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1999: Das Casino wird eröffnet

Nach der Bankenkrise im Gefolge des „scharzen Freitag“ von 1929 entstand in den USA das Glass-Stegall-Gesetz, das es Banken verbot, mit den Spargeldern ihrer Kunden zu spekulieren. Es entstand die Trennung von Sparkassen und Investmentbanken. 60 Jahre später, 1999 unterzeichnete Präsident Bill Clinton das Gesetz mit dem der Glass-Stegall-Act aufgeboben wurde – ein wesentlicher Schritt in den spekulativen Casino-Kapitalismus. Denn von da ab konnten Investmentbanken in den USA wieder Kundengelder einsammeln, um mit diesen Spekulationsgeschäfte zu finanzieren.

Massgeblich beteiligt an diesem Gesetzgebungsverfahren war die Großbank Citigroup, deren damaliger Vorstandsvorsitzender Sanford Weill sich von der Finanzwelt als „Zerschmetterer von Glass-Stegall“ feiern ließ. Weill betrieb aggressives Lobbying beim damaligen Finanzminister Robert Rubin. Den kannte Weill aus New York, wo Rubin die Investmentbank Goldman Sachs geleitet hatte. Im Gefolge der Abschaffung der Bankenregulierung stieg die Citigroup zum weltgrößten Finanzkonzern auf.

Quellen: New York Times Beilage der Süddeutschen Zeitung (28.9.2009), Die Zeit (21.1.2010)

1. Fassung 29.9.2009, Ergänzung am 25.1.2009

Banken sichern sich gegen Kunden-Pleiten ab

Während kurz vor der Wahl zur Beruhigung des Volkes vom Aufschwung geredet wird, richten sich die Banken auf die ab Herbst drohenden Kreditausfälle aufgrund von Firmenpleiten ein: Die Hypo-Vereinsbank steigerte ihre Vorsorge für Kreditausfälle auf 969 Millionen Euro – viermal soviel wie im Jahr zuvor. Die Hypo-Real-Estate (HRE) steigerte die Risikovorsorge für Immobilienkredite auf 881 Millionen Euro – zwangsweise, weil Kredite, die noch vor wenigen Monaten als relativ sicher galten wackeln.

Die Banken rüsten sich für Kreditausfälle, die nach der Bundestagswahl viele Firmenpleiten auslösen werden. Das dürfte die nächste Bankenkrise auslösen – mit der Neuerung, dass nunmehr nicht mehr vergiftete Finanzderivate dafür die Ursache sind, sondern die Wirtschaftskrise im wirklichen Leben selbst.

Und weil Banker richtig rechnen, sichern sie sich schon mal ab: Die Deutsche Bank vergab zwar mit 11 Milliarden Euro 3 Milliarden Euro mehr Kreditlinien an mittelgroße Firmen als im Herbst 2007 – dem Beginn der Krise. Sie erhöhte aber auch die Risikovorsorge für Kreditausfälle auf 1,5 Milliarden Euro – im Vorjahr waren es nur 249 Millionen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 19.8.2009