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Moody’s stuft ab

Autsch! Jetzt hat es auch Angela Merkels Musterland erwischt. Vorhersehbar hat sich jetzt das Rating-Theater auch die deutschen Staatsanleihen vorgenommen. Zwar gibt es von Moody’s noch immer das Dreifach-A doch werden die „Aussichten“ schon mal von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Es folgt demselben Muster wie auch bei Griechenland und den USA. Die Rating-Agenturen fordern „Sparanstrengungen“ und „Austeritätspolitik“ – um dann vor den vorhersehbaren Folgen dessen – wirtschaftliche Depression – zu warnen.

Blöd nur, dass die so genannten Anleger jetzt vielleicht ihren „sicheren Hafen“ verlieren.

Quelle: telepolis, 24.7.2012

Nächster Angriff

Die Rating-Agentur Standard & Poors hat Mitte Januar den nächsten Spekulationsangriff auf die Eurozone gestartet. Neben Frankreich wurden auch andere Euro-Länder, etwa Österreich, als weniger kreditwürdig als zuvor bewertet. Ziel von Standard & Poors: Zu den Kunden dieser Rating-Agentur gehören große Börsenspekulanten, die sich höhere Gewinne von den Aufregungen erwarten, die auf solche Absenkungen politisch und wirtschaftlich folgen.

Quelle: telepolis, 14.1.2012

Europa will es selbst machen

Jetzt denken die Europäer also darüber nach, mit einer eigenen Rating-Agentur das Oligopol der „Analysten“ der Unternehmen Moody’s, Standard & Poors und Fitch aufzubrechen. Die EU-Regierungen sind offenbar getrieben vom negativen Wirken der Rating-Agenturen, die zur Wahrung der Spekulanten-Interessen die Länder der Euro-Zone gerade auf Ramsch-Status herabstufen.

Das Modell einer europäischen Rating-Agentur, das die Unternehmensberatung Roland Berger erarbeitet hat, scheint auf den ersten Blick passabel: eine nicht am Profit orientierte Stiftung, die ihre Daten und Bewertungsverfahren öffentlich macht. Dieses Modell wird von Kritikern auch nicht infrage gestellt. Die Probleme liegen insgesamt tiefer: z.B. darin, dass in verschiedenen Gesetzestexten Ratings zur Grundlage staatlichen Handelns gemacht werden. Gerade hier müsste das Primat der Politik zurückerobert werden.

Quelle: taz 20.7.2011

Rating gegen Irland

Irland erfüllt alle Bedingungen für Kredite der Europäischen Zentralbank, des Weltwährungsfonds und der Europäischen Union. Der Mindestlohn wurde um 1 Euro auf 7,65 Euro pro Stunde gesenkt, die Arbeitslosigkeit liegt bei 14,3 Prozent.

Doch trotz dieses Kapitalismus-pur-Programms finden die Spekulanten von der Rating-Agentur Moody’s, dass Kredite an Irland ähnlicher Ramsch sind, wie das gerade im nachrevolutionären Umbruch lebende Tunesien. Das schöne an der Ramsch-Einstufung Baa3 für Irland: Moody’s erwartet, das Irland bis September weitere 25.000 Staatsbedienstete entlassen muss, um die Kosten des öffentlichen Dienstes um 9 Prozent zu senken. Schöne neue Welt des Casino-Kapitalismus.

(Quelle: taz 16.4.2011)

Glaubwürdigkeitsnote: Kaffeesatzleserei

Den Spieß umgedreht hat die Gewerkschaft ver.di. In einer Pressemitteilung stuft sie das Glaubwürdigkeitsrating der Rating-Agentur Moody’s auf „Ramschstatus“ herab und senkt die „Bonität“ auf „Kaffeesatzleserei“. Den Konkurrenten Standard & Poors und Fitch droht die Gewerkschaft dasselbe an.
In der Begründung heißt es, die „Herabstufung“ erfolgen wegen des willkürlichen Verhaltens von Moody’s bei seinen Bewertungen südeuropäischer Staaten: So seien Bonitätsnoten zunächst herabgesetzt worden, weil angeblich diese Staaten zu wenig sparen würden – und anschließend eine weitere Senkung damit begründet worden, dass die staatlichen Sparmaßnahmen die Konjunktur abwürgten.
Als weiteren Grund nennt die Gewerkschaft die enge Verflechtung der Rating-Agentur mit den Kunden aus der Finanzwirtschaft, was ein professionell-unabhängiges verhindere. ver.di fordert deshalb, die Rating-Agenturen vollständig zu entmachten, da diese bereits viel volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet hätten.

England schlimmer als Griechenland und Portugal

Während die Politik die Griechen mit unsinnigen Sparzwängen überzieht (und sich gleichzeitig kreditgebende Banken über höhere Schuldzinsen freuen), und während Portugal ohne jeden wirtschaftlichen Hintergrund von Rating-Agenturen heruntergestuft wird (und deshalb höhere Zinsen für Staatsanleihen zahlen muss), zeigen die Finanzmärkte, dass ihnen die Spekulationsinteressen der Londoner City so wichtig sind, dass sie schon mal wegschauen, wenn Londons Haushaltsdefizit das von Griechenland und Portugal prozentual übertrifft. Diese Vorgänge hat die Telepolis in zwei Artikeln beleuchtet: „Wer von Athen spricht, darf von London nicht schweigen“ und „die merkwürdige Abstufung Portugals„.

Zins-Währungs-Spekulation

Wieder so ein Casino-Wort, das wir gelernt haben: Carry Trades. Die Zocker spekulieren hier mit Geld, das sie sich in Niedrigzins-Ländern (USA, Großbritannien, Japan, Deutschland) leihen. Das Geld wird in Ländern angelegt, die wegen schlechter Bewertungen (Rating) hohe Zinsen für ihre Staatsschulden zahlen müssen (z.B. Südafrika, Ungarn, Türkei, Brasilien). Die Menschen an beiden Enden der Spekulationswippe zahlen den Preis für die Gewinne der Zocker: In den Niedrigzinsländern mit Inflationsrisiken und in den Hochzinsländern mit durch hohe Zinsen ausgebremste Volkswirtschaften. Den Gewinn haben die Zocker, die nach Abzug der Inflationsrate in den Hochzinsländern den Realzins kassieren ( 1 Prozent in Südafrika, über 4 Prozent in der Türkei). Zum Glück wird wegen der Währungsspekulationen, die ganz am Anfang des ungeregelten Finanzkapitalismus standen und derzeit ebenfalls boomen, das Zocken mit Carry Trades zum Risikogeschäft! Aber wenn die Zocker verlieren, dann zahlen ja wieder die Steuerzahler mit ihren Billionen-Rettungsschirmen.

Falsch gerated

Mario Müller hat sich  in der Frankfurter Rundschau (25.5.2009) die Ratingagenturen vorgenommen:

…die Macht der Ratingagenturen ist ungebrochen. Bevor sie weiteres Unheil anrichten, gehört ihnen schleunigst das Handwerk gelegt…
Die „Erkenntnisse“ der Rating-Agenturen sind das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt werden. Von keiner der größeren Schieflagen von Staaten und Unternehmen haben die „Analysten“ … rechtzeitig gewarnt. Dafür ist es ihnen gelungen, aus Schrotthypotheken … „erstklassige“ Wertpapiere mit „AAA“ zu zuaubern und so zur schwersten Finanzkrise seit Jahrzehnten beizutragen… stellt sich die Frage, wieso das Geschäft von einem kleinen Kreis privater Unternehmen beherrscht wird und sie sich mit Müll dumm und dämlich verdienen…
Das ist der … Skandal: Privat erstellte dubiose Urteile über die wirtschaftlichen Aussichten von Staaten und Unternehmen wurden … zur verbindlichen Grundlage zahlreicher Finanztransaktionen…
Bonitätsprüfer maßen sich Wissen an, das sie grundsätzlich nicht haben können…