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Gute Geschäfte mit Spritsäufern

Die Detroit-Autoshow brachte es an den Tag. Vorwärts in die Vergangenheit ist das Motto der US-amerikanischen und der deutschen Automobilindustrie. Chrysler und GM setzen auf die Mini-Trucks, die 20 Liter Sprit pro 100 Kilometer saufen und die deutschen Hersteller Mercedes und BMW versprechen sich glänzende Geschäfte mit Oberklasse-Luxuskarossen, die auch nicht gerade wenig Benzin verbrauchen. Die US-Kunden kaufen wieder die Spritsäufer und bescheren den Autokonzernen glänzende Gewinne. Der Auto-Kapitalismus ist auch nach der Finanzmarkt- und Kreditkrise nicht in der Lage zukunftsfähige Produkte auf den Markt zu bringen – mit den Spritsäufern ist einfach mehr zu verdienen, ohne dass man in teuere Neuentwicklungen investieren muss. Gewinne jetzt, die ökologischen Schäden den nachfolgenden Generationen als untilgbarer Kredit aufgebürdet.

Höllenhund blutet aus

Der amerikanische Finanzinvestor Cerberus – Inbegriff der „Heuschrecke“ – musste seit Beginn der Finanzkrise einen Kapitalabfluss aus seinen Hedgefonds von 5,5 Milliarden Dollar hinnehmen – 71 Prozent. Noch aber verwaltet der Höllenhund mit Hedge-, Immobilien- und Private-Equity-Fonds 24 Milliarden Dollar. Cerberus, der 1992 von Stephen Feinberg gegründet wurde steht in der Tradition der 1990 pleite gegangenen Skandal-Investmentbank Drexel Burnham Lambert, die das Geschäft mit schuldenfinanzierten Firmenübernahmen aggressiv vorantrieb.

Mit billigen Krediten kaufte Cerberus im Mai 2007 für 7,4 Milliarden Dollar 80 Prozent der Chrysler-Anteile vom Daimler-Konzern – aber auch Anteile an der Fluggesellschaft Air Canada oder deutschen Wohnungsbaugesellschaften. Da alles mit Kredit finanziert war, gab es für die Investoren traumhafte 20 Prozent Eigenkapitalrendite. Die Kreditzinsen bedienen und die Tilgung bezahlen mussten die übernommenden Unternehmen – meist in Form von Lohnverzichten der Arbeitnehmer.

Jetzt ziehen die Geldgeber ihr Kapital aus den Hedgefonds ab – von den 1,9 Billionen Dollar zu Beginn der Finanzkrise 2007 sind bereits 300 Millionen weg – deutlich mehr als den aus Wertverlusten der Fondsanteile kommenden Kapitalvernichtungen. Das nimmt Cerberus zumindest die Möglichkeit, sich weiter auf dem deutschen Firmenmarkt zu tummeln. Ein klein wenig Machtverlust.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 1.9.2009

Kräftige Gewinne bei Bankenrettung

Die US-Notenbank (Federal Reserve – „Fed“) hat seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor 2 Jahren offenbar einen Gewinn von 14 Milliarden Dollar aus ihren Verleihaktionen an Banken erwirtschaftet. Auch der amerikanische Staat soll an seinen Rettungsaktionen verdient haben – 1,4 Milliarden Dollar von Goldman Sachs, 1,3 Milliarden von Morgan Stanley – durch den Rückverkauf der im Zuge der Stützungsaktionen übernommen Bankaktien. Allerdings haben die USA noch große Risiken im Rettungsportfolio: den Versicherer AIG und die Immobilienbanken „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ sowie die Autokonzerne General Motors und Chrysler.

In Deutschland geht es bescheidener zu. Der Bankenrettungsfonds Soffin hat bislang 320 Millionen Euro Gebühren für seine Bankgarantien von 130,7 Milliarden eingenommen. Und ob man die 22 Milliarden für die Hypo Real Estate und die Commerzbank wiedersieht ist fraglich. Hohes Risiko, geringe Einnahmen ist also das schlechte Staatsgeschäft.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 1.9.2009