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Im Zentrum der Macht

In der Grafik „Wem gehört die Welt?“ hat „Die Zeit“ die Ergebnisse eines Forschungsprojekts der ETH Zürich dargestellt, das der tatsächlichen wirtschaftlichen Macht nachspürte. Untersucht wurden Daten von 37 Millionen Firmen, (Wirtschafts-)Stiftungen und Investoren, die im Jahr 2007 zur Verfügung standen. Daraus extrahierten die Forscher die Namen von 43.060 Unternehmen, die in mindestens 2 Ländern der Welt tätig waren. Nur 1318 dieser Firmen bilden ein Netzwerk multinationaler Konzerne, die im Durchschnitt 20 Beteiligungen an anderen Firmen haben. Und davon wiederum bilden 147 Firmen, das „Super-Netzwerk“, das fast 40 Prozent des Vermögens aller multinationalen Unternehmen umfasst. Unter den 147 Firmen sind übrigens 133 Unternehmen aus der Finanz- und Immobilienwirtschaft.

die „telepolis“ berichtet nun, dass auch die Eigentumsverhältnisse der 43.060 transnationalen Unternehmen untersucht wurden. Danach kontrollieren nur 737 „Shareholder“ (deutsch: Aktionäre) 80 Prozent der transnationalen Unternehmen. Und der Kern, das „Super-Netzwerk“ aus 147 Firmen kontrolliert sich durch gegenseitige Beteiligungen praktisch selbst. Der Vollständigkeit halber hier die „telepolis“-Liste mit den „Top 20“ dieser Unternehmen:

Barclays plc, Capital Group Companies Inc, FMR Corporation, AXA, State Street Corporation, JP Morgan Chase & Co, Legal & General Group plc, Vanguard Group Inc, UBS AG, Merrill Lynch & Co Inc, Wellington Management Co LLP, Deutsche Bank AG, Franklin Resources Inc, Credit Suisse Group, Walton Enterprises LLC, Bank of New York Mellon Corp, Natixis, Goldman Sachs Group Inc, T Rowe Price Group Inc, Legg Mason Inc.

Während der Krise wurden die Banken mit 1,2 Billionen US-Dollar durch die amerikanische Notenbank gestützt – mit dem Argument, sie seien „systemisch wichtig“ und „to big to fail“ (zu groß, um zu scheitern). Von 407 in den USA aktiven Banken identifizierten die Forscher 22, die fast zwei Drittel der Hilfszahlungen erhielten – 804 Milliarden US-Dollar.

440 Millionen in einer halben Stunde

Vorerst scheint die Aktienhandelsfirma „Knight Capital“ gerettet. Rund 400 Millionen US-Dollar stellen Finanzfirmen wie „Blackstone“ bereit, um den größten Teil der 440 Millionen Dollar Verluste abzudecken, die das Unternehmen innerhalb einer halben Stunde eingefahren hatte, weil es „versehentlich“ in seinen Computerprogrammen eine Testsoftware laufen ließ, die systematisch Aktien zu teuer einkaufte und zu billig verkaufte.

„Knight Capital“ gehört zu denjenigen Firmen, die versuchen, kleine Preisunterschiede auszunutzen, die beim Handeln mit Aktien eines Unternehmens an verschiedenen Börsen entstehen. Die Firma, die sich als „Marktmacher“ (englisch: market maker) versteht, und im Juli täglich im Schnitt einen Handelsumsatz von 19,5 Milliarden Dollar machte, verdient also Geld damit, dass sie in schneller Folge Aktien kauft und verkauft und dabei Gewinne aus minimalen Kursunterschieden macht.

In einem Artikel der „telepolis“ ist nachzlesen, was schief lief: Das Testprogramm, das eigentlich nur testen sollte, ob die Computer an den jeweiligen Handelsnetzen richtig angeschlossen sind, platzierte fast unbemerkt Aufträge, die so aussahen, dass bei einer Aktie (Exelon Corp.) zwischen Kauf und Verkauf jedesmal ein Verlust von 15 Cent entstand – 40 mal pro Sekunde (6 Dollar), 2400 mal pro Minute (360 Dollar), insgesamt in der fraglichen halben Stunde allein bei dieser Aktie 10.800 Dollar Verlust für „Knight Capital“. Insgesamt führte der Fehler bei 140 Aktien zu auffälligen Kursausschlägen – allerdings waren die nur bei weniger als 10 so groß (über 30 Prozent Abweichung von vorangegangenen Kursen), dass die automatischen Sicherungssysteme der Börsen griffen und die Aufträge stornierten.

Übrigens: Knight Capital hatte vor dem selbstproduzierten Crash einen „Marktwert“ von einer Milliarde US-Dollar und Bargeldbestände von 365 Millionen Dollar. 2004 musste die Firma 79 Millionen Dollar Strafe zahlen, weil sie ihre Kunden betrogen übervorteilt hatte. Nach der jetzt nötigen „Rettungsaktion“ für den Hochfrequenzhändler besitzen die Finanzinvestoren etwa drei Viertel der Unternehmensaktien.

China darf direkt kaufen

China ist das erste – und einzige – Land, das direkt US-Staatsschuldpapiere kaufen kann. Alle anderen Käufer brauchen die Hilfe von 21 Großbanken, darunter US-Riesen wie Goldman Sachs aber auch Auslandsinsitute wie die Deutsche Bank, die einen sogenannten bevorzugten Zugang zu den Schuldschein-Auktionen der US-Behörden haben, der jetzt auch der chinesischen Zentralbank gewährt wurde. Damit verfestigen sich die engen finanzwirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China, das Kredite gibt, und den USA, die mit Krediten Konsumgüter aus China importieren. Und nebenbei verlieren die 21 Großbanken einen profitablen Gebühren-Kunden.

Quelle: telepolis, 22.5.2012

650 Millisekunden

In der Theorie treten Börsenkursänderungen bei denen 10 Kauf- oder Verkaufsorders zehnmal hintereinander zu höheren oder niedrigern Preisen führen so selten auf, wie schwarze Schwäne. In der Praxis, so gab eine Untersuchung von Börsenkursen von US-Aktien in den Jahren 2006 bis 2011 findet dieses seltene Ereignis fast täglich statt – nämlich 18520 mal in den untersuchten Jahren. Forscher haben nun herausgefunden, dass diese – von der Öffentlichkeit kaum bemerkten – alltäglichen Kursexplosionen und Aktiencrashes verursacht werden durch die Computerprogramme, die den sogenannten Hochfrequenzhandel an den Börsen steuern. Längstens 650 Millisekunden, meistens aber nur 250 Millisekunden (= 1/4 Sekunde) dauerten die Kursauschläge mit denen Investoren versuchen automatisiert Gewinn zu machen. Damit waren sie allesamt zu kurz, um Auswirkung auf die veröffentlichten Börsenkurse zu haben. Im Hochfrequenzhandel werden mittlerweile 70 Prozent des Aktienhandels abgewickelt.

Quelle: telepolis, 8.3.2012

Banken machen Geld

Der EZB-Chef Mario Draghi, der italienische „Experten“-Regierungschef Mario Monti, Angela Merkels Mann für europäische Finanzpolitik Ottmar Issing standen im Sold der US-Großbank Goldman Sachs – ebenso wie mancher US-Finanzminister. Die Bank berät Regierungen – vor allem in ihrem Sinn. Und ein wichtiges Projekt ist dabei, die Regulierung des Finanzmarktes so weit wie möglich zu verhindern.

Denn dies ist lebenswichtig für die Banken: Mehr Geld als Kredit verleihen zu können, als Kunden an Einlagen angelegt haben. Denn entgegen der landläufigen Vorstellung verleihen die Banken nicht nur Einlagegelder. Die niedrige „Mindestreserve“ (2 Prozent in Europa, 10 Prozent in USA, 20 Prozent in China) ermöglicht es Banken, Geld aus dem Nichts zu schöpfen: Bei 2 Prozent Mindestreserve können sie 50 mal mehr Kredite vergeben, als Kunden angelegt haben.

Mehr zu diesem wunderbaren Geldschöpfungssystem gibt es in diesem „telepolis“-Artikel.

Die Mächtigen von Goldman Sachs

Mit Draghi und Monti sitzen also nun zwei italienische Wirtschaftswissenschaftler auf hohen Posten, die auf der Lohnliste einer höchst umstrittenen US-Bank standen oder stehen. Und es sei daran erinnert, dass es die Bank Goldman Sachs war, die Griechenland dabei geholfen haben soll, einen Teil seiner Staatsschulden zu verschleiern, um überhaupt in den Euroraum aufgenommen zu werden. Darin war im Übrigen auch der neue Chef der griechischen Übergangsregierungschef Loukas Papademos verwickelt. Damit wurde die europäische Statistikbehörde Eurostat getäuscht, um das „wahre Haushaltsdefizit erst nach der Aufnahme in die EU“ auftauchen zu lassen. Immer wieder tauchen auch Berichte auf, dass auch die Zahlen Italiens aufgehübscht worden sein sollen, woran Draghi federführend beteiligt gewesen sein soll. Man kann also dem Handelsblatt nur beipflichten, das heute von einem „stillen Putsch“ spricht, denn nun „bekommen die Finanzmärkte, was sie wollen“.

Die Mittelstands Nachrichten weisen auch darauf hin, dass es Goldman Sachs ist, die mit den Wetten gegen den Euro ihren Kunden ein attraktives Produkt anbietet. Damit wurde dazu beigetragen, dass die Eurozone in diese Krise geführt wurde. Dazu dienen massive Angriffe mit hohen Summen, damit sich die Wetten gewinnbringend in selbsterfüllende Prophezeiungen verwandeln. Portugal ist deshalb regelrecht abgeschossen worden. Doch die Produkte und das Geschäftsmodell von Goldman Sachs führten bekanntlich auch in die Subprime-Krise, die als Auslöser der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise gilt.

Auszug aus einem Artikel der „telepolis“, der die Rolle der „Technokraten“ an der Spitze von Europäischer Zentralbank (Mario Draghi) und Italiens Regierung (Mario Monti) kritisch beleuchtet.

Hunger-Gewinne

Die Organisation „foodwatch“ hat einen Bericht veröffentlicht. In „Die Hungermacher – Wie Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co. auf Kosten der Ärmsten mit Nahrungsmitteln spekulieren“ wird deutlich, welche Größenordnung zwischenzeitlich die Spekulation mit Agrarprodukten erreicht hat: bis Ende März haben Versicherungen und andere Anleger den Investmentbanken und Hedgefonds Nahrungsmittelwetten im Wert von 600 Milliarden US-Dollar abgekauft. Damit ist dieser Markt zu vier Fünfteln (80 Prozent) von Finanzspekulanten beherrscht, die nur das kurzfristige Interesse haben, die Nahrungsmittelpreise in die Höhe zu treiben – mit der Folge noch größeren Hungers in der Welt.

Begleitend zur Veröffentlichung des Berichts gab es auch eine E-Mail-Aktion an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit dem Titel „Hände weg vom Acker, Mann“.

Quelle: telepolis (18.10.2011)

Spekulanten-Spiele

„Die wichtigsten Akteure im Handel mit Staatsschulden sind Ratingagenturen und die großen Investmentbanken… Nur 16 Banken bilden den „Derivatives Dealers‘ Club“. Nach der Finanzkrise haben sie die Spekulationen mit Kreditversicherungen (CDS) auf Staatsschulden ausgeweitet…

…wie bei allen Derivaten kann man damit auch wetten: Jemand hat gar keine Forderung gegen Griechenland und lässt sich dennoch Staatsanleihen in Höhe von einer Milliarde Euro versichern. Vor 18 Monaten waren die Prämien noch gering (…1,5 Prozent des Versicherungswerts). Weil sich die Kreditwürdigkeit Griechenlands verschlechtert hat, stiegen die Prämen … und damit die Marktwerte der … CDS. Mit keinem anderen Geschäft konnte man ähnlich hohe Gewinne machen.

Die echte Absicherung (Hedging) mit CDS hat im Vergleich zur Spekulation keine Bedeutung. Das ergibt sich … aus dem täglichen Transaktionsvolumen von … 4000 Milliarden Dollar. Echtes Hedging bedeutet Halten eines Kontrakts und nicht ein permanentes Handeln. Der Finanzsektor … nutzt reale Probleme aus… Entscheiden für den Spekulationserfolg ist …, diese Probleme gezielt an- und auszuspielen.

Dem dient das mehrfache Doppelpasspiel zwischen den drei US-Ratingagenturen, den Investmentbanken und sonstigen Akteren auf den CDS- und Anleihemärkten. Die Ratingagenturen kündigen eine Herabstufung … an, die Banken übernehmen und erhöhen die CDS-Prämien – nicht ohne vorher CDS gekauft zu haben. Damit rollt der Ball weiter zu den Anleihehändlern, die Zinsen steigen… Nun folgt ein eleganter Rückpass: Die Ratingagenturen stufen … weiter runter, weil die hohen Zinsen das Risiko erhöht haben…“

Stephan Schulmeister im „Handelsblatt“  (31.5.2011)

Hunger-Spekulanten

In einem Interview („taz“, 22.6.2011) macht Heiner Flassbeck von der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung (Unctad) in Genf auf einige Fakten der laufenden Lebensmittel- und Rohstoff-Spekulation aufmerksam:

  • Es sei „ein beliebtes Märchen“, dass die Nachfrage aus China und Indien die Preise an den Lebensmittel- und Rohstoffmärkten nach oben treibe. Dies werde von interessierten Finanzmarktakteuren wie Goldman Sachs gestreut, um davon abzulenken, dass nicht der physische Markt, sondern der Finanzmarkt für die Preissteigerungen verantwortlich ist.
  • Die Deutsche Bank ist einer der größten Zuckerhändler der Welt. Nicht etwa, weil damit viel Geld zu verdienen wäre, sondern weil die Deutsche Bank hofft, eine Herde von Spekulanten und Unwissenden zum Kauf von Zuckerpapieren bewegen zu können, um die eigenen Bestände gewinnbringend weiterzuverkaufen.
  • Spekulanten sorgen dafür, dass einzelne Rohstoff- und Lebensmittelpreise stark steigen. Die eigentliche Bedingung für Preissteigerungen, die Wachstumsrate der Lohnstückkosten, ist in fast allen Ländern nahe Null (Ausnahme: China, wo es kräftige Lohnsteigerungen gibt).

In einem weiteren Artikel zum Thema schätzt die Entwicklungsorganisation Oxfam, dass in diesem Jahr die Zahl hungernder Menschen auf eine Milliarde anwachsen wird, nach 925 Millionen Hungernden im Vorjahr. Weiter heißt es, dass der Lebensmittelpreis-Index der UN-Agrarorganisation FAO im Mai um 14 Prozent über dem Vorjahreswert lag.

Die Karstadt-Spieler

Noch immer ist kein Ende des Dramas um die Karstadt-Pleite in Sicht. „Die Zeit“ (12.8.2010) hat dankenswerterweise einmal die verschiedenen Interessengruppen aufgelistet, die hier im Spiel sind:

  • Investor Nicolas Berggruen, der das Vertrauen der Gewerkschaftsvertreter von ver.di genießt, weil sein Sanierungskonzept anerkennt, dass die Karstadt-Mitarbeiter bereits in den vergangenen Jahren durch Lohnverzichte viel zur Rettung der Warenhäuser beigetragen haben.
  • Die Goldman Sachs Tochterfirma Whitehall mit dem Bankier Alexander Dibelius an der Spitze, die 51 Prozent am Vermieterkonsortium der Karstadt-Warenhäuser hält. Diese Warenhäuser waren 2007 für 4,7 Milliarden Mark an das Konsortium verkauft worden. Das Problem: Whitehall hat sich die Karstadt-Kredite nicht wie üblich durch Grundschulden gesichert, sondern breit an Anleger gestreut – und die sind sich nicht einig, auf wieviel ihres Engagements sie verzichten wollen.
  • Die Valovis Bank unter Robert K. Gogarten, die Highstreet einen grundschuldbesicherten Kredit von 850 Millionen Euro für den Warenhauskauf gewährte und nun dieses Geld vorzeitig zurückhaben möchte, da die Forderung von Investor Berggruen nach Mietsenkungen diese Grundschuld im Wert senken und damit den Eigenkapitalbedarf der Valovis-Bank erhöhen würde.
  • Die Deutsche Bank mit Josef Ackermann an der Spitze, die weitere 49 Prozent am Vermieterkonsortium hält und sich bislang öffentlich nicht geäußert hat.
  • Der Mailänder Unternehmer Maurizio Borletti, der 2 Prozent am Deutsche Bank-Anteil am Vermieterkonsortium hält und jetzt überraschend ein Angebot für Karstadt vorgelegt hat, das wie Berggruen beinhaltet, dass keine weiteren Entlassungen von Personal vorgenommen werden und die Warnhauskette als Ganzes erhalten bleibt. Allerdings trauen die Gewerkschaftsvertreter von ver.di Borletti nicht über den Weg. Borletti hält – finanziert von der Deutschen Bank – 40 Prozent an der französischen Warenhauskette Printemps und 4 Prozent am italienischen Warenhauskonzern La Rinascente.

Die Bank-Giganten

Die Deutsche Bank und Goldman Sachs sind die beiden großen Investment-Banken, die sich einen Konkurrenzkampf auf Weltniveau liefern. „Die Zeit“ (27.5.2010) hat die wichtigsten Daten zusammengestellt:

Gewinn 2009: Goldman Sachs 13,4 Milliarden US-Dollar, Deutsche Bank 7,4 Milliarden Dollar

Aktienwert: Goldman 70 Milliarden Dollar, Deutsche Bank 40 Milliarden Dollar

Bilanzsumme: Goldman 849 Milliarden Dollar, Deutsche Bank 1300 Milliarden

Mitarbeiter: Goldman: 31.700, Deutsche Bank 17.053

Synthetische Wetten

Wegen sogenannter „synthetischer“ CDO’s wird die Bank Goldman Sachs in den USA vor Gericht von der amerikanischen Börsenaufsicht verklagt (Klage 10 CV 3229 SEC vs. Goldman Sachs) – d.h. nicht wegen dieser „Finanzprodukte“, sondern wegen zu wenig ausführlicher Informationen darüber im Ausgabeprospekt.

In der „Zeit“ (22.4.2010) wird beschrieben, wie diese Finanzprodukte funktionieren: während bei normalen CDO’s (= Collateral Debt Obligations) zweifelhafte Hypothekenkredite „gebündelt“ wurden, enthalten die „synthetischen“ CDO’s gar nichst mehr – sie sind eine inhaltsleere Wette drauf, dass ein Paket aus Krediten entweder im Wert steigt oder die darin enthaltenen Kredite platzen.

Schön beschrieben wird dieses Vorgehen auch mit dem Verkauf einer Versicherung, die zahlt, wenn das Haus des Nachbarn brennt.

Der Hedgefonds-Manager John Paulson hatte so einen synthetischen CDO bei Goldman Sachs in Auftrag gegeben – mit dem erklärten Ziel, gegen dieses Papier zu wetten – während die Käufer glaubten, damit auf steigende Kurse bei Hypothektenkredit-Bündeln zu wetten. Zu den Geschädigten dieser Wette gehörte auch die deutsche Pleite-Bank IKB.

Die synthetischen CDO’s entstanden, als sich bereits die Zahlungsprobleme am amerikanischen Immobilienmakrt abzeichneten. Die Spekulanten suchten einen Weg, von dieser Hypothekenkrise zu profitieren. Die angeklagten Praktiken von Goldman Sachs sind deshalb nicht einzigartig. Auch Citigroup, UBS, JP Morgan Chase haben laut Credit Suisse solche „Finanzprodukte“ angeboten und gleichzeitig gegen diese gewettet. Auch die Deutsche Bank soll solche Geschäfte getätigt haben.

Tote Anleger

Der ganze Zynismus der handelnden Personen der Finanzbranche zeigt sich in den E-Mails des derzeit 31-jährigen Börsenhändlers Fabrice Tourre, genannt „Fabulous Fab“ (fabelhafter Fabrice). Er verkaufte Kunden den Fonds „Abacus 2007 AC-1“ seines Arbeitgebers Goldman Sachs und wettete gleichzeitig auf fallende Kurse dieses Fonds (shortselling). In einer E-Mail kommentierte der Zyniker, dass seinen „armen, kleinen Kreditnehmer kaum mehr zahlungsfähig, wohl nicht alt werden“.

Der Finanzhai wusste nämlich schon 2007, dass die Immobilienkredit-Blase platzen würde.

Quelle: Frankfurter Rundschau 27.4.2010

Die gefährlichste Firma der Welt

In einem Bericht über den Versicherungskonzern AIG trug „Die Zeit“ (18.3.2010) ein paar Fakten zu diesem als „gefährlichste Firma der Welt“ bezeichneten Konglomerat zusammen:

  • 4000 Unternehmensteile in 130 Ländern, 74 Millionen Kunden mit einem Anlagevermögen von einer Billion Dollar (1000 Milliarden).
  • Am 16.9.2008, zwei Tage nach dem Untergang der Lehman Bank musste der Staat mit zunächst 85 Milliarden Dollar einspringen, später wurden 180 Milliarden daraus, die Aktie fiel von 100 Dollar auf unter einen Dollar. die Staatshilfen gingen zum großen Teil direkt an Banken wie Goldman Sachs oder die Deutsche Bank, die allein 11,8 Milliarden Dollar aus der Staatshilfe bekam – für die geplatzten Spekulationspapiere (Credit Default Swaps, „gebündelte“ Kreditversicherungen).
  • Bevor die CDS in der Finanzkrise platzten hatte AIG allein mit diesen Spekulationen einen Jahresgewinn von 5 Milliarden Dollar eingefahren.
  • Hank Greenberg, 84, heist der Verantwortliche, der den Konzern in 37 Jahren zusammenbaute und einst ein Privatvermögen von 3 Milliarden Dollar besaß.

Geld(-kapital) ist (Banken-)Macht

Die „Zeit“ (4.2.2010) hat zusammengetragen welche Marktkapitalisierung große Banken der Welt haben und wie sich dieser „Wert“ in den 12 Monaten zwischen Februar 2009 und Februar 2010 verändert hat.

  • Industrial & Commercial Bank of China: 173,27 Milliarden Euro (+ 29,5 %)
  • HSBC HDG: 136,98 Milliarden Euro (+84,5 %)
  • JP Morgan Chase: 112,28 Milliarden Euro (+ 51,1 %)
  • Bank of China: 102,2 Milliarden Euro (+ 30,9 %)
  • Bank of America: 96,09 Milliarden Euro (+ 192,7 %)
  • Citigroup: 68,37 Milliarden Euro (+ 352,9 %)
  • Goldman Sachs Group: 56,65 Milliarden Euro (+ 94,7 %)
  • Credit Suisse Group: 38,54 Milliarden Euro (+ 69,4%)
  • Deutsche Bank: 28,35 Milliarden Euro (+ 139,9%)
  • Commerzbank: 6,88 Milliarden Euro (+ 167,8 %)

Wetten mit dem Hunger

„Mann muss kein Bauer sein, um mit Ackerland Geld zu verdienen… Investmenthäuser wie Goldman Sachs und Morgan Stanley, die führende deutsche Fondsgesellschaft DWS, die zur Deutschen Bank gehört, Spezialisten wie Agrarius und AgroEnergy, dazu Hedgefonds, die Anlagebüros von Milliardären – sie alle wetten … auf Mutter Erde … Und selbst Kleinanleger sind dabei. Für sie gibt es Zertifikate auf Acker.

Landgrab, wie die Amerikaner sagen, … beginnt mit zwei nüchternen Zahlen… Sie stehen in jedem Fondsprospekt,… Die erste Zahl sind 1,5 Milliarden. Das ist die derzeit nutzbare Ackerfläche der Erde in Hektar. Die zweite ist 200.000. So viele Menschen kommen jeden Tag zu den 6,8 Milliarden hinzu, die von der Erde leben wollen.

Schon heute hungern 850 Millionen von ihnen. Wer sein Geld vermehren will, der kauft … Güter, die sich nicht vermehren lassen, die aber immer mehr Menschen haben wollen. Die Nachfrage ist größer als das Angebot, der Preis steigt…

Auch Staaten haben die neue Bedeutung fruchtbaren Bodens entdeckt. Sie folgen ebenfalls einer simplen Logik: Kaum etwas ist gefährlicher als ein hungerndes Volk. Chinesen, Araber … ziehen derzeit um den Globus, um sich fruchtbaren Boden zu sichern.

In den arabischen Staaten geht schlicht das Wasser aus…

In China nimmt der Fleischverbrauch rasch zu, was den Bedarf an Weideland und Getreide noch schneller wachsen lässt.“

Auszug aus einem Artikel der „Zeit“ (11.2.2010) zur laufenden Bodenspekulationswelle

Goldman Sachs verdient an Griechenland

Die „Süddeutsche Zeitung“ (15.2.2010) beschreibt wie die US-Bank Goldman Sachs Griechenland half, das Staatsdefizit zu verschleiern – und dabei gute Gewinne machte. Der Deal lief so: Goldman verkaufte den Griechen ein Kredit-Derivat namens Swap. Dafür verpfändete Athen künftige Einnahmen aus dem Betrieb von Flughäfen, Autobahnen und Lotterien. Nach europäischen Buchhaltungsregeln tauchte dieses Geschäft nicht in der griechischen Staatsbilanz auf. Im Fall des griechischen Swaps kassierte Goldman Sachs 300 Millionen Dollar „Gebühren“. Insgesamt schuldet Athen Investoren 220 Milliarden Euro. 52 Milliarden Euro Schulden werden in diesem Jahr fällig.

1999: Das Casino wird eröffnet

Nach der Bankenkrise im Gefolge des „scharzen Freitag“ von 1929 entstand in den USA das Glass-Stegall-Gesetz, das es Banken verbot, mit den Spargeldern ihrer Kunden zu spekulieren. Es entstand die Trennung von Sparkassen und Investmentbanken. 60 Jahre später, 1999 unterzeichnete Präsident Bill Clinton das Gesetz mit dem der Glass-Stegall-Act aufgeboben wurde – ein wesentlicher Schritt in den spekulativen Casino-Kapitalismus. Denn von da ab konnten Investmentbanken in den USA wieder Kundengelder einsammeln, um mit diesen Spekulationsgeschäfte zu finanzieren.

Massgeblich beteiligt an diesem Gesetzgebungsverfahren war die Großbank Citigroup, deren damaliger Vorstandsvorsitzender Sanford Weill sich von der Finanzwelt als „Zerschmetterer von Glass-Stegall“ feiern ließ. Weill betrieb aggressives Lobbying beim damaligen Finanzminister Robert Rubin. Den kannte Weill aus New York, wo Rubin die Investmentbank Goldman Sachs geleitet hatte. Im Gefolge der Abschaffung der Bankenregulierung stieg die Citigroup zum weltgrößten Finanzkonzern auf.

Quellen: New York Times Beilage der Süddeutschen Zeitung (28.9.2009), Die Zeit (21.1.2010)

1. Fassung 29.9.2009, Ergänzung am 25.1.2009

Wall Street hat gewonnen

„Die Zeit“ stellt lakonisch fest „Die Wall Street siegt“ (17.12.2009). Denn bei den anstehenden Finanzmarktregulierungen fehlen ausgerechnet belastbare Regeln für den Derivate-Markt. Dieser Markt, der derzeit 600 Billionen Dollar umfasst (vor der Krise waren es 700 Billionen) war Auslöser der Wirtschaftskrise und ist immer noch der für die Realwirtschaft, die Staaten, die Währungen und die Menschen gefährlicheste Teil des Finanzmarkts.

Doch das Wall Street Kartell der Derivate-Profiteure – die Großbanken J.P. Morgan Chase, Goldman Sachs, Bank of America, Morgan Stanley, Citigroup und Deutsche Bank haben Regeln verhindert – insbesondere die Regel, dass Derivate-Geschäfte an einer Börse öffentlich überprüfbar notiert werden sollten.

So bleibt es bei den undurchsichtigen Hinterzimmerdeals, die über den Ladentisch (englisch: over the counter) gemacht werden. Diese können zwar theoretisch nützlich sein, indem sie z.B. ein US-Unternehmen, das seine Waren nach Europa exportiert, gegen einen möglichen Verfall des Euro schützen; doch in der Realität sind es vor allem Geschäfte, die Hedgefonds und Banken machen, um auf möglichst hohe Gewinne zu wetten. Gefährlich sind die undurchsichtigen Derivate deshalb, weil sie meistens eine Transaktionskette beinhalten, die explodiert, sobald ein beteiligter Vertragspartner im Ernstfall nicht zahlen kann – so wie voriges Jahr die Investmentbank Lehman Brothers und der Versicherungskonzern AIG.

Die Großbanken der Wall Street haben die Politik eingesackt, indem sie in einer Kampagne prominente Kunden der Realwirtschaft – Apple, General Electric, IBM – gegen Derivate-Regeln aufmarschieren ließen. Diese Großkunden haben ein eigennütziges Interesse: Nicht um die Absicherung von Geschäften geht es ihnen, sondern um das Erlangen von Steuervorteilen und die Möglichkeit zur Bilanzkosmetik, die mit dem Derivatehandel einher geht. Deshalb hat der Bankeregeln-Gesetzentwurf des amerikanischen Repräsentantenhauses Ausnahmeregeln für diese „Endkunden“ und die gerade beliebten Devisen-Wetten (die schon vor 10 Jahren beim Zusammenbruch des Hedgefonds LTCM beinahe den Systemkollaps auslösten).

Rekord-Boni

Für Ulrich Thielemann, Wirtschaftsethiker der Universität St. Gallen, sind Bonuszahlungen „das entscheidende Mittel der Banken, um ein falsches Unternehmensziel durchzusetzen, nämlich das der Gewinnmaximierung“.

Dieses System funktioniert bestens: Die 10 größten Banken Amerikas machen fette Gewinne und schütten an ihre Mitarbeiter Rekord-Boni aus. Die allergrößte Bank der USA, die Bank of America wird 2009 voraussichtlich 124 Milliarden Dollar Gewinn machen. Davon werden dann 30 Milliarden Dollar als Boni ausgeschüttet – über 100.000 Dollar pro Mitarbeiter. Bei der Nummer 2, J.P. Morgan Chase werden von 103 Milliarden Gewinn-Dollar 29,5 Millionen an die Banker ausgezahlt – fast 134.000 Dollar pro Beschäftigten. Die Nummer drei, die Citigroup, gibt sich mit einem Bonus von 71.000 Dollar pro Mitarbeiter fast bescheiden, von 94 Milliarden Dollar Gewinn werden „nur“ 22 Milliarden für Bonuszahlungen verwendet.

Auf Platz vier folgt der Bonus-Spitzenreiter Goldman Sachs, der von 44 Milliarden Dollar Gewinn fast die Hälfte an die eigenen Manager auszahlt – 740.000 Dollar pro Mitarbeiter. Die Nummer fünf, Morgan Stanley, wird 23 Milliarden Dollar Gewinn einfahren und davon den größten Teil als Boni wieder auszahlen – 16,4 Milliarden Dollar oder 263.000 Dollar pro Mitarbeiter.

Gleichzeitig geht das Bankensterben in den USA weiter: In Kürze wird dort Bank Nummer 100 pleite gehen – ein Fest für die Investmentbanker, die gerade mit Bankübernahmen viel Geld verdienen. Im Finanzmarktcasino gibt es also gerade eine gigantische Finanzmacht-Konzentrationswelle – finanziert von den Steuerzahlern, die die großen Banken „retten“ mussten.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 15.10.2009

Landesbank zahlt für’s Image

Die HSH Nordbank bezahlte 45 Millionen Dollar an die US-Investmentbank Goldman Sachs – obwohl diese Zahlung juristisch nicht nötig gewesen wäre, da die Ansprüche von Goldman Sachs gegenüber der Landesbank aufgrund einer nicht eingehaltenen Anmeldefrist rechtlich verfallen waren. Die Bank zahlte trotzdem, weil sie befürchtete, sonst auf den Finanzmärkten mit höheren Zinsen für Kredite bestraft zu werden.

Politik schont Banken

Die „Zeit“ (10.9.2009) macht auf einen Vorgang aufmerksam, der beispielhaft für den politischen Umgang mit der Krise ist: Im Wahlkampf geht die SPD damit hausieren, die Banken an den Kosten der Bankenrettung zu beteiligen. Doch im Oktober 2008 lief das ganz anders: Zwar waren sich die Finanz- und Haushaltspolitiker der großen Koalition einig, auch die Banken an den Kosten des 500-Milliarden-Euro-Rettungspakets zu beteiligen. Doch die Fraktionsvorsitzenden von CDU (Volker Kauder) und SPD (Peter Struck) wollten die Opposition mit im Boot haben – und versprachen der FDP, dass für die Kosten des Rettungspakets allein der Steuerzahler aufkommt und die Banken das Staatsgeld zum Nulltarif bekommen.

In dem Artikel geht es übrigens auch um die verlogene Diskussion um Bonuszahlungen an Banker. Zitiert wird dazu der Deutschland-Chef von Goldman Sachs Alexander Dibelius. Der hält die Boni-Debatte für verlogen und fordert mit Blick auf den Bericht der UN-Kommission unter Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, eine „allgemeine Verteilungsdebatte“ zu führen. Denn laut UNO ist das Problem nicht die Zahlungen von Boni an Banker, sondern die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich!

Kräftige Gewinne bei Bankenrettung

Die US-Notenbank (Federal Reserve – „Fed“) hat seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor 2 Jahren offenbar einen Gewinn von 14 Milliarden Dollar aus ihren Verleihaktionen an Banken erwirtschaftet. Auch der amerikanische Staat soll an seinen Rettungsaktionen verdient haben – 1,4 Milliarden Dollar von Goldman Sachs, 1,3 Milliarden von Morgan Stanley – durch den Rückverkauf der im Zuge der Stützungsaktionen übernommen Bankaktien. Allerdings haben die USA noch große Risiken im Rettungsportfolio: den Versicherer AIG und die Immobilienbanken „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ sowie die Autokonzerne General Motors und Chrysler.

In Deutschland geht es bescheidener zu. Der Bankenrettungsfonds Soffin hat bislang 320 Millionen Euro Gebühren für seine Bankgarantien von 130,7 Milliarden eingenommen. Und ob man die 22 Milliarden für die Hypo Real Estate und die Commerzbank wiedersieht ist fraglich. Hohes Risiko, geringe Einnahmen ist also das schlechte Staatsgeschäft.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 1.9.2009

Phantastische Bonuszahlungen

Zur Jahresmitte hat die Großbank Goldman Sachs 11,4 Milliarden Dollar (7,9 Milliarden Euro) für Bonuszahlungen an ihre führenden Manager zurückgelegt. Damit fallen mitten in der Wirtschaftskrise die Sonderzahlungen für die Bankmanager so hoch aus wie nie zuvor.

Lustig: Es gibt wieder sogenannte „Garantieboni“ bei denen die eigentlich als Bonus für gute Leistung gedachten Sonderzahlungen für ein Jahr garantiert sind – ganz unabhängig von der tatsächlich erbrachten „Leistung“.

Quelle: Die Zeit 20.8.2009

Pleite Nummer 77

Es ist eine Schnapszahl: Mit der Insolvenz der Colonial Bank – einem Institut mit 346 Filialen in fünf US-Bundesstaaten und einer Bilanzsumme von 25 Milliarden Dollar geht heuer die 77. US-Bank pleite. Gleichzeitig verdienen Großbanken wie Goldman Sachs kräftig am Geschäft mit staatlichen Milliardenhilfen und billigem Notenbank-Geld. Übrigens: Voriges Jahr gingen neben den Lehman-Brothers „nur“ 24 weitere Banken bankrott – die größte war die US-Sparkasse Washington Mutual mit einer Bilanzsumme von 307 Milliarden Dollar. Es wird erwartet, dass infolge der Bankenpleiten die Hypothekenkredite der US-Hausbesitzer noch einmal teurer werden.

Aber nicht nur die Kunden bezahlen: Auch der US-Einlagensicherungsfonds FDIC gerät langsam in Not: Die Colonial-Pleite wird ihn etwa 2,8 Milliarden Dollar kosten. Der Fonds, der im März noch mit 13 Milliarden Dollar kapitalisiert war, musste seitdem häufig einspringen und Experten meinen, dass sein Kapital fast aufgebraucht ist – so kostete die Pleite des Immobilienfinanzierers IndyMac den FDIC allein 10 Milliarden Dollar.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 17.8.2009