{"id":464,"date":"2009-08-14T05:59:44","date_gmt":"2009-08-14T03:59:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/?p=464"},"modified":"2009-08-14T05:59:44","modified_gmt":"2009-08-14T03:59:44","slug":"wie-lange-dauert-der-winter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/2009\/08\/14\/wie-lange-dauert-der-winter\/","title":{"rendered":"Wie lange dauert der Winter?"},"content":{"rendered":"<p>Die &#8222;S\u00fcddeutsche Zeitung&#8220; (12.8.2009) hat sich ein wenig mit den Theorien des russischen \u00d6konomen Nikolaj Kondratieff (1892-1938) befasst. Dieser teilte die Wirtschaft in &#8222;lange Zyklen&#8220; ein, die jeweils etwa 50 Jahre dauern. Am Anfang sind diese Zyklen bestimmt von neuen Erfindungen (1787 Dampfmaschine und Spinnmaschine, 1843 Eisenbahn und Stahlschmelze, 1898 Elektrizit\u00e4t und Chemieindustrie, 1949 Automobil und Computer). Am Ende der Zyklen stehen jeweils gro\u00dfe Wirtschaftskrisen mit Massenarbeitslosigkeit.<\/p>\n<p>Mit dem Bild der Jahreszeiten teilte Kondratieff seine Zyklen nach dem Verhalten der Kapitalanleger ein:\u00a0 In neue Technologien wird investiert, weil sie eine hohe Rendite versprechen. Durch die neuen Technologien steigt die Produktivit\u00e4t der Unternehmen, ihre Kosten sinken, ihre Gewinne steigen. Es wird investiert und neue Arbeitspl\u00e4tze entstehen. Der Inflationsdruck ist gering, weil auch die Nachfrage w\u00e4chst. Das ist der &#8222;Fr\u00fchling&#8220; im &#8222;langen Zyklus&#8220; &#8211; in Deutschland war dies in der Nachkriegszeit bis in die 1960er-Jahre der Fall. Im &#8222;Sommer&#8220; brummt die Wirtschaft und die Anleger beginnen, unrealistisch hohe Gewinnerwartungen zu hegen. Doch die Inflationsgefahr steigt: Rohstoffe und Gold werden teurer, Aktienrenditen sinken aufgrund hoher Zinsen &#8211; in Deutschland die Phase von 1966 bis 1982, in der Aktion\u00e4re nichts verdienten. Es folgt der &#8222;Herbst&#8220;, in dem die Regierungen die Inflation bek\u00e4mpfen. Wirtschwaftswachstum und fallende Zinsen treiben die Aktienkurse auf Rekordh\u00f6he, durch Schulden entstehen Kreditblasen. Doch an den Aktien- und Finanzm\u00e4rkten wird kr\u00e4ftig \u00fcbertrieben &#8211; bis in den ges\u00e4ttigten M\u00e4rkten die Nachfrage einbricht und die Finanzblasen platzen. Seit 2000, mit dem Platzen der New-Economy-Blase herrscht im aktuellen Kondratieff-Zyklus &#8222;Winter&#8220; &#8211; auch wenn die Notenbanken immer wieder durch billiges Geld versuchen, in den &#8222;Herbst&#8220; zur\u00fcckzukehren. Doch der Kollaps der Wirtschaft ist unaufhaltsam: Die Renditen auf die gewaltigen Kapitalmengen k\u00f6nnen nicht mehr erwirtschaftet werden, Firmen gehen Pleite, die Massenarbeitslosigkeit steigt, Investitionen werden zur\u00fcckgestellt, die Preise sinken. Die Deflation ist da! Und die dauert bis eine neue Basis-Erfindung den Zyklus in einen neuen &#8222;Fr\u00fchling&#8220; f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Kondratieff musste f\u00fcr seine Theorie \u00fcbrigens mit dem Leben bezahlen &#8211; denn er sagte voraus, dass der Kapitalismus keineswegs am Ende sei &#8211; was den sowjetischen Diktator Stalin veranlasste, den Wissenschaftler umbringen zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die &#8222;S\u00fcddeutsche Zeitung&#8220; (12.8.2009) hat sich ein wenig mit den Theorien des russischen \u00d6konomen Nikolaj Kondratieff (1892-1938) befasst. Dieser teilte die Wirtschaft in &#8222;lange Zyklen&#8220; ein, die jeweils etwa 50 Jahre dauern. 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