wird in einer Volkswirtschaft ein bestimmtes „Panikniveau“ erreicht, so die „telepolis“ in einem Bericht über eine Studie von Nicholas Bloom, so kommt diese wegen der abwartenden Haltung der Konsumenten und der damit abnehmenden Binnenkonjunktur zum erliegen und rutscht in die Rezession. In dem Artikel gibt es auch eine dazu passende Grafik und folgendes Zitat:

„Wenn Menschen bezüglich ihrer Zukunft unsicher sind, dann warten sie ab und machen gar nichts. Unternehmen stellen niemanden neu an oder investieren, Konsumenten kaufen keine neuen Fernseher oder Autos und renovieren auch nicht ihre Häuser. Während jeder abwartet kommt die Wirtschaft zum Stillstand.“

Euro, Berlusconi, Dollar

Vor 3 Jahren war der Auslöser der Krise greifbar: Nach der Pleite der Bear Stearns Bank sorgte die Pleite der Lehman-Bank für das Platzen der US-Immobilienblase und den großen Finanzcrash. Diesmal ist die Suche nach dem Auslöser für die Talfahrt an den Börsen etwas schwieriger und viele nennen die Herabstufung der Bonität von US-Staatsanleihen durch Rating-Agenturen als das entscheidende Ereignis. Doch ein Artikel der „telepolis“ zeigt, dass schon einige Tage zuvor die Spekulanten auf Baisse setzten. Die spanischen Staatsschulden und Äußerungen des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi scheinen diesemal der Beginn des Platzens der Aufschwungs-Blase gewesen zu sein.

Schädlich starke Währung

Der Schweizer Franken ist eine „starke“ Währung – weil Schweizer Geld wie Gold „Fluchtwährung“ ist und in Zeiten der Finanzkrise von ängstlichen Anlegern zu jedem Preis gekauft wird. Das hat für die Schweizer Folgen: Sind sie als Touristen im Ausland unterwegs freuen sie sich, dass sie heute nur noch 1,10 Franken für einen Euro zahlen müssen, statt 1,70 Franken im Jahr 2007. Andererseits stranguliert der Franken die Schweizer Exportwirtschaft – so dass die Zentralbank die eigene Währung mit einer Senkung des Leitzinses auf 0,25 Prozent noch einmal künstlich verbilligte.

Quelle: telepolis

Kreditwürdigkeit

Schon einige Tage bevor die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch die privaten Rating-Agenturen für die Einleitung der nächsten Krisen-Runde sorgte, veröffentlichte die „Telepolis“ eine interessante Statistik: Danach wuchsen in vielen Ländern – auch Griechenland, Italien oder Portugal – die Privatvermögen in den Jahren 2000 bis 2010 an uns liegen pro Kopf deutlich über den Pro-Kopf-Staatsschulden. Im Durchschnit der 16 Euro-Staaten liegt der private Vermögenszuwach in diesen 10 Jahren bei 66%. Pro-Kopf-Staatsschulden von knapp 21.500 Euro stehen damit Pro-Kopf-Vermögen von über 77.000 Euro gegenüber.

Ganz anders in den USA: Dort sanken in den 10 Jahren die Pro-Kopf-Vermögen um 28 Prozent auf nur noch knapp 50.000 Euro pro Haushalt. Dem stehen immerhin mehr als 32.500 Euro Schulden gegenüber.

In Deutschland gibt es übrigens eine besonders interessante Entwicklung: Dort betrug der Vermögenszuwachs in 10 Jahren pro Kopf immerhin 83%, dann aber – von 2010 auf 2011 satte 10 Prozent auf 104.000 Euro. Dem stehen Pro-Kopf-Staatsschulden von 24.000 Euro gegenüber.

Steuergeld aus dem Paradies

In einem Kommentar listet die Financial Times Deutschland (31.5.2011) ein paar Fakten zu Steuerparadiesen auf – und zu den Gründen, warum diese Geld-Oasen nicht ausgetrocknet werden:

  • Beispiel Rohstoffkonzern Glencore: Steuerlicher Sitz: Baar im schweizer Niedrigsteuerkanton Zug; rechtlicher Sitz seit 14.3.2011: Die englische Kanalinsel Jersey; die Finanzierungsgesellschaft Glencore Finance hat ihren Sitz in Luxemburg. Steuer- und „Laisser faire“-Paradiese allesamt. Die gesparten Steuern sind Gelder, die eigentlich den Staaten zustehen, in denen Glencore nach Rohstoffen schürfen lässt; konsequent weist Glencore Sambias Forderung nach höheren Steuereinnahmen aus der Konzern-Mine Mopani zurück.
  • Internationale Konzerne und vermögende Privatkunden entziehen sich durch Flucht in Stuerparadiese ihrer gesellschaftlichen Pflicht: In den USA zahlten Unternehmen in den 1950er-Jahren 40 Prozent der Einkommensteuern. Heute beträgt dieser Anteil nur noch 20 Prozent. Entwicklungsländer verloren durch Steuerflucht nach Schätzungen 1200 Milliarden Dollar an Einnahmen (1.200.000.000.000 $), die USA im Vergleich zu den 1960er-Jahren jährlich 280 Milliarden Dollar. Die Zeche zahlen die übrigen Staatsbürger in Form schlechterer Sozialsysteme und Infrastruktur.
  • Dass nichts getan wird liegt – so der Buchautor Nicholas Shaxson („Treasure Islands“ – übersetzt: Schatzinseln) daran, dass die aufgeblähten Finanzsektoren in den USA und Großbritannien mit Geld aus den Steuerparadiesen gefüttert werden. Dazu dient das „Spinnennetz“: Geld wandert vom inneren Kreis – den Steureoasen wie Jersey oder Guernsey in den zweiten Ring, die Übersee-Steuerparadiese wie die Cayman-Inseln in den dritten Ring – Handelsplätze wie Hongkong oder Singapur. In den USA ist der erste Ring die Bundesregierung, die Steuerbefreiungen erlaubt, die dann im zweiten Ring, den inländischen Offshore-Paradiesen Florida und Delaware landen, wo die Hälfte aller US-Firmen ihren Sitz hat.
  • Michael Foot vermutete, dass allein im 2. Quartal 2009 britische Banken eine Nettofinanzierung von 332,5 Milliarden Dollar (332.500.000.000 $) aus Guernsey, Jersey und der Isle of Man erhielten. Von den Bermuda-Inseln kommt fast ein Drittel der beim Versicherer Lloyds angelegten Gelder, etwa 6,22 Milliarden Euro.

Spekulanten-Spiele

„Die wichtigsten Akteure im Handel mit Staatsschulden sind Ratingagenturen und die großen Investmentbanken… Nur 16 Banken bilden den „Derivatives Dealers‘ Club“. Nach der Finanzkrise haben sie die Spekulationen mit Kreditversicherungen (CDS) auf Staatsschulden ausgeweitet…

…wie bei allen Derivaten kann man damit auch wetten: Jemand hat gar keine Forderung gegen Griechenland und lässt sich dennoch Staatsanleihen in Höhe von einer Milliarde Euro versichern. Vor 18 Monaten waren die Prämien noch gering (…1,5 Prozent des Versicherungswerts). Weil sich die Kreditwürdigkeit Griechenlands verschlechtert hat, stiegen die Prämen … und damit die Marktwerte der … CDS. Mit keinem anderen Geschäft konnte man ähnlich hohe Gewinne machen.

Die echte Absicherung (Hedging) mit CDS hat im Vergleich zur Spekulation keine Bedeutung. Das ergibt sich … aus dem täglichen Transaktionsvolumen von … 4000 Milliarden Dollar. Echtes Hedging bedeutet Halten eines Kontrakts und nicht ein permanentes Handeln. Der Finanzsektor … nutzt reale Probleme aus… Entscheiden für den Spekulationserfolg ist …, diese Probleme gezielt an- und auszuspielen.

Dem dient das mehrfache Doppelpasspiel zwischen den drei US-Ratingagenturen, den Investmentbanken und sonstigen Akteren auf den CDS- und Anleihemärkten. Die Ratingagenturen kündigen eine Herabstufung … an, die Banken übernehmen und erhöhen die CDS-Prämien – nicht ohne vorher CDS gekauft zu haben. Damit rollt der Ball weiter zu den Anleihehändlern, die Zinsen steigen… Nun folgt ein eleganter Rückpass: Die Ratingagenturen stufen … weiter runter, weil die hohen Zinsen das Risiko erhöht haben…“

Stephan Schulmeister im „Handelsblatt“  (31.5.2011)

Neue Internet-Blase

Die Zeit (26.5.2011) macht auf die gerade beginnende zweite Internet-Blase aufmerksam. Kapitalisten investieren in Firmen, die gemessen an Umsatz und Gewinn eher klein sind – aber in der „Bewertung“ zu gigantischen Vermögenswerten aufgeblasen werden. Facebook, der Gigant der Blase, macht bei 2,5 Milliarden US-Dollar Umsatz (geschätzt) etwa 830 Millionen Dollar Gewinn (auch geschätzt). Das führt dann zu einem „Börsenwert“ von 60 Milliarden US-Dollar (60.000.000.000 $). Ähnlich die Verhältnisse beim Internet-Telefoniekonzern Skype: 860 Millionen Dollar Umsatz, 7 Millionen Dollar Verlust, „Wert“: 8,5 Milliarden Dollar. Und bei LinkedIn, einem anderen sozialen Netzwerk, soll ein eher mittelständischer Umsatz von 243 Millionen Dollar im Jahr und einem Gewinn von 15 Millionen Dollar für einen Großkonzern-Unternehmenswert von 8 Milliarden Dollar gut sein.

Bomben-Geschäfte

107 Staaten haben die Konvention unterschrieben, die Einsatz, Herstellung und Lagerung von Streubomben verbietet. Nicht zu diesen Staaten gehören Militärmächte wie Russland, Indien, Israel oder die USA. Deutschland gehört zu den Staaten, die die Konvention unterzeichneten.

In einem Zeit-Artikel (19.5.2011) wird anschaulich beschrieben, wie das Geld, das der Versicherungskonzern „Deutscher Ring“ für Riester-Rentenversicherungen einsammelt. Geld, das wie in diesem Beispiel in die RingRiesterAktiv top3 fondsbasierte Riester-Rente fließt landet in 22 Investmentfonds – unter anderem beim U.S. Mid Cap Value Fund der Firma Pioneer. Dieser Fonds investiert in bekannte Unternehmen wie Harley Davidson oder Xerox – und in weniger bekannte wie den Mischkonzern Textron. Pioneer legte etwas 15 Millionen Dollar in Aktien dieser Firma an. Und die baut unter anderem die Streubombe CBU-105, die unter anderem 2003 im ersten Irakkrieg tötete.

In dem Artikel heißt es weiter, dass auch die Versicherungen Allianz, Condor, WWK, Generali, Volkswohlbund, Stuttgarter, Basler, Neue Leben und Volksfürsorge Riester-Gelder in Bomben-Aktien anlegen. Pioneer erklärte, nachdem die Zeit das Fondsunternehmen mit den Ergebnissen seiner Recherche konfrontierte, den Abzug der Anlage-Gelder aus der Firma Textron zu prüfen (Verkauf der Aktien).

 

Neuer Job

Der frühere Arcandor-Vorstandschef Thomas Middelhoff hat allen Grund, sich zu freuen – nicht nur weil die 175-Millionen-Euro Schadenersatzklage, die Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gegen Middelhoff anstrengte, nach Ansicht von Richterin Regina Pohlmann in vier der fünf geltend gemachten Fälle verjährt sind (Der Vorwurf gegen Middelhoff lautet, ungünstige Mietverträge für Karstadt-Warenhäuser nicht angefochten zu haben). Middelhoff hat auch einen neuen Job: bei der Firma Pulse Capital Partners in New York. Diese Firma vermittelt „Investoren“ an „kleinere“ Hedgefonds. „Kleiner“ bedeutet in diesem Fall ein Einlagekapital von bis zu 300 Millionen Dollar. Middelhoff soll mithelfen, Großanleger-Geld in diese Fonds zu locken, damit diese auf über 1 Milliarde US-Dollar (1.000.000.000 $) kommen – der Betrag, der an der Wall Street als nötig erachtet wird, um im Casino richtig mitspielen zu dürfen.

Middelhoff hatte nach seinem Abgang vom insolventen Handelskonzern Arcandor mit dem Unternehmensberater Roland Berger und dem Investmentbanker Florian Lahnstein 2009 die Firma BLM in London gegründet. Das Trio trennte sich aber, wobei Middelhoff den Geschäftsbereich Hedgefonds mitnahm. Bei Pulse arbeitet Middelhoff mit alten bekannten zusammen: Gary Long (Gründungspartner von Pulse) und Ibrahim Ghargour. Die hatte er kennengelernt als er nach seinem Abgang bei Bertelsmann (2002) bei der in Bahrein angesiedelten Investmentbank Investcorp arbeitete. Diese leitet Öl-Dollars aus der Golfregion in Unternehmensbeteiligungen und Immobilien in London und New York um. Gharghour leitete das Hedgefonds-Geschäft von Investcorp, die damals von Long als Finanzchef und Präsident geführt wurde. 2008 machte Investcorp 800 Millionen Dollar Verlust. Garghour ging 2009.

Jetzt will das Trio seine Kontakte zu den Reichen und Mächtigen in Arabien und den Akteuren der Wall Street nutzen, um Milliarden an die Hedgefonds zu vermitteln – gegen Gewinnbeteiligung.

Quelle: Die Zeit (20.4.2011)

Rating-Fehler

In einem Interview mit der „taz“ (25.7.2011) listet der Chef der 1994 gegründeten chinesischen Rating-Agentur Dagong Global Credit Rating Co. Ltd., Guan Jianzhong, einige systematische Fehler der US-amerikanischen Rating-Agenturen auf:

  • Beurteilung der wirtschaftlichen Stärke eines Landes mit dem Maßstab Bruttosozialprodukt pro Kopf der Bevölkerung
  • Beurteilung nach „Offenheit“ von Wirtschaft und Finanzsystem
  • Beurteilung nach „Unabhängigkeit“ der Zentralbank von der Regierung
  • Beurteilung nach freier Handelbarkeit (Konvertibilität) der Währung

Diese Kriterien und das von dem tief im Establishment der sich kommunistisch nennenden Machthaber Chinas steckende Jianzhong als erstes genannte Kriterium der Erfüllung westlicher Demokratievorstellungen würden dazu führen, dass die 15 Top-Schuldennationen mit guten Rankings bewertet würden – die USA und Großbritannien sogar mit AAA. Jianzhong kritisiert, dass diese Kriterien nichts darüber aussagen, ob ein Land fähig ist, seine Schulden an die Geldgeber zurückzuzahlen.

Der Chinese, der in dem Interview durchblicken lässt, dass er den autoritär-undemokratischen Weg Chinas für die bessere Alternative zu kapitalistischem Wachstum hält, legt auch die Kriterien seiner Agentur dar:

  • Wirkung des politischen und wirtschaftlichen Systems auf tatsächliches wirtschaftliches Handeln des Staates und der Unternehmen
  • Wachstumsperspektiven des Landes (Ranking der einzelnen Industrien, Wettbewerbsfähigkeit)
  • Orientierung des Finanzsystems an den Bedürfnissen der Realwirtschaft (realer Reichtum statt virtueller Reichtum der Finanzmärkte) – Verhältnis von Realwirtschaft und Finanzökonomie
  • Exaktes finanzielles Einkommen einer Volkswirtschaft
  • Fähigkeit des Landes zum Aufbau von Devisenreserven.

In dem Interview spricht sich Jianzhong schließlich dafür aus, eine internationale Rating-Agentur zu schaffen, die gemeinsam getragene Kritierien entwickelt und daraus dann ein international anerkanntes Regelwerk bildet. Den Europätern empfiehlt er, nach Veröffentlichung der Bewertungen der US-Rating-Agenturen ein ergänzendes Gutachten bei seiner Agentur zu beauftragen, da dies „die Situation in Europa drastisch verändern“ würde.

Hunger-Spekulanten

In einem Interview („taz“, 22.6.2011) macht Heiner Flassbeck von der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung (Unctad) in Genf auf einige Fakten der laufenden Lebensmittel- und Rohstoff-Spekulation aufmerksam:

  • Es sei „ein beliebtes Märchen“, dass die Nachfrage aus China und Indien die Preise an den Lebensmittel- und Rohstoffmärkten nach oben treibe. Dies werde von interessierten Finanzmarktakteuren wie Goldman Sachs gestreut, um davon abzulenken, dass nicht der physische Markt, sondern der Finanzmarkt für die Preissteigerungen verantwortlich ist.
  • Die Deutsche Bank ist einer der größten Zuckerhändler der Welt. Nicht etwa, weil damit viel Geld zu verdienen wäre, sondern weil die Deutsche Bank hofft, eine Herde von Spekulanten und Unwissenden zum Kauf von Zuckerpapieren bewegen zu können, um die eigenen Bestände gewinnbringend weiterzuverkaufen.
  • Spekulanten sorgen dafür, dass einzelne Rohstoff- und Lebensmittelpreise stark steigen. Die eigentliche Bedingung für Preissteigerungen, die Wachstumsrate der Lohnstückkosten, ist in fast allen Ländern nahe Null (Ausnahme: China, wo es kräftige Lohnsteigerungen gibt).

In einem weiteren Artikel zum Thema schätzt die Entwicklungsorganisation Oxfam, dass in diesem Jahr die Zahl hungernder Menschen auf eine Milliarde anwachsen wird, nach 925 Millionen Hungernden im Vorjahr. Weiter heißt es, dass der Lebensmittelpreis-Index der UN-Agrarorganisation FAO im Mai um 14 Prozent über dem Vorjahreswert lag.

Kein Stress mit dem Stresstest

„…Der Stresstest ist ein Witz, weil er die Finanzmärkte ‚beruhigen‘ soll. Damit steht vorher fest, was hinterher herauskommt. Es müssen ein paar Banken durchfallen, damit der Test realistisch wirkt – aber es dürfen nicht zu viele sein, weil die Investoren sonst in Panik gerieten.

Von den Aufsehern wird also viel verlangt: Sie müssen einen ‚Worst Case‘ simulieren, der den Worst Case einer zweiten Finanzkrise roßräumig vermeidet. Daher wurde … angenommen, dass die Aktienkurse nur um maximal 15 Prozent einbrechen. Das ist lächerlich. Nach der Pleite von Lehman Brothers verloren die Börsen mehr als die Hälfte ihres Wertes. Noch lustiger ist es bei den Staatsanleihen … kommt die Pleite eines Eurolandes … nicht vor. …

Was … hilft? … Eigenkapital deutlich erhöhen… Diese Idee wird aber … hartnäckig bekämpft. Die Banken wollen weiter wie Hedgefonds agieren und mit fremdem Geld den eigenen Gewinn mehren. Das Risiko trägt ja der Steuerzahler.“

Kommentar der „taz“  (18.7.2011) zum sogenannten Banken-Stresstest.

Euro überbewertet

„…mitten in der Eurokrise notiwrt der Euro bei 1,42 zum Dollar – und damit weit oberhalb der Kaufkraftparität. Der Euro ist also deutlich überbewertet.

…Entweder ist die Eurokrise gar nicht so schlimm – oder woanders ist es noch schlimmer…

Das Dilemma der Investoren: Leider können sie ihr Geld nicht auf dem Mars anlegen, stattdessen müssen sie zwischen Dollar und Euro pendeln, denn nur diese beiden Wirtschaftsräume sind groß genug, um die Geldmassen zu absorbieren, die rund um den Globus schwirren. Die Eurozone müsste sich also vor den Finanzmärkten nicht fürchten. Einzige Bedingung: Sie darf nicht zulassen, dass gegen einzelne Euroländer spekuliert wird. Gebraucht wird ein gemeinsamer Eurobond. Dann könnte Europa die Investoren erpressen – und nicht umgekehrt.“

Kommentar in der „taz“ (15.7.2011)