{"id":450,"date":"2009-08-14T05:05:55","date_gmt":"2009-08-14T03:05:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/?p=450"},"modified":"2009-08-14T05:05:55","modified_gmt":"2009-08-14T03:05:55","slug":"kein-geld-fur-arbeitnehmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/2009\/08\/14\/kein-geld-fur-arbeitnehmer\/","title":{"rendered":"Kein Geld f\u00fcr Arbeitnehmer"},"content":{"rendered":"<p>In Irland stiegen in den Jahren 2000 bis 2008 die Lohnkosten um 23,7 Prozent (preisbereinigt). Britische Arbeitnehmer kosteten ihre Arbeitgeber am Ende dieses Zeitraums 19,4 Prozent mehr, Holl\u00e4nder 9 Prozent und selbst bei den Franzosen waren es noch 0,3 Prozent. Billiger wurde es f\u00fcr Arbeitgeber in diesen acht zur\u00fcckliegenden Aufschwung-Jahren in \u00d6sterreich (beide -0,9), Italien (-1,3), Spanien (-6,9) und als &#8222;Spitzenreiter&#8220; in Deutschland. Das hat das Deutsche Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung ermittelt (DIW) und daraus den Schluss gezogen, dass der vergangene Aufschwung komplett an den Arbeitnehmern vorbei gegangen ist. Seit 2004 gingen die Realll\u00f6hne in Deutschland sogar deutlich zur\u00fcck, w\u00e4hrend die Einkommen aus Kapitalanlagen und die Gewinne von Selbst\u00e4ndigen boomten. Der Anteil der Arbeitsentgelte in Deutschland am Volkseinkommen, die sogenannte Lohnquote, sank seither von 67,1 auf 61,1 Prozent (in den Jahren seit 1991 hatte er zwischen 65,4 und 67,5 Prozent geschwankt). Das ist ein historischer Tiefststand<\/p>\n<p>Das DIW h\u00e4lt auch nicht hinter dem Berg mit den Gr\u00fcnden daf\u00fcr, warum der Aufschwung kein Plus f\u00fcr die Arbeitnehmer brachte: Zum einen sind seit 2003 die Sozialabgaben nur f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten gestiegen, w\u00e4hrend die Arbeitgeber entlastet wurden &#8211; die so genannten &#8222;Lohnnebenkosten&#8220; sind also entgegen der Unternehmerpropaganda deutlich gesunken &#8211; und zum anderen ist es die Dauer-Schw\u00e4che der deutschen Gewerkschaften. In Zeiten geringen Wachstums gelingt es den Arbeitgebern, unter Verweis auf die Arbeitslosigkeit bei wenig Qualifizierten die Forderung aller Arbeitnehmer nach Lohnerh\u00f6hung abzuwehren. Die Lohnsteigerungen lagen insgesamt unter der Inflationsrate.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem kommt bei den Arbeitnehmern immer weniger von ihrem Lohn an: Die Belastung mit (direkten) Steuern und Sozialabgaben liegt f\u00fcr sie bei \u00fcber der H\u00e4lfte der vom Arbeitgeber aufzuwendenen Lohnkosten (dagegen haben die Kapitalbesitzer und die Selbstst\u00e4ndigen deutlich mehr &#8222;Netto&#8220; vom &#8222;Brutto&#8220;).<\/p>\n<p>Dass in der aktuellen Krise die Tarifabschl\u00fcsse \u00fcber der Inflationsrate liegen und die Arbeitnehmerbringt f\u00fcr DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke \u00fcbrigens nicht f\u00fcr alle Arbeitnehmer etwas &#8211; da etwa Kurzarbeiter kein Lohnplus haben. Dass in der Krise auch die Lohnquote wieder steigt, weil die Unternehmensgewinne einbrechen, h\u00e4lt er \u00fcbrigens f\u00fcr ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen, das typisch f\u00fcr den Beginn einer Rezession sei.<\/p>\n<p><em>Quellen: Frankfurter Rundschau, S\u00fcddeutsche Zeitung 13.8.2009<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Irland stiegen in den Jahren 2000 bis 2008 die Lohnkosten um 23,7 Prozent (preisbereinigt). Britische Arbeitnehmer kosteten ihre Arbeitgeber am Ende dieses Zeitraums 19,4 Prozent mehr, Holl\u00e4nder 9 Prozent und selbst bei den Franzosen waren es noch 0,3 Prozent. 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