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Staatszerstörung durch Zerstörung der Volksbildung

Beim Sieges-Treffen der „Konservativen“ der USA machte das Mastermind des Trump-Faschismus, Steve Bannon, noch einmal deutlich, dass es ihm um die Zerstörung des „regulierenden“ Staates geht. Für diesen radikalkapitalistischen „Libertären“ bedeutet „Freiheit“, den Staat auf ein Regelwerk zur Garantie von Eigentumsrechten zu beschränken und ansonsten im Inneren und Äußeren aufzurüsten für die Wir-gegen-die-Kriege.

So etwas muss selbstverständlich politisch-praktisch begleitet und umgesetzt werden – zum Beispiel mit jener calvinistisch-marktradikalen Spielart „christlichen“ Ideologie, der Bildungsministerin Betsy de Vos entstammt und der sie treu dient. Die Erbin eines Großvermögens, die nie eine öffentliche Schule besuchte und vor ihrer Vereidigung als Ministerin auch nie mit der Verwaltung öffentlicher Schulen betraut war, hat ein klares „Freiheits“-Ziel: Sie will die noch bestehenden Reste des öffentlichen Schulsystems in den USA abschaffen und durch ein System ersetzen, bei dem Eltern (mit Sicherheit finanziell nicht ausreichende) „Bildungsgutscheine“ bekommen, die sie dann an privaten Schulen für die Bildung ihrer Kinder einlösen können. De Vos, die selbst einen solchen Schulkonzern betreibt forciert damit eine schon seit jahrzehnten andauernde Zerstörung des US-Bildungssystems.

Nur noch, wer über ausreichende finanzielle Mittel verfügt, wird sich in Zukunft für seine Kinder Schulbildung leisten können, die über die Minimalanforderungen hinausgeht, die ein Angehöriger der Unterschicht braucht, um WhatsApp und Facebook bedienen zu können (also als Konsument zu funktionieren). Der Vorteil für Klassenkämpfer des Kapitals, wie de Vos eine ist, ist vielschichtig:

  • Kapital-Anleger kassieren Steuergelder, um mit ihren Schulkonzernen Rendite-Gewinne zu erwirtschaften
  • die Schul-Kapitalisten bestimmen die Inhalte der Bildung – z.B. antiwissenschaftliche „Kreationismus“-Theorien (und in Zukunft vielleicht auch wieder Lehren nach denen Sklavenhaltung „christlich“ gerechtfertigt werden kann)
  • es wird dafür gesorgt, dass die im kapitalistischen Produktionsprozess „überflüssigen“ Unterschichten weitgehend von einer gesellschaftlichen Teilhabe durch Bildungsaufstiege ausgeschlossen werden – weil sie nicht die notwendigen finanziellen Mittel haben, um sich die Bildungsangebote der „Elite“-Institute kaufen zu können
  • die nur rudimentär gebildeten Unterschichten sind anfällig für alle Ideologien, die die Herrschaft der Kapitalisten-Klasse rechtfertigen oder durch Konkurrenz-Feindbilder (Migranten, Schwarze, Sozialhilfeempfänger, Gewerkschaften, Presse, „Linke“) verschleiern.

Das Ideal einer staatlichen Volksbildung mit demokratisch ausgehandelten Bildungsinhalten auf wissenschaftlicher Grundlage wird von de Vos, Bannon und Trump ersetzt durch ein rein kapitalistisches „Bildungssystem“. Dialektische Ironie der Geschichte aber ist, dass diese gewollte Zerstörung des Staates schon jetzt auf die Kapitalisten negativ zurückwirkt, und zukünftige Rendite-Gewinne infrage stellt. Denn schon jetzt ist das US-Bildungssystem so schlecht, dass Forschung und (kapitalistische) Innovation in den USA nur noch deswegen „Spitze“ sind, weil es dem Land bisher gelungen ist, durch Einwanderungs-Anreize einen „brain-drain“ gut gebildeter Menschen dazu zu bringen, für US-Konzerne zu arbeiten. Ohne die programmierenden Inder wären Google und Facebook längst nicht zu den mächtigen Tech-Konzernen geworden, die sie derzeit sind (womit auch klar ist, warum Silicon Valley sich gegen die Einwanderungsbeschränkungen von Trump stellt).

Wirtschafts-Bildung

„in den Bildungseinrichtungen wäre zuerst alltagspraktisches Wissen zu vermitteln, und zum zweiten: die begrenzte Aufmerksamkeit der großen Mehrheit sollte nicht durch fades, belangloses Lexikonwissen vernichtet werden. Für Wirtschaftsfragen heißt das, sie müssen im Zentrum der Lebenswelt des Einzelnen ansetzen. Etwa an der Tatsache, dass viele mit ihrer Berufsarbeit recht wenig und einige Menschen unverschämt viel verdienen und dass das kein Naturgesetz ist, sondern ungerecht und eine Machtfrage.“

Diese Einschätzung stammt aus einem Artikel der „telepolis„, der alltagspraktische Bildung gegen die Macht der marktradikalen Religion fordert. Lesenswert!

Förderung für Besserverdiener

Ausgerechnet Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverband für die deutsche Wissenschaft – wissenschaftspolitischer Lobbyverband von 3000 Unternehmen, Unternehmerverbänden, Stiftungen und Privatpersonen – stellt fest:

Die bisherige öffentliche Begabtenförderung fördert vor allem Studierende aus akademischen Besserverdiener-Haushalten.“

Dieser realistischen Aussage ist nichts hinzuzufügen.

Quelle: taz 22.1.2010

Schavan „riestert“ Bildung

Bundesbildungsministerin Annette Schavan läutet die Propagandaschlacht für eine neue Runde der Privatisierung staatlicher Aufgaben ein. Nach den Sozialversicherungssystemen soll nun auch die Bildungsfinanzierung den Profitinteressen der Banken und Versicherungskonzerne anheim fallen. Schavan will, dass Eltern für ihre Kinder Bildungssparguthaben „riestern“, d.h. mit Kleinbeträgen Versicherungen finanzieren mit denen später dann die Ausbildungskosten bezahlt werden sollen. Dafür soll es dann Steuersubventionen geben. Wie aber schon bei der Altersvorsorge wird dies lediglich dazu führen, dass Geringverdiener in unrentable Versicherungsprodukte Geld einzahlen, was nur den Gewinninteressen der Finanzkonzerne dient.

Quelle: taz 24.11.2009

Bildungselite: Herkunft statt Leistung

Geld zu Geld gesellt sich gern – dieses Sprichwort gilt auch für die „Begabtenförderung“ durch die Stipendien der Stiftungen, die Studienförderung betreiben. 72 Prozent der Stipendiaten haben Eltern, die dem Sozialstatus (Beruf und Bildung) nach gehoben und hoch einzuordnen sind, nur 28 Prozent haben Eltern aus mit niedrigem oder mittlerem Sozialstatus.

Nur bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und – interessant – der Hanns-Seidel-Stiftung der CSU gibt es davon eine nennenswerte Abweichung zugunsten der Stipendiaten, die Eltern mit niedrigem oder mittlerem Sozialstatus haben. Die übrigen Parteistiftungen (Ausnahme FDP, die keine Angaben macht) und die Förderwerke der Kirchen liegen im Schnitt. Und signifikant gegen Kinder aus Elternhäusen mit niedrigem oder mittlerem Sozialstatus arbeiten die Stiftung der deutschen Wirtschaft und – ausgerechnet – die Studienstiftung des deutschen Volkes. Letztere vergibt übrigens mit 10.000 die meisten Stipendien an Studenten.

Quelle: Die Zeit 24.9.2009