Archiv der Kategorie: Statistisches

Vermessung des Mittelstands

In einem Beitrag für das Deutschlandradio beschäftigt sich Ulrike Hermann mit Marx‘ Theorie der kapitalistischen Konkurrenz und deren Trend zum Oligopol und leuchtet dabei schlaglichtartig statistisch aus, was eigentlich der viel gelobte Mittelstand in der Bundesrepublik ist: Neben ein Prozent Großunternehmen, die 68 Prozent des Umsatzes dieser Volkswirtschaft machen, und 81 Prozent Kleinbetrieben, die es gerade mal auf 6 Prozent des Umsatzes bringen, ergibt sich für den „Mittelstand“, dass dieser aus rund 18 Prozent aller Unternehmen besteht, auf die 26 Prozent der Umsätze entfallen. Vereinfacht: Jedes 100. Unternehmen ist ein Großkonzern und gehört damit zu denen, die mehr als 2/3 der verkauften Waren und Dienstleistungen produzieren. 4 von 5 Betrieben sind Kleinbetriebe, die sich volkswirtschaftlich mit etwas mehr als einem Zwanzigstel des Umsatzes zufrieden geben. Dazwischen dann eines von fünf Unternehmen, das als „Mittelstand“ rund ein Viertel aller Waren und Dienstleistungen verkauft.

Damit ist klar beschrieben, dass „Mittelstand“ nur eine sprachlich unscharfe Kategorie ist für mittelgroße Unternehmen, die zwar wesentlich für die Volkswirtschaft sind – aber längst nicht mehr bestimmend. Bestimmen tut das eine Prozent Großunternehmen, die den Löwenanteil der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung bei sich konzentrieren. Und die vielen Kleinunternehmen spielen volkswirtschaftlich allenfalls die Rolle, dass ohne ihr Zutun es sehr viel weniger Erwerbsarbeitsplätze gebe.

Staatsschulden- und Steuerquote

Japan erhebt 28,3% seines Bruttoinlandsprodukt als Steuern. Selbst bei Sparmaßnahmen oder Steuererhöhungen in Höhe von 10% würde das Land 81 Jahre brauchen, um seine Staatsschulden zu tilgen.

Die USA erheben 26,9% des BIP als Steuern und würden in demselben Spar-/Steuererhöhungsszenario 38 Jahre zur Schuldentilgung brauchen.

Griechenland liegt da mit 48 Jahren nur wenig darüber, Italien mit 28 Jahren und Deutschland mit 20 Jahren nur wenig darunter.

Quelle: telepolis, 15.8.2012

Im Zentrum der Macht

In der Grafik „Wem gehört die Welt?“ hat „Die Zeit“ die Ergebnisse eines Forschungsprojekts der ETH Zürich dargestellt, das der tatsächlichen wirtschaftlichen Macht nachspürte. Untersucht wurden Daten von 37 Millionen Firmen, (Wirtschafts-)Stiftungen und Investoren, die im Jahr 2007 zur Verfügung standen. Daraus extrahierten die Forscher die Namen von 43.060 Unternehmen, die in mindestens 2 Ländern der Welt tätig waren. Nur 1318 dieser Firmen bilden ein Netzwerk multinationaler Konzerne, die im Durchschnitt 20 Beteiligungen an anderen Firmen haben. Und davon wiederum bilden 147 Firmen, das „Super-Netzwerk“, das fast 40 Prozent des Vermögens aller multinationalen Unternehmen umfasst. Unter den 147 Firmen sind übrigens 133 Unternehmen aus der Finanz- und Immobilienwirtschaft.

die „telepolis“ berichtet nun, dass auch die Eigentumsverhältnisse der 43.060 transnationalen Unternehmen untersucht wurden. Danach kontrollieren nur 737 „Shareholder“ (deutsch: Aktionäre) 80 Prozent der transnationalen Unternehmen. Und der Kern, das „Super-Netzwerk“ aus 147 Firmen kontrolliert sich durch gegenseitige Beteiligungen praktisch selbst. Der Vollständigkeit halber hier die „telepolis“-Liste mit den „Top 20“ dieser Unternehmen:

Barclays plc, Capital Group Companies Inc, FMR Corporation, AXA, State Street Corporation, JP Morgan Chase & Co, Legal & General Group plc, Vanguard Group Inc, UBS AG, Merrill Lynch & Co Inc, Wellington Management Co LLP, Deutsche Bank AG, Franklin Resources Inc, Credit Suisse Group, Walton Enterprises LLC, Bank of New York Mellon Corp, Natixis, Goldman Sachs Group Inc, T Rowe Price Group Inc, Legg Mason Inc.

Während der Krise wurden die Banken mit 1,2 Billionen US-Dollar durch die amerikanische Notenbank gestützt – mit dem Argument, sie seien „systemisch wichtig“ und „to big to fail“ (zu groß, um zu scheitern). Von 407 in den USA aktiven Banken identifizierten die Forscher 22, die fast zwei Drittel der Hilfszahlungen erhielten – 804 Milliarden US-Dollar.

Mississippi raus aus dem US-Dollar

Angeblich sind es ja die großen Unterschiede in der Wirtschaftsleistung, die es nach Meinung der Bundesregierung, der FDP und anderen Euro-Skeptikern nötig machen, Griechenland aus der Eurozone zu drängen. Das aber hält einer Überprüfung nicht stand. 2009 betrug die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung in Deutschland 27.300 US-Dollar und in Griechenland 21.900. Der Unterschied von 5400 US-Dollar ist weit kleiner als der zwischen der „reichen“ US-Bundeshauptstadt Washington D.C (174.500 $) und dem „armen“ Bundesstaat Mississippi (32.967 $). Abgesehen davon, dass ein Austritt Mississippis aus der Dollar-Zone auch nicht dazu beitragen würde die 14 Billionen US-Dollar Staatsschulden der USA zu verringern, gibt es ähnliche wirtschaftliche Unterschiede auch in der dritten großen Währungsunion der Welt -nämlich China. Dort erwirtschaften die Bürger des reichen Shanghai 82.560 US-Dollar pro Kopf, während es im armen Guizhou nur 16.413 US-Dollar sind.

Quelle: telepolis, 14.6.2012

Hunger-Index

Die gute Nachricht: in den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt ist der Hunger in den Jahren 1990 bis 2011 zurückgegangen. Der von der Welthungerhilfe errechnete Welt-Hunger-Index ist in keinem dieser 11 Staaten mehr bei einem Wert über 30 (gravierend) und erreicht lediglich noch in Bangladesh, Indien und Pakistan Werte über 20 (sehr ernst). In Nigeria, Indonesien und auf den Phillippinen liegt der Wert auf ernst (über 10), in Südafrika und China bei mäßig (über 5) und in Brasilien, Mexico und Russland bei gering (unter 5).

Der Index ist ein Mittelwert aus den prozentualen Bevölkerungsanteilen von Unterernährten, untergewichtigen Kindern unter 5 Jahren und Kindern, die vor erreichen des 5. Lebensjahres gestorben sind. Dieser Index bildet – anders als der Index der Weltgesundheitsorganisation, die nur die durchschnittliche tägliche Nährwertzufuhr erfasst – einen besseren Hungerindikator, da er auch Verteilungskonflikte in der Gesellschaft erfasst.

Quelle: telepolis, 3.5.2012

Durchzug im Altbau

Rund 70 Prozent der Gebäude, die vor 1979 gebaut wurden, haben keine Wärmedämmung. Nur rund 10 Prozent der Altbauten in Deutschland haben eine Dämmung, die aktuellen Anforderungen genügt. Dabei machen diese älteren Gebäude das Gros unserer Städte aus, von den 18 Millionen Gebäuden in Deutschland sind fast 13 Millionen vor 1979 gebaut worden.

Quelle: telepolis, 26.1.2012

Länger arbeiten, weniger verdienen

Die Empfänger von Arbeitslosengeld II sind besonders häufig gezwungen, in sogenannten „Minijobs“ mit einem Monatsverdienst von weniger als 400 Euro zu arbeiten. Dabei verdienen die Hartz-IV-Geschädigten in diesen Arbeitsverhältnissen deutlich weniger – 2009 durchschnittlich 6,08 Euro pro Stunde – als geringfügig Beschäftigte, die kein Arbeitslosengeld II beziehen (z.B. Studenten, Rentner, Hausfrauen) – diese verdienten 2009 im Durchschnitt 8,16 Euro im Minijob.

Außerdem arbeiten die Hartz-IV-Geschädigten durchschnittlich 10 Stunden pro Woche im 400-Euro-Job. Wer kein Arbeitslosengeld bezieht, verbringt in diesen Arbeitsverhältnissen nur 9 Stunden pro Woche. Durchschnittlich kamen Hartz-IV-Bezieher dabei auf einen Monatsverdienst von 165 Euro, während die Vergleichsgruppe 2009 rund 300 Euro monatlich verdiente.

Quelle: telepolis, 20.1.2012

Vergiftete Gesellschaft

Als „vergiftete Gesellschaft“ beschreibt der Soziologe Wilhelm Heitmeyer Deutschland am Ende der von ihm geleiteten zehnjährigen Studienreihe „Deutsche Zustände“. Nach einem Jahrzehnt jährlicher Untersuchungen über rechtsextremes Gedenakengut in der Gesellschaft steht fest, dass dieses „entsicherte Jahrhzehnt“ (Heitmeyer) dazu führte, dass Ausländer- und Minderheitenfeindlichkeit in weiten Teilen der Bevölkerung stark zugenommen haben. Spaltung ersetze das Miteinander fasst der Studienleiter nach 10 Jahren zusammen.

Quelle: telepolis

Achtmal mehr

Im Jahr 2008 erzielten die obersten 10 Prozent der Beschäftigten ein durchschnittliches Jahresgehalt von 57.300 Euro (4775 Euro monatlich). Damit hatten die „Besserverdienenden“ ein achtfach höheres Jahreseinkommen als die untersten 10 Prozent, die sich mit 7400 Euro im Jahr (617 Euro monatlich) begnügen mussten. Dies geht aus einer Statistik der OECD hervor, die auch darauf verweist, dass in den 1990er-Jahren dieser Abstand deutlich geringer war. Damals hatten die „Besserverdienenden“ lediglich ein sechsmal so hohes Jahreseinkommen wie das unterste Zehntel.

Quelle: telepolis

Lohnquote sinkt weiter

Durch die Finanzmarktkrise von 2008 wurde der langjährige Trend, dass der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen zurückgeht und der Anteil der Kapitaleinkommen aus Anlagegeldern stetig wächst nur kurz unterbrochen. Wie der Verteilungsbericht des DGB-Nahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) ausweist, ist die Nettolohnquote weiter gesunken und beträgt nunmehr nur noch 42 Prozent des Volkseinkommens. Im Jahr 1991 hatte dieser Anteil noch deutlich höher gelegen (49 Prozent) und in den 1960er-Jahren wurden sogar rund 55 Prozent der Einkommen aus nichtselbständiger Arbeit generiert.

Quelle: telepolis, 2.12.2011

Kaufkraft-Karte

Die „telepolis“ (17.11.2011)  veröffentlichte diese „Kaufkraft-Karte“ Europas, die von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) herausgegeben wurde. Sie zeigt, wie die Kaufkraft der einzelnen Regionen (2-stellige Postleitzahlen) abweicht vom europäischen Durchschnitt: Armer Osten, nicht ganz so armer Süden, reicher Norden.

 

Nicht belastend

Die Medien nahmen die Einkommenssteuerstatistik-Jahresmeldung, um Stimmung gegen jede Form von Steuererhöhungen oder „Reichensteuern“ zu machen. Die Überschrift der Pressemittelung des statistischen Bundesamts war ja auch zu verführerisch: „1 Prozent der Steuerpflichtigen zahlt 25 Prozent der Einkommenssteuer“.

Dabei lohnt ein genauerer Blick: Die 383.000 Topverdiener unter den 38,4 Millionen Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen, dieses 1 Prozent kassiert immerhin 13,1 Prozent aller Einkünfte und versteuert durchschnittlich 172.000 Euro im Jahr (mehr als 14.000 Euro monatlich).

Dem steht die untere Hälfte der Steuerpflichtigen, die unteren 50 Prozent gegenüber. Diese gut 19 Millionen Lohn- und Einkommensteuerzahler erzielen zusammen nur wenig mehr Einkommen als das reichste Prozent – nämlich 14,3 Prozent aller steuerpflichtigen Einkünfte oder weniger als 22.500 Euro jährlich (1875 Euro monatlich).

Und noch zwei Details: Die Statistik bezieht sich auf das Jahr 2007 und die durchschnittliche Steuerbelastung aus Einkommenssteuern beträgt in Deutschland 19,9 Prozent.

Quelle: telepolis (12.10.2011)

Amerika verarmt

Aktuelle Daten zur zunehmenden Armut in den USA hat die dortige Statistikbehörde veröffentlicht:

  • Die Zahl der US-Amerikaner ohne Krankversicherung ist 2010 gegenüber 2009 um 900.000 auf 49,9 Millionen gewachsen – trotz der Reform der Krankenversicherung. Die Quote der nicht versicherten US-Amerikaner bleibt bei 16,3 Prozent.
  • Von 2009 auf 2010 hatten 6,6 Millionen Männer und 2,8 Millionen Frauen, die im Vorjahr einen Vollzeitarbeitsplatz hatten, ihre Einkommensgrundlage verloren.
  • Gegenüber 2009 ist 2010 das durchschnittliche Haushalts-Jahreseinkommen um 2,3 Prozent auf 49.445 US-Dollar gefallen.
  • 9,2 Millionen Familien (11,7 Prozent aller Familien) leben unter der Armutsgrenze, die 2010 für eine vierköpfige Familie mit Kindern unter 18 Jahren bei 22.314 US-Dollar Jahreseinkommen liegt.

Quelle: telepolis, 14.9.2011

Wachstum vorbei

Ach was waren Kanzlerin Merkel und die anderen Politiker stolz auf das „XL-Wachstum“, das Deutschland im vorigen Jahr hinlegte. Alles war in rosa gemalt beim Exportweltmeister Deutschland. Hochnäsig sah man auf „die Griechen“ herab, deren Wachstum aus höheren Löhnen und der Verteilung staatlicher Schulden an die Anhänger der jeweiligen Regierungsparteien rührte. Man konnte vor Kraft und Leistung gar nicht laufen und verschloss die Augen vor sinkenden Reallöhnen und der wachsenden Kluft zwischen Arbeits- und Kapitaleinkommen.

Damit ist es seit dem Sommer vorbei. Auch die deutsche Volkswirtschaft wächst nur noch langsam bzw. stagniert womöglich schon. Die Statistiken jedenfalls sind eindeutig: Das „Wirtschaftswunder“ nach der Finanzkrise von 2008 ist schon wieder vorbei.

Quelle: telepolis, 16.8.2011

Seit 1984 kein Zuwachs

Die Reallöhne von gering Qualifizierten sind seit 1984 nicht gestiegen. Dies geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit hervor. Im gleichen Zeitraum stiegen die Reallöhne von Arbeitnehmern mit Berufsausbildung aber auch nur um 7 Prozent. Höher qualifizierte Berufsgruppen (Meister, Abiturienten, Hochschulabsolventen) konnten sich dagegen über Reallohnzuwächse von mindestens 17 Prozent freuen.

Quelle: telepolis

Kreditwürdigkeit

Schon einige Tage bevor die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch die privaten Rating-Agenturen für die Einleitung der nächsten Krisen-Runde sorgte, veröffentlichte die „Telepolis“ eine interessante Statistik: Danach wuchsen in vielen Ländern – auch Griechenland, Italien oder Portugal – die Privatvermögen in den Jahren 2000 bis 2010 an uns liegen pro Kopf deutlich über den Pro-Kopf-Staatsschulden. Im Durchschnit der 16 Euro-Staaten liegt der private Vermögenszuwach in diesen 10 Jahren bei 66%. Pro-Kopf-Staatsschulden von knapp 21.500 Euro stehen damit Pro-Kopf-Vermögen von über 77.000 Euro gegenüber.

Ganz anders in den USA: Dort sanken in den 10 Jahren die Pro-Kopf-Vermögen um 28 Prozent auf nur noch knapp 50.000 Euro pro Haushalt. Dem stehen immerhin mehr als 32.500 Euro Schulden gegenüber.

In Deutschland gibt es übrigens eine besonders interessante Entwicklung: Dort betrug der Vermögenszuwachs in 10 Jahren pro Kopf immerhin 83%, dann aber – von 2010 auf 2011 satte 10 Prozent auf 104.000 Euro. Dem stehen Pro-Kopf-Staatsschulden von 24.000 Euro gegenüber.

Umverteilung

Die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik kritisiert in ihrem „Memorandum 2011“ Schuldenbremse, Exportwahn und Eurochaos. Kritisiert wird, dass die Bundesregierung eine Politik betreibt, die die Wirtschafts- und Finanzkrise ermöglicht hat. Dazu gehört insbesondere die wachsende Umverteilung zu den Kapitalbesitzern.

So sank die Bruttolohnquote zwischen 2000 und 2009 um 5,9 Prozent; das bedeutet, dass 789 Milliarden Euro den Arbeitnehmern als Lohn vorenthalten und zu den Vermögenseinkommen umverteilt wurden.

Als Instrumente des Gegensteuerns empfiehlt die Arbeitsgruppe alternative Wirtschaftspolitik Reallohnsteigerungen über dem Produktivitätsfortschritt, kollektive Arbeitszeitverkürzung und Ausbau des öffentlichen Beschäftigungssektors. Die Kosten dafür von 110 Milliarden Euro sollen durch Erhöhung der Einkommens- und Körperschaftssteuern, höhere Erbschafts- und Schenkungssteuern sowie die Wiedereinführung der Vermögenssteuer kommen.

Quelle: taz (29.4.2011)

Kein Asyl

Im Jahr 1980 stellten 107.818 Menschen in Deutschland einen Asylantrag. 12488 Flüchtlinge wurden als asylberechtigt anerkannt.

Im Jahr 2009 stellten nur noch 33.033 Menschen einen Asylantrag und lediglich 452 Flüchtlinge erhielten in Deutschland Asyl.

Dazwischen gab es eine Asyldebatte, die auf dem Höhepunkt der Asylantragswelle im Jahr 1993 (438.191 Anträge) zu einer drastischen Entmenschlichung des Asylverfahrens führte. 1994 erreichte die Anerkennung von 25.578 Asylanten ihren Höhepunkt.

Quelle: Die Zeit 16.9.2010

Luxuswaren

36 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Luxuswaren werden von französischen Firmen gemacht – 23 Prozent in den USA und 13 Prozent in Italien. Die 36 Prozent entsprechen 35 Milliarden Euro, was in der französischen Wirtschaft mehr ist als aus der dortigen Luft- und Raumfahrtindustrie.

Der Markt mit 200.000 Beschäftigten und 40.000 Firmen wird beherrscht von zwei großen Konzernen: LVMH mit Marken wie Louis Vutton, Moet Hennessy, Dior, Kenzo, Givenchy, Tag Heuer, Dom Pérignon und PPR mit Marken wie Gucci und Yves Saint Laurent. Marken wie Hermès, Chanel und L’Oréal sind noch selbstständig. Das Vermögen von LVMH-Chef Bernard Arnault wird auf 23 Milliarden Euro geschätzt.

Frankreichs Erfolg mit Luxuswaren hat eine Tradition, die zu den absolutistischen Königen im 17. Jahrhundert zurückreicht und heute davon profitiert, dass die Neureichen aus Russland und China nach Frankreich zum Einkaufen fliegen. Diese bringen soviel Geld mit, dass beispielsweise Louis Vutton Läden seit kurzem eine Stunde früher schließen, um nicht jeden Tag leer gekauft zu werden.

Während der Luxus boomt sank in Frankreich der Anteil der Industrie an der Wertschöpfung des Landes zwischen 1998 und 2008 von 22 auf 16 Prozent.

Quelle: Die Zeit 30.9.2010

Der Wert des Menschen

In einer Grafik hat „Die Zeit“ (26.8.2010) verschiedene Berechnungsmethoden für den Geldwert von Menschen vorgestellt:

  • Im römischen Reich kostete ein Sklave im 1. Jahrhundert etwa 2000 Sesterzen, was einem heutigen Wert von 48.000 Euro entspricht
  • Bei einer Auswertung von 5000 Gerichtsurteilen, in denen Unfallopfern Schmerzensgeld für verletzte oder verlorene Körperteile und Organe zugesprochen wurde, kamen österreichische Forscher zu dem Schluss, dass in Deutschland und Österreich ein Menschenleben 1,7 Millionen Euro wert ist.
  • Beim „Humankapitalansatz“ für Schadenersatz infolge der Tötung eines Menschen ist ein 35-jähriger Arzt mit einem Jahreseinkommen von 76.000 Euro 2,27 Millionen Euro „wert“, soviel wie drei 43-jährige Krankenschwestern mit einem Jahreseinkommen von 35.000 Euro jährlich oder 80 Inder, die als 35-jährige 900 Euro Lohn im Jahr erhalten.
  • Nach der Selbsteinschätzung sehen sich Deutsche als Menschen mit einem Geldwert von 3,5 Millionen Euro. Amerikaner sehen sich als doppelt soviel Wert und Japaner gar bei 9,7 Millionen, während sich deren benachbarte Taiwan-Chinesen nur mit 600.000 Euro bepreisen würden und Inder sich mit 1,4 Millionen begnügen.

Lohnender Einkauf

1,8 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen bringt der Ankauf von CD’s mit Daten deutscher Bankkunden aus der Schweiz und Liechtenstein dem Staat. Meist waren es Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern, die das Geld als nachgezahlte Steuern und Strafzahlungen brachten. Der Ankauf der Daten, der im November vom Bundesverfassungsgericht als rechtmäßig eingestuft wurde, kostete staatliche Stellen einige Millionen Euro.

Quelle: taz 20.11.2010

Keine Wachstumseuphorie

Obwohl die japanische Wirtschaft jetzt bereits ein Jahr lang auf Wachstumskurs liegt – aktuell mit einer hochgerechneten Jahresrate von 3,9 Prozent breitet sich dort anders als in Deutschland keine Wachstumseuphorie aus. Die japanische Regierung sieht die Konjunktur in naher Zukunft stagnieren, was unter anderem am Aufschwung in Europa liege.
Quelle: taz 16.11.2010

Kalorien-Wert

In der „taz“-Beilage „Verschwenden-Verwenden“ zur Ausstellung „Entropia“ in Berlin (Radialsystem V (11. – 14.11.2010) wurde anhand verschiedener Nahrungsmittel der unterschiedliche „Wert“ von jeweils 200 Nahrungskalorien verdeutlicht – einige Beispiele, die deutlich machen, dass insbesondere verarbeitete Lebensmittel „weniger wert“ sind als Rohprodukte:

Selleriestangen mit einem Brennwert von 200 Kilokalorien kosten 2,82 Euro, Tomaten 1,87 Euro, Sauerkraut 1,51 Euro, Äpfel 44 Cent, Kartoffelchips 13 Cent und Toastbrot 5 Cent.

Die Ausstellung wies übrigens auf die Zusammenhänge von Energie und Arbeit (physikalisch: Arbeit = Kraft mal Weg, Leistung ist Arbeit mal Zeit) von Wert und Preis hin.

Tiefes Loch

14,85 Milliarden Euro beträgt laut Gemeindefinanzbericht heuer in den Kommunen die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben. Das ist mehr als doppelt soviel wie im Vorjahr und frisst das Plus der Jahre 2007 und 2008 fast vollständig auf (übrigens die einzigen beiden Jahre im Jahrzehnt von 2001 bis 2010 die den Städten und Gemeinden ein Plus nach Abzug der Ausgaben von den Einnahmen bescherten). Sprunghaft angestiegen sind auch die Kassenkredite zur Finanzierung kurzfristiger Ausgabenengpässe. Sie betragen dieses Jahr 37,3 Milliarden Euro, sechsmal soviel wie im Jahr 2000 und mehr als das 25-fache des Jahres 1992. Beim kommunalen Einkommenssteueranteil (2010: 20,4 Milliarden Euro) bewegen sich Städte und Gemeinden auf dem Niveau des Jahres 2001 und haben damit 5 Milliarden Euro jährlich weniger als im Vorkrisen-Jahr 2008. Bei der Gewerbesteuer (jetzt 21 Milliarden Euro) ist der Einbruch deutlich größer – nämlich 10 Milliarden Euro gegenüber 2008.
Quelle: AKP – Fachzeitschrift für alternative Kommunalpolitik – Ausgabe 6/2010