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290 Millionen Euro Wasser-Risiko in Leipzig

2003 verhökerte die Stadt Leipzig ihre Wasserwerke in ein undurchsichtiges Cross-Border-Leasing-Geschäft, um auf Kosten der amerikanischen Steuerzahler den Stadthaushalt auszugleichen. Am 10. Dezember 2009 wurde die Rechnung dieses Spekulations- und Steuerhinterziehungsgeschäfts präsentiert: Die Leipziger Wasserwerke teilten der Stadt mit, dass ein erster „Risikoausgleich“ in Höhe von 20 Millionen Euro fällig würde. Die zwischenzeitlich entlassenen und bei der Staatsanwaltschaft angezeigten ehemaligen Manager der Wasserwerke haben – so wurde inzwischen von 120 Sonderermittlern und der sächsischen Anti-Korruptions-Staatsanwaltschaft festgestellt – Risiken von 290 Millionen Euro aufgehäuft.

Profitiert haben davon vor allem die Schweizer Gr0ßbank UBS, die Dubliner HRE-Tochter Depfa (ehemals Deutsche Pfandbriefbank) und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die den Cross-Border-Deal einfädelten. Insbesondere die UBS scheint darin auch hochtoxische Pseudo-Wertpapiere versteckt zu haben – im Wissen, dass ja die Stadt dafür bürgt.

Die 290 Millionen Euro Risiken der Stadt – der bislang höchste Preis, den eine Stadt in Deutschland wohl zahlen muss – sind nur mit 220 Millionen Euro Eigenkapital der Leipziger Wasserwerke „abgesichert“. Bis 2017 wird die Stadt aber erst einmal zahlen müssen – denn, ob die Prozesse, die jetzt eingeleitet werden, der Stadt Entlastung bringen ist ungewiss.

Quelle: taz 4.3.2010

Armes Weltdorf

In ihrer neuesten Großgrafik beschäftigt sich „Die Zeit“ (5.11.2009) mit dem „Weltdorf“ und bereitet einige statistische Basisdaten zur Globalisierung auf:

  • 18 von 100 Menschen auf diesem Planeten haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 38 haben keine Sanitäranlagen (z.B. Toiletten). Umgerechnet in absolute Zahlen sind dies 1,2 Milliarden Menschen ohne sauberes Trinkwasser und 2,5 Milliarden ohne sanitäre Einrichtungen.
  • 1 Prozent der Menschheit ist obdachlos (bei derzeit 6,8 Milliarden Menschen bedeutet dies 68 Millionen Obdachlose), ebensoviele sind auf der Flucht.
  • 5 Prozent der Menschheit lebt in Ländern, in denen Krieg herrscht, 340 Millionen Menschen sind davon betroffen, 4 Prozent sind bei den jeweiligen Landesbehörden als arbeitslos gemeldet.
  • 46 von 100 Menschen auf der Erde leben von weniger als 2,50 Dollar am Tag – 3,1 Milliarden. 14 Prozent der Menschheit hungert (950 Millionen) und 13 Prozent sind Analphabeten (880 Millionen).
  • Die Hälfte der Menschheit lebt schon in Städten, 15 Prozent (1 Milliarde) in Slums.

Mehr kann man hier nachlesen, bzw. nachsehen

Wasserschutz-Show

Zwischen 3 und 6 Millionen Dollar, so Schätzungen, kostete die Show „One drop – Moving Stars and Earth for water“ (Ein Tropfen, die Sterne und die Erde bewegen für Wasser), die der Kanadier Guy Laliberté zum Abschluss seines Ausflugs auf die Weltraumstation ISS präsentierte. Der auf 2,5 Milliarden Dollar Vermögen geschätzte Laliberté, der 1984 das Zirkusunternehmen „Cirque du Soleil“ gegründet hatte, wollte mit der Show – bei der auch der Ex-US-Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger Al Gore und der bekannte kanadische Umweltschützer David Suzuki, Träger des „alternativen Nobelpreis“ Right Livelihood Award, auftraten – gegen die Wasserverschmutzung demonstrieren. Nach Lalibertés Angaben stirbt alle 8 Sekunden ein Kind, weil es verschmutztes Wasser trinkt.

Lalibertés Ausflug zur Weltraumstation, den sich der Milliardär als Geschenk zum eigenen 50. Geburtstag gönnte, kostete 35 Millionen Dollar. Die Kosten des Weltraumausflugs und der Show, so Kritiker, hätten besser für die Reinigung von Wasser verwendet werden können.

Quelle: Frankfurter Rundschau 12.10.2009