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Auch Staatsfeinde brauchen manchmal Staatshilfe

Ayn Rand war eine wichtige „Theoretikerin“ der marktradikalen „Protolibertären“, auf die sich die US-amerikanische Tea-Party-Bewegung gerne bezieht. Rand war der Meinung, dass ein Mensch sein ganzes Leben nur „marktwirtschaftlich“ gestalten kann und keinerlei (sozial-)staatliche Leistungen benötigt. Jetzt kam heraus, dass auch Rand im Zuge ihrer Krebserkrankung auf das staatliche Krankheitskostenunterstützungsprogramm Medicare zurückgriff, als sie ihre ständig steigenden Arztrechnungen nicht mehr bezahlen konnte. Amüsant, dass Rand die Leistungen unter dem Familiennahmen ihres Mannes in Anspruch nahm. Die Tea-Party-Bewegung wendet sich übrigens vehement gegen die Ausweitung staatlicher Krankheitskostenhilfe im Zuge von Präsident Obamas Gesundheitsreform.

Quelle: telepolis

Moral verhindert Geldverdienen

Hätte ich es mit Menschen anstatt mit Märkten zu tun gehabt, wären moralische Entscheidungen unvermeidbar gewesen, und ich hätte nicht so erfolgreich Geld verdienen können.

George Soros, der im deregulierten Wettbewerb viele Milliarden verdiente und heute den „Raubtierkapitalismus“ anprangert. (Quelle: Süddeutsche Zeitung 17.6.2009)

Markttheorie nicht haltbar

Seit den 1970er-Jahren war die Theorie, das Märkte jederzeit effizient sind, das unhinterfragte Glaubensbekenntnis der Neoliberalen. Wissenschaftler, die wie die Verhaltensökonomen, auf massenpsychologische Effekte (Herdentrieb) hinwiesen, waren in der Minderheit – obwohl schon die Internet-Blase, die der Hypothekenblase vorausging, die Theorie des jederzeit effizienten Marktes falsifiziert hatten.

Jeremy Grantham schreibt in der Vierteljahresschrift der Anlagefirma GMO etwa, dass zur Stützung der falschen Theorie die Rolle „schlechten Verhaltens“ systematisch heruntergespielt wurde. Deshalb ließen sich Politiker und die weltweite Managerelite von dieser Theorie blenden und richteten ihr Verhalten danach aus – auch als die tödliche Gefahr längst sichtbar war, die Anlageblasen, lasche Kontrollen der Finanzmärkte, fehlsteuernde Bonusmodelle und überkomplizierte Anlagearte heraufbeschworen.

Dabei ist es gerade der Kern der Theorie effizienter Märkte, die bis zum Anlagebetrug alle schlechten Eigenschaften der Finanzmanager hervorbringt: Die Theorie besagt, dass die Rendite auf den Anlagemärkten niemals höher sein kann, als das Wachstum dieser Märkte. Und doch versuchen alle Anlageprofis genau diese Märkte zu schlagen und setzen Renditeziele weit jenseit der realistischen Entwicklung.

Quelle: Beilage „New York Times“ der Süddeutschen Zeitung (15.6.2009)