Kriminelle Logik

Beim aktuellen Dioxin-Skandal in Sachen Futtermittel ist wieder einmal schön zu beobachten, wie sich die allgemeine Debatte vom eigentlichen Kern des Problems entfernt. Klar war der Fett-Panscher-Betrieb eines ehemaligen Stasi-Offiziers, der seine ganz eigene kriminelle Unterwanderungsstrategie des Kapitalismus lebte, „nur“ eine kriminelle Randerscheinung der Nahrungsmittelindustrie.

Aber am kriminellen Rand wird in derselben Rationalisierungslogik gearbeitet, die jeden industriell-kapitalistischen Produktionsprozess auszeichnet: Mit immer billigeren Rohstoffen immer höhere Gewinne erzielen. Und weil die Kunden mit ihrer Geiz-ist-geil-Mentaltität diese Logik auch auf „dem Markt“ befördern, wird es immer sogenannte Lebensmittelskandale geben. Dabei ist die industrielle Nahrungsmittelerzeugung selbst der große Fehler. Die Ausrichtung der Nahrungsmittelerzeugung und -Fertigung an den Bedürfnissen eines auf Preissenkung ausgerichteten Marktes kommt immer wieder an die Grenzen des Ekels.

Tierquälerische Massentierhaltung und billig-panschende Nahrungsmittelverarbeitung bis hin zum Preiswettbewerb der Discounter liegen in der Logik der Gewinnmaximierung bei Minimierung des einzusetzenden/vorzuschießenden Kapitals. Wem das nicht gefällt, der muss sich dem System so weit wie möglich entziehen und wird damit zum „Feind“ des Kapitalismus – selbst wenn er nur Öko-Eier kauft.

Übrigens: Dioxin entsteht immer, wenn Produkte aus der (Erd-)Ölchemie bei Temperaturen von unter 1000 Grad verbrannt werden. Ganz gleich, ob es sich um das Verbrennen von Plastiktüten in Müllverbrennungsanlagen handelt oder um das Verwerten von Altfetten in der Futtermittelproduktion.

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