Schlagwort-Archive: Staatsanleihen

1. Juni 2012: Zinssatz Null

Es war ein denkwürdiger Tag im weltweiten Spekulationscasino. So sehr suchen die „Anleger“ „sichere Häfen“, dass sie bereit sind, ihr Kapital nach und nach zu vernichten. Am 1. Juni 2012 konnte die Bundesregierung erstmals deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 2 Jahren zu einem negativen Zinssatz versteigern. Die großen Spekulanten sind bereit, Deutschland für 2 Jahre Geld zu leihen, obwohl sie in diesen zwei Jahren nicht nur den Inflationsverlust verbuchen müssen, sondern am Ende auch noch 0,002 Prozent pro Jahr weniger herausbekommen werden als sie nominal eingezahlt haben. Damit sind die Anleger in ihrer Hysterie Opfer ihres Glaubens an die „Analysten“ geworden, die gerade überall die „Bonität“ von Staaten herunterstufen.

Quelle: telepolis, 1.6.2012

Billiges Geld für Banken

Die europäische Zentralbank flutet seit Mitte Dezember den Geldmarkt mit gigantischen Summen. Banken können sich Geld bei der EZB zum Mini-Zinssatz von 1 Prozent direkt leihen. Damit erreicht die EZB, was eigentlich Eurobonds leisten sollten. Das billige Geld benutzen die Banken für ein profitables Geschäft: Sie kaufen Staatsanleihen von Italien, Spanien, Irland, Portugal und sogar Griechenland. An der Zinsspanne von 4,5,6,7,8,9,10 und mehr Prozent verdienen die Banken auf Kosten der Menschen prächtig. Die Aktion hat aber den Vorteil, dass die Staaten ihre Kredite günstiger refinanzieren können, als es die Rating-Agenturen nahelegen.

Quelle: telepolis

Update: Hier macht sich der telepolis-Autor Gedanken zu Geschäftsideen für die billigen 489 Milliarden Euro, die die EZB bereitgestellt hat – keineswegs satirisch gemeint – sehr aufschlussreich

Diener des Finanzmarkts

In einem größeren Hintergrundartikel beleuchtet die „telepolis“ das Ausmaß und mögliche Folgen der derzeitigen Politik der US-Notenbank „Fed“ (=Federal Reserve), massenhaft US-Staatsanleihen zu kaufen. Es geht dabei vor allem um die drohende Mega-Deflation infolge eines inflationären Aufblähens der Finanzmärkte infolge der US-Niedrigzinspolitik. Einige wichtige Zitate aus dem Beitrag:

„…Sowohl Alan Greenspan als auch Ben Bernanke gehörten eigentlich ins Gefängnis. Die Anklagepunkte lauten: rücksichtsloses Herbeiführen von Börsenblasen, Schüren der Inflation, Enteignung des Mittelstandes durch deflationäre Schocks, Massenmord in der Dritten Welt durch Inflation der Nahrungsmittelpreise sowie das Herbeiführen von Verschuldungsorgien, die Währungskrisen und Staatsbankrotte auslösen können…

Mittlerweile besitzt die Fed mehr Staatsanleihen (Treasuries) als die Volksrepublik China. So betrug das Volumen an Treasuries, Schatzwechseln und anderen US-Schuldtiteln im Besitz der Notenbank in der vergangenen Woche 1,11 Billionen US Dollar. Die von China gehaltenen Bestände belaufen sich laut einer Statistik des US-Finanzministeriums nur noch auf 896 Milliarden US-Dollar. Nur um die Zinsen der gemachten Schulden zu bezahlen, wird in den führenden Industrienationen zukünftig mehr als ein Drittel des Bruttosozialproduktes dafür verwendet werden müssen…

Die Weltwirtschaftskrise sollte mittels Milliardenspenden auf Kosten des normalen Bürgers behoben werden, um einige wenige Spekulanten vor dem verdienten Untergang zu retten. Das schwarze Loch der Finanzmärkte als Fass ohne Boden legte den Nährboden für zukünftige Staatspleiten.

Die Scheckheft-Orgien von Paulson und Bernanke zu Lasten des Mittelstandes dürften eine der größten Dreistigkeiten der Wirtschaftsgeschichte sein. Die Beliebigkeit, gemäß derer einzelne Firmen überleben und andere Pleite gehen mussten, ist an krimineller Energie kaum zu überbieten. Die Aktionäre sollten bei allen Rettungsaktionen bluten, während die Anleihebesitzer auf Teufel komm raus gerettet werden sollten…

Wer nicht weiß, wie viel Geld hier vernichtet wurde, dem soll dies durch das Ausschreiben der Zahl verdeutlicht werden: 12,3 Billionen USD = 12,300 Milliarden USD = 12,3 Millionen Millionen USD oder anders ausgedrückt 40.000 USD pro Bürger, ob Kleinkind, Steuerzahler oder Greis. Eine unvorstellbare Summe in kürzester Zeit.

Benötigen andere Generationen für die Anhäufung einer solchen Schuld Jahrzehnte, so gelang dies der Generation Bankster in nur wenigen Jahren – und dies alles gemäß der Devise: Geliehenes Geld muss nicht zurückbezahlt werden, das übernehmen andere für dich…

Fast hat es den Anschein, dass in den USA Bankster regieren, während das Repräsentantenhaus und der Kongress die Rolle von abnickenden Marionetten spielen müssen. Hierbei agiert die Fed als globales Pfandhaus, wobei sie etwa 9 Billionen USD auf 18 Finanzinstitute verteilte, indem sie alles, was die Banken besaßen, als Sicherheiten hereinnahm. Damit wurde in den USA die erste postmoderne Pfandhaus-Ökonomie begründet, die im noch längst nicht beendeten Quantitative-Easing ihren Höhepunkt fand. Man verpfändet alles, was man an Vermögen hat, nur um nicht in die Versuchung des Sparens zu kommen. Konsum um jeden Preis, bis auch das Pfandhaus pleitegeht.

Selbstverständlich ist es einem Pfandhaus auch egal, was die Finanzdienstleister mit dem von der Fed geliehenen Geld anstellten. Ob sie es wie Goldman Sachs zum Zocken verwandten oder wie JP Morgan Silber shorteten, die Ausleiher der Geldes mussten keine Rechenschaft darüber ablegen, was sie mit dem Geld anstellten. Es geht bei diesen Transaktionen nur darum, die Spielschulden der amerikanischen Finanzaristokratie zu begleichen…

Ben Bernanke hat die amerikanische Verfassung mit Füssen getreten und ist damit der erste postmoderne Finanzterrorist. Er ist schlimmer, als ein Bin Laden je sein könnte, weil er die gesamte westliche Welt mit seinen Aktionen ins Finanz-Nirwana schickt.Der Mann, der angetreten ist, die Deflation mit einer hohen Inflation zu bekämpfen, wird ab einem bestimmten Zeitpunkt die größte Deflation erzeugt haben, die die USA je gesehen haben, wenn nicht die Notbremse einer neuen Weltwährung gezogen wird. Ben Bernankes Irrtum ist, dass er glaubt, mehr Geld erzeuge gleichzeitig mehr Wachstum. Doch was geschieht, wenn das Geld nicht in den Markt gelangt. Wenn immer mehr Menschen verarmen und Unternehmen zahlungsunfähig werden, wer soll dann Kredite schöpfen? Wer soll konsumieren?…“

Und hier die Links zu den 4 Teilen des Artikels:

Der „Gazillion“-Betrug der Federal Reserve, Scheckheft-Orgien, Der Mega-Bankraub, Die Erfindung der Pfandhaus-Ökonomie

Zinsen werden steigen

Wie die „telepolis“ (16.6.2009) hier meldet, steigen ausländische Investoren nach und nach aus den US-Staatsanleihen aus – obwohl das „Rating“ für US-Staatsschulden noch nicht gesenkt wurde. Das hat in der Praxis zufolge, dass derzeit für langfristige US-Anleihen die Zinsen kräftig anziehen. Das wird von „dummen“ Anlegern noch als „Normalisierung der Verhältnisse“ (Südwest Presse 16.6.2009) bejubelt. In Wahrheit wird das aber die Krise verschärfen, weil bald die US-Hypothekenzinsen deswegen in die Höhe schnellen und weitere US-Hausbesitzer ihr Dach über dem Kopf verlieren werden.

And now! Hyperinflation ante portas!

In diesem Blogbeitrag der Telepolis wird schon von einer „Argentinisierung“ der US-Schulden gesprochen. Immerhin ist es eine reale Gefahr: während hierzulande noch sinniert wird, ob der Rückgang der Inflationsrate nicht gut für die Verbraucher ist oder nicht – realistischer – das gefährliche Vorspiel einer Hyperinflation rechnen die Finanzmärkte offenbar schon damit, dass Hyperinflation das Mittel der Wahl zur Schuldentilgung ist.

Und auch Länder wie China und Russland setzen sich gerade recht schnell vom Dollar ab. Offenbar werden die Befürchtungen der Schwarzseher wieder einmal schneller wahr, als je vorher geahnt: Zuerst wird in einer kurzen und heftigen Deflationsphase das Volk von seinen Arbeitsplätzen entfernt, damit Staat und Superreiche in der dann folgenden Hyperinflation billigst ihre Schulden loswerden können.

Freche Krisengewinnler

Für Deutsche Bank Chef Ackermann  ist die Krise schon vorbei. Mit 22,6 Prozent Eigenkapitalrendite im ersten Quartal ist er seinem selbstgesteckten Ziel von 25 Prozent schon wieder sehr nahe und kann seinen Aktionären reichlich Dividende versprechen.

Die Bank, die mit ihrem Geschäftsschwerpunkt Investmentbanking die Finanzkrise wesentlich mitverschuldet hat, verdient gerade im Geschäft mit Staatsanleihen, die wegen der der Krise zur Finanzierung von „Rettungsschirmen“ und Konjunkturpaketen ausgegeben werden müssen, richtig viel Geld. 1,8 Milliarden Euro Gewinn im ersten Viertel des Jahres sind viel.

Entsprechend frech führt sich Krisengewinnler Ackermann schon wieder auf: Die „verschärften regulatorischen Vorgaben“ würden künftige Gewinne der Bank erschweren. Soll wohl heißen, dass man weniger Aufsicht will.

Ihre Geschäfte macht die Deutsche Bank übrigens nicht nur mit der verrufenen Investment-Sparte, die jetzt gerade kräftig an den Krisen-Folgen mitverdient. Und auch nicht mit dem Steuerflucht-Geschäft in Offshore-Tochtergesellschaften. Die Deutsche Bank finanziert laut dem Bericht „Bank Secrets“ der belgischen NGO Vlaanderen Netwerk extrem viele „unethische“ Investitionen – vor allem von Bergbau und Energiekonzernen, die laut Entwicklungsorganisation „Urgewald“ in „Kriege, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzung“ verwickelt sind. Freeport (USA), CNPC/Petro China, Anglo-Gold Ashanti (Südafrika), Aveva (Atomkonzern Frankreich) oder Vedanta (Indien) könnten ihre gefährlichen Milliardenprojekte ohne die Finanzierung durch die Deutsche Bank nicht voranbringen.

Quelle: die tageszeitung 27.5.2009

Und jetzt die Staatsanleihen-Blase

Derzeit entsteht wohl die nächste Spekulationsblase. Weil die Staaten zur Bekämpfung der Finanzkrise jede Menge neue Schulden machen und zu diesem Zweck Staatsanleihen an den Finanzmärkten plazieren, hat sich gerade eine Kursblase in diesem Bereicht gebildet.

So sollen allein die Amerikaner infolge der Finanzkrise 4,8 Billionen Dollar Staatsanleihen ausgegeben haben – gefolgt von Japan mit 1,3 Billionen und Großbritannien mit 808 Milliarden. Deutschland ist mit 535 Millionen Dollar dabei und damit unter den G12-Staaten, die insgesamt 10,2 Billionen Dollar auf die Finanzmärkte warfen, eher im Mittelfeld zu finden.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 25.5.2009