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Ärztegehälter gespart

Auf einen aparten Weg der Kosteneinsparung im Gesundheitswesen hat die „taz“ (13.7.2011) hingewiesen. Die HNO-Klinik in Mainz plant neben 23 deutschen Ärzten fest mit mindestens 4 sogenannten „Stipendiaten“. Die sind meist bereits ausgebildete Fachärzte und wollen an der Klinik etwas lernen. Dafür verzichten sie dann auf Einkommen und leben von Stipendien ausländischer Geldgeber, die – so das Beispiel der Zeitung – etwa 900 Euro im Monat erreichen. Die Klinik kann sich die Arbeitskraft kostenlos sichern und spart pro Stipendiat einen Monatslohn  von mindestens 3891 Euro brutto (Ärzte-Tarif des Marburger Bundes ein). Macht bei mindestens 4 Stipendiaten, die selbstverständlich auch Wochenenddienste leisten und alle Facharzt-Arbeiten machen, über 15.000 Euro gesparte Gehälter bei denen dann auch ncoh die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung gespart werden. Im Jahr spart die Klinik auf diese Weise locker eine Viertel Million Euro.

Auch Staatsfeinde brauchen manchmal Staatshilfe

Ayn Rand war eine wichtige „Theoretikerin“ der marktradikalen „Protolibertären“, auf die sich die US-amerikanische Tea-Party-Bewegung gerne bezieht. Rand war der Meinung, dass ein Mensch sein ganzes Leben nur „marktwirtschaftlich“ gestalten kann und keinerlei (sozial-)staatliche Leistungen benötigt. Jetzt kam heraus, dass auch Rand im Zuge ihrer Krebserkrankung auf das staatliche Krankheitskostenunterstützungsprogramm Medicare zurückgriff, als sie ihre ständig steigenden Arztrechnungen nicht mehr bezahlen konnte. Amüsant, dass Rand die Leistungen unter dem Familiennahmen ihres Mannes in Anspruch nahm. Die Tea-Party-Bewegung wendet sich übrigens vehement gegen die Ausweitung staatlicher Krankheitskostenhilfe im Zuge von Präsident Obamas Gesundheitsreform.

Quelle: telepolis

Teure Medizin

Die Ärzte verordnen immer weniger Medikamente: Von mehr als einer Milliarde Verordnungen im Jahr 1991 sank der Wert bis 2004 auf unter 590 Millionen im Jahr 2004, um bis 2008 wieder leicht auf etwas über 600 Millionen anzusteigen. Obwohl aber die Zahl der ausgestellten Rezepte um rund 40 Prozent sank stieg der Pharmaumsatz in diesem Zeitraum von 14,8 Milliarden Euro auf 26,7 Milliarden – über 40 Prozent mehr!

Der Arzneimittelreport 2007 sieht ein mögliches Einsparpotenzial von 3,43 Milliarden Euro, wenn im Jahr 2008 in Deutschland die Arzneimittelpreise auf dem Niveau Großbritanniens liegen würden, das sind fast 13 Prozent der Arzneimittelkosten, im Jahr zuvor lag das fiktive Einsparpotenzial bei lediglich 2,88 Milliarden Euro oder 11,4 Prozent der Gesamtsumme. Von Jahr zu Jahr sichern sich die Pharmafirmen einen größeren Anteil am unterfinanzierten Gesundheitsmarkt.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 18.9.2009