{"id":2890,"date":"2018-11-25T14:21:21","date_gmt":"2018-11-25T13:21:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/?p=2890"},"modified":"2018-11-25T14:21:21","modified_gmt":"2018-11-25T13:21:21","slug":"hoffnung-auf-eine-weiche-landung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/2018\/11\/25\/hoffnung-auf-eine-weiche-landung\/","title":{"rendered":"Hoffnung auf eine weiche Landung"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Institutionelle Anleger&#8220; wie Lebensversicherer oder Pensionsfonds gehen gegen\u00fcber ihren Kunden langfristige Verpflichtungen ein &#8211; schlie\u00dflich will der Mensch, der jahrzehntelang Sparbetr\u00e4ge einzahlt, diese am Ende auch ausbezahlt bekommen &#8211; m\u00f6glichst mit Zinsen und ebenfalls verteilt auf viele Monate und Jahre. Deshalb betreiben diese Firmen &#8222;Risikomanagement&#8220;, um sich gegen m\u00f6glichst viele Risiken ihrer Kapitalmarkt-Anlagestrategie so gut wie m\u00f6glich abzusichern. Zu diesem Risikomanagement geh\u00f6rt selbstverst\u00e4ndlich auch eine Einsch\u00e4tzung der konjunkturellen Entwicklung. Und diese hat sich in diesem Jahr doch deutlich ver\u00e4ndert. Zwar gehen Lebensversicherer beispielsweise schon l\u00e4nger davon aus, dass nach mehr als 10 Wachstumsjahren nun das Ende des Konjunkturzyklus kommen wird. Doch ob aus dem &#8222;late growth&#8220; eine Abschwung mit &#8222;sanfter Landung&#8220; wird oder eine &#8222;secular stagnation&#8220; wird, hat sich in der Risikowahrscheinlichkeit deutlich verschoben. Das Risiko eines Konjunkturabsturzes wird derzeit immerhin mit rund 40% bewertet &#8211; gegen\u00fcber dem auf 55% nach unten korrigierten Szenario des sanft auslaufenden Konjunkturzyklus.<\/p>\n<p>Und weil &#8222;institutionelle Anleger&#8220; wichtige Akteure am Kapitalmarkt sind &#8211; sie verwalten hunderte Milliarden Euro &#8211; werden diese Risiken derzeit &#8222;eingepreist&#8220;. Die heftigen Kursverluste am Aktienmarkt erkl\u00e4ren sich so. Gleichzeitig aber suchen die gro\u00dfen Geldsammler weiter verzweifelt renditetr\u00e4chtige Anlagem\u00f6glichkeiten, auch wenn diese in einem \u00fcberhitzten Immobilienmarkt zu sozialen Verwerfungen f\u00fchren, die staatlich regulierte Renditebegrenzung geradezu herausfordern. Auch der Markt &#8222;alternativer&#8220; Anlagen, beispielsweise direkte Unternehmensanleihen, kommt an seine Grenzen.<\/p>\n<p>Deswegen wird nun deutlich, dass solche &#8222;Risikoabsicherung&#8220; innerhalb des kapitalistischen Wachstumssystems auf Dauer nur begrenzt funktionieren kann. 2008 hat die Finanzwelt (und sp\u00e4ter dann die ganze kapitalistische Realwirtschaft) in den Abgrund geblickt &#8211; und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass in den n\u00e4chsten Monaten &#8222;die M\u00e4rkte&#8220; erneut in dieses schwarze Loch fallen; selbst wenn dieses &#8222;tail end&#8220; Risiko derzeit nur mit 5% &#8222;bewertet&#8220; wird. Die 5% sind eine Zahl die nur die irrationale Hoffnung ausdr\u00fcckt, dass der real-existierende Kapitalismus innerhalb seiner Spielregeln weiter existieren kann.<\/p>\n<p>Dabei ist genau das mehr als fraglich. Die Klimakrise versch\u00e4rft sich t\u00e4glich (und von dem noch vor zwei Jahren lautstarken Hype nach &#8222;nachhaltigen Investitionen&#8220; ist an Finanzm\u00e4rkten nichts nennenswertes mehr \u00fcbrig geblieben); die &#8222;M\u00e4rkte&#8220; &#8222;lieben&#8220; rechtsautorit\u00e4re Regimes wie das von Trump, Bolsonaro und in Singapur (und beweisen, dass der Kapitalismus Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht braucht solange die Halb- und Volldiktatoren sozialen Protest gegen die Folgen eines entfesselten Rendite-Konkurrenz-Kapitalismus unterdr\u00fccken); und nur die Staatsverschuldiung in Italien wird mit Zinsaufschl\u00e4gen &#8222;bestraft&#8220;.<\/p>\n<p>Es ist absehbar, dass die Anleger-Herde wie 2008 die Nerven verlieren wird und das fragile Kapitalmarktsystem erneut in den Abgrund rei\u00dfen wird. Der wird tiefer als 2008, weil die Strategie des &#8222;billigen Geldes&#8220; der Zentralbanken absehbar wirkungslos bleiben wird. In der dann entstehenden Krise, die sicher deutlich gr\u00f6\u00dfer sein wird als vor 10 Jahren, ist es geradezu zwangsl\u00e4ufig, dass der Renditekapitalismus noch einmal sein h\u00e4ssliches Haupt aus Massenarbeitslosigkeit, Umweltzerst\u00f6rung und diktatorischer Missachtung der Menschenrechte bis hin zu kleinen und gro\u00dfen Kriegen erheben wird.<\/p>\n<p>Die Frage ist nur noch, wann dieses realistische Szenario der Krisenversch\u00e4rfung eintritt. Aktuell hoffen die restlichen Mittelschichten in Europa und Nordamerika darauf, dass der Wunsch ihrer &#8222;institutionellen Anleger&#8220; in Erf\u00fcllung geht und es eine &#8222;sanfte Landung&#8220; gibt. Dass es die aber gar nicht geben kann, weil der Kapitalismus als Gesellschafts- und Wirtschaftssystem die Zerst\u00f6rung der menschlichen Arbeit und der umgebenden Natur vorantreiben muss, um weiter &#8222;Kapitalverzinsung&#8220; zu generieren, ist eine Debatte, die innerhalb des Systems nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Institutionelle Anleger&#8220; wie Lebensversicherer oder Pensionsfonds gehen gegen\u00fcber ihren Kunden langfristige Verpflichtungen ein &#8211; schlie\u00dflich will der Mensch, der jahrzehntelang Sparbetr\u00e4ge einzahlt, diese am Ende auch ausbezahlt bekommen &#8211; m\u00f6glichst mit Zinsen und ebenfalls verteilt auf viele Monate und Jahre. 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