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China steigt aus

Wie die „telepolis“ berichtet verstärkt China derzeit seine Strategie, aus dem Dollar langsam auszusteigen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft weitet derzeit ihr Programm aus, bei dem asiatische Geschäftsleute Geschäfte in China direkt in der Landeswährung Renmimbi abwickeln können. Einige Großbanken wie HSBC, die Citigroup und JP Morgan Chase sind bereits auf den Zug aufgesprungen und bieten für Renmimbi-Geschäfte verbilligte Konditionen, weil sie sich von diesem Wachstumsmarkt hohe Gewinne versprechen.

Gleichzeitig steigt China aus US-Staatsanleihen langsam aus, was die Probleme der US-Volkswirtschaft weiter verstärken dürfte (da China bislang über den Kauf von US-Staatsanleihen das US-amerikanische Defizit finanzierte). So wurden bislang schon US-Staatspapiere im Wert von 100 Milliarden Dollar von China abgestoßen. Derzeit hält das Land noch US-Staatsanleihen im Wert von 844 Milliarden Dollar.

Synthetische Wetten

Wegen sogenannter „synthetischer“ CDO’s wird die Bank Goldman Sachs in den USA vor Gericht von der amerikanischen Börsenaufsicht verklagt (Klage 10 CV 3229 SEC vs. Goldman Sachs) – d.h. nicht wegen dieser „Finanzprodukte“, sondern wegen zu wenig ausführlicher Informationen darüber im Ausgabeprospekt.

In der „Zeit“ (22.4.2010) wird beschrieben, wie diese Finanzprodukte funktionieren: während bei normalen CDO’s (= Collateral Debt Obligations) zweifelhafte Hypothekenkredite „gebündelt“ wurden, enthalten die „synthetischen“ CDO’s gar nichst mehr – sie sind eine inhaltsleere Wette drauf, dass ein Paket aus Krediten entweder im Wert steigt oder die darin enthaltenen Kredite platzen.

Schön beschrieben wird dieses Vorgehen auch mit dem Verkauf einer Versicherung, die zahlt, wenn das Haus des Nachbarn brennt.

Der Hedgefonds-Manager John Paulson hatte so einen synthetischen CDO bei Goldman Sachs in Auftrag gegeben – mit dem erklärten Ziel, gegen dieses Papier zu wetten – während die Käufer glaubten, damit auf steigende Kurse bei Hypothektenkredit-Bündeln zu wetten. Zu den Geschädigten dieser Wette gehörte auch die deutsche Pleite-Bank IKB.

Die synthetischen CDO’s entstanden, als sich bereits die Zahlungsprobleme am amerikanischen Immobilienmakrt abzeichneten. Die Spekulanten suchten einen Weg, von dieser Hypothekenkrise zu profitieren. Die angeklagten Praktiken von Goldman Sachs sind deshalb nicht einzigartig. Auch Citigroup, UBS, JP Morgan Chase haben laut Credit Suisse solche „Finanzprodukte“ angeboten und gleichzeitig gegen diese gewettet. Auch die Deutsche Bank soll solche Geschäfte getätigt haben.

Geld(-kapital) ist (Banken-)Macht

Die „Zeit“ (4.2.2010) hat zusammengetragen welche Marktkapitalisierung große Banken der Welt haben und wie sich dieser „Wert“ in den 12 Monaten zwischen Februar 2009 und Februar 2010 verändert hat.

  • Industrial & Commercial Bank of China: 173,27 Milliarden Euro (+ 29,5 %)
  • HSBC HDG: 136,98 Milliarden Euro (+84,5 %)
  • JP Morgan Chase: 112,28 Milliarden Euro (+ 51,1 %)
  • Bank of China: 102,2 Milliarden Euro (+ 30,9 %)
  • Bank of America: 96,09 Milliarden Euro (+ 192,7 %)
  • Citigroup: 68,37 Milliarden Euro (+ 352,9 %)
  • Goldman Sachs Group: 56,65 Milliarden Euro (+ 94,7 %)
  • Credit Suisse Group: 38,54 Milliarden Euro (+ 69,4%)
  • Deutsche Bank: 28,35 Milliarden Euro (+ 139,9%)
  • Commerzbank: 6,88 Milliarden Euro (+ 167,8 %)

Kampfansage mit Samthandschuhen

Als Kampfansage an die Banken wurde die Ankündigung des US-Präsidenten Barack Obama gewertet, 117 Milliarden Dollar als „Finanzkrisenabgabe“ bei den amerikanischen Geldinstituten einzutreiben. Auffällig im Gegensatz dazu steht – so die „Zeit“ (21.1.2010) – wie Obama die Citigroup ( 276.000 Mitarbeiter in 98 Ländern) geradezu mit Samthandschuhen anfasst. Die Bankengruppe, die vor Beginn der Finanzmarktkrise eine Bilanzssumme von 2 Billionen Dollar und 400.000 Mitarbeiter hatte verfügt über beste Kontakte in US-Regierungskreise, die bis in die 1990er-Jahre zurückreichten – wo es den Citigroup-Managern gelang, die Politik davon zu überzeugen, die seit der Finanzkrise von 1929 bestehende Trennung von Investment- und Geschäftsbanken aufzuheben (was der Citigroup den Aufstieg zum weltgrößten Finanzhaus ermöglichte).

Nachdem die Bank mit Geldern aus dem amerikanischen Bankenrettungsfonds Tarp  mit 45 Milliarden Dollar Soforthilfe und Staatsgarantieren für Schrottpapiere im Wert von 306 Milliarden Dollar geretettet war, ließ sich Obamas Finanzminister Timothy Geithner darauf ein, die ersten 25 Milliarden Dollar Soforthilfe in einen 38-prozentigen Kapitalanteil des Staates an der Citigroup umzuwandeln – praktisch wertlose Aktien. Anschließend zahlte die Citigroup die restlichen 20 Milliarden Dollar Staatshilfe zurück und verzichtete auf die Staatsgarantie für die Schrottpapiere – allein, um der Citibank zu ermöglichen, weiterhin horrende Gehälter und Boni zahlen zu können (nachdem die Regierung zunächst verhindert hatte, dass an den Manager Andrew Hall ein Bonus von 100 Millionen Dollar für seine Arbeit im Jahr 2009 ausgeschüttet wurde). Berater von Finanzminister Geithner ist der frühere Finanzminister von Präsident Clinton Robert Rubin, der zuletzt Top-Berater der Citigroup war.

Aber nicht nur die Citigroup wird von Obama großzügig behandelt. Die geplante Abgabe, deren Einnahmen von 117 Milliarden sich auf 10 Jahre verteilen, ist selbst in ihrer Gesamtsumme niedriger als die 150 Milliarden Dollar, die die Wall-Street-Banken für 2009 an Bonuszahlungen ausschütten.

1999: Das Casino wird eröffnet

Nach der Bankenkrise im Gefolge des „scharzen Freitag“ von 1929 entstand in den USA das Glass-Stegall-Gesetz, das es Banken verbot, mit den Spargeldern ihrer Kunden zu spekulieren. Es entstand die Trennung von Sparkassen und Investmentbanken. 60 Jahre später, 1999 unterzeichnete Präsident Bill Clinton das Gesetz mit dem der Glass-Stegall-Act aufgeboben wurde – ein wesentlicher Schritt in den spekulativen Casino-Kapitalismus. Denn von da ab konnten Investmentbanken in den USA wieder Kundengelder einsammeln, um mit diesen Spekulationsgeschäfte zu finanzieren.

Massgeblich beteiligt an diesem Gesetzgebungsverfahren war die Großbank Citigroup, deren damaliger Vorstandsvorsitzender Sanford Weill sich von der Finanzwelt als „Zerschmetterer von Glass-Stegall“ feiern ließ. Weill betrieb aggressives Lobbying beim damaligen Finanzminister Robert Rubin. Den kannte Weill aus New York, wo Rubin die Investmentbank Goldman Sachs geleitet hatte. Im Gefolge der Abschaffung der Bankenregulierung stieg die Citigroup zum weltgrößten Finanzkonzern auf.

Quellen: New York Times Beilage der Süddeutschen Zeitung (28.9.2009), Die Zeit (21.1.2010)

1. Fassung 29.9.2009, Ergänzung am 25.1.2009

Banken rechnen sich reich

Wie es die US-Banken geschafft haben, die Staatskredite zur Bankenrettung zurückzuzahlen und mitten in der Finanzmarktkrise ordentliche Gewinne zu machen zeigt dieser Artikel in der „telepolis“. Dort wird ziemlich genau beschrieben, wie es die Mischung aus billigem Notenbank-Geld und Bilanz-Bewertungstricks machte, dass angeblich die Finanzmarktkrise zuende geht.

Dabei zeigen diese Fakten zweierlei, was Sorgen machen sollt: Zum einen ist viel zu viel kostenloses Notenbank-Geld im Markt (was gewaltigige Inflationsrisiken beihnhaltet). Und zum anderen wird den Banken immer noch erlaubt ihre „Schrottpapiere“ – also unverkäufliche Derviate und ähnliches – als Eigenkapital auszuweisen. Mittel dazu ist die Bewertung nach dem „Fair value“ Prinzip, bei dem für die Bilanzierung die Wertpapiere in 3 Klassen eingeteilt werden, wobei nur die erste Klasse einen tatsächlichen Marktwert widerspiegelt.

So berichtet der Artikel, dass vier Fünftel des „Vermögens“ der Citigroup – insgesamt 1,1 Billionen Dollar – aus Papieren der Klasse 2 besteht, Papiere, so die Definition, für die es entweder keinen direkten Marktwert oder keine Kunden mit ausreichend flüssigen Mitteln zum Bezahlen dieser Papiere gibt. Und weitere 7 Prozent des „Eigenkapitals“ der Citigroup – 103 Milliarden US-Dollar – bestehen sogar aus gänzlich unverkäuflichem Finanzmüll der „Fair Value“ Klasse 3.

Und hier kommt das Konzept der „Bad Bank“ wieder ins Spiel. Damit kann etwa die WestLB einfach 85 Milliarden Euro unverkäuflicher Papiere aus ihrer Bilanz verschwinden lassen – selbstverständlich ohne dass das damit für die Bürger verbundene Risiko verschwindet. Die Citigroup hat auf diese Weise Finanzmüll im Einkaufswert von 965 Milliarden Dollar aus ihrer Bilanz verschwinden lassen.

Die „telepolis“ kommentiert den Vorgang sarkastisch:

Vielleicht ist angesichts dieser Bankenstrategie zur „Krisenbewältigung“ ein Vergleich mit dem Verhalten störrischer Kinder zulässig, die der Aufforderung zum Aufräumen des eigenen Zimmers nachkommen, indem sie den ganzen Müll unter den Teppich kehren oder hinter das Sofa werfen – bis es zu stinken anfängt.

Wall Street hat gewonnen

„Die Zeit“ stellt lakonisch fest „Die Wall Street siegt“ (17.12.2009). Denn bei den anstehenden Finanzmarktregulierungen fehlen ausgerechnet belastbare Regeln für den Derivate-Markt. Dieser Markt, der derzeit 600 Billionen Dollar umfasst (vor der Krise waren es 700 Billionen) war Auslöser der Wirtschaftskrise und ist immer noch der für die Realwirtschaft, die Staaten, die Währungen und die Menschen gefährlicheste Teil des Finanzmarkts.

Doch das Wall Street Kartell der Derivate-Profiteure – die Großbanken J.P. Morgan Chase, Goldman Sachs, Bank of America, Morgan Stanley, Citigroup und Deutsche Bank haben Regeln verhindert – insbesondere die Regel, dass Derivate-Geschäfte an einer Börse öffentlich überprüfbar notiert werden sollten.

So bleibt es bei den undurchsichtigen Hinterzimmerdeals, die über den Ladentisch (englisch: over the counter) gemacht werden. Diese können zwar theoretisch nützlich sein, indem sie z.B. ein US-Unternehmen, das seine Waren nach Europa exportiert, gegen einen möglichen Verfall des Euro schützen; doch in der Realität sind es vor allem Geschäfte, die Hedgefonds und Banken machen, um auf möglichst hohe Gewinne zu wetten. Gefährlich sind die undurchsichtigen Derivate deshalb, weil sie meistens eine Transaktionskette beinhalten, die explodiert, sobald ein beteiligter Vertragspartner im Ernstfall nicht zahlen kann – so wie voriges Jahr die Investmentbank Lehman Brothers und der Versicherungskonzern AIG.

Die Großbanken der Wall Street haben die Politik eingesackt, indem sie in einer Kampagne prominente Kunden der Realwirtschaft – Apple, General Electric, IBM – gegen Derivate-Regeln aufmarschieren ließen. Diese Großkunden haben ein eigennütziges Interesse: Nicht um die Absicherung von Geschäften geht es ihnen, sondern um das Erlangen von Steuervorteilen und die Möglichkeit zur Bilanzkosmetik, die mit dem Derivatehandel einher geht. Deshalb hat der Bankeregeln-Gesetzentwurf des amerikanischen Repräsentantenhauses Ausnahmeregeln für diese „Endkunden“ und die gerade beliebten Devisen-Wetten (die schon vor 10 Jahren beim Zusammenbruch des Hedgefonds LTCM beinahe den Systemkollaps auslösten).

Banken zahlen zurück

Mit direkten Beteiligungen in Höhe von 245 Milliarden Dollar hat die US-Regierung die Banken des Landes vor dem Zusammenbruch bewahrt. Da es im Casion derzeit wieder rund läuft und neue Spielregeln noch nicht verabschiedet sind (ein entsprechender Gesetzentwurf von Präsident Obama hat zwar das Repräsentantenhaus mit knapper Mehrheit passiert, stößt jedoch im Senat auf heftigen Widerstand der Bankenlobby) zahlen derzeit viele Banken die Staatshilfen zurück: 161 Milliarden Dollar fließen gerade an den Staat zurück, allein 90 Milliarden im Dezember. Als eine der letzten Banken kündigte die Citigroup an, ihre 20 Milliarden Dollar Hilfsgelder zurückzuzahlen.

Und weil US-Finanzminister Geithner die Kredite mit Aktienanteilen des Staates verbunden hatte, erweist sich nun die US-Rettungsaktion als gewinnbringend für die Regierung. Ungefähr 14 Milliarden Dollar wird der Staat am Ende an der Rettungsaktion verdient haben. In Deutschland hatte die Regierung solche Staatsbeteiligungen abgelehnt.

Quelle: Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau

Rekord-Boni

Für Ulrich Thielemann, Wirtschaftsethiker der Universität St. Gallen, sind Bonuszahlungen „das entscheidende Mittel der Banken, um ein falsches Unternehmensziel durchzusetzen, nämlich das der Gewinnmaximierung“.

Dieses System funktioniert bestens: Die 10 größten Banken Amerikas machen fette Gewinne und schütten an ihre Mitarbeiter Rekord-Boni aus. Die allergrößte Bank der USA, die Bank of America wird 2009 voraussichtlich 124 Milliarden Dollar Gewinn machen. Davon werden dann 30 Milliarden Dollar als Boni ausgeschüttet – über 100.000 Dollar pro Mitarbeiter. Bei der Nummer 2, J.P. Morgan Chase werden von 103 Milliarden Gewinn-Dollar 29,5 Millionen an die Banker ausgezahlt – fast 134.000 Dollar pro Beschäftigten. Die Nummer drei, die Citigroup, gibt sich mit einem Bonus von 71.000 Dollar pro Mitarbeiter fast bescheiden, von 94 Milliarden Dollar Gewinn werden „nur“ 22 Milliarden für Bonuszahlungen verwendet.

Auf Platz vier folgt der Bonus-Spitzenreiter Goldman Sachs, der von 44 Milliarden Dollar Gewinn fast die Hälfte an die eigenen Manager auszahlt – 740.000 Dollar pro Mitarbeiter. Die Nummer fünf, Morgan Stanley, wird 23 Milliarden Dollar Gewinn einfahren und davon den größten Teil als Boni wieder auszahlen – 16,4 Milliarden Dollar oder 263.000 Dollar pro Mitarbeiter.

Gleichzeitig geht das Bankensterben in den USA weiter: In Kürze wird dort Bank Nummer 100 pleite gehen – ein Fest für die Investmentbanker, die gerade mit Bankübernahmen viel Geld verdienen. Im Finanzmarktcasino gibt es also gerade eine gigantische Finanzmacht-Konzentrationswelle – finanziert von den Steuerzahlern, die die großen Banken „retten“ mussten.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 15.10.2009

Citigroup zahlt zurück

„Für uns ist es wirklich eher eine Frage des Zeitpunkts als der Kapazität“ sagt Citigroup-Vorstandschef Vikram Pandit. Das Geldhaus habe ausreichend Kapital für die Begleichung von Regierungsschulden. Mindestens 20 Milliarden der 52 Milliarden Dollar mit denen Washington den Bankenriesen seit Oktober 2008 stützte sollen bereits in Kürze zurückgezahlt werden. Mit den Zahlungen soll auch der Anteil des Staates am Unternehmenskapital verringert werden. Denn die USA haben sich für ihre Hilfe 34 Prozent der Citi-Anteile gesichert.

Quelle: Financial Times Deutschland 18.9.2009, Süddeutsche Zeitung 16.9.2009

Gewinne und Boni

In der „Zeit“ (23.7.2009) weist Arne Storn auf einiges hin, was sich hinter den Milliardengewinnen der internationalen Großbanken im 2. Quartal (Goldman Sach 3,4 Miliarden Dollar, JPMorgan Chase 2,7 Milliarden, Bank of America 3,2 Milliarden, Citigroup 4,3 Milliarden) verbirgt und macht einen gut begründeten Vorschlag gegen die Finanzmarkt-Zockerei:

Zu den Hintergründen der Gewinne: Sie sind unter anderem Ergebnis mangelnder Konkurrenz – Bear Stearns, Lehman Brothers oder Merril Lynch sind pleite und vom Markt verschwunden. Dazu kommen geänderte Bilanzregeln, die Abschreibungen unnötig machen und damit Verluste kaschieren; ebenso günstige Zinsen der Notenbanken und Rettungs-Staatsgelder, die an die Banken durchgereicht wurden (Beispiel: der Versicherer AIG).

Und der Vorschlag: Unglaublich aber wahr: die Hälfte ihrer Gewinne schütten die Banken an ihre Mitarbeiter aus – vor allem jene „Top Banker“, die im Finanzmarktcasino zocken. Dabei handeln die Bankmitarbeiter nicht auf eigenes Risiko, da sie ja mit den Kundengeldern der Bank ihre riskanten Geschäfte tätigen. Arne Storn schlägt daher vor, die Gewinne stärker zum Aufbau größeren Eigenkapitals der Banken zu nutzen und die Bonuszahlungen auf 10 bis 20 Prozent des Gewinns zu begrenzen. Das würde seiner Meinung nach den Hang zur kurzfristigen Zockerei begrenzen.

1986: Minsky blickt durch

Die Süddeutsche Zeitung feiert in ihrer heutigen Ausgabe den US-Ökonomen Hyman Minsky der 1986 sein Hauptwerk „Stabilizing an unstable economy“ veröffentlichte. War er damals ein Außenseiter in der Wirtschaftswissenschaftler-Zunft, ist er 13 Jahre nach seinem Tod derjenige, der schon vor 23 Jahren begriffen hatte, warum es zu einer Krise wie der heutigen kommen kann:

Minsky erkannte, dass es im Kapitalismus 2 Preissysteme gibt – die Güterpreise, die sich aus Produktionskosten plus Gewinnaufschlag zusammensetzen und die Vermögenswerte (Aktien und Immobilien), deren Preis von Renditeerwartungen abhängt. Und weil beides nicht richtig zusammenpasst gibt es das Instrument des Kredits, das einen fatalen Mechanismus aus Börseneuphorie und Kapitalmarkt-Panik auslöst: Banken und Kunden erwarten, dass künftige Gewinne auf dem Gütermarkt ausreichen Zins und Tilgung zu bezahlen („hedge finance“, gesicherte Finanzierung). Klappt das, findet der erfolgreiche Unternehmer Nachahmer, die Preise für Kapitalgüter steigen, der Boom bricht aus. Irgendwann merken die Banken, dass sie nur spekulative Projekte mit ihren Krediten finanzieren, bei denen die Rendite zwar noch für die Zinsen, nicht mehr aber für die Tilgung reicht.

Das ist der „Minsky-Moment“. Denn danach werden die spekulativen Finanzgüter im „Ponzi-Bereich“ finanziert – also mit einer Art Schneeballsystem (benannt nach dem Anlagebetrüger Charles Ponzi) bei dem neue Kredite aufgenommen werden, um Zins und Tilgung alter Kredite zu bezahlen. Wenn eine Bank genügend Ponzi-Projekte ansammelt, ist sie pleite!

Bei der heutigen Krise lag der „Minsky-Moment“ im Herbst 2007, als die Deflation der Vermögenswerte begann, in deren Gefolge trotz aller Verbriefungen und Derivate am Ende allerlei Banken und Versicherungen pleite gingen und vom Staat gerettet wurden (oder auch nicht): IKB, SachsenLB, Hypo Real Estate, Northern Rock, Bear Stearns, Lehman Brothers, Citigroup, AIG.

Die von Minsky vorgeschlagenen Reformen fanden kein Gehör: Er wollte für Stabilität sorgen, indem er ein langsameres Wachstum des Lebensstandards vorschlug – die Wirtschaft sollte selbst viel konsumieren, wenig investieren und von einem starken Staat gesteuert werden. Arbeitslose sollten in diesem System übrigens staatliche Arbeitsplätze zum Mindestlohn besetzen müssen.

Banker wollen Boni vom Gericht

1,5 Millionen Euro Abfindung klagte Jens-Peter Neumann vor dem Arbeitsgericht Frankfurt ein, nachdem ihm bereis ein Bonus von 3 Millionen Euro ausbezahlt worden war. Neumann war bei der Dresdner Bank für das Kapitalmarktgeschäft zuständig – ehe diese von der Commerzbank übernommen wurde.

Die Vorstände der Investmentbank Dresdner Kleinwort Eduardo Listorti, Stefan Gütter und Martin Newson klagen vor dem Londoner High Court Bonuszahlungen von 6,6 Millionen, 4,3 Millionen und 3,2 Millionen Euro ein – weil ihre Geschäftsbereich 2008 Gewinne gemacht und ihre Ziele übererfüllt hätten. So hätte etwa Listorti mit seinen Spekulationen auf Rohstoffe, Devisen und Anleihen 1,1 Milliarden Euro Ertrag erzielt.

Zur Erinnerung: Die Commerzabank hatte mit dem Kauf der Dresdner Bank 400 Millionen Euro Bonusverpflichtungen übernommen, die sie strich als der Jahresabschluss 2008 vorlag. Der Bund hatte zwischenzeitlich die Commerzbank gerettet und war dort mit 25 Prozent zum größten Aktionär aufgestiegen.

Auch bei Barclays kassieren die Manager wieder kräftig ab – nur ohne Gericht: Die Tochter Barclay Global Investment (BGI) zahlt an Barclays Präsident bob Diamond eine Prämie von 25 Millionen Euro für den Verkauf der Tochterfirma BGI an die amerikanische Investmentgesellschaft Blackrock. BGI-Topmanager Blake Grossmann bekommt sogar rund 60 Millionen Euro für das Geschäft.

Ander Banken wie die Schweizer UBS, die Citgroup und die Bank of Amerika haben Wege gefunden, ihren Managern wieder Spitzengehälter zu zahlen – sie haben einfach die Boni gekürzt und dafür die Fixgehälter kräftig angehoben.

Quelle: Süddeutsche Zeitung (18.6.2009)

1 Million in 100 Sekunden

In einer Festschrift zu 200 Jahre Sparkassen zitiert der Schriftsteller Martin Walser sein eigenes Buch „Angstblüte“ und das dort geschilderte Finanzgebaren der Citigroup:

Zwei Herren von der Citigroup, immerhin der größten Bank der Welt, werfen per Computer Staatsanleihen für 12,9 Milliarden Dollar auf den Markt. Das reißt den Wert dieser Anleihen sofort in die Tiefe. In weniger als hundert Sekunden kaufen sie 4 Milliarden der jetzt billiger notierten Anleihen zurück und haben in diesen hundert Sekunden eine Million Dollar verdient. Die Financial Services Authority schwieg. Die zwei Herren wurden aus dem Verkehr gezogen, dreihunderttausend Citigrouper around the globe haben ein Ethiktraining absolvieren müssen. Da wären doch längst andere Regeln fällig gewesen!

Quelle: Süddeutsche Zeitung 17.6.2009