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Achtmal mehr

Im Jahr 2008 erzielten die obersten 10 Prozent der Beschäftigten ein durchschnittliches Jahresgehalt von 57.300 Euro (4775 Euro monatlich). Damit hatten die „Besserverdienenden“ ein achtfach höheres Jahreseinkommen als die untersten 10 Prozent, die sich mit 7400 Euro im Jahr (617 Euro monatlich) begnügen mussten. Dies geht aus einer Statistik der OECD hervor, die auch darauf verweist, dass in den 1990er-Jahren dieser Abstand deutlich geringer war. Damals hatten die „Besserverdienenden“ lediglich ein sechsmal so hohes Jahreseinkommen wie das unterste Zehntel.

Quelle: telepolis

Einkommen und Verdienst

2008 betrug laut statistischem Bundesamt das durchschnittlich verfügbare Haushaltseinkommen 2965 Euro. Dieser Netto-Zahl über alle Haushalte steht der durchschnittliche Bruttoverdienst der rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer gegenüber, das 2010 laut Deutscher Rentenversicherung 2666 Euro betrug. Kein Widerspruch: Denn zum Haushaltsnettoeinkommen tragen in der Regel mehrere Personen bei und außerdem zählen zu den Haushalten auch jene von Besserverdienenden, die aufgrund von hohem Einkommen oder Vermögen keine Rentenversicherungsbeiträge bezahlen (wie übrigens auch die Niedriglöhner mit weniger als 800 Euro Monatseinkommen auch nicht).

Wer verdient wieviel?

Eine Statistik zu den Bruttogehältern der 13 Millionen Vollzeit-Arbeitnehmer veröffentlichte „Die Zeit“ (23.9.2010). Danach gehört zu den 10 Prozent Spitzenverdienern in Deutschland, wer als Vollzeitbeschäftigter mehr als 5010 Euro Brutto verdient. Zum reichsten Fünftel der Arbeitnehmer kann sich zählen, wessen Monatsgehalt 4080 Euro übersteigt. Das reichste Drittel der Arbeitnehmer verdient mehr als 3520 Euro brutto monatlich.

Dagegen hat das ärmste Zehntel der Vollzeitarbeitnehmer ein Monatsbrutto von weniger als 1650 Euro. Vier von fünf Vollzeit-Arbeitnehmern verdienen höchstens 2070 Euro und wer weniger als 2600 Euro Brutto verdient gehört als Vollzeitarbeitnehmer nicht zur Mittelschicht, sondern zum ärmeren Drittel der Beschäftigten.

In der Mitte liegen dann gehälter von 2600 bis 3520 Euro brutto monatlich – wobei in diese Zahlen auch Leistungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld oder auch Zuschläge für Schicht-, Nacht- und Wochenendarbeit sowie Überstunden einfließen.

Arm und reich

Die 10 Prozent der Bundesbürger mit dem niedrigsten Einkommen, bekommen gerade mal 3,9 Prozent des gesamten Nettoeinkommens in der Bundesrepublik Deutschland. Aber auch wer mehr Einkommen hat, wird noch lange nicht entsprechend seinem Bevölkerungsanteil am Einkommen beteiligt. Selbst die Bundesbürger, die schon oberhalb des Einkommens-Durchschnitts liegen – statistisch nennt man das das sechste Dezil (also die Einkommen zwischen 50 und 60 Prozent des Einkommens, die eigentliche Mittelschicht) bekommt nur 9,4 Prozent des deutschen Gesamt-Nettos. Dagegen bekommen die reichsten 10 Prozent satte 22 Prozent des deutschen Netto-Einkommens.

Armuts- und Reichtumsschwellen liegen in Deutschland bei folgenden Nettoeinkommen:
Single: Armutsschwelle: weniger als 913 Euro netto im Monat. Reichtsumsschwelle: Mehr als 3043 Euro netto monatlich.
Alleinerziehende mit 1 Kind: Armut: weniger als 1187 Euro im Monat; Reichtum mehr als 3957 Euro monatlich
Familie mit 2 Kinder: Armut: weniger als 1917 Euro monatlich, Reichtum: über 6390 Euro netto.

Quelle: Südwest Presse (26.6.2010)

Ungleichheit ist ungesund

In Gesellschaften mit geringen Einkommensunterschieden leben Menschen länger, besser und glücklicher. So gibt es zum Beispiel einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen Einkommensunterschieden und Gesundheits- und Sozialproblemen. In Japan, dem Land mit den geringsten Einkommensunterschieden gibt es die wenigsten Probleme dieser Art – in den USA, wo die Kluft zwischen Niedriglöhnern und Top-Verdienern besonders groß ist, sind auch die Gesundheits- und Sozialprobleme am größten. In den skandinavischen Ländern geht es den Menschen besser als in Deutschland Österreich, Frankreich oder Kanada.

Lesetipp: Kate Pickett, Gleichheit ist Glück – warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind, Berlin 2010

Wer ist eigentlich Mittelschicht?

1992 gehörten 60,6 Prozent der Bevölkerung der „mittleren Einkommensgruppe“ an. Dieser Anteil ist bis 2006 auf 54,4 Prozent geschrumpft. Gewachsen ist die Zahl der Beschäftigten, die untere Einkommen beziehen (von 21,8 auf 24,4 Prozent) und die Zahl derjenigen, die „obere Einkommen“ haben (von 17,6 auf 21,3 Prozent). Die Mittelschicht schrumpft also, Oben und Unten wird mehr.

Untere Bruttogehälter im Bereich der Vollzeiteinkommen waren im Jahr 2006 beispielsweise Friseure mit durchschnittlich 1305 Euro monatlich oder Wachleute mit 1837 Euro.

In der Mitte reicht die Spanne von Sprechstundenhilfen mit 2306 Euro brutto monatlich für einen Vollzeitjob bis zu 3778 Euro für einen Bankangestellten.

Die oberen Einkommen haben zum Beispiel Industriemeister mit 4097 Euro brutto oder Notare mit 6106 Euro im Monat.

Quelle: Die Zeit 17.9.2009

Sozialleistungen für wen?

Das reichste Zehntel der Bevölkerung hatte im Jahr 2006 ein monatliches Durchschnitts-Nettoeinkommen von 5578 Euro – Netto monatlich also deutlich mehr als die vom Brutto zu bezahlenden rund 4000 Euro jährliche effektive Sozialabgaben dieser Gruppe (gerechnet nach geleisteten Zahlungen abzüglich erhaltene Zuschüsse – etwa Kinderfreibeträge).

Das ärmste Zehntel der Bevölkerung hat ein monatliches Nettoeinkommen von 942 Euro und bekommt jedes Jahr vom Staat per Saldo 1000 Euro Sozialleistungen (rund 85 Euro im Monat)

Die beiden Gruppen in der Mitte haben 1616 und 1859 Euro netto monatlich und bekommen ein paar wenige Euro oder zahlen ein paar hundert Euro im Jahr an Sozialleistungs-Saldo.

Quelle: Die Zeit 17.9.2009

Weniger Lohn! Mehr Einkommen?

Eine kuriose Rechnung macht heute die Frankfurter Rundschau auf – und liefert die Gründe zur Kritik gleich mit. Zwar wird danach erwartet, dass heuer die Nettolöhne um 0,7 und nächstes Jahr sogar um 1,1 Prozent sinken werden. Die verfügbaren Einkommen sollen dagegen heuer nur um 0,2 Prozent zurückgehen und im nächsten Jahr sogar um 1,6 Prozent steigen.

Kurioser Grund: Den sinkenden Löhnen stehen steigende Renten gegenüber, deren Erhöhungen sich ja nach den „guten“ Jahren 2007 und 2008 berechnen, in denen die Nettolöhne konjunkturbedingt kräftig stiegen. Und auch die Wiedereinführung der Pendlerpauschale sowie die staatliche Abwrackprämie führen dazu, dass die Bürger gar nicht merken, wie ihnen die Arbeitgeber Lohn vorenthalten (nicht nur durch geringere Lohnabschlüsse, sondern vor allem durch steigende Arbeitslosigkeit!)