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Ökonomischer Vorteil – ökologischer Nachteil

Braunkohle hat viele ökonomische Vorteile – vor allem ist sie billig im Tagebau abzubauen. Der ökologische Nachteil ist: Pro Kilowattstunde Braunkohlverstromung entstehen 1,5 Kilogramm Kohlendioxid. Dennoch ist Deutschland führend bei der „billigen“ Braunkohleverstromung und die Energiekonzerne Vattenfall und RWE wollen neue Kraftwerke dafür bauen. Und was der Bundesrepublik recht ist, ist auf Borneo (Indonesien) billig – dort soll künftig in großem Maßstab Braunkohle abgebaut werden.

Quelle: telepolis, 26.10.2011

Klimakatastrophe liegt im Plan

In einem Artikel für die „Zeit“ (21.10.2010) haben der ehemalige Direktor der London School of Economics Anthony Giddens und der Rektor des Trinity College der Universität Cambridge Martin Rees noch einmal ein paar Fakten zur laufenden Klimakatastrophe benannt:

Die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmoshäre liegt derzeit höher als in den vergangenen 500.000 Jahren. Seit Beginn des Industriezeitalters hat sich die CO2-Konzentration um ein Drittel erhöht und wird wahrscheinlich bald das doppelte des vorindustriellen Werts betragen.

Der Juni 2010 war der 304. Monat in Folge, in dem die weltweiten Temperaturen von Festland und Ozeanen die Durchschnittswerte für das ganze 20. Jahrhundert (=Jahre 1901 bis 2000) übersteigen.

Die USA und China verursachen 40 Prozent der gesamten Emissionen der Welt.

Klima und Lebensstil

In einer ihrer Infografiken hat „Die Zeit“ (3.12.2009) anschaulich gemacht, wie der Lebensstil den Kohlendioxid-Ausstoß beeinflusst. Hier einige der Ergebnisse:

  • Eine Mittelklasselimousine mit einem Durchschnittsverbrauch von 11 Litern Benzin auf 100 Kilometer und einer jährlichen Fahrleistung von 12.000 Kilometer stösst 3670 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr aus. Ein Kleinwagen mit einem Verbrauch von 6 Litern bringt es noch auf 2000 Kilogramm und wer den Zug nimmt, schafft die 12.000 Kilometer mit nur 900 Kilogramm Kohlendioxid (gleiche Anteile Fern- und Nahverkehr).
  • Eine Thailandreise schlägt mit 5700 Kilogramm Kohlendioxid zu Buche – allein für den Flug. Eine zweiwöchige Urlaubsreise mit Flug, Hotel und Mietwagen auf Mallorca belastet das Klima mit 1200 Kilogramm und 2 Wochen Urlaub an der Ostsee mit Anreise im eigenen Auto nur mit 260 Kilogramm.
  • Fast-Food-Esser bringen es im Jahresschnitt auf 2400 Kilogramm Kohlendioxid wegen des hohen Fleischanteils. Gesundheitsbewusste Ökos mit geringem Fleischverbrauch beteiligen sich mit 1850 Kilogramm Kohlendixoid am Klimawandel und radikale Veganer, die ganz ohne tierische Produkte auskommen (auch keine Eier und Milchprodukte) reduzieren ihren Kohlendioxid-Anteil auf 940 Kilogramm.
  • Eine 60 Quadratmeter-Altbauwohnung mit Ölheizung ohne Energiesparmaßnahmen belastet das Klima mit 3700 Kilogramm Kohlendioxid, eine gleich große modernisierte Wohnung nur noch mit 1600 Kilogramm. Und ein Niedrigenergiehaus mit Holzpellet-Heizung, Solaranlage und Spararmaturen benötigt nur noch 120 Kilogramm.

Und noch ein schöner Vergleich in der Infografik: Um das 2-Grad-Ziel zu erreichen dürfte die Menschheit jährlich höchstens 14,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente ausstoßen. Die derzeit 6,9 Milliarden Erdenbürger brächten derzeit aber schon zwei Erdplaneten für die derzeit ausgestoßenen 30 Milliarden Tonnen. Würden alle Menschen so leben wie die Deutschen wären 4 Erdplaneten nötig und für den Lifestyle der US-Amerikaner gar 9 Erden.

Gefährliche Kohlendioxid-Pläne

Die Kohlekonzerne, allen voran Atom- und Stromriese Vattenfall, haben sich durchgesetzt. Die Lobbyinteressen immer geneigte schwarz-gelbe Bundesregierung hat das Gesetz auf den Weg gebracht, das die CCS-Technologie (CCS: Carbon Capture and Storage = Kohlenstoff-Abscheidung und -Lagerung) ermöglichen soll. CCS ist der Versuch aus den Kohle-Großkraftwerken, die Kohlendioxid-Schleudern sind, propagandistisch „saubere Kohle“ (clean coal) zu machen. Dabei sollen Kohlekraftwerke unter Verschlechterung des Wirkungsgrades das von ihnen ausgestoßene Kohlendioxid abscheiden, um es anschließend unterirdisch zu lagern.

Wie bei hren gefährlichen Plänen zur Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke geht es den Stromkonzernen vor allem um den Erhalt ihrer Gewinn- und Renditeträchtigen Großkraftwerke. 6 Milliarden Euro will die EU für die CCS-Technoligie ausgeben, fast 20 Milliarden sind weltweit bereits in die Entwicklung dieser Großtechnik gefolssen – einer Großtechnik, die vor allem die kapitalkräftigen großindustriellen Stromkonzerne gegen die Konkurrenz dezentraler, umweltfreundlicher Energieerzeugung (Wasser, Wind, Sonne, Blockheizkraftwerke, Energieeffizienz) schützen soll.

CCS birgt Gefahren, die ähnlich groß einzuschätzen sind, wie die Folgen atomarer Unfälle: Wird das Kohlendioxid in leere Öllager unter dem Meeresgrund verpresst, kann es im Falle eines Explosionsunfalls (Stichwort Deepwater Horizon) zu einer tödlichen Versauerung des Meerwassers kommen(es verwandelt sich dann in Kohlensäurehaltiges Wasser in dem z.B. alle Korallen sterben); wird Kohlendioxid in Salzstöcke an Land verpresst, dann kann eine explosive Freisetzung einen tödlichen Bodenschleier über weite Gebiete legen (Kohlendioxid ist schwerer als Luft – zuerst ersticken die Kinder und dann die Erwachsenen).

Quelle: taz 15.7.2010

Solare Wärmeerzeugung eingefroren

In allen Stromdebatten unbemerkt hat die Bundesregierung eines der wichtigsten Umwelt-Förderprogramme abgewürgt. Nach einer Kürzung um 19,5 Millionen Euro wurden jetzt 448,5 Millionen Euro des Förderprogramms für die Erzeugung von Heizenergie mit Hilfe von solaren Warmwasserkollektoren mit einer Haushaltssperre „eingefroren“. Damit fällt die einzige Fördermöglichkeit für diese Technologie weg. Damit in Gefahr sind dann natürlich die Kohlendioxid-Minderung bei den Hausheizungen und viele Arbeitsplätze im (Solar-)Handwerk.

Quelle: taz 9.6.2010

Schlechtes Klima

In einem Blogeintrag der Zeitschrift „Technology Review“ macht sich Niels Boeing Gedanken dazu, warum es derzeit unmöglich ist, dem Klimawandel mit politischen Vorgaben entgegenzutreten. Sein wesentliches Fazit: die derzeit „kühle“ Wetterlage in Deutschland, die öffentliche Diskreditierung der Klimaforschung durch die „Climagate“-Denunziation und die durch die Finanzkrise ausgelösten Ängste vor dem Ende des Kapitalismus machen es unmöglich, das notwendige zu tun, nützen denen, die das  „weiter-so“ propagieren. Dabei wäre es gerade jetzt an der Zeit das Wachstumsdogma des Kapitalismus zu hinterfragen.

China handelt

Eine Kohlendioxid-Steuer will China einführen. Entsprechendes kündigte die Regierung über eine Wirtschaftsseite im Internet an. Die Vorteile einer solchen Steuer für China sind vielfältig:

  • Weniger Ärger mit den USA, die chinesische Importe mit Kohlendioxid-Strafzöllen belegen wollen
  • Abkühlung der überhitzten Inlandskonjunktur
  • Modernisierung umweltverschmutzender Altanlagen

Quelle: telepolis

Danke Krise, danke Vulkan

Was 40 Jahre nicht gelang – die Kohlendioxid-Emissionen zu senken – schaffen Wirtschaftskrise und ein Vulkanausbruch. Mehr dazu in diesem telepolis-Artikel. Hier nur wenige Fakten daraus:

  • Lufthansa-Jets verbrennen pro Tag 15.000 Tonnen Kerosin und sind so klimawirksam wie 47.000 Tonnen Kohlendioxid
  • Alle Flüge in Europa – innerhalb und von und zu anderen Kontinenten – sind mit täglich einer Million Tonnen Kohlendioxid-Wirkung auf das Klima gleichzusetzen.
  • In der Krise sank das deutsche Bruttosozialprodukt um 5 Prozent, der Energieverbrauch ging um 6 Prozent zurück – also: 1 Prozent technische Verbesserung (Energiesparen) und der Rest ist dem Einbruch in der Krise geschuldet.

Preis für Klima-(Un)Sinn

Bislang fiel der „hemmungslos rückwärts gewandte Marktideologe“ Hans-Werner Sinn vor allem mit Vorschlägen zum Abriss des Sozialstaats und Forderungen nach Niedriglöhnen auf. Der Naturschutzbund Deutschland hat ihm jetzt auch den Titel des Klima-Dinosauriers des Jahres 2009 zuerkannt. Denn der ökonomische „Dampfplauderer mit egoistischem Sendungsbewusstsein“ schade dem Natur- und Umweltschutz nachhaltig, weil er als eifriger Lobbyist der Kohle- und Atomstromkonzerne in allen Talkshows unterwegs sei.

So bemerke Sinn beispielsweise zwar richtig, dass die Kohlendioxid-Emissionszertifikate der EU mit Ausbau der Ökoenergie im Preis sinken. Sinn fordere aber deswegen falsch eine Abschaffung der Zertifikate anstatt richtig zu fordern, diese in dem Maß zu verknappen wie die erneuerbaren Energien ausgebaut würden.

Quelle: taz 30.12.2009

Konzerne wollen Klima-Regeln

Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ kritisierten Vertreter der Versicherungskonzerns Münchener Rück und des Finanzkonzerns Allianz Global Investors die Nicht-Ergebnisse des Klimagipfels von Kopenhagen. Die Vertreter der Finanzindustrie befürchten, dass internationale Geldanleger nunmehr keinen Grund mehr hätten, in Technologien zur Vermeidung von Kohlendioxid-Ausstößen zu investieren. Das Geld könnte stattdessen in andere Bereiche „fehlgesteurt“ werden.

Ein Vertreter des Carbon Disclosure Project, einer Vereinigung von 475 Anlegern, die 55 Milliarden Dollar verwaltet, befürchtet, dass energieintensive Branchen wie Chemie, Papierherstellung und Zement ohne Klima-Vorgaben in diesem Bereich nichts mehr unternehmen werden.

Und Siemens-Chef Peter Löscher, dessen Konzern immerhin 23 Milliarden Euro jährlich mit „Umwelttechnologien“ umsetzt, ist enttäuscht. Er erinnerte daran, dass sich die deutsche Wirtschaft darauf eingerichtet hatte, den Ausstoß schädlicher Klimagase gegenüber dem Niveau von 1990 um 40 Prozent zu senken.

Das Nicht-Handeln der Regierungschef, so der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), der ehemalige CSU-Politiker Werner Schnappauf, werde wohl zu Wettbewerbsverzerrungen führen, in deren Gefolge energieintensive Betriebe nach Osteuropa abwandern würden.

Quelle: SZ-Online

Klimakanzlerin besonders klimaschädlich

Die angebliche „Klimakanzlerin“ Angela Merkel entpuppt sich in ihrer Praxis als Chefin der Behörde „Bundeskanzleramt“ als Klimasünderin ersten Grades. Wie die „tageszeitung“ aufdeckte (nach einem Gerichtsverfahren über den Umfang der Informationsfreiheit) kauft das Kanuzleramt bei der RWE-Tochterfirma Envia Billigstrom für 7,31 Cent pro Kilowattstunde. Dieser Strom verursacht pro Kilowattstunde 674 Gramm Kohlendioxid – deutlich mehr als der Bundesdurchschnitt von 541 Gramm. Kohlendioxidfreier Ökostrom der Firma Lichtblick hätte 8,33 Cent pro Kilowattstunde gekostet. Um jährlich 71.631 Euro Stromkosten zu sparen verursacht das Kanzleramt nun satte 4715 Tonnen Kohlendioxid-Belastung pro Jahr.

Ähnlich halten es die anderen Ministerien – mit Ausnahme des Umwelt- und des Verkehrsministeriums, die entsprechend der europäischen Möglichkeiten ihre Ausschreibungen auf Ökostrom beschränken. Doch die Verhältnisse sind klar: Im Februar 2009 schrieb die Regierung europaweit die Lieferung von 175 Millionen Kilowattstunden „Normalstrom“ für die Ministerien und Behörden aus – und nur 3 Millionen Kilowattstunden Ökostrom für das Verkehrsministerium.

Quelle: die tageszeitung 17.12.2009

Schlimmer als China

Die USA und andere Industrieländer wollen vor allem China dazu zwingen, seinen Ausstoß an Treibhausgasen zu verringern. Dabei hat das bevölkerungsreichste Land der Welt (derzeit 1,3 Milliarden Bürger) in den Jahren 1903 bis 2000 gerade mal soviel Treibhausgase in die Atmosphäre entlassen wie das viel kleinere Deutschland (derzeit knapp 80 Millionen Einwohner). Deutschland produzierte im 20. Jahrhundert etwa 71 Milliarden Tonnen Kohlendioxid. Der schlimmste Klimasünder aber sind die USA, die mit derzeit rund 280 Millionen Einwohnern 3,6 mal soviel Kohlendioxid in die Atmosphäre bliesen wie die fünfmal soviel Einwohner zählenden Chinesen – 258 Milliarden Tonnen in knapp 100 Jahren.

Quelle: taz 14.11.2009

Klimakiller-Lobby klaut Daten

Die Lobby der Öl-, Kohle- und Gaskonzerne und anderer „Klimaskeptiker“ hat 3400 E-Mails vom Server britischer Klimaforschungseinrichtungen gestohlen, um die abstruse These zu „beweisen“, der menschengemachte Klimawandel sei keine Folge des Kohlendioxidausstoßes des Industriezeitalters, sondern eine „Verschwörung“ wirtschaftsfeindlicher Wissenschaftler.

Quelle: taz 24.11.2009

Klimakiller-Baustopp

Das Oberverwaltungsgericht Münster hat den Weiterbau des Kohlekraftwerks Datteln mit einem überraschenden Argument gestoppt: Weil der Meiler, Vorreiter einer neuen Generation von Kohlekraftwerken, die mit 1100 Megawatt pro Block fast soviel leisten wie Atomkraftwerke, allein für ein Dreiviertel Prozent des deutschen Kohlendioxid-Ausstosses sorgen wird, fordern die Richter, dass bei der Baugenhemigung für ein solches Kraftwerk die Klimaziele der Regierung berücksichtigt werden müssten.

Quelle: die tageszeitung 18.9.2009

Vorteil Bahn

Eine Tonne Güter im Container transportiert verursacht im LKW einen Kohlendioxid-Ausstoß von über 40 Gramm pro Kilometer. Wird derselbe Container mit einem elektrisch angetriebenen Güterzug transportiert sind es nur 20 Gramm CO2 pro Kilogramm.

Bei Massengütern schafft es die Bahn sogar unter 20 Gramm zu bleiben. Bei leichtem Gut (z.B. Briefe) verursacht der LKW einen Kohlendioxid-Ausstoß von 120 Gramm pro Tonnenkilometer, während die Bahn hier bei rund 50 Gramm bleibt.

Dennoch wird jährlich eine Milliarde Mark mehr in den Straßenbau investiert als in die Schiene. Und bei der Schiene geht das Geld vor allem in den Personen-Fernverkehr und nicht in den Ausbau des Güterverkehrs. Mit der Folge, dass sowohl wichtige Schienstrecken überlastet, als auch die Autobahnen mit umweltfeindlichem LKW-Verkehr verstopft sind.

Quelle: Die Zeit 17.9.2009

Was alles nicht gemacht wird

In einem sogenannten „Non-Paper“, also einem inoffiziellen Diskussionspapier, das bei der UN-Klimakonferenz vorgelegt wurde, wird klar, was gemacht werden könnte, um zu einer CO2-Reduzierung zu kommen. So könnte etwa eine Steuer von 2 Dollar erhoben werden – für jede Tonne Kohlendioxid, die über dem klimaverträglichen Maß von 2 Tonnen CO2 pro Erdenbürger liegt. Ein anderer Vorschlag lautet, zur Finanzierung einer klimaverträglichen Umweltpolitik den Kapitaltransfer der Industrieländer untereinander mit 2 Prozent zu besteuern.

Es ist aber sicher, dass solche Vorschläge keinen Eingang in das geplante Kyoto-Folgeabkommen finden werden.

Quelle: taz 6.10.2009

CO2-Handel ohne Wirkung

Ein erstinstanzliches EU-Gericht in Luxemburg, das über eine Klage von Polen und Litauen entschied, untersagt der EU-Kommission, den Staaten eine Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstosses über den Handel von Emissionsrechten zu reduzieren. Die Festlegung von Obergrenzen für den CO2-Ausstoss sei eine Überschreitung der Rechte der EU-Kommission.

Quelle: Frankfurter Rundschau 24.9.2009

Kohlenstoffsenken gibt’s nicht mehr

Ernüchternd sind die Zahlen aus dem 2004 begonnenen und jetzt abgeschlossenen Forschungsprojekt „CarboEurope“, bei dem Wissenschaftler aus 62 europäischen Forschungseinrichtungen den sogenannten „Kohlenstoffkreislauf“ untersuchten, der im vierten Bericht des UN-Klimarats IPCC als noch nicht ausreichend erforscht bewertet wird: 2003 war es erstmals soweit – im heißesten Sommer seit 500 Jahren „atmeten“ die Pflanzen in Europa mehr Kohlendioxid aus, als sie speicherten.

Der generelle Trend ist: Nur noch dort, wo die EU-Agrarpolitik nicht hinreicht, in den Wäldern Osteuropas, funktioniert die Pflanzenwelt des Kontinents als funktionierende Kohlenstoffsenke. Dort, wo die indusrialisierte Landwirtschaft mit intensiver Viehhaltung und starker Düngung die klimawirksamen Treibhausgase Methan und Stickstoff in die Luft bläst, werden die europäischen Grünflächen als CO2-Senken neutralisiert.

1960 betrugen die CO2-Emissionen, die menschengemacht waren, in Europa 2 Milliarden Tonnen. Die Hälfte davon absorbierten Wälder und Meere. Die Absorptionsmenge ist immer noch ähnlich hoch – nur der Kohlendioxidausstoß hat sich auf 10 Milliarden Tonnen verfünffacht. Vor 10 Jahren pufferten Wälder und Wiesen in Europa noch ein knappes Drittel der Treibausgase (Eine Buche etwa speichert in 120 Lebensjahren 3,5 Tonnen CO2 – die Menge, die ein Deutscher im Jahr mit seinem Lebensstil produziert), derzeit sind es noch 13 Prozent.

Es ist ein weltweiter Trend, dass die CO2-Senken Wälder und Meere im Hitzestress der Klimaerwärmung in ihrer Aufnahmefähigkeit eingeschränkt werden. Früher nahmen die Wälder ein Drittel und die Meere ein Viertel der menschengemachten CO2-Emissionen auf. Doch wie das Schwesterprojekt von „CarbEurope“ „CarbOcean“ ermittelte hat sich die CO2-Aufnahme des Nordatlantiks in nur 10 Jahren – von Mitte der 1990er-Jahre bis 2005 halbiert.

Und die Aussichten sind schlecht: Britische Forscher machen die Vorhersage, dass ab 2070 weltweit die Böden keinen Kohlenstoff mehr speichern können und stattdessen das Treibhausgas sogar massiv abgeben werden, was die Erwärmung der Atmosphäre weiter beschleunigen wird.

Quelle: die tageszeitung 22.9.2009

Prius bremst Talfahrt

Das Hybrid-Modell Prius ist derzeit das meistverkaufte Automodell in Japan. Bis zu acht Monate müssen Käufer auf den Wagen warten, der nur 98 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt. Das Auto mit dem kombinierten Benzin-Elektroantrieb – der einzige Voll-Hybrid in einem Serienmodell – hilft außerdem Toyotas konjunkturelle Talfahrt abzumildern. Der japanische Konzern beginnt bereits wieder seine Absatzprognosen nach oben zu schrauben.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 18.9.2009

Autofahren und Fleisch essen

Wieviel Kohlendioxid gebraucht wird, um jeweils 1 Kilogramm Lebensmittel zu produzieren stellte eine PR-Aktionszeitung der Nichtregierungsorganisation INKOTA in Beziehung zum CO2-Ausstoss eines BMW 118d.

Das Auto belastet das Klima auf 100 Kilometer mit 11,9 Kilogramm des Treibhausgases – knapp weniger als ein Kilo Rindfleisch, dessen Produktion mit einer Klimabelastung von 13,3 Kilogramm Kohlendioxid zu Buche schlägt (11,3 Kilogramm bei ökologischer Produktionsweise). Pflanzliche Nahrungsmittel wie Kartoffeln schlagen dagegen pro Kilo nur mit knapp 200 Gramm Klimabelastung zu Buche. Bei Schweinefleisch sind es mehr als 3 Kilogramm CO2, ebenso bei Geflügel. Verarbeitete Lebensmittel wie Käse verursachen pro Kilogramm rund 8 Kilogramm Klimagase und Butter sogar in ökologischer Produktionsweise 22 Kilo.
Oder anders: Ein Kilo Ökobutter produzieren ist so klimaschädlich wie 200 Kilometer BMW Fahren. Dagegen kann man mehr als 50 Kilo Kartoffeln essen, ohne sein Ökogewissen mehr zu belasten als bei einer Autofahrt über 100 Kilometer.

Man könnte, wenn man wollte

Der wissenschaftliche Beirat für globale Umweltveränderungen (WBGU) liefert der auftraggebenden Kanzlerin die Blaupause für die kommenden Verhandlungen beim Weltklimagipfel in Kopenhagen. Realistisch betrachtet, dürften die Empfehlungen und ihre Begründungen aber leider keine Chance auf Verwirklichung haben. Dabei zeigen schon die Prämissen des Beirats, worum es geht:

  • Eine Erhöhung der durchschnittlichen globalen Temperatur von 2 Grad in diesem Jahrhunder (2001-2100) wird als gerade noch tolerierbar angesehen.
  • Alle Erdenmenschen sind gleich und dürfen im Jahr 2050 pro Jahr noch 1 Tonne CO2 ausstoßen – ganz gleich, ob sie in Afrika oder Europa leben.
  • Die im Kioto-Protokoll vereinbarten Klimaziele für einzelne Länder haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Deswegen, so die Wissenschaftler, ist als einzig möglicher Weg, die globale Erwärmung unter Kontrolle zu halten, die Aufteilung der Kohlendioxid-Emissionen auf die einzelnen Staaten entsprechend ihrem Anteil an der Weltbevölkerung. Um das Klimaziel mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent zu erreichen, dürfen alle Menschen zusammen zwischen 2010 und 2050 noch 750 Milliarden Tonnen CO2 ausstoßen. Gemessen an den Zahlen des Jahres 2008 bedeutet dies, dass die Bundesrepublik noch ganze 10 Jahre so weitermachen dürfen wie bisher. Die USA haben noch 6 Jahre bis ihr Klimakredit aufgebraucht ist, Japan hat noch 11 Jahre, China immerhin 24. Indien ist mit 88 Jahren ebenso fein raus wie das arme Burkina Faso, das seine Verschmutzungsrechte erst in 2892 Jahren aufgebraucht haben wird.

Für die Verhandlungen in Kopenhagen schlagen die Klima-Wissenschaftler der Kanzlerin vor:

  • Verbindliches Festschreiben der 2-Grad-Erwärmungsmarke
  • Festlegen der Jahre 2015-2020 für den weltweiten Turnaround zu weniger Klimaschäden
  • Verpflichtung aller Länder, überprüfbare Pläne zur Entkarbonisierung ihrer Wirtschaft vorzulegen
  • Für Länder mit hohen Pro-Kopf-Emissionen (Deutschland, USA, Japan, China) sollen außerdem bis 2020 geltende zwingende Reduzierungsverpflichtungen vereinbart werden, damit die Pläne zur Kohlendioxid-Ausstoßreduzierung nicht verschleppt werden können
  • Eine Weltklimabank soll das ganze überwachen und die Pläne auf Machbarkeit überprüfen.

Klar, dass das politisch nix wird: Die US-Bürger werden den Plan ablehen, weil sie einen „Weltsozialismus“ fürchten; die Autoindustrie und die Kohlekraftwerksbetreiber werden den Plan ablehen, weil sich dann wirklich etwas ändern muss; und die deutschen Durchschnittsbürger werden nicht mitmachen, weil sie eine Änderung ihres Lebensstils ablehnen und stattdessen lieber ihre Kinder und Enkel grillen.

Quelle: Technology Review

Streit um 10 Prozent

Die Bundesregierung streitet um die Kennzeichnung des CO2-Ausstoßes bei Neuwagen. Bis zum Herbst wird es wegen des Widerstands von Wirtschaftsminister Guttenberg (CSU) wohl nichts mit der Kennzeichnung von Benzinverbrauch und Klimaschädlichkeit neuer Autos. Die allerdings hätte auch nur rund 10 Prozent jener 34 Millionen Tonnen CO2 gebracht, die die Bundesregierung im Verkehr einsparen wollte (Kabinettsbeschluss 2007 bei der Klausurtagung im brandenburgischen Schloss Merseburg). Deswegen spricht Grünen-Verkehrspolitiker Winfried Hermann vom „klimapolitischen Offenbarungseid“ der Regierung im Verkehrsbereich. Denn nicht nur die vergleichsweise kleine Reduzierung durch die Kennzeichnung von Neuwagen fand nicht statt. Auch das schon bei rot-grün wegen des Widerstands der SPD gescheiterte Tempolimit gibt es wieder nicht. Stattdessen 5 Milliarden Euro für die Abwrackprämie, die in der Autoindustrie zu Rekord-Inlandsabsätzen führt. Die Entwicklung von Elektroautos wird dagegen nur mit 10 Prozent dieses Betrags gefördert.

Quelle: die tageszeitung (29.7.2009)

Im Ölsand ausgerutscht

Kanada produziert derzeit täglich 1,3 Millionen Barrel Rohöl aus Ölsanden, mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2000. Kanada ist deshalb inzwischen der größte ausländische Öl-Liferant der US-Amerikaner (19 Prozent der Importe des Jahres 2008).

Kanada zahlt einen hohen Preis mit der umweltschädlichen Ausbeutung der Ölsande: Das Land kann seine Klimaziele nicht erreichen, weil die Produktion des Ölsand-Öls das Klima stark belastet, große Mengen Erdgas und Wasser braucht und viel CO2 und Abfall produziert.

Bis 2006 wollen die Kanader ihre Produktion auf 6,3 Millionen Barrel täglich steigern – und das obwohl Ölproduktion aus Ölsanden das Klima um mindestens ein Drittel mehr belastet als Öl aus anderen Quellen.

Auch die USA begeben sich mit den kanadischen Ölsanden auf gefährliche Pfade: Ihre derzeit ambitionierten Klimaziele können nicht erreicht werden, wenn der Anteil an kanadischen Ölsand-Ölimporten steigt.

Quelle: New-York-Times-Beilage der Süddeutschen Zeitung (25.5.2009)

Prima Autoklima

Nicht nur bei der ökonomisch und ökologisch fragwürdigen Abwrackprämie setzt die Autoindustrie auf das altbekannte „Weiter so!“. Auch bei den Autoklimaanlagen wird das alte Muster, das vor allem dem shareholder value nützt wieder einmal deutlich. Wieder einmal geht es um die Einführung einer umweltfreundlicheren Technik im Fahrzeugbau. Wieder einmal verspricht die Industrie eine „freiwillige“ Lösung – diesmal bis 2011 -, die nicht gehalten wird. Und wieder knicken die Politiker ein und lassen zu, dass der Klimaschutz auf das Jahr 2017 vertagt wird – mindestens!

Worum es geht: Ab 2011 sind in der EU Kältemittel verboten, die ein „Global Warming Potential“ (GWP) von mehr als 150 haben (was bedeutet, dass diese Stoffe das Klima mit mehr als dem 150-fachen von Kohlendioxid – CO2 – belasten). Seit einer gemeinsam von Greenpeace und Coca Cola vorangetriebenen technischen Entwicklung gibt es eine klimafreundlichere Alternate – eben das sonst so schädliche CO2 mit seinem GWP-Wert von nur 1. Und diese Geräte sind nunmehr nahezu einsatzreif in Automobilen – kosten allerdings bis zu 150 Euro mehr als jetzige Geräte (die den Benzinverbrauch um einen Liter pro 100km erhöhen – was 20 Gramm CO2 pro Kilometer entspricht und außerdem noch weiter 7 Gramm wegen Leckagen ausstoßen).

Und jetzt kommen die Chemiekonzerne DuPont und Honeywell ins Spiel. Sie bieten anstelle des seit dem Montreal-Vertrag gegen die Zerstörung der Ozonschicht verwendeten ozonunschädlichen aber klimaschädlichen Kältemittels R134a das hochbrennbare 1234yf an, das sich in herkömmlichen Autoklimaanlagen fast ohne technische Veränderungen verwenden lässt – und der EU-GWP-Grenze entspricht. Prima sagt da die Autoindustrie (wegen der Brennbarkeit des Gases sogar gegen den ADAC) und schiebt das Kohlendioxid (R744) auf die lange Bank.

So war es bei der Einführung des Katalysators, so ist es gerade bei der Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes für Neuwagen (zur Erinnerung: Schon 2008 hat die Autoindustrie 140 Gramm CO2 pro Kilometer versprochen und nicht gehalten), und so ist es bei den Autoklimaanlagen – von denen es schon heute 400 Millionen weltweit gibt. 400 Millionen Klimaanlagen, deren Klimaschädlichkeit auf 1/150stel reduziert werden könnte – wenn die Politik sich endlich einmal gegen die Auto- und Chemielobby durchsetzen würde.

Quelle: DIE ZEIT Nr. 21 vom 14.5.2009