Archiv der Kategorie: Das Eis schmilzt

Die schlechteste aller Welten

Am Ende zeigt sich der Kapitalismus noch einmal von seiner hässlichen Seite. Auch im wohlhabenden Zentrum dieser Wirtschafts- und Gesellschaftsform – also im Norden Europas und Amerikas – zeigen sich überall die populistisch-autoritären Tendenzen, die dem menschenmordenden Faschismus vorausgehen. Und weil der Weg in die Diktatur gepflastert ist mit viel „Wir gegen die Feinde“ Geschrei, sind inzwischen auch wieder kriegerische Ereignisse denkbar, die sich nicht nur in fernen Ländern abspielen. Populistischer Faschismus und Diktatur sind ein realistischer Entwicklungspfad des Kapitalismus, der keineswegs auf China, Russland, Osteuropa, Italien oder Österreich beschränkt bleiben muss. Manager von DAX-Konzernen haben feuchte Träume wenn sie an China denken und in CDU/CSU reift die Koalition mit der AfD nach österreichischem Vorbild heran.

Diese politische Entwicklung ist die Kehrseite der beschleunigten Zerstörung der Umwelt durch das immer noch anhaltende Wachstum der Verbrennung von Kohlendioxid, das Pflanzen vor Jahrmillionen der Luft entzogen und in Form von Kohle und Erdöl in der Erdkruste eingelagert haben. Allen Klimazielen zum Trotz: die Interessenlage der wichtigsten kapitalistischen Akteure – höchstmögliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals am Ende einer Jahres-Abrechnungsperiode – verhindert ein Loskommen von den kapitalistischen Zwängen. Immer mehr Ware muss immer kostengünstiger produziert werden. Wachstum und Effizienzsteigerung über alles.

Es müssen immer mehr und größere Autos verkauft werden; der Hunger der chinesischen Mittelschicht nach Schweinefleisch ist die große Chance der Massentierhalter in Deutschland; und in Russland glauben sie an die Erschließung neuer Rohstoffvorkommen durch das Auftauen der Permafrostböden Nordsibieriens. Und bitte: die ostdeutsche Braunkohle muss auf jeden Fall als „Energieträger“ weiter verfeuert werden.

So mehren sich die hitzigen Jahrhundertsommer und der Zeitpunkt ist nicht weit, wo das im Permafrost und der Tiefsee gespeicherte Klimagas Methan freigesetzt wird und die im Wortsinn rasende Menschheit Atemprobleme bekommt. Bücher und Spielfilme haben diese Dystopien der kapitalistischen Endzeit längst gezeigt: die um Luft ringenden Armen werden an den Grenzen zuerst in Lagern gehalten und dann umgebracht.

Die Besitzer der großen Kapitalien und ihre Manager reagieren unterschiedlich: in den USA haben die Öl-Brüder Koch dem populistischen Weg in den Faschismus die notwendige Anschubfinanzierung geleistet. Die anderen Marktradikalen, die libertär-staatsfeindlichen Digital-Mogule, suchen für sich persönlich nach Möglichkeiten des ewigen Lebens außerhalb der zerstörten Erde als Fortsetzung der „gated communities“, die die oberen Mittelschichten in den Megacitys errichtet haben. Und sie versuchen den Widerspruch zwischen der fallenden Nachfrage nach produktiver Menschen-Arbeitskraft und dem Erfordernis nach Kredit für die Massen zum Kauf der immer größer werdenden Warenmengen dadurch zu begegnen, dass sie ein Grundeinkommen befürworten – selbstverständlich aber nicht durch steuerliche Umverteilung von ihren Milliardenvermögen finanziert, sondern durch Abschaffung aller kollektiv-Sozialen Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherungen, um auch dieses Feld endgültig dem Finanzmarkt zu erschließen.

Vermutlich wurde nach dem Finanzmarktcrash von 2008 die letzte Chance zu einer weltweiten Regulierung und damit Einhegung der zerstörerischen Tendenzen des Kapitalismus verpasst. Verpasst wurde die Möglichkeit, durch Schaffung eines Welt-Sozialstaats mit strenger Kapitalmarkt-Regulierung und massiver Umverteilung kapitalistischer Renditen von den Kapitalbesitzern zu den arbeitenden und arbeitslosen Massen, die notwendige Zeit zu gewinnen, um zu einer Wirtschafts- und Gesellschaftsform zu kommen, die statt der Wachstums-Religion die dringend notwendige Schrumpfung menschlichen Tuns managt, damit der Planet Erde wieder zu Atem kommt.

Die Möglichkeit zum politischen Umsteuern ist zwar immer noch gegeben – man kann auch in Deutschland und Europa jederzeit ganz demokratisch damit anfangen (und auch in den USA). Aber die so genannten Sachzwänge, die politische Mehrheiten für das Umsteuern verhindern, und die abschüssige politische Entwicklung (nichts tun gegen den Klimawandel bei gleichzeitigem Aufbau von Feindbildern für die kommende Diktatur) lässt befürchten, dass es richtig hässlich wird. Das tatsächlich jetzt sichtbar werdende mögliche Ende des Kapitalismus (und der biologischen Spezies Mensch) wird allein aufgrund der wegen des Wachstums der vergangenen 70 Jahre eintretenden Skaleneffekte deutlich schlimmer als der hässliche Anfang dieser Wirtschafts- und Gesellschaftsform durch die Ausbeutung von Arbeitern und Kolonien.

Spätestens 2020 ist Schluss

Das Ende der gesetzlichen Einspeisevergütung für Solarstrom ist definiert. Die Freunde der auf atomare und kohlebetriebene Großkraftwerke fixierten Stromkonzerne in CDU und FDP haben sich weitgehend durchgesetzt.  Dei einer installierten Solarleistung von 52 Gigawatt ist schluss. Derzeit sind etwa 28 Gigawatt am Netz. Wenn der Zubau wie geplant um 2.500 bis 3.500 Megawatt pro Jahr weitergeht, würde die gesetzliche Einspeisevergütung für Solarstrom um das Jahr 2020 enden. Geht der Zubau jedoch im gleichen Tempo wie 2011 weiter, könnte schon zur Mitte dieses Jahrzehnts Schluss sein.

Quelle: telepolis, 11.7.2012

Durchzug im Altbau

Rund 70 Prozent der Gebäude, die vor 1979 gebaut wurden, haben keine Wärmedämmung. Nur rund 10 Prozent der Altbauten in Deutschland haben eine Dämmung, die aktuellen Anforderungen genügt. Dabei machen diese älteren Gebäude das Gros unserer Städte aus, von den 18 Millionen Gebäuden in Deutschland sind fast 13 Millionen vor 1979 gebaut worden.

Quelle: telepolis, 26.1.2012

Ökonomischer Vorteil – ökologischer Nachteil

Braunkohle hat viele ökonomische Vorteile – vor allem ist sie billig im Tagebau abzubauen. Der ökologische Nachteil ist: Pro Kilowattstunde Braunkohlverstromung entstehen 1,5 Kilogramm Kohlendioxid. Dennoch ist Deutschland führend bei der „billigen“ Braunkohleverstromung und die Energiekonzerne Vattenfall und RWE wollen neue Kraftwerke dafür bauen. Und was der Bundesrepublik recht ist, ist auf Borneo (Indonesien) billig – dort soll künftig in großem Maßstab Braunkohle abgebaut werden.

Quelle: telepolis, 26.10.2011

Geschenk für Verschwender

Strom-Großverbraucher, die jährlich mehr als 7000 Stunden am Netz hängen zahlen in Zukunft kein Netzentgelt mehr und sparen so etwa ein Viertel ihrer Stromrechnung. Die fehldenen 2 Milliarden Euro müssen dann die Normalhaushalte an die Stromkonzerne abführen. Deren Rechnung steigt dann nach einer Berechnung der Grünen um 6 Prozent jährlich an.

Quelle: telepolis (23.10.2011)

Nach Norden

„Hell“ (Hölle) ist ein Film, der eine Nahe Zukunft beschreibt: 2016 ist klar, dass der Klimawandel schneller als erwartet verläuft, die Jahresdurchschnittstemperatur ist massiv angestiegen – überall brennt eine gleißende Sonne, Wasser und Benzin sind in den neuen Wüsten äußerst knapp. Darunter leidet die Zivilisation, die sich als äußerst dünne Decke erweist, die Menschen werden gewalttätig. Die drei Hauptfiguren des Films wollen sich von Frankreich aus nach Norden durchschlagen, wo es angeblich Wasser und Zuflucht gibt…

Ausführliche Beschreibung und Kritik in der „telepolis“ (24.9.2011)

Geschmolzen

Schon vor dem Ende der diesjährigen „Schmelz-Saison“ hatte das Nordpolareis weniger Fläche bedeckt als jemals zuvor in den Messungen. Damit setzte sich ein Trend zu Rekord-Minuswerten fort, der seit Jahren anhält und das Arktis-Meer zu einem zuverlässigen Anzeiger für den sich beschleunigenden Klimawandel macht. Ab März taut das Polareis und wird bis Ende September immer weniger (um dann wieder anzuwachsen – allerdings auch mit abnehmender Tendenz).

Zu den wissenschaftlichen Forschungen auf diesem Gebiet hat die „telepolis“ diesen Artikel veröffentlicht (11.9.2011)

Klima-Kurven

All denjenigen, die aus dem aktuellen Wetter schließen, dass es keine Klimaveränderung geben könne, liest der Deutsche Klimaatlas die Leviten. Der Artikel mit dem dazugehörigen Link zu den Statistiken, die die Klimaverändeurng in Deutschland im Verlauf der vergangenen 200 Jahre abbildet und einen mit Klimamodellen berechneten Blick bis ins Jahr 2100 wirft hat die „telepolis“ veröffentlicht.

Kaum teurer

Die großen Stromkonzerne und die ihnen ergebene Bundesregierung behaupten, dass die Förderung der erneuerbaren Energien, wie sie etwa im entsprechenden EEG-Gesetz festgelegt wurde, zum Anstieg der Strompreise beitragen. Stimmt, sagt das Umweltbundesamt (UBA) – aber nur zu einem Sechtstel. 85 Prozent der Strompreiserhöhungen der vergangenen 10 Jahre hat andere Ursachen. Das UBA stellt auch fest, dass die Stromversorger die gesunkenen Öko-Strompreise nicht an die Kunden weitergeben, sondern nur die gestiegene Ökostrom-Umlage. Dabei sind neben den eigentlichen Öko-Strompreisen auch die Umlagen für die Kraft-Wärme-Kopplung gesunken.

Quelle: taz 11.2.2011

Wirbelsturm

Der stärkste Sturm seit mindestens 50 Jahren richtete in Australien glücklicherweise wenig direkten Sachschaden an – zumal das Land in jüngster Zeit ohnehin genug Vorboten der Folgen des Klimawandels gesehen hat (Stichworte: Dürre und Überschwemmungen). Die „telepolis“ hat jetzt einige Hintergründe dazu zusammengetragen – unter anderem den Hinweis, dass sich schwere Tropen-Wirbelstürme nur bilden können, wenn sich das Meerwasser auf über 26,5 Grad erwärmt.

Gute Geschäfte mit Spritsäufern

Die Detroit-Autoshow brachte es an den Tag. Vorwärts in die Vergangenheit ist das Motto der US-amerikanischen und der deutschen Automobilindustrie. Chrysler und GM setzen auf die Mini-Trucks, die 20 Liter Sprit pro 100 Kilometer saufen und die deutschen Hersteller Mercedes und BMW versprechen sich glänzende Geschäfte mit Oberklasse-Luxuskarossen, die auch nicht gerade wenig Benzin verbrauchen. Die US-Kunden kaufen wieder die Spritsäufer und bescheren den Autokonzernen glänzende Gewinne. Der Auto-Kapitalismus ist auch nach der Finanzmarkt- und Kreditkrise nicht in der Lage zukunftsfähige Produkte auf den Markt zu bringen – mit den Spritsäufern ist einfach mehr zu verdienen, ohne dass man in teuere Neuentwicklungen investieren muss. Gewinne jetzt, die ökologischen Schäden den nachfolgenden Generationen als untilgbarer Kredit aufgebürdet.

Eiskalter Widerspruch

Das Jahr 2010 wird eines der 3 wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sein – weltweit. Ausgerechnet in Deutschland aber ist 2010 das kälteste Jahr seit 15 Jahren und die Jahres-Durchschnittstemperatur wird erstmals kälter ausfallen als der langjährige Jahresdurchschnitt von 8,2 Grad. Das bislang kälteste Jahr in Deutschland war 1940 mit 6,6 Grad im Durchschnitt und das wärmste Jahr war 2000 mit einer Durchschnittstemperatur von 9,9 Grad.

Eine mögliche Ursache könnte sein, dass aufgrund des global viel zu warmen Meerwassers derzeit die nördlichen Meeresgebiete derzeit viel langsamer zufrieren als gewohnt. Das führt zu einer Verschiebung von Tiefdruckgebieten, die nun viel kalte und schneereiche Luft nach Deutschland bringen. So war Anfang November die kanadische Hudson Bay und die Meerenge zwischen Kanada und Grönland noch komplett eisfrei.

Quellen: taz 22.12.2010 und telepolis

Subventioniertes Öl

Auf über 300 Milliarden Dollar jährlich schätzt die internationale Energieagentur die Subventionen, die die Staaten an die Verbraucher geben, um den Verbrauch von Erdölprodukten zu fördern. Dazu kommen rund 100 Milliarden Dollar jährlich, die als Subventionen direkt an Energieproduzenten fließen.

Zu den Subventionen gehören niedrige Benzinpreise (Rettung der Autoindustrie), Hilfen für die Erdölindustrie zur Erkundung und Erschließung neuer Vorkommen (Rettung von Arbeitsplätzen).

Quelle: taz-Interview (8.12.2010) mit Adnan Amin, Leiter der Interntionalen Agentur für erneuerbare Energien (Dubai)

Für Rechte undenkbar

Der Publizist Matthias Greffrath hat in einem Leitartikel für die „taz“ (3.11.2010) ein paar grundsätzliche Aspekte der gelb-schwarzen Atompolitik herausgearbeitet:

Die Gesetze zementieren … auf Dauer die zentralistische Herrschaft der Großstromer. Deren Strategie zielt auf Zeitgewinn, um Renditen zu sichern, die … Ackermanns 25-Prozent-Latte knapp überspringen. Möglich ist das nur, wenn der rasante Aufstieg der Erneuerbaren abgwürgt wird…
Die erneuerbaren Energien liefern zehn Jahre nach der Verabschiedung des EEG so viel Elektrizität, dass die Konzerne die Strommenge von etwa zwei Atomkraftwerken mehr oder weniger geschenkt ins Ausland verschieben müssen…
…ein Systemwechsel von zentralisierter Produktion mit langen Überlandleitungen zu dezentraler Versorgung erfordert den rasanten Aufbau einer interlligenten Netzarchitektur und … dezentraler Speichertechniken. „Sonnenenergie ist die Energie des Volkes“ war das Ziel, das Hermann Scheer und seine Mitstreiter im Blick hatten: eine Energieversorgung, die mittelständische Arbeitsplätze schafft, mit den Erlösen von Stadtwerken kommunale Aufgaben finanziert und den Preis für Strom langfristig sinken lässt….
Eine Gesellschaft mit maximaler Energieeffizienz und dezentralisierter Stromerzeugung in Bürger- und Gemeindebesitz ist in den Köpfen der parlamentarischen Rechten offenbar undenkbar. Wohl auch, weil sie nachhaltige Formen des Konsums, der Mobilität, des Städtebaus und des Wachstums befördern würde – eine Wertewandel, der ebenso „links“ wie „wertkonservativ“ wäre, aber auf keinen Fall …: wirtschaftsliberal.

Kniefall vor der Lobby

5,3 Milliarden Euro ist laut Subventionsbericht die Summe von Deutschlands teuerster Steuervergünstigung – den Privilegien für Energie-Großverbraucher bei der Ökosteuer. Die Bundesregierung unter Angela Merkel ist vor dieser finanzstarken Lobby eingeknickt und verbreitet zur Rechtfertigung, dass damit Arbeitsplätze in diesen Industrien gerettet würden.

Die Zeit (28.10.2010) weist darauf hin, dass dieses Argument nur funktioniert, wenn man die Gesetze nicht kennt. Denn der Strom für Metallerzeugung, Zementherstellung und Elektrolyse ist steuerfrei. Ins Gegenteil verkehrt wird nun für weit größere Industriebereiche, was eigentlich Sinn der Ökosteuer ist – nämlich die Bezuschussung der Rentenversicherung. Damit möglichst viele Betriebe mehr Rentenversicherung sparen als Ökosteuer zahlen mussten diese bislang nur 60 Prozent des regulären Ökosteuerbetrags ans Finanzamt zahlen. Die Regierung plante, diesen Abführungssatz auf 80 Prozent zu erhöhen und begnügt sich nun mit 75 Prozent. Und – Kniefall Nummer 2 – Betriebe, die trotzdem mehr Ökosteuer zahlen, als sie Rentenversicherungsbeiträge sparen, mussten bislang nur 5 Prozent der verbleibenden Ökosteuer bezahlen; die Regierung wollte daraus ursprünglich 27 Prozent machen und begnügt sich nun mit 10 Prozent.

Für die dreiste Lobbypolitik werden nunmehr die Verbrauchssteuern erhöht.

Tea Party Köche

David und Charles Koch besitzen jeweils 21,5 Milliarden Dollar vermögen und teilen sich damit Platz 5 der Superreichen-Liste des US-Wirtschaftsmagazins Forbes. Ihr Unternehmen, Koch Industries, ist ein verschwiegener Konzern, der jede Öffentlichkeit scheut und jährlich rund 100 Milliarden Dollar mit 70.000 Beschäftigten in 60 Ländern der Welt umsetzt. Die Kunstfaser Lycra wird von einem Koch Industries Unternehmen hergestellt und in Montana und Texas wird Vieh auf einer Fläche gezüchtet, die doppelt so groß wie Berlin ist. Kerngeschäft des Konzerns ist Öl. Eine einzige Tochtergesellschaft verarbeitet tätglich 800.000 Fass Rohöl, was dem Tagesverbrauch der Türkei entspricht.

Doch die beiden Konzernführer beschränken sich nicht auf ihre Geschäfte. Sie sind Finanziers und Vordenker des Extrem-Kapitalismus im Geiste der neoliberalen Staatsfeinde Friedrich August von Hayek und Joseph Schumpeter. Charles Koch Grundeinstellung zu Recht und Gesetz gipfelt in dem Spruch, dass 90 Prozent aller Gesetze wachstumsfeindlich seien. Das hinderte die Koch-Tochtergesellschaft Invista Deutschland GmbH nicht, vor der Schließung des Nylonfaser-Werks in Östringen 1,6 Millionen Euro Kurzarbeitergeld zu kassieren, ehe knapp 400 Beschäftigte entlassen wurden. Mit der amerikanischen Umweltbehörde EPA liegen die Kochs in ständigem Clinch. Allein im Jahr 2000 mussten die Koch-Unternehmen 30 Millionen Dollar Strafe für Umweltzerstörung zahlen. Die Strafe wurde verhängt, weil das Unternehmen 11 Millionen Liter Öl und verwandte Produkte in Seen, Flüsse und Küstengewässer geleitet hatte. Fast genauso viel – 25 Millionen Dollar – gaben sie dann zwischen 2005 und 2008 aus, um Organisationen zu finanzieren, die sich gegen Klimaschutzmaßnahmen wenden.

Und die Kochs sind die grauen Eminenzen hinter der aggressiv rechtsradikalen Tea Party Bewegung, die sich in den USA zum Ziel gesetzt hat, jede Sozialgesetzgebung zu zerstören, jede Steuererhöhung rückgängig zu machen und jede Kontrolle der Finanzmärkte zu verhindern. Damit setzen sie fort, was sie in den 1980er-Jahren erfolgreich praktizierten, als sie das Mercatus Center finanzierten, das 14 der 23 Deregulierungsgesetze für Präsident Reagan schrieb. Und sie sind Finanziers des Cato Institute und der Heritage Foundation, die ebenfalls im rechten Akademikerspektrum der USA großen politischen Einfluss organisieren. Die Tea Party, die derzeit die republikanische Partei kontrolliert, ist Produkt der von Koch finanzierten Stiftung „Americans for Prosperity“. Und die Tea Party bringt viele Politiker in Ämter – wobei die Kochs zusammen mit der US Handelskammer, den Konzernen Fluor und Bechtel, anderen Öl- und Kohlebaronen sowie den Eignern von Hedgefonds und Private Equity Firmen für die Wahlkampf-Finanzierung sorgen.

Quelle: Die Zeit (28.10.2010)

Klimakatastrophe liegt im Plan

In einem Artikel für die „Zeit“ (21.10.2010) haben der ehemalige Direktor der London School of Economics Anthony Giddens und der Rektor des Trinity College der Universität Cambridge Martin Rees noch einmal ein paar Fakten zur laufenden Klimakatastrophe benannt:

Die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmoshäre liegt derzeit höher als in den vergangenen 500.000 Jahren. Seit Beginn des Industriezeitalters hat sich die CO2-Konzentration um ein Drittel erhöht und wird wahrscheinlich bald das doppelte des vorindustriellen Werts betragen.

Der Juni 2010 war der 304. Monat in Folge, in dem die weltweiten Temperaturen von Festland und Ozeanen die Durchschnittswerte für das ganze 20. Jahrhundert (=Jahre 1901 bis 2000) übersteigen.

Die USA und China verursachen 40 Prozent der gesamten Emissionen der Welt.

Schon wieder wärmer

2010 ist auf dem besten Weg, global wieder alle Wärmerekorde zu brechen. Wie die „telepolis“ berichtet, sagen Nasa-Daten für August, dass das Weltklima heuer um 0,53 Grad über dem langjährigen Mittel liegt – neuer Rekord. Rechnet man nicht den zu erwartenden Jahresmittelwert für 2010 sondern das Mittel der letzten 12 Monate, ist der Rekord übrigens schon erreicht.

Vorrang für Atom-Monopol

Während in der Öffentlichkeit noch über die von der Bundeskanzlerin Angela Merkel geplante Laufzeitverlängerung debattiert wird, schafft die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde gerade die Voraussetzungen dafür, dass die Atomkonzerne ihren Strom besser verkaufen können, als die Betreiber von Solar-, Wind- und Wasserkraftanlagen.

Auf diese Weise wird der umweltfreundlichen Stromerzeugung ein wirtschaftlicher Nachteil auferlegt, da die Anlagen ihren Strom nur nachrangig ins Netz (das ganz zufällig auch den Atomkonzernen gehört) einspeisen können. Dagegen können die Atom- und Kohlekonzerne ihren Dreck mit hohen Gewinnen an den Mann bringen und die dabei anfallenden „Brennelementesteuern“ werden selbstverständlich auf die Strompreise der Kunden aufgeschlagen.

So funktioniert die wunderbare Welt eines Oligopols, das sich die politische Unterstützung erkauft hat.

Quelle: telepolis

Polareis schmilzt immer schneller

Das Polareis schmilzt immer schneller ab. Aufgrund der rasanten Erderwärmung wird das Nordpoleis nicht nur in der Fläche kleiner, sondern auch immer dünner. Dieser Prozess geht schneller voran, als es die bisherigen Klimamodelle erwarten. Damit wird wahrscheinlicher, dass bald die positiven Rückkopplungseffekte eintreten, die den Klimawandel noch einmal deutlich beschleunigen werden: Die Freisetzung großer Methangasmengen beim Auftauen der bisherigen Permafrostböden in Kanada und Sibirien.

Quelle: telepolis

Klima und Lebensstil

In einer ihrer Infografiken hat „Die Zeit“ (3.12.2009) anschaulich gemacht, wie der Lebensstil den Kohlendioxid-Ausstoß beeinflusst. Hier einige der Ergebnisse:

  • Eine Mittelklasselimousine mit einem Durchschnittsverbrauch von 11 Litern Benzin auf 100 Kilometer und einer jährlichen Fahrleistung von 12.000 Kilometer stösst 3670 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr aus. Ein Kleinwagen mit einem Verbrauch von 6 Litern bringt es noch auf 2000 Kilogramm und wer den Zug nimmt, schafft die 12.000 Kilometer mit nur 900 Kilogramm Kohlendioxid (gleiche Anteile Fern- und Nahverkehr).
  • Eine Thailandreise schlägt mit 5700 Kilogramm Kohlendioxid zu Buche – allein für den Flug. Eine zweiwöchige Urlaubsreise mit Flug, Hotel und Mietwagen auf Mallorca belastet das Klima mit 1200 Kilogramm und 2 Wochen Urlaub an der Ostsee mit Anreise im eigenen Auto nur mit 260 Kilogramm.
  • Fast-Food-Esser bringen es im Jahresschnitt auf 2400 Kilogramm Kohlendioxid wegen des hohen Fleischanteils. Gesundheitsbewusste Ökos mit geringem Fleischverbrauch beteiligen sich mit 1850 Kilogramm Kohlendixoid am Klimawandel und radikale Veganer, die ganz ohne tierische Produkte auskommen (auch keine Eier und Milchprodukte) reduzieren ihren Kohlendioxid-Anteil auf 940 Kilogramm.
  • Eine 60 Quadratmeter-Altbauwohnung mit Ölheizung ohne Energiesparmaßnahmen belastet das Klima mit 3700 Kilogramm Kohlendioxid, eine gleich große modernisierte Wohnung nur noch mit 1600 Kilogramm. Und ein Niedrigenergiehaus mit Holzpellet-Heizung, Solaranlage und Spararmaturen benötigt nur noch 120 Kilogramm.

Und noch ein schöner Vergleich in der Infografik: Um das 2-Grad-Ziel zu erreichen dürfte die Menschheit jährlich höchstens 14,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente ausstoßen. Die derzeit 6,9 Milliarden Erdenbürger brächten derzeit aber schon zwei Erdplaneten für die derzeit ausgestoßenen 30 Milliarden Tonnen. Würden alle Menschen so leben wie die Deutschen wären 4 Erdplaneten nötig und für den Lifestyle der US-Amerikaner gar 9 Erden.

Öl macht reich

7,56 Milliarden US-Dollar hat Öl-Weltmarktführer Exxon in den 3 Monaten von April bis Juni 2010 verdient – 85 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch Konkurrenz Shell hat mit 4,5 Milliarden Dollar fast doppelt so viel Gewinn eingefahren wie im Vorjahr. Der norwegische Staatskonzern Statoil verdiente 5,93 Milliarden Dollar.

Die Gewinne sprudeln kräftig, weil Rohöl derzeit durchschnittlich 77 Dollar pro Fass (159 Liter) kostet – 17 Dollar mehr als vor einem Jahr. Kein Wunder, dass trotz Ölkatastrophen niemand daran denkt, diesen einträglichen Wirtschaftszweig aufzugeben – obwohl die großen Mengen gelagerten Öls darauf hindeuten, dass die Weltwirtschaft derzeit gar nicht soviel von dem Schmierstoff der Industriegesellschaft benötigt, wie verkauft wird.

Quelle: Online-Ausgabe der „taz“ (30.7.2010)

Spritschlucker schön gerechnet

Wenn es nach den Plänen der Bundesregierung für eine Effizienzkennzeichnung von Automobilen geht (nach dem Vorbild der Kennzeichnung von Haushaltsgeräten), dann bekommt künftig ein Porsche Cayenne Hybrid, der pro Kilometer 193 Gramm Kohlendioxid ausstößt, das grüne Label „B“ während ein Smart Cdi mit nur 86 Gramm Kohlenioxid pro Kilomenter nur das gelbe Label „C“ bekäme. Der Trick: Die Bundesregierung misst die Effizienz am Gewicht des Autos. Ein „A“ bekommt dann ein Wagen, der 28 Prozent weniger Kohlendioxid ausstößt als ein gleich schweres Auto des Baujahrs 2008. So werden schwere Spritschlucker „effizient“ und leichte Autos „ineffizient“.

Quelle: taz (1.6.2010)

Gefährliche Kohlendioxid-Pläne

Die Kohlekonzerne, allen voran Atom- und Stromriese Vattenfall, haben sich durchgesetzt. Die Lobbyinteressen immer geneigte schwarz-gelbe Bundesregierung hat das Gesetz auf den Weg gebracht, das die CCS-Technologie (CCS: Carbon Capture and Storage = Kohlenstoff-Abscheidung und -Lagerung) ermöglichen soll. CCS ist der Versuch aus den Kohle-Großkraftwerken, die Kohlendioxid-Schleudern sind, propagandistisch „saubere Kohle“ (clean coal) zu machen. Dabei sollen Kohlekraftwerke unter Verschlechterung des Wirkungsgrades das von ihnen ausgestoßene Kohlendioxid abscheiden, um es anschließend unterirdisch zu lagern.

Wie bei hren gefährlichen Plänen zur Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke geht es den Stromkonzernen vor allem um den Erhalt ihrer Gewinn- und Renditeträchtigen Großkraftwerke. 6 Milliarden Euro will die EU für die CCS-Technoligie ausgeben, fast 20 Milliarden sind weltweit bereits in die Entwicklung dieser Großtechnik gefolssen – einer Großtechnik, die vor allem die kapitalkräftigen großindustriellen Stromkonzerne gegen die Konkurrenz dezentraler, umweltfreundlicher Energieerzeugung (Wasser, Wind, Sonne, Blockheizkraftwerke, Energieeffizienz) schützen soll.

CCS birgt Gefahren, die ähnlich groß einzuschätzen sind, wie die Folgen atomarer Unfälle: Wird das Kohlendioxid in leere Öllager unter dem Meeresgrund verpresst, kann es im Falle eines Explosionsunfalls (Stichwort Deepwater Horizon) zu einer tödlichen Versauerung des Meerwassers kommen(es verwandelt sich dann in Kohlensäurehaltiges Wasser in dem z.B. alle Korallen sterben); wird Kohlendioxid in Salzstöcke an Land verpresst, dann kann eine explosive Freisetzung einen tödlichen Bodenschleier über weite Gebiete legen (Kohlendioxid ist schwerer als Luft – zuerst ersticken die Kinder und dann die Erwachsenen).

Quelle: taz 15.7.2010

Stromexport brummt

Auch in Sachen Stromlieferung ist Deutschland jetzt Exportweltmeister: 9 Milliarden Kilowattstunden wurden im ersten Quartal 2010 ins Ausland exportiert – der höchste Wert in der Geschichte der Stromindustrie. Insgesamt wird derzeit 6,7 Prozent mehr Strom in Deutschland produziert als verbraucht wird. Weit und breit also keine „Stromlücke“ in Sicht – auch wenn Atom- und Kohlelobby diese ständig behaupten.

Quelle: taz 2.7.2010