{"id":2843,"date":"2017-12-29T08:37:30","date_gmt":"2017-12-29T07:37:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/?p=2843"},"modified":"2017-12-29T08:37:30","modified_gmt":"2017-12-29T07:37:30","slug":"ideologische-illusionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/2017\/12\/29\/ideologische-illusionen\/","title":{"rendered":"Ideologische Illusionen"},"content":{"rendered":"<p>Als nach dem zweiten Weltkrieg in Westeuropa und Nordamerika Massenproduktion und Massenkonsum best\u00e4ndig neues Wachstum generierten &#8211; im Schatten der allumfassenden Bedrohung eines Atomkriegs &#8211; da gab es eine ideologische Behauptung zur Rechtfertigung der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Die lautete, dass &#8222;Marktwirtschaft&#8220; und ein demokratischer Rechtsstaat einander bedingen &#8211; und nur beides zusammen dauerhaften &#8222;Frieden&#8220; bringen w\u00fcrde (damals gerne garniert mit der Behauptung, dass dies alles auch f\u00fcr &#8222;sozialen Ausgleich&#8220; sorgen w\u00fcrde, den &#8222;Sozialpartner&#8220; miteinander aushandeln w\u00fcrden).<\/p>\n<p>Diese Denkfigur bestimmte dann auch die Einsch\u00e4tzungen vom &#8222;Ende der Geschichte&#8220; im Gefolge des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruchs der sich &#8222;sozialistisch&#8220; nennenden Staaten in Osteuropa und der ehemaligen UdSSR. Es wurde sogar gefaselt von einem heraufziehenden Zeitalter ewigen Friedens im Zeichen der globalisierten Warenwirtschaft und ewigen Wachstums durch immer weitere Umwandlung aller Lebensbereiche in warenf\u00f6rmige Produktions- und Austauschverh\u00e4ltnisse (wobei zu letzterem auch die f\u00fcr viele Menschen vorteilhaften gesellschaftlichen Liberalisierungen beitrugen). Und am Ende w\u00fcrde der technische Fortschritt ganz nebenbei auch noch die aufget\u00fcrmten Umweltprobleme l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Heute ist offensichtlich, dass es sich hier um ideologische Trugbilder handelt. Die kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung funktioniert auch dort bestens, wo statt repr\u00e4sentativer Demokratie politische Unterdr\u00fcckung oder rassistisch gef\u00e4rbter Populismus das Eigentum mafi\u00f6ser Oligarchen-Cliquen sichern. China und Russland sind daf\u00fcr die wichtigsten Beispiele, aber auch im Osten der EU lassen sich daf\u00fcr offensichtliche Belege finden. Zuletzt zeigte sich sogar in den USA, dass die Besitzer der gro\u00dfen Kapitalien den Zeitpunkt f\u00fcr gekommen halten, die letzten Reste des demokratischen Rechtsstaats zu ignorieren (das \u00fcber Jahrzehnte durchaus planvolle Handeln der \u00d6lmagnaten Koch ist hier ein gutes Beispiel wie<a href=\"https:\/\/taz.de\/Debatte-US-Politik-made-in-Kansas\/!5470246\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> hier<\/a> in der &#8222;tageszeitung&#8220; nachzulesen ist).<\/p>\n<p>Und gleichzeitig zeigen die Kriege an der kapitalistischen Peripherie (Ukraine, Syrien als aktuelle Beispiele), deren Zahl t\u00e4glich w\u00e4chst und mehr und mehr &#8222;failed states&#8220; hervorbringt (also Gebiete in denen nackte Gewalt die lokalen Gesellschaften beherrscht), dass zunehmend mehr Menschen vom Rand des Welthandels ins t\u00f6dliche Nichts gest\u00fcrzt werden &#8211; begleitet von gro\u00dfen Flucht- und Migrationsbewegungen, die inzwischen auch im europ\u00e4ischen und nordamerikanischen Zentrum ankommen und dort populistischen Rassismus hervorrufen (weil die &#8222;Einheimischen&#8220; in der allumfassenden Konkurrenz sozial zunehmend schutzlos sind und ihre \u00c4ngste davor gerne auf S\u00fcndenb\u00f6cke verlagern, die sie treten k\u00f6nnen &#8211; j\u00fcngstes Beispiel \u00d6sterreich).<\/p>\n<p>Ganz nebenbei beschleunigt sich auch der Klimawandel so, dass er auch gr\u00f6\u00dften Optimisten als t\u00e4glich weniger beherrschbar erscheint &#8211; weil die Oligarchen und andere &#8222;Anleger&#8220; ihr Geld lieber noch ein paar Jahre mit dem alten Modell einer \u00f6l- und kohlegetriebenen Produktionsweise mehren m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Die Illusion von Demokratie, Frieden und technischem Fortschritt fliegt gerade ihren gl\u00e4ubigen Anh\u00e4ngern um die Ohren &#8211; und weil der allumfassende Kapitalismus so &#8222;alternativlos&#8220; erscheint, dass eine andere, sozialere, friedlichere, \u00f6kologischere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung keine gesellschaftliche Ver\u00e4nderungsmacht erzeugt, sieht die Menschheit momentan ihrem Ende entgegen &#8211; sei es im gro\u00dfen Kriegs-Knall oder in einer langen Klimawandel-Agonie. Gut 70 Jahre nach dem Ende der Jahrhundertkatastrophe zweiter Weltkrieg f\u00fchrt das kapitalistische &#8222;Wachstum&#8220; in den Abgrund der doppelten Zerst\u00f6rung aus Vernichtung der Lebensgrundlagen und \u00fcberfl\u00fcssig machen der lohnarbeitenden Menschheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als nach dem zweiten Weltkrieg in Westeuropa und Nordamerika Massenproduktion und Massenkonsum best\u00e4ndig neues Wachstum generierten &#8211; im Schatten der allumfassenden Bedrohung eines Atomkriegs &#8211; da gab es eine ideologische Behauptung zur Rechtfertigung der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. 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