Schlagwort-Archive: Arbeitszeitverkürzung

21 Stunden

Aus London kommt ein neuer Anlauf für eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung. Für das 21. Jahrhundert, so die New Economics Foundatin (Stiftung für neue Wirtschaft), wäre eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 21 Stunden pro Woche ein guter Weg, um dem Teufelskreis aus zunehmendem Stress bei sinkenden Löhnen einerseits und steigender Erwerbslosigkeit andererseits zu entkommen.

Damit sind die Londoner Teil einer noch kleinen Bewegung, die das Thema Arbeitszeitverkürzung wieder auf die Tagesordnung setzen will. Arbeitszeitverkürzung sehen diese Gruppen als Ansatz für eine andere Art des Lebens und Wirtschaftens – umweltfreundlicher, menschlicher!

Quelle: telepolis, 10.1.2012

750.000 Arbeitslose mehr

Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlev Wetzel befürchtet, dass im kommenden Jahr 750.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie arbeitslos werden. Grund sei, dass trotz der leichten Erholung in diesem Jahr noch immer 20 bis 30 Prozent der Produktionskapazitäten dieser Branche nicht ausgelastet seien.

Wetzel sieht gegen die drohenden Kündigungen nur ein Mittel: weitere Arbeitszeitverkürzung. Anders als bei der bislang tariflich bereits möglichen Absenkung der Arbeitszeit von 35 auf 30 Wochenstunden ohne Lohnausgleich gehe dies aber nur noch bei einem teilweisen Lohnausgleich für die Arbeitnehmer.

Quelle: FR-Online

Arbeitszeitverkürzung mit Teil-Lohnausgleich

Jahrelang wurde Arbeitszeitverkürzung als „wirtschaftsfeindlich“ gebrandmarkt. Die IG Metall hat nun dieses Thema wieder ins Spiel gebracht – mit ihrem Angebot, den Tarifvertrag zur Arbeitsplatzsicherung aus dem Jahr 1995 (Verkürzung der Arbeitszeit um 3 Stunden wöchentlich ohne Lohnausgleich) so zu modifizieren, dass zum Arbeitsplatzerhalt die wöchentliche Arbeitszeit auf 28 Stunden abgesenkt werden könnte – wobei es die Beschäftigten dafür auf drei Viertel des sonst in dieser Zeit gezahlten Lohnes verzichten müssten.

Hintergrund sind die guten Erfahrungen der Metallbranche mit der Kurzarbeit in der Krise. Deshalb flankiert die IG Metall ihr Arbeitszeitverkürzungskonzept auch mit der Forderung, die Politik möge solche Formen der tariflichen Beschäftigungssicherung über die Arbeitsagentur arbeitsmarktpolitisch mitfinanzieren.

1932: Arbeitszeit verkürzen

In seinem 1932 erschienenen Aufsatz „Die Verhütung künftiger Krisen in der Weltwirtschaft“ machte der Unternehmer Robert Bosch den Vorschlag, die Arbeitszeit auf täglich nur noch 5 Stunden zu verkürzen, um die Arbeitslosigkeit auf Null zu bringen. Die Kosten dieses Vorschlags wollte der „Kommunist“ unter Deutschlands Konzernpatriarchen im wesentlichen durch die dann frei werdenden Mittel der Arbeitslosenunterstützung finanzieren.

Die übrigen Großindustriellen hielten es in Deutschland in dieser Krisensituation eher mit dem aufsteigenden Nazi-Chef Hitler, der ein Jahr später an die Macht kam.

Bosch sagte übrigens auch: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle“.

Quelle: Beilage „Geschichte“ der „Zeit“ im November 2009

Ein echtes Konjunkturprogramm

Schon am 16.1.2009 machten in der Frankfurter Rundschau Peter Grottian, Wolf-Dieter Narr, Roland Roth, Christoph Butterwege und Mohssen Massarat – fünf aufrechte linke Professoren (Grottian ist schon emeritiert) – einen Vorschlag für ein wirkliches Konjunkturprogramm, das allerdings leider keine Aussicht auf nur den Ansatz einer ernsthaften Diskussion hat.

Wenn man schon Staatsgeld ausgibt, sollte es sofort und schnell konjunkturfördernd sein und die Lebensbedingungen der Menschen verbessern, meint das kluge Quinett und schlägt vor:

  • Ausgleich der Einkommensverluste, die Hartz-IV-Empfänger seit Beginn der großen Koalition erleiden mussten durch Erhöhung des Regelsatzes für Erwachsene auf 500 Euro und für Kinder um mindestens 100 Euro.
  • Abschaffung aller Löhne unter 7,50 Euro pro Stunde – gesetzlicher Mindestlohn von 10 Euro
  • Solidarische Arbeitsumverteilung durch Arbeitszeitverkürzung – wobei untere und mittlere Einkommensgruppen vollen Lohnausgleich brauchen.
  • Erhöhung von Renten, die derzeit unter 800 Euro monatlich liegen um 100 Euro.
  • Erhöhung der Tagesbetreuungssätze für Obdachlose auf mindestens 70 Euro pro Tag.
  • Schaffung von 500.000 Arbeitsplätzen im Bereich der nicht-profitorientierten Dienstleistungen für Erwerbslose, die diese Tätigkeiten zum garantierten Mindestlohne (siehe oben) ausführen.
  • Mobilitätsticket zum Preis von 25 Euro pro Monat für alle Bürger, die weniger als 800 Euro Einkommen haben. Das Ticket sollte für alle Fahrten in den Stadtverkehren und im Bereich der Deutschen Bahn gelten.

So sehen Utopien also heute aus