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Unverschämtheiten vom Insolvenzverwalter

Während Frau Schickedanz mit Hilfe der Bild-Zeitung den Eindruck erweckt, sie sei demnächst Hartz-IV-Empfängerin (und dabei unterschlägt, dass ihr Mann Besitzer ihres gigantischen, ererbten Immobilienvermögens ist und sie selbst in der schlossähnlichen Villa, die sie ihrem Sohn vererbte ein lebenslanges kostenloses Wohnrecht hat), macht der Karstadt-Insolvenzverwalter den Beschäftigten klar, wie er sich die „Sanierung“ des Kaufhauskonzerns vorstellt: Nach dem Austritt aus dem Arbeitgeberverband (und damit der wissentlichen Gefährdung des im Einzelhandel wichtigen Flächentarifvertrages), der zum Jahresende wirksam wird, kam die Ankündigung, dass er künftig nur noch Löhne zahlen will, die um 20 Prozent unter dem jetzigen Niveau liegen. Und Urlaubs- oder Weihnachtsgeld gibt es niemals mehr wieder.
Dafür bietet er dann aber keine Arbeitsplatzsicherheit. Selbstverständlich macht er von seinem Recht Gebrauch, Kündigungen in Kürze mit der kürzestmöglichen Frist auszusprechen – also noch vor Jahresende. Angeblich nur zur Sanierung der Kaufhauskette. Doch im Hintergrund gibt es rege Vermögensverschiebungen unter den Aktionären und Gläubigern. Experten erwarten, dass es bald zur Fusion von Karstadt und Kaufhof kommt, dass dann von den 220 Warenhäusern der Kette 160 geschlossen werden und die restlichen 60 dann an die internationale Kette „El corte ingles“ verkauft werden soll.
Ach so: die Abfindungen für die früheren Arcandor Manager Middelhof und Eick sowie weitere Vorstandsmitglieder haben eine Größenordnung, die die Schließung mehrerer Karstadt-Häuser erforderlich macht. Die Mitarbeiter, die jahrelang über Sanierungstarife ihren Beitrag zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze geleistet haben, müssen nun zusehen, wie diese Arbeitsplätze vernichtet werden, um die Millionen an die Manager zu zahlen.

Gut verhandelt

Davon träumt jeder Arbeitnehmer: Man hat einen Job, der mindestens für die nächsten vier Jahre sicher ist und der gut bezahlt ist. Dann kommt ein anderer Arbeitgeber und will einen unbedingt von diesem sicheren Job weglocken. Weil man aber weiß, dass die Firma des neuen Arbeitgebers in Schwierigkeiten steckt, tritt man den neuen Job nur an, wenn der Arbeitgeber mit seinem eigenen Geld dafür haftet, dass in den nächsten 5 Jahren das höhere Gehalt auch ganz bestimmt bezahlt wird.

Arbeitnehmer träumen davon – Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hat es mit dem Bankhaus Sal.Oppenheim so gemacht: Statt 2,8 Millionen im Jahr bei der Telekom – noch mindestens 4 Jahre sicher – kam er für 3 Millionen im Jahr zu Arcandor – garantiert von der Bank auf 5 Jahre. Und jetzt wird kassiert, während die Beschäftigten von Karstadt und Quelle in die Röhre gucken.

Merke: Wer glaubt, seinen Arbeitsplatz durch Zugeständnisse beim Lohn an den Arbeitgeber sichern zu wollen landet in der Insolvenz – wer gut verhandelt bekommt in diesem Fall sein garantiertes Milionegehalt.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 31.8.2009