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Moody’s stuft ab

Autsch! Jetzt hat es auch Angela Merkels Musterland erwischt. Vorhersehbar hat sich jetzt das Rating-Theater auch die deutschen Staatsanleihen vorgenommen. Zwar gibt es von Moody’s noch immer das Dreifach-A doch werden die „Aussichten“ schon mal von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Es folgt demselben Muster wie auch bei Griechenland und den USA. Die Rating-Agenturen fordern „Sparanstrengungen“ und „Austeritätspolitik“ – um dann vor den vorhersehbaren Folgen dessen – wirtschaftliche Depression – zu warnen.

Blöd nur, dass die so genannten Anleger jetzt vielleicht ihren „sicheren Hafen“ verlieren.

Quelle: telepolis, 24.7.2012

Euro, Berlusconi, Dollar

Vor 3 Jahren war der Auslöser der Krise greifbar: Nach der Pleite der Bear Stearns Bank sorgte die Pleite der Lehman-Bank für das Platzen der US-Immobilienblase und den großen Finanzcrash. Diesmal ist die Suche nach dem Auslöser für die Talfahrt an den Börsen etwas schwieriger und viele nennen die Herabstufung der Bonität von US-Staatsanleihen durch Rating-Agenturen als das entscheidende Ereignis. Doch ein Artikel der „telepolis“ zeigt, dass schon einige Tage zuvor die Spekulanten auf Baisse setzten. Die spanischen Staatsschulden und Äußerungen des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi scheinen diesemal der Beginn des Platzens der Aufschwungs-Blase gewesen zu sein.

Spekulanten-Spiele

„Die wichtigsten Akteure im Handel mit Staatsschulden sind Ratingagenturen und die großen Investmentbanken… Nur 16 Banken bilden den „Derivatives Dealers‘ Club“. Nach der Finanzkrise haben sie die Spekulationen mit Kreditversicherungen (CDS) auf Staatsschulden ausgeweitet…

…wie bei allen Derivaten kann man damit auch wetten: Jemand hat gar keine Forderung gegen Griechenland und lässt sich dennoch Staatsanleihen in Höhe von einer Milliarde Euro versichern. Vor 18 Monaten waren die Prämien noch gering (…1,5 Prozent des Versicherungswerts). Weil sich die Kreditwürdigkeit Griechenlands verschlechtert hat, stiegen die Prämen … und damit die Marktwerte der … CDS. Mit keinem anderen Geschäft konnte man ähnlich hohe Gewinne machen.

Die echte Absicherung (Hedging) mit CDS hat im Vergleich zur Spekulation keine Bedeutung. Das ergibt sich … aus dem täglichen Transaktionsvolumen von … 4000 Milliarden Dollar. Echtes Hedging bedeutet Halten eines Kontrakts und nicht ein permanentes Handeln. Der Finanzsektor … nutzt reale Probleme aus… Entscheiden für den Spekulationserfolg ist …, diese Probleme gezielt an- und auszuspielen.

Dem dient das mehrfache Doppelpasspiel zwischen den drei US-Ratingagenturen, den Investmentbanken und sonstigen Akteren auf den CDS- und Anleihemärkten. Die Ratingagenturen kündigen eine Herabstufung … an, die Banken übernehmen und erhöhen die CDS-Prämien – nicht ohne vorher CDS gekauft zu haben. Damit rollt der Ball weiter zu den Anleihehändlern, die Zinsen steigen… Nun folgt ein eleganter Rückpass: Die Ratingagenturen stufen … weiter runter, weil die hohen Zinsen das Risiko erhöht haben…“

Stephan Schulmeister im „Handelsblatt“  (31.5.2011)

Rating-Fehler

In einem Interview mit der „taz“ (25.7.2011) listet der Chef der 1994 gegründeten chinesischen Rating-Agentur Dagong Global Credit Rating Co. Ltd., Guan Jianzhong, einige systematische Fehler der US-amerikanischen Rating-Agenturen auf:

  • Beurteilung der wirtschaftlichen Stärke eines Landes mit dem Maßstab Bruttosozialprodukt pro Kopf der Bevölkerung
  • Beurteilung nach „Offenheit“ von Wirtschaft und Finanzsystem
  • Beurteilung nach „Unabhängigkeit“ der Zentralbank von der Regierung
  • Beurteilung nach freier Handelbarkeit (Konvertibilität) der Währung

Diese Kriterien und das von dem tief im Establishment der sich kommunistisch nennenden Machthaber Chinas steckende Jianzhong als erstes genannte Kriterium der Erfüllung westlicher Demokratievorstellungen würden dazu führen, dass die 15 Top-Schuldennationen mit guten Rankings bewertet würden – die USA und Großbritannien sogar mit AAA. Jianzhong kritisiert, dass diese Kriterien nichts darüber aussagen, ob ein Land fähig ist, seine Schulden an die Geldgeber zurückzuzahlen.

Der Chinese, der in dem Interview durchblicken lässt, dass er den autoritär-undemokratischen Weg Chinas für die bessere Alternative zu kapitalistischem Wachstum hält, legt auch die Kriterien seiner Agentur dar:

  • Wirkung des politischen und wirtschaftlichen Systems auf tatsächliches wirtschaftliches Handeln des Staates und der Unternehmen
  • Wachstumsperspektiven des Landes (Ranking der einzelnen Industrien, Wettbewerbsfähigkeit)
  • Orientierung des Finanzsystems an den Bedürfnissen der Realwirtschaft (realer Reichtum statt virtueller Reichtum der Finanzmärkte) – Verhältnis von Realwirtschaft und Finanzökonomie
  • Exaktes finanzielles Einkommen einer Volkswirtschaft
  • Fähigkeit des Landes zum Aufbau von Devisenreserven.

In dem Interview spricht sich Jianzhong schließlich dafür aus, eine internationale Rating-Agentur zu schaffen, die gemeinsam getragene Kritierien entwickelt und daraus dann ein international anerkanntes Regelwerk bildet. Den Europätern empfiehlt er, nach Veröffentlichung der Bewertungen der US-Rating-Agenturen ein ergänzendes Gutachten bei seiner Agentur zu beauftragen, da dies „die Situation in Europa drastisch verändern“ würde.

Europa will es selbst machen

Jetzt denken die Europäer also darüber nach, mit einer eigenen Rating-Agentur das Oligopol der „Analysten“ der Unternehmen Moody’s, Standard & Poors und Fitch aufzubrechen. Die EU-Regierungen sind offenbar getrieben vom negativen Wirken der Rating-Agenturen, die zur Wahrung der Spekulanten-Interessen die Länder der Euro-Zone gerade auf Ramsch-Status herabstufen.

Das Modell einer europäischen Rating-Agentur, das die Unternehmensberatung Roland Berger erarbeitet hat, scheint auf den ersten Blick passabel: eine nicht am Profit orientierte Stiftung, die ihre Daten und Bewertungsverfahren öffentlich macht. Dieses Modell wird von Kritikern auch nicht infrage gestellt. Die Probleme liegen insgesamt tiefer: z.B. darin, dass in verschiedenen Gesetzestexten Ratings zur Grundlage staatlichen Handelns gemacht werden. Gerade hier müsste das Primat der Politik zurückerobert werden.

Quelle: taz 20.7.2011

Neues Spiel, neues Unglück

Zuerst sackt der Euro an den Devisenmärkten durch, dann brechen die Börsen wegen anschwellender Dollar-Spekulationen ein. Dahinter stehen wieder einmal die Antreiber der Spekualtionsblasen, die Rating-Agenturen und dabei vor allem Standard & Poors. Vermutlich wieder einmal im Spekulanten-Auftrag behaupten sie frech, dass bald Spanien unter den europäischen „Rettungsschirm“ flüchten müsse. Und dann behaupten sie ebenso frech, dass bald die USA ihre Staatsschulden nicht mehr zu günstigen Zinsen refinanzieren können.

Solche Aussagen sind Gold für die unregulierten Spekulationsmärkte, wo dann in Sekunden die Wetten platziert werden – Wetten darauf, dass die Menschen in Europa und den USA die Gewinne der Spekulanten und Banken finanzieren werden und sich selbst dabei in die Armut stürzen – über sinkende Löhne, höhere Staatsverschuldung zur Bankenfinanzierung, Abbau des Sozialstaats und andere Neoliberale Verarmungsrezepte für die Mehrheit.

Mit der angekündigten Dollar-Herabstufung haben die Rating-Agenturen und die Spekulanten eine neue Runde im Spekulationscasino eröffnet. Während es bei der Euro-Spekulation vor allem darum ging, kurzfristige Gewinne dadurch zu erwirtschaften, dass die Zinsspanne zwischen dem Basiszinssatz der eruopäischen Zentralbank und dem Zinssatz für Staatsanleihen auseinandergetrieben wurde, geht es jetzt darum, noch einmal abzukassieren, ehe die USA ihre Bankenschulden nicht mehr zahlen können und dann die gesamte Weltwirtschaft in die Hyperinflation getrieben wird.

Dabei hätten die Völker eine Alternative, um sich vom Abgrund wegzubewegen: Sie müssten Banken und Spekulanten regulieren und besteuern (damit diese für ihre Gewinne auch gerecht bezahlen) und dann in Form einer moderaten Inflation (5 bis 8 Prozent bei entsprechenden Lohnsteigerungen) die Staatsschuld auf Kosten der Vermögensbesitzer abbauen. Doch die neoliberalen und rechtspopulistischen Regierungen werden genau das nicht tun, sondern weiter die Interessen der Banken und Spekulanten pflegen und dabei dann die Bevölkerung und die Staaten in den Ruin treiben.

Hoher Euro-Preis

Wieder einmal wurde der Euro „gerettet“. Aber um welchen Preis? Kanzlerin Angela Merkel verordnete der Gemeinschaft das volle neoliberale Programm als Bezahlung für ein paar Steuermilliarden aus Deutschland zur Rettung der am Casino-Kapitalismus beteiligten Banken – namentlich der Deutschen Bank. Denn eins ist klar: Das bei Griechenland, Irland und Portugal funktionierende Spielchen – Abwertung der „Kreditwürdigkeit“ eines Landes durch Rating-Agenturen, daraus resultierende unbezahlbar hohe Zinsen für Anleihen dieser Staaten am Kapitalmarkt, „Schlüpfen“ unter den Euro-„Rettungsschirm“ – wird jetzt bei Spanien fortgesetzt, dann bei Italien, dann bei Frankreich…

Die Gewinne der Banken werden abgesichert. Bezahlen müssen die Arbeitnehmer in ganz Europa: Sie sollen niederigere Löhne erhalten, die sozialen Sicherungssysteme werden durch Sparmaßnahmen zerstört. Sogar das Recht der Gewerkschaften, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen soll – zumindest im öffentlichen Dienst – ausgehebelt werden. Dagegen bleiben Themen wie die vom Europäischen Parlament angemahnte Transaktionssteuer für Währungsspekulationsgeschäfte nach wie vor tabu.

Verfälschung zum Nutzen eigener Kunden

Spanische Anwälte, Bürgerrechts- und Verbraucherschutz-Organisationen haben jetzt beim obersten Strafgericht des Landes Anklage gegen die Rating-Agenturen Moody’s, Standard & Poors und Fitch eingereicht. Die Kläger glauben, Beweise zu haben, dass die privatwirtschaftlichen Rating-Agenturen mit ihren vermeintlich „unabhängigen“ Bewertungen den Markt im Interesse von Kunden der Rating-Agenturen manipuliert hätten. Aus E-Mail-Briefwechseln soll hervorgehen, dass die Rating-Agenturen riskante Papiere von Banken mit Bonitäts-Bestnoten bewertet hätten, um die Interessen der Banken zu wahren – und zum anderen hätten sie nach dem Platzen der Spekulationsblasen mit ihren Ratings die Zinsen für Staatsanleihen nach oben getrieben und die betroffenen Länder – darunter Spanien – in eine Schuldenspirale gestürzt. Zentraler Punkt der Kläger: Ratings würden ausschließlich den Interessen der Kreditgeber dienen und nicht nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgen.

Noch ist nicht klar, ob die Anklageschrift vom Gericht angenommen wird und es zu einem Prozess gegen die spanischen Vertreter der Agentur kommt, die im Fall einer Verurteilung mit Haftstrafen rechnen müssten.

Quelle: taz 25.2.2011

Sparwut senkt Rating

Die armen Iren: Zuerst tun sie alles, um den Finanzmärkten zu gefallen – mit 25 Milliarden Euro Staatsgeld die Banken mit 15% der nationalen Wirtschaftsleistung retten und dann heftig an den Staatsausgaben sparen, damit die Eurozonen-Defizitgrenze von 3% des Bruttosozialprodukts schnellstmöglich erreicht wird. Und jetzt werden sie dafür mit drohenden Zinsaufschlägen bestraft, weil die Rating-Agentur Moody’s die Kreditwürdigkeit Irlands mit dem Argument herabsetzt, dass die Bankenrettung zu teuer kommt und das Sparen die Konjunktur abwürgt. Man kann es den Finanzmärkten einfach nicht recht machen…

Quelle: telepolis

Glaubwürdigkeitsnote: Kaffeesatzleserei

Den Spieß umgedreht hat die Gewerkschaft ver.di. In einer Pressemitteilung stuft sie das Glaubwürdigkeitsrating der Rating-Agentur Moody’s auf „Ramschstatus“ herab und senkt die „Bonität“ auf „Kaffeesatzleserei“. Den Konkurrenten Standard & Poors und Fitch droht die Gewerkschaft dasselbe an.
In der Begründung heißt es, die „Herabstufung“ erfolgen wegen des willkürlichen Verhaltens von Moody’s bei seinen Bewertungen südeuropäischer Staaten: So seien Bonitätsnoten zunächst herabgesetzt worden, weil angeblich diese Staaten zu wenig sparen würden – und anschließend eine weitere Senkung damit begründet worden, dass die staatlichen Sparmaßnahmen die Konjunktur abwürgten.
Als weiteren Grund nennt die Gewerkschaft die enge Verflechtung der Rating-Agentur mit den Kunden aus der Finanzwirtschaft, was ein professionell-unabhängiges verhindere. ver.di fordert deshalb, die Rating-Agenturen vollständig zu entmachten, da diese bereits viel volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet hätten.

Rating-Agenturen und Zocker

Auf die Frage, ob man sich vor Rating-Agenturen fürchten müsse antwortete der Journalist Friedrich Küppersbusch der „taz“ (3.5.2010):

Nee, vor den Irren, die dran glauben. Sie beziehen ihre Macht ja von den Staaten, die über Rating-bewertete Anleihen ihre Schuldenhaushalte beatmen. Sie können auch niemand verhaften, weil er „alles auf Uschi im dritten Rennen“ flüstert. Mann muss den packen, der auf so was zockt.

Westerwelles Rating-Lichtblick

Jetzt hat es sogar FDP-Chef Guido Westerwelle gemerkt: Das Oligopol der Rating-Agenturen, die über die Kreditwürdigkeit von Staaten befinden, schadet. Er hat eingesehen, das das Dreier-Monopol aus „Standard & Poors“, „Fitch“ und „Moody’s“ alles andere als eine marktwirtschaftliche Lösung ist und fordert, dass „Ratingagenturen […] nicht gleichzeitig Finanzprodukte entwickeln, vertreiben und bewerten“ dürfen. Mal sehen, ob sich das in praktische Politik zur Kontrolle dieser Firmen umsetzt.

Quelle: telepolis

2005: EZB gibt Rating-Agenturen Macht

Im Jahr 2005 fiel die politische Entscheidung der europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt, als Sicherheiten nur noch Staatsanleihen zu akzeptieren, die von privaten Rating-Agenturen „mindestens“ das „Siegel“ „A-“ verliehen bekommen.

Dies war die Entscheidung, die Rating-Agenturen wie Standard&Poors die Macht verliehen, die sie nun im Spekulationsgeschäft gegen Griechenland und den Euro ausspielen.

Es war eine Zeit, als sich selbst Ministerien von privaten Kanzleien Gesetzestexte schreiben ließen und die EZB hoffte, durch Verleihung von Macht an ein privates Unternehmen, Regierungen zur „Haushaltsdisziplin“ – zum Sparen – zwingen zu können.

Es war eine Zeit vor dem Platzen der Immobilien-Spekulationsblase. Es war die Zeit als Rating-Agenturen selbst Schrottkredit-Papiere mit dem Stempel „AAA“ oder AA+“ versahen, was 2008 dann zur Bankenkrise führte.

Mit der Entscheidung, den Rating-Agenturen Macht zu verleihen, hat die EZB außerdem eine ihrer währungspolitischen Kernaufgaben an private Firmen ausgegliedert – mit der Folge, dass Griechenland-Kredite jetzt mit 16% Risikozins behaftet sind (2-jährige-Staatsanleihen).

Quelle: Frankfurter Rundschau 29.4.2010

Unverantwortliche Kanzlerin

In einer sehr lesenswerten Zusammenfassung macht die „telepolis“ auf das verantwortungslose Reden und Handeln und anderer deutscher Politiker im Zusammenhang mit den Zahlungsproblemen des griechischen Staats aufmerksam – und verweist gleichzeitig auf die dadurch ausgelösten Crash-Risiken. Hier ein paar der Argumente kurz zusammengefasst:

  • Anstatt mit dem Feuer zu spielen und Griechenland durch Rating-Agenturen in den Staatsbankrott schicken zu lassen, hätten EU und IWF Überbrückungskredite für die nächsten 18 Monate zusagen können, um die Spekulation gegen Griechenland und den Euro einzudämmen.
  • Die – nicht erfolgte – Einrichtung eines europäischen Währungsfonds wäre notwendig, um mittel- und langfristig die Sicherheit der Staatsanleihen Portugals, Irlands, Italiens und Spaniens zu garantieren.
  • Es sind nicht Spekulanten, die jetzt griechische Staatspapiere ins Bodenlose schicken, sondern – notgedrungen – Lebensversicherer und Pensionsfonds, die bisher mit den Zinsaufschlägen für diese Papiere notwendige Renditen erwirtschafteten und jetzt gezwungen sind die griechischen „Schrottpapiere“ unter Wert schnell zu verkaufen.
  • die deutsche Politik des „Nein“ macht den Euro insgesamt anfälliger für Spekulationen auf den Staatsbankrott weiterer Länder.
  • Griechenland hat 309 Milliarden Dollar Schulden, die PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanen) insgesamt 2,13 Billionen Dollar. Bei einem durch Staatsbankrotte ausgelösten Abschreibungsbedarf von nur einem Viertel dieser Schulden wäre das Finanzsystem mit über 500 Milliarden Dollar in Gefahr – eine Größenordnung weit über der Lehman-Krise.
  • Deutsche Banken halten 32 Milliarden Euro griechische Staatsanleihen – die Pleite-Banken gehen dabei voran: Hypo Real Estate mit 7,9 Milliarden, Commerzbank 3 Milliarden und auch die Landesbanken. Diese Verluste müssten wieder die Steuerzahler finanzieren.
  • Am 19. Mai muss klar sein, wie die Euro-Statten, die EU insgesamt und der IWF Griechenland refinanzieren wollen – sonst muss dieser Staat offiziell seinen Bankrott erklären. Und einen Tag später werden portugiesische Staatsanleihen im Wert von 5,6 Milliarden Euro zur Refinanzierung fällig.

Die Telepolis kommentiert:

Angela Merkel hat Griechenland besten Wissens ins offene Messer laufen lassen und damit auch die Abstufung griechischer Papiere auf „Ramsch-Niveau“ zu verantworten…

Die Linie der deutschen Regierung ist nicht nur chaotisch, sie ist auch in sich unlogisch und desaströs. Wenn Merkel wirklich den Euro retten und das Vertrauen der Märkte in Griechenland wiederherstellen will – wie sie stets bekundet – ist ihre Taktik im besten Falle kontraproduktiv. Das Vertrauen ist weg, der Euro steht unter Beschuss.

England schlimmer als Griechenland und Portugal

Während die Politik die Griechen mit unsinnigen Sparzwängen überzieht (und sich gleichzeitig kreditgebende Banken über höhere Schuldzinsen freuen), und während Portugal ohne jeden wirtschaftlichen Hintergrund von Rating-Agenturen heruntergestuft wird (und deshalb höhere Zinsen für Staatsanleihen zahlen muss), zeigen die Finanzmärkte, dass ihnen die Spekulationsinteressen der Londoner City so wichtig sind, dass sie schon mal wegschauen, wenn Londons Haushaltsdefizit das von Griechenland und Portugal prozentual übertrifft. Diese Vorgänge hat die Telepolis in zwei Artikeln beleuchtet: „Wer von Athen spricht, darf von London nicht schweigen“ und „die merkwürdige Abstufung Portugals„.

Tiger sind bankrott

Auf dem Höhepunkt der Spekulationsblasen nannte man Estland, Lettland und Litauen die „Baltischen Tiger“. Mit Spekulationsgeld blühte die dortige Steuersparindustrie. Doch mit der Wirtschaftskrise war der Traum vorbei – und während die EU-Wirtschaft angeblich um 4,8 Prozent im zweiten Quartal wuchs, verzeichneten die drei Länder Riesen-Verluste: Estlands Wirtschaft schrumpfte gegenüber dem Vorjahr um 16,6 Prozent, Lettlands um 18,2 Prozent und Litauens um 22,6 Prozent – weit mehr als etwa die osteuropäischen Problemländer Rumänien und Ungarn.

Jetzt rächt sich, dass die drei „Tiger“ voll auf marktradikale Rezepte setzten – und praktisch ihre ganzen Sozialversicherungssysteme privatisierten. Deswegen – und weil der internationale Währungsfonds, in alter, schlechter Traditition Krisen-Geld nur mit neoliberalen Zwangsrezepten verleiht – sparen die baltischen Staaten ihre öffentlichen Haushalte jetzt zu Tode: Lehrer und Staatsbedienstete werden entlassen, die Löhne kräftig gekürzt und Rentner in Armut getrieben. Zum Dank müssen die drei Länder ihr Geld für Höchst-Zinsen an einem Kapitalmarkt besorgen, wo sie von Rating-Agenturen herabgestuft wurden. Das alles dürfte die Deflation in diesen Ländern kräftig anheizen: Denn die Sparrezepte sind dieselben wie in den 30er-Jahren als Reichskanzler Brüning Krisen-Deutschland kaputtsparte – solange bis die Nazis an der Macht waren.

Quelle: die tageszeitung 15.8.2009

Falsche Skandale lenken Wähler ab

Plakativ machte die „tageszeitung“ (29.7.2009) darauf aufmerksam, dass Medien die Wähler mit falschen Skandalen ruhig stellen: „850.000 Dienstwagen weg, und keiner regt sich auf“ titelte das Blatt um klar zu machen, dass Ministerin Schmidts gestohlener Dienstwagen und dessen Privatnutzung am Urlaubsort die unter allgemeinem Gejohle durchs Dorf getriebene Sau ist, während gleichzeitig der wirkliche Skandal um die „Rettung“ der Hypo Real Estate und die dort versunkenen 102 Milliarden Euro Staatsgeld in aller Stille beerdigt wird.

Und unter dem Tiel „Die Wähler müssten es mal merken“ schob Kommentator Reiner Metzger nach:

…Eine Ministerin, ihr Dienstwagen im Urlaub geklaut, und schon ist der karrierebedrohende Skandal da. Wenn hingegen im Bundestags-Untersuchungsausschuss über das Wann und Wie von 102 Milliarden Euro Steuergeldern … geforscht wird, bleibt die Öffentlichkeit kühl. … Der Minister und seine Staatssekretäre waschen ihre Hände in Unschuld. Die Bankenaufsicht hat die HRE geprüft, etwas festgestellt und nach oben gemeldet, aber irgendwie alles nicht so gemeint. …
Der Staat hat mit etwa 100 Milliarden gebürgt und gezahlt, die Privatwirtschaft in weit geringerem Maße. Die Rede ist von 15 Milliarden Euro durch die deutschen Banken. Aber Genaues weiß man nicht, denn viele Akten sind und bleiben vertraulich. … Jeder der 82 Millionen Bundesbürger bürgt im Schnitt mit 1200 Euro – und niemand erfährt die Details. Wessen Karriere bedroht dieser Skandal? In der Politik offenbar niemandes. Die Banker verdienen sogar auf lange Frist an dem Deal. Sie geben der geretteten HRE munter Kredite und kassieren die Zinsen … die Bundesregierung bürgt ja dafür. Mit dem Staat Geschäfte machen macht einfach Spaß. …
Wo bleiben denn nun die veränderten Börsenregeln, die Börsenumsatzsteuer? Wo die Vereinbarungen zur Offenlegung und Standardisierung der ganzen Derivate, die die Misere ausgelöst haben? Wo bleibt eine wirksame Gesetzgebung zu den versagenden … Rating-Agenturen? … Zwei Tage vor den Bundestagswahlen endet der Weltfinanzgipfel in Pittsburgh … Wenn dort wieder nichts passiert, hat diese Bundesregierung eine Bestrafung durch die Wähler wahrlich verdient. Die müssen es nur noch merken.

Falsch gerated

Mario Müller hat sich  in der Frankfurter Rundschau (25.5.2009) die Ratingagenturen vorgenommen:

…die Macht der Ratingagenturen ist ungebrochen. Bevor sie weiteres Unheil anrichten, gehört ihnen schleunigst das Handwerk gelegt…
Die „Erkenntnisse“ der Rating-Agenturen sind das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt werden. Von keiner der größeren Schieflagen von Staaten und Unternehmen haben die „Analysten“ … rechtzeitig gewarnt. Dafür ist es ihnen gelungen, aus Schrotthypotheken … „erstklassige“ Wertpapiere mit „AAA“ zu zuaubern und so zur schwersten Finanzkrise seit Jahrzehnten beizutragen… stellt sich die Frage, wieso das Geschäft von einem kleinen Kreis privater Unternehmen beherrscht wird und sie sich mit Müll dumm und dämlich verdienen…
Das ist der … Skandal: Privat erstellte dubiose Urteile über die wirtschaftlichen Aussichten von Staaten und Unternehmen wurden … zur verbindlichen Grundlage zahlreicher Finanztransaktionen…
Bonitätsprüfer maßen sich Wissen an, das sie grundsätzlich nicht haben können…