{"id":66,"date":"2009-06-09T07:20:30","date_gmt":"2009-06-09T05:20:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/?p=66"},"modified":"2009-06-09T07:18:37","modified_gmt":"2009-06-09T05:18:37","slug":"karstadt-wird-nicht-gerettet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/2009\/06\/09\/karstadt-wird-nicht-gerettet\/","title":{"rendered":"Karstadt wird nicht gerettet"},"content":{"rendered":"<p>Der Zynismus ist erschreckend: 23.000 Mitarbeiter der Karstadt-Kaufhaussparte des Arcandor-Konzerns werden bald ihren Job verlieren, weil es f\u00fcr die Firma, in der sie arbeiten, kein Geld aus dem staatlichen Rettungsschirm gibt. Sie haben das Pech, anders als die Opel-Arbeiter, f\u00fcr den Standort Deutschland nicht wichtig zu sein &#8211; sie sind schlie\u00dflich nur Besch\u00e4ftigte in der Niedriglohn-Branche Handel.<\/p>\n<p>Es ist ja richtig, dass der ehemalige Manager des neoliberalen Musterkonzerns Bertelsmann und jetzige Arcandor-Boss Thomas Middelhoff schlecht managt. Und es ist auch richtig, dass das Konzept Kaufhaus schon lange in der Existenzkrise steckt. Doch das ist kein Grund, 23.000 Arbeitspl\u00e4tze direkt und weitere 27.000 beim Arcandor-Konzern indirekt zu gef\u00e4hrden (und nebenbei viele deutsche Innenst\u00e4dte dem &#8222;downgrading&#8220; anheim zu geben).<\/p>\n<p><em>Erste Fassung: 26.5.2009<\/em><\/p>\n<p>UPDATE: taz-Autorin Beate Wilms weist in der heutigen Ausgabe (26.5.2009) auf einen weiteren Aspekt hin, der wohl dazu f\u00fchrt, dass der Staat Karstadt Pleite gehen l\u00e4sst: die Mitarbeiter der bereits Pleite gegangenen Hertie-Warenh\u00e4uaser und von Karstadt waren diejenigen, die mit ihrer Gewerkschaft ver.di f\u00fcr bessere L\u00f6hne streikten, \u00fcberall Betriebsr\u00e4te installierten und auch Arbeitnehmervertreter in die Aufsichtsr\u00e4te entsandten. F\u00fcr die Neoliberalen, die staatliche Rettungsgelder verteilen, vielleicht ein zus\u00e4tzlicher Grund, den Karstadt-Mitarbeitern Hilfe zu verweigern.<\/p>\n<p>UPDATE 2 (4.6.2009): Der einzig ernst zu nehmende Diskussionsbeitrag, den die Kritiker von Staatsb\u00fcrgschaften f\u00fcr Karstadt anf\u00fchren ist, dass Mitbesitzerin Schickedanz, ein wenig Geld von ihren Milliarden f\u00fcr die Rettung ihres Unternehmens abzweigen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>UPDATE 3 (5.6.2009): Das Quelle-Versandhaus &#8211; heute Teil des Arcandor-Konzerns &#8211; war mal sozial vorbildlich: Schon 1961 hatte diese Firma einen ganzt\u00e4gig ge\u00f6ffneten Betriebskindergarten, der es unter anderem einer 17-j\u00e4hrigen Schwangeren erm\u00f6glichte, dort eine Lehre zu machen, nachdem sie wegen ihrer Schwangerschaft vom Abitur ausgeschlossen wurde. Der Name des M\u00e4dchens: Renate Schmidt, sp\u00e4ter Abteilungsleiterin, Betriebsr\u00e4tin und SPD-Bundestagsabgeordnete Renate Schmidt. (Quelle: S\u00fcddeutsche Zeitung). Wieder so Sozialklimbim, der weg muss &#8211; besonders jetzt, wo Einzelhandels-Angestellte wieder mal um Lohnerh\u00f6hungen streiken. Und da kommen auch Fusionspl\u00e4ne entgegen: Denn der von der Regierung favorisierte n\u00e4chste Kaufhaus-Monopolist Metro ist nicht gerade als arbeitnehmerfreundlich bekannt. Abgesehen davon, dass das k\u00fcnftige Monopol mit der Schlie\u00dfung von 30 Karstadt und 10 Galeria-Kaufhof Filialen erkauft wird.<\/p>\n<p>UPDATE 4 (9.6.2009): Bei der jetzt auch von der SPD favorisierten Fusion interessant ist ja, dass ausgerechnet die Wettbewerbsfanatiker hier ein neues Monopol schaffen. Mein Verdacht war ja immer schon, dass die volkswirtschaftlichen Konkurrenz-Modelle idealer M\u00e4rkte mit der Praxis nix zu tun haben und die Bildung von Mono-\/Oligopolen und Kartellen das eigentliche Ziel ist (um Mitarbeiter und Kunden besser ausbeuten zu k\u00f6nnen). Und noch was: Wenn man \u00fcber Arcandor redet wird meist nur Karstadt erw\u00e4hnt und Quelle vergessen. Dabei h\u00e4ngen auch am Versandhaus viele tausend Arbeitspl\u00e4tze &#8211; nicht nur im Konzern, sondern z.B. auch 4000 bei der Post-Tochter DHL, die \u00fcberfl\u00fcssig w\u00e4ren, w\u00fcrde das Versandhaus im Strudel einer Insolvenz verschwinden (Quelle: Sonntag aktuell). Schlie\u00dflich noch: Der r\u00fcckzahlbare 437 Millionen Euro Notkredit entspricht 17.000 Euro f\u00fcr jeden der auf dem Spiel stehenden 26.000 Jobs. Langzeitarbeitslosigkeit kommt den Staat um ein vielfaches teurer!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Zynismus ist erschreckend: 23.000 Mitarbeiter der Karstadt-Kaufhaussparte des Arcandor-Konzerns werden bald ihren Job verlieren, weil es f\u00fcr die Firma, in der sie arbeiten, kein Geld aus dem staatlichen Rettungsschirm gibt. 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