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Pyramidenspiel im Repo-Markt

Bei einem Pyramidenspiel werden angebliche Gewinne der Anleger mit den Anlagegeldern von Neueinsteigern bezahlt – Am Ende gewinnen nur die Veranstalter und die ersten Teilnehmer dieser Wetten. Deshalb sind solche Pyramidenspiele krimineller Betrug.

Ganz legal hingegen sind die Geschäfte im sogenannten Repo-Markt (von „Repurchase Agreement“ „Rückkaufsvereinbarung“) der sogenannten Investment-Banker. Diese Wetten ermöglichen gigantische Hebeleffekte, bei denen eine „Sicherheit“ mehrmals für die Aufnahme von Krediten verwendet werden kann. Damit bilden diese Wetten einen der wichtigsten Bereiche des grauen Finanzmarkts der Investment-Banken und Basis von deren riesigen Gewinnen.

Diese Tatsache war bislang nur in finanzmarktkritischen Medien zu lesen. Jetzt aber hat die Wirtschaftsagentur Reuters die Pleite des Fonds MF Global untersucht und gefunden, dass dabei diese Art von Geschäften ursächlich waren, die nur möglich sind, weil insbesondere am Finanzplatz London praktisch keine Regulierung stattfindet. Die „Anleger“ verloren bei dieser Pleite etwa 1,2 Milliarden US-Dollar.

Quelle: telepolis

Zins-Gewinne

Eines der profitabelsten Abzock-Geschäfte sind die Zinsen, die Banken für Dispositionskredite auf Girokonten verlangen und die fast überall über 10 Prozent liegen. Die Banken, die sich selbst das Kreditgeld für rund 1,5 Prozent Zinsen leihen können machen mit jedem Prozentpunkt, den sie ihren Kunden aufdrücken in Deutschland einen Gewinn von 400 Millionen Euro. Klar, dass sie sich dieses Geschäft nicht regulieren lassen wollen. Schließlich würde allein die Anwendung der aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch bekannten Regel, dass der Gläubiger nur einen Zinsaufschlag von 5 Prozent über dem Basiszinssatz der Bundesbank verlangen darf – was aktuell weniger als 5,5 Prozent Zinsen wären und damit den Banken mindestens Gewinnreduzierungen von 2 Milliarden Euro abverlangen würde.

Quelle: taz 20.1.2011

Ausgehöhltes Eigentumsrecht

Im Kapitalismus wird stets gepredigt, dass das gesetzlich verbriefte Eigentum zentrale Voraussetzung aller Wirtschaftstätigkeit ist. „Die Zeit“ berichtet nun (11.11.2010), dass ausgerechnet die Immobilienkredite, die die weltweite Finanzmarktkrise ausgelöst haben, dieses juristische Vertragssystem des Eigentums unterlaufen und aushöhlen:

Denn in vielen Fällen in den USA sind Hypothekenkreditgeber nicht rechtssicher ins öffentliche Grundbuch eingetragen. Der Grund: Beim „bündeln“ von Hypothekenkrediten zu finanzmarktfähigen MBS (=Mortgage Backed Securities) wechselte eine Grundschuld mehrmals den Besitzer. Den Banken war der Verwaltungsaufwand zu teuer und sie schufen 1995 ein privatisiertes, nicht-öffentliches elektronisches Grundbuch namens MERS. Dieses MERS ist offiziell als Hypothekenkreditgeber im öffentlichen Grundbuch eingetragen.

Will nun eine Bank wegen eines geplatzten Kredits das Haus zwangsräumen lassen, so wird der Antrag vor Gericht dazu von MERS gestellt. Seit aber mit dem Platzen der Immobilienblase in den USA massenhaft Zwangsräumungen stattfinden werden die Schwächen dieses Systems offenbar: „Beglaubigungssklaven“ bestätigen im Auftrag von MERS, dass die notwendigen Kreditpapiere vorhanden, der Kredit nicht bezahlt wird und deshalb die Räumung beantrag wird. Dabei kommt es vor, dass Hausbesitzer, die ihr Haus bar bezahlt haben und keinerlei Kredit beantragt haben geräumt werden sollen, dass Bankangestellte nach der Kreditmeldung an MERS die Originalverträge vernichtet haben und dass ein „Beglaubigungssklave“ zu Protokoll gibt, dass er höchstens 90 Sekunden Zeit habe, einen Räumungsantrag zu bearbeiten.

Wegen der deshalb anstehenden Prozesse rechnet Standard & Poors damit, dass die Banken wegen der nun notwendigen Kredit-Rückkäufe von MERS etwa 31 Milliarden Dollar zusätzliche Verluste aus der Immobilienblase einplanen müssen.

Unbezahlbarer Kredit

Einem kalifornischen Saisonarbeiter mit 13.000 Dollar Jahresgehalt finanzierte eine Bank einen Hauskaufkredit von 743.000 Dollar. Dieser offensichtliche Wahnsinn wurde verpackt in Collateralized Debt Obligations (CDO’s), die am Ende die Finanzkrise von 2008 auslösten. „Der ganze Sinn der CDO war es, die Risiken schlechter Hypothekenkredite zu waschen, die die Firmen nicht offen und direkt verkaufen konnten“, schreibt Autor Michael Lewis in seinem Buch „The Big Short – Wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte“, das jetzt auf Deutsch vorliegt (Frankfurt 2010).
„To short“ bedeutet übrigens, auf einen sinkenden Kurs zu wetten.
Quelle: Süddeutsche Zeitung (5.10.2010)

Lehman 2 und ein heimlicher Stresstest

Das „Handelsblatt“ (16.6.2010) berichtet, dass sich europäische Banken derzeit kaum noch untereinander Geld leihen, weil sie sich gegenseitig misstrauen. Damit ist eine Situation da, die dem Szenario gleicht, das am Beginn der jüngsten Finanzmarkt-Krise die Bank „Lehman Brothers“ pleite gehen ließ.

Das Misstrauen der Banken hat einen Grund: Die Bankiers wehren sich dagegen, dass die Ergebnisse des so genannten „Stresstests“ auf europäischer Ebene veröffentlicht werden – letzteres hat aktuell jetzt Spanien gefordert. Die Heimlichtuerei hat Gründe: Der Stresstest hat laut „Handelsblatt“ nämlich klargelegt, wieviel Kredite die Banken in ihren Büchern haben, die vermutlich nicht zurückgezahlt werden.

Es steht also die nächste Banken-Pleitewelle bevor – und das nächste staatliche „Rettungspaket“ mit einem Finanzbedarf von hunderten von Milliarden Euro.

Hass-Kampagne lenkt ab

Mit der Zeitung „Bild“ als Speerspitze und Lautsprechern wie Thilo Sarrazin und Hans-Werner Sinn wird in den Köpfen der deutschen Arbeitnehmer und Renter das Bild vom faulen, korrupten Griechen erzeugt, der seine „soziale Hängematte“ mit deutscher Finanzhilfe bezahlt – und deswegen eigentlich aus der Euro-Zone ausgeschlossen werden müsste.

Wie eine Artikel in der „telepolis“ aber mit viel gutem statistischen Material nachweist, ist die Griechenland-Krise nur Ausdruck eines tief liegenden Schuldenproblems des Kapitalismus. Die Wirtschaftsliberalen wollen mit nationalen Hass-Mythen verdecken, dass „Exportweltmeister“ wie Deutschland schon seit vielen Jahren von den Krediten der Importländer leben. Hochproduktive Industrien in gesättigten Märkten können nämlich mit normalen Mitteln gar nichts mehr verkaufen – also müssen Kreditkonjunkturen her, in den USA, in Südeuropa, in England.

Die Griechenland-Krise deutet an, dass diese Kreditblase bald platzt – und dann hat sich das Leiden der Exportweltmeister, die seit Jahrzehnten auf Lohn verzichten nicht gelohnt. Deshalb muss ein Sündenbock her – und das sind die Griechen.

Unverantwortlich und wahnsinnig

Die Finanzinvestoren zocken schon wieder ordentlich in Öl, die Bankmanager warnen schon wieder vor zu viel Regulierung, und die Politiker … streiten lieber um Steuersenkungen… Nicht besser das Finanzministerium und die Bundesbank. Die zentralen Krisenbekämpfer sprechen am liebsten über Exit-Strategien, wie sie nach der Krise wieder ordnungspolitisch sauber den Staatshaushalt sanieren wollen…
Jede einzelne Tat ist unverantwortlich, zusammengenommen verdichtet sich das Verhalten der Wirtschafts- und Parteien-Elite dieses Landes zum Wahnsinn. Sie spinnen, um es klar zu sagen, und gefährden damit Wohlstand, Jobs und Wachstum. Denn die Krise ist noch nicht einmal zur Hälfte ausgestanden. Der wichtigste Brocken ist noch nicht halbwegs aus dem Weg geschafft: die schlingernden Banken…
Das Problem: Wenn die Banken nicht von den toxischen Papieren befreit sind und gleichzeitig … zu wenig Eigenkapital besitzen, werden sie alles tun, um zu überleben… ,sie werden keine Risiken eingehen, sondern die gesamten Überschüsse zum Aufstocken der schwachen Eigenkapitalbasis verwenden… Also werden die Banken keine neuen Kredite mehr geben, weshalb immer mehr Firmen … insolvent werden.
Deshalb müssen die Banken viel härter angepackt werden… gilt es den Banken ihre Lieblingsspielzeuge aus der Hand zu nehmen. Dazu zählt der intransparente Handel mit Derivaten… genauso das kurzfristige Gezocke an den Terminbörsen für Devisen und Rohstoffe… Die Banken haben der Realwirtschaft zu dienen, durch die Vergabe von Krediten im Casino haben sie dagegen nichts zu suchen.

Robert von Heusinger in einem Kommentar der Frankfurter Rundschau (18.6.2009)

Banken verweigern Kredit

Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter mehr als 20.000 Unternehmen, gibt es bei der Kreditversorgung zunehmende Schwierigkeiten. Vor allem Betriebe mit mehr als 1000 Beschäftigten gerieten zunehmend in Liquiditätsengpässe, die nach Meinung von DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann einen künftigen Aufschwung ebenso gefährden wie die Existenz der Unternehmen.

Geld für die Konzerne

Der so genannte Deutschlandfonds soll Firmen helfen, die infolge der Finanzkrise in Liquiditätsschwierigkeiten geraten. Doch wie immer kassieren die Großfirmen das Meiste ab. So erhielten 56 große Antragsteller Kredite mit im Einzelfall mehr als 10 Millionen Euro. Das summierte sich insgesamt auf 3,7 Milliarden Euro. 959 kleinere Firmen, die Kredite unter 10 Millionen Euro beantragten erhielten ganze 637 Millionen Euro aus dem „Rettungsschirm“ für die Unternehmen.

Quelle: Frankfurter Rundschau 18.5.2009