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Rüstung und Naturmode

Hessnatur ist ein Mitte der 70er-Jahre gegründetes Versandhaus für Ökobekleidung. Die Stiftung Warentest bestätigt dem Unternehmen mit 70 Millionen Euro Umsatz und 340 Mitarbeitern, das einzige Unternehmen zu sein, das für seine Waren eine lücklose Bio-Zertifizierung nachweisen kann. Außerdem kooperiert Hessnatur mit der Kampagne für saubere Kleidung.

2001 war Hessnatur von einer Tochter des Arcandor-Konzerns gekauft worden. Nach der Pleite des Konzerns, zu dem auch Quelle und Karstadt gehörten, wurde Hessnatur in die Primondo Speciality Group eingebracht. Deren Geschäftsführer Matthias Siekmann hat die Aufgabe, seine Unternehmen zu verkaufen und die Erlöser an den Karstadt-Quelle-Mitarbeiter-Trust zu überweisen, der Betriebsrenten früherer Quelle- und Karstadtmitarbeiter bezahlt.

Dabei setzt Siekmann offenbar auf den Private Equity Konzern Carlyle an den er schon 6 seiner Unternehmen verkaufte – unter anderem Baby Walz. Nun soll, so Gerüchte, auch Hessnatur an Carlyle gehen, der über 1000 Firmen besitzt. Darunter sind auch mehr als 20 Rüstungsunternehmen. Deshalb warnt attac vor einem Verkauf an diesen „Investor“. Für Carlyle arbeitete der frühere US-Präsident George Bush senior während der Präsidentschaftszeit seines Sohnes. Und Bush juniors Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verschaffte Carlyle-Firmen Rüstungsaufträge im Wert von 1,4 Milliarden Dollar.

Quelle: taz 17.12.2010

Wenig Rendite für „Heuschrecken“

Schlechte Geschäfte machten die als „Heuschrecken“ titulierten private-equity-Firmen. In Deutschland sank die Beteiligung dieser Vermögensverwaltungen an hiesigen Firmen 2009 auf 2,36 Milliarden Euro – nach 9,12 Milliarden Euro 2008. Weltweit sanken die Kapitalanteile dieser Finanzfirmen an der Realwirtschaft von 700 Milliarden Dollar im Jahr 2006 auf 134 Milliarden Dollar 2009.

Der Grund: Das Geschäft wirft keine Rendite mehr ab – zum einen, weil wegen der Finanzkrise Firmenbeteiligungen mehr Eigenkapital erfordern und zum anderen, weil in der Krise sich wegen der schlechten Bewertung der Verkauf von „sanierten“ Firmenteilen nicht mehr lohnt. Denn das war das Geschäftsmodell der superreichen, privaten Vermögen-Anleger: Mit Krediten Firmenübernahmen finanzieren, die Kreditkosten den Firmen aufbürden (was wegen der Hebelwirkung hohe Eigenkapitalrenditen brachte), die Firmen ausbluten (durch Entlassungen, schlechtere Produktqualitäten, weniger Forschung und Entwicklung) und dann wegen dieser „Sanierung“ (die gute Finanzzahlen bringt) an andere geldgierige Anleger weiterverkaufen.

Quelle: taz 9.3.2010