{"id":597,"date":"2009-09-13T15:33:42","date_gmt":"2009-09-13T13:33:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/?p=597"},"modified":"2009-09-13T15:33:42","modified_gmt":"2009-09-13T13:33:42","slug":"wahler-schlimmer-als-politiker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/2009\/09\/13\/wahler-schlimmer-als-politiker\/","title":{"rendered":"W\u00e4hler schlimmer als Politiker"},"content":{"rendered":"<p>Der Philosoph Richard David Precht liest in der &#8222;Zeit&#8220; (10.9.2009) dem verdrossenen Wahlvolk die Leviten und macht auf die Zusammenh\u00e4nge mit der neoliberalen Marktreligion aufmerksam:<\/p>\n<blockquote><p>Der Souver\u00e4n, das Volk, sucht &#8230; nicht nach Weltanschauungen sondern maximal nach einer verl\u00e4sslichen Rating-Agentur f\u00fcr die Sicherheit von Lebensperspektiven. Parteien spielen dabei nur eine untergordnete Rolle &#8230; Doch wen der Staat dazu ermuntert, im seine Alterssicherung nicht mehr zuzutrauen, wer seine Leiden keiner &#8222;gesetzlichen&#8220; Krankenkasse mehr \u00fcberl\u00e4sst und wer seine Kinder, wenn er kann, auf Privatschulen &#8230; schickt, der traut dem Staat auch sonst nicht mehr \u00fcber den Weg. Nur die sozial Schwachen vertrauen auf den Staat &#8211; weil sie m\u00fcssen.<br \/>\nDie Privatisierung von Lebenssicherheiten wird noch immer untersch\u00e4tzt. Ihr Resultat ist der maulende W\u00e4hler, politikverdrossen und unzufrieden, angestachelt von der b\u00f6sen Illusion, den Staat kaum noch zu gebrauchen. Bei Umfragen gibt er zu Protokoll, dass er nicht mehr an die Demokratie glaubt, an den Parteien l\u00e4sst er kein gutes Haar, und den Politikern wirft er vor, was er sich selbst als Position erarbeitet hat: dass sie nur noch an sich denken&#8230;<br \/>\nDie mangelnde Solidarit\u00e4t ist die Folge unseres Wirtschaftens &#8230; Wenn jeder anders als die anderen sein will, gibt es kein Wir mehr. &#8222;Wir&#8220; &#8211; das sind immer die anderen. Markt- und Markenwirtschaft erzeugen kein Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl, sondern moralische Zeitarbeiter &#8230;<br \/>\nWir sind keine Staatsb\u00fcrger mehr, sondern Investmentbanker unserer selbst&#8230;<br \/>\nWer bei der Steuererkl\u00e4rung dem Staat jeden Cent abtrotzt, den besten Handytarif abzockt, zum Tanken \u00fcber die Grenze f\u00e4hrt und \u00fcberall sonst nach Schn\u00e4ppchen giert &#8211; der sp\u00fcrt (vielleicht) eine Restscham, den Gro\u00dfmeistern der Ma\u00dflosigkeit ihre Mentalit\u00e4t vorzuwerfen&#8230; Dem kurzen Aufschrei \u00fcber die Abfindungsmilliarden der Banker wohnt noch die stille Bewunderung inne &#8230;<br \/>\nSind solche amoralisierten B\u00fcrger regierbar? Gibt es eine Politik f\u00fcr Menschen, die die Abwrackpr\u00e4mie f\u00fcr volkswirtschaftlich falsch halten, sie aber trotzdem kassieren? F\u00fcr W\u00e4hler, die von Politik eine Ehrlichkeit fordern, die sie im Zweifelsfall selbst nicht haben?&#8230;<br \/>\nWer tagt\u00e4glich indoktriniert wird, sich Vorteile gegen\u00fcber anderen zu verschaffen, genie\u00dft eine staatsb\u00fcrgerliche Erziehung von zweifelhaftem Zuschnitt&#8230;<br \/>\nDas sogenannte Individualprinzip als elementarer Kern der Marktwirtschaft muss mit einem durchdachten Sozial- und Humanit\u00e4tsprinzip in Balance gehalten werden, predigte einst Ludwig Erhards Lehrmeister Wilhelm R\u00f6pke. Der <em>Focus<\/em> setzte dies schon zur vorletzten Bundestagswahl au\u00dfer Kraft: <em>Wen w\u00fcrde Ihr Geld w\u00e4hlen?<\/em>&#8230;<br \/>\n&#8230;unser ganzes Wirtschaftssysem beruht darauf, Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht m\u00f6gen.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Philosoph Richard David Precht liest in der &#8222;Zeit&#8220; (10.9.2009) dem verdrossenen Wahlvolk die Leviten und macht auf die Zusammenh\u00e4nge mit der neoliberalen Marktreligion aufmerksam: Der Souver\u00e4n, das Volk, sucht &#8230; nicht nach Weltanschauungen sondern maximal nach einer verl\u00e4sslichen Rating-Agentur f\u00fcr die Sicherheit von Lebensperspektiven. 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