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Im Zentrum der Macht

In der Grafik „Wem gehört die Welt?“ hat „Die Zeit“ die Ergebnisse eines Forschungsprojekts der ETH Zürich dargestellt, das der tatsächlichen wirtschaftlichen Macht nachspürte. Untersucht wurden Daten von 37 Millionen Firmen, (Wirtschafts-)Stiftungen und Investoren, die im Jahr 2007 zur Verfügung standen. Daraus extrahierten die Forscher die Namen von 43.060 Unternehmen, die in mindestens 2 Ländern der Welt tätig waren. Nur 1318 dieser Firmen bilden ein Netzwerk multinationaler Konzerne, die im Durchschnitt 20 Beteiligungen an anderen Firmen haben. Und davon wiederum bilden 147 Firmen, das „Super-Netzwerk“, das fast 40 Prozent des Vermögens aller multinationalen Unternehmen umfasst. Unter den 147 Firmen sind übrigens 133 Unternehmen aus der Finanz- und Immobilienwirtschaft.

die „telepolis“ berichtet nun, dass auch die Eigentumsverhältnisse der 43.060 transnationalen Unternehmen untersucht wurden. Danach kontrollieren nur 737 „Shareholder“ (deutsch: Aktionäre) 80 Prozent der transnationalen Unternehmen. Und der Kern, das „Super-Netzwerk“ aus 147 Firmen kontrolliert sich durch gegenseitige Beteiligungen praktisch selbst. Der Vollständigkeit halber hier die „telepolis“-Liste mit den „Top 20“ dieser Unternehmen:

Barclays plc, Capital Group Companies Inc, FMR Corporation, AXA, State Street Corporation, JP Morgan Chase & Co, Legal & General Group plc, Vanguard Group Inc, UBS AG, Merrill Lynch & Co Inc, Wellington Management Co LLP, Deutsche Bank AG, Franklin Resources Inc, Credit Suisse Group, Walton Enterprises LLC, Bank of New York Mellon Corp, Natixis, Goldman Sachs Group Inc, T Rowe Price Group Inc, Legg Mason Inc.

Während der Krise wurden die Banken mit 1,2 Billionen US-Dollar durch die amerikanische Notenbank gestützt – mit dem Argument, sie seien „systemisch wichtig“ und „to big to fail“ (zu groß, um zu scheitern). Von 407 in den USA aktiven Banken identifizierten die Forscher 22, die fast zwei Drittel der Hilfszahlungen erhielten – 804 Milliarden US-Dollar.

Zinsmanipulation

Wer gedacht hatte, dass Begriffe wie LIBOR oder EURIBOR verlässlich ermittelte Zinsdaten liefern, wurde dieses Jahr eines besseren belehrt. Diese wichtigen Basis-Zinssätze auf denen die „Risikoaufschläge“ für Staatsanleihen ebenso beruhen wie die Zinsen im Interbankenhandel waren über viele Jahre hinweg das Spielzeug einer korrupten Spekulanten-Mafia in den Großbanken. Denn es handelt sich bei diesen „Basis-Zinssätzen“ eben gerade nicht um mathematisch oder statistisch korrekt ermittelte Daten, sondern sie sind das Ergebnis einer einfachen täglichen Abfrage unter den großen Geldhäusern – und damit natürlich angreifbar für jeden geschickten Manipulator.

Wie das System im Detail funktionierte schildet dieser Hintergrund-Artikel der „telepolis“.

Eigenkapital neu definiert

Aus der „Financial Times Deutschland“ (18.9.2009):

Willkommen in Barclays neuer transparenter Bankenwelt: 45 … Mitarbeiter werklen an der Auslagerung eines 12,3-Mrd-$-Giftportfolios, das sie anschließend selber verwalten, weshalb sie die Bank verlassen. Auf eine Abfindung verzichten sie, denn dass von ihnen geschnürte Paket lässt kaum Wünsche offen: Barclays leiht ihnen zum Kauf des Protfolios 12,6 Mrd. $ während sie und andere Investoren 450 Mio. $ Eigenkapital in das neue Vehikel pumpen. An einer Erholung des Portfolios verdienen exklusiv sie. Für die Verwaltung erhalten sie jährlich 40 Mio. $, ihr Eigenkapital wird mit sieben Prozent verzinst. Vorrangig, bevor Barclays seine Zinsen bekommt. Und was hat Barclays davon? Die Bank kann ihr Protfolia anders bilanzieren – keine lästige Bwertung zu aktuellen Kursen mehr. Das war ihnen viel wert.

Banker wollen Boni vom Gericht

1,5 Millionen Euro Abfindung klagte Jens-Peter Neumann vor dem Arbeitsgericht Frankfurt ein, nachdem ihm bereis ein Bonus von 3 Millionen Euro ausbezahlt worden war. Neumann war bei der Dresdner Bank für das Kapitalmarktgeschäft zuständig – ehe diese von der Commerzbank übernommen wurde.

Die Vorstände der Investmentbank Dresdner Kleinwort Eduardo Listorti, Stefan Gütter und Martin Newson klagen vor dem Londoner High Court Bonuszahlungen von 6,6 Millionen, 4,3 Millionen und 3,2 Millionen Euro ein – weil ihre Geschäftsbereich 2008 Gewinne gemacht und ihre Ziele übererfüllt hätten. So hätte etwa Listorti mit seinen Spekulationen auf Rohstoffe, Devisen und Anleihen 1,1 Milliarden Euro Ertrag erzielt.

Zur Erinnerung: Die Commerzabank hatte mit dem Kauf der Dresdner Bank 400 Millionen Euro Bonusverpflichtungen übernommen, die sie strich als der Jahresabschluss 2008 vorlag. Der Bund hatte zwischenzeitlich die Commerzbank gerettet und war dort mit 25 Prozent zum größten Aktionär aufgestiegen.

Auch bei Barclays kassieren die Manager wieder kräftig ab – nur ohne Gericht: Die Tochter Barclay Global Investment (BGI) zahlt an Barclays Präsident bob Diamond eine Prämie von 25 Millionen Euro für den Verkauf der Tochterfirma BGI an die amerikanische Investmentgesellschaft Blackrock. BGI-Topmanager Blake Grossmann bekommt sogar rund 60 Millionen Euro für das Geschäft.

Ander Banken wie die Schweizer UBS, die Citgroup und die Bank of Amerika haben Wege gefunden, ihren Managern wieder Spitzengehälter zu zahlen – sie haben einfach die Boni gekürzt und dafür die Fixgehälter kräftig angehoben.

Quelle: Süddeutsche Zeitung (18.6.2009)