Kohlenstoffsenken gibt’s nicht mehr

Ernüchternd sind die Zahlen aus dem 2004 begonnenen und jetzt abgeschlossenen Forschungsprojekt „CarboEurope“, bei dem Wissenschaftler aus 62 europäischen Forschungseinrichtungen den sogenannten „Kohlenstoffkreislauf“ untersuchten, der im vierten Bericht des UN-Klimarats IPCC als noch nicht ausreichend erforscht bewertet wird: 2003 war es erstmals soweit – im heißesten Sommer seit 500 Jahren „atmeten“ die Pflanzen in Europa mehr Kohlendioxid aus, als sie speicherten.

Der generelle Trend ist: Nur noch dort, wo die EU-Agrarpolitik nicht hinreicht, in den Wäldern Osteuropas, funktioniert die Pflanzenwelt des Kontinents als funktionierende Kohlenstoffsenke. Dort, wo die indusrialisierte Landwirtschaft mit intensiver Viehhaltung und starker Düngung die klimawirksamen Treibhausgase Methan und Stickstoff in die Luft bläst, werden die europäischen Grünflächen als CO2-Senken neutralisiert.

1960 betrugen die CO2-Emissionen, die menschengemacht waren, in Europa 2 Milliarden Tonnen. Die Hälfte davon absorbierten Wälder und Meere. Die Absorptionsmenge ist immer noch ähnlich hoch – nur der Kohlendioxidausstoß hat sich auf 10 Milliarden Tonnen verfünffacht. Vor 10 Jahren pufferten Wälder und Wiesen in Europa noch ein knappes Drittel der Treibausgase (Eine Buche etwa speichert in 120 Lebensjahren 3,5 Tonnen CO2 – die Menge, die ein Deutscher im Jahr mit seinem Lebensstil produziert), derzeit sind es noch 13 Prozent.

Es ist ein weltweiter Trend, dass die CO2-Senken Wälder und Meere im Hitzestress der Klimaerwärmung in ihrer Aufnahmefähigkeit eingeschränkt werden. Früher nahmen die Wälder ein Drittel und die Meere ein Viertel der menschengemachten CO2-Emissionen auf. Doch wie das Schwesterprojekt von „CarbEurope“ „CarbOcean“ ermittelte hat sich die CO2-Aufnahme des Nordatlantiks in nur 10 Jahren – von Mitte der 1990er-Jahre bis 2005 halbiert.

Und die Aussichten sind schlecht: Britische Forscher machen die Vorhersage, dass ab 2070 weltweit die Böden keinen Kohlenstoff mehr speichern können und stattdessen das Treibhausgas sogar massiv abgeben werden, was die Erwärmung der Atmosphäre weiter beschleunigen wird.

Quelle: die tageszeitung 22.9.2009

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