Bürger brauchen Staatsschulden

Beim Durchschnittsbürger eine gut ankommende „konventionelle Weisheit“ ist, dass die hohen Staatsschulden eine ausgemachte Gefahr seien – weshalb der Staat vor allem bei seinen Beschäftigten und bei den Sozialleistungen „sparen“ müsse.

Dabei ist dieser Durchschnittsbürger in der Regel Besitzer einer der 95 Millionen Lebensversicherungen und Riester-Verträge. Die Versicherungskonzerne nehmen dafür jährlich rund 80 Milliarden Euro Prämien ein und versprechen ihren Kunden, diese „sicher“ anzulegen. Und siehe da: die Hälfte der Versicherungsgelder liegt in deutschen Pfandbriefen und deutschen Staatsanleihen. Und auch die 15 bis 20 Prozent, die die Versicherungen in Unternehmensanleihen stecken, sind meist auch „staatsnah“ – etwa bei Investitionen in Stromversorger mit ihren staatlich garantierten Quasi-Monopolen.

So profitiert der Versicherungsnehmer vor allem von den angeblich so schlimmen Staatsschulden, die er gerne abbauen würde.

Quelle: Le monde diplomatique, deutsche Ausgabe, September 2009

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