{"id":2832,"date":"2017-08-13T21:53:42","date_gmt":"2017-08-13T19:53:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/?p=2832"},"modified":"2017-08-13T21:55:58","modified_gmt":"2017-08-13T19:55:58","slug":"atomkrieg-als-schein-loesung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/2017\/08\/13\/atomkrieg-als-schein-loesung\/","title":{"rendered":"Atomkrieg als (Schein-)L\u00f6sung"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Update&#8220;, das Kundenmagazin von &#8222;Allianz Global Investors&#8220; listet in seiner neuesten Ausgabe (II\/2017) in einer Zeitreihe von 10 Jahren die Einsch\u00e4tzungen des World Economic Forum zu den jeweils f\u00fcnf Risiken mit den gr\u00f6\u00dften globalen Auswirkungen auf. Ab 2015 taucht dort das Thema &#8222;Einsatz von Massenvernichtungswaffen&#8220; auf und steht 2017 sogar an der Spitze dieser Risikoabsch\u00e4tzung f\u00fcr die Interessenten aus dem Bereich gro\u00dfer privater Verm\u00f6gen und so genannter &#8222;institutioneller Anleger&#8220; &#8211; noch vor den extremen Wetterereignissen, den &#8222;Wasserkrisen&#8220;, gro\u00dfen Naturkatastrophen und einem Scheitern der Klimapolitik.<\/p>\n<p>Offenbar haben die Akteure des Finanzkapitals erkannt, dass der Einsatz atomarer, biologischer und chemischer Massenvernichtungswaffen nicht mehr ein regional begrenztes (und damit vernachl\u00e4ssigbares) Ph\u00e4nomen ist, mit dem sich Diktatoren und ihre mafi\u00f6sen Cliquen an der Macht halten (z.B. die Gas-Bombardements als Instrument im Krieg der syrischen Regierung gegen dissidente Bev\u00f6lkerungsteile). Die aktuellen Drohgeb\u00e4rden der irrsinnigen Chefpolitiker in Washington und Pj\u00f6ngjang machen deutlich, dass eine dauerhafte Kontrolle der atomaren Arsenale 72 Jahre nach der atomaren Vernichtung der Menschen von Hiroshima und Nagasaki zunehmend illusion\u00e4r wird.<\/p>\n<p>Auch in diesem brandgef\u00e4hrlichen Zusammenhang erweist sich die Richtigkeit der Marx&#8217;schen These, wonach der Kapitalismus dazu tendiert, die Quellen seines Reichtums zu zerst\u00f6ren. Mensch und Natur in einem gro\u00dfen atomaren Krieg zu vernichten schien nach der Erfahrung der 13-Kuba-Krisen-Tage im August 1962 eingehegt in ein System rationaler Regulierung der irrationalen gegenseitigen Vernichtungsdrohungen der Super- und Gro\u00dfm\u00e4chte. Und nach dem Ende der Blockkonfrontation sahen gerade die Apologeten des Kapitalismus eine \u00c4ra des ewigen Friedens im internationalen Welthandel heraufziehen, der allenfalls durch &#8222;Terrorismus&#8220; gest\u00f6rt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Priester des Neoliberalismus \u00fcberraschend nahmen jedoch die Kriegshandlungen an der Peripherie des Weltmarkts an Brutalit\u00e4t zu (unter anderem auch, weil die Waffenproduzenten und S\u00f6ldner-Dienstleister in den globalen Zentren hier ein lukratives Gesch\u00e4ftsfeld als &#8222;Wachstumsmarkt&#8220; erschlossen). Und im Gefolge der globalen Migrationsbewegungen, wo &#8222;\u00dcberfl\u00fcssige&#8220; nicht nur vor Krieg und Hunger fliehen, sondern auch wegen ihrer Ausgrenzung aus dem kapitalistischen Weltmarkt in die Zentren streben, wo sie auf die &#8222;\u00dcberfl\u00fcssigen&#8220; der ersten Welt treffen, die als Erwerbslose sozial abgeh\u00e4ngt werden, erstarken nationalistisch-faschistische &#8222;Bewegungen&#8220;. Eine davon hat den aktuellen US-Pr\u00e4sidenten an die Macht gebracht, der diese Macht alles andere als rational-reguliert nutzen will.<\/p>\n<p>Sicher unbewusst reproduziert der Narziss im Wei\u00dfen Haus bei seinen &#8222;Wer-hat-die-dicksten-Atomraketen-Schw\u00e4nze&#8220; dabei ein Motiv, das schon bisherige &#8222;finale&#8220; Krisen des Wachstums-Kapitalismus kennzeichnete &#8211; namentlich die beiden Weltkriege des letzten Jahrhunderts. Wenn auf einem Markt der Produktion von &#8222;Stahl und Eisen&#8220; das Wachstum stagniert und damit die Kapitalrenditen fallen, kann dieses nur in einer letzten Umdrehung nationalistisch \u00fcberh\u00f6ht in Form von Aufr\u00fcstung weitergef\u00fchrt werden. Und am Ende dieses Desasters lagen weite Teile Europas in Schutt und Asche.<\/p>\n<p>Weil dann nach 1945 mit Hilfe von Marshallplan-Krediten, sozialstaatlicher Regulierung in der Systemkonkurrenz, im &#8222;Westen&#8220; das &#8222;fordistische&#8220; Produktions- und Gesellschaftsmodell (Massenproduktion und Massenkonsum) der Wachstumstreiber war; entstand (insbesondere im rechten politischen Spektrum) die Illusion, dass Kriege die n\u00fctzliche Funktion h\u00e4tten, durch massenhafte Zerst\u00f6rung die Grundlage f\u00fcr neues &#8222;Wachstum&#8220; zu generieren, wenn Weltmarkt-Eroberungen, Produktinnovation und Deregulierung von Arbeits- und Finanzmarkt sowie Privatisierung der \u00f6ffentlichen Daseinsvorsorge (von Eisenbahn bis Rente) der Stagnation der Renditen und dem Fall der Profitraten nicht mehr entgegenwirken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ideologisch l\u00e4sst sich dies alles im globalen Wettbewerbskapitalismus rassistisch einhegen in die Feindbilder des &#8222;\u00dcberlebens&#8220; des jeweils als besonders stark imaginierten &#8222;Wir&#8220; gegen allerlei &#8222;Feinde&#8220;. Das Problem ist nur, dass das Vernichtungspotenzial der Atom- und Giftgasbomben sowie der in Labors gez\u00fcchteten t\u00f6dlichen Viren eine technische Entwicklungsstufe erreicht hat, wo das Einstein-Bonmot universal wirkt, dass danach Kriege wieder auf Pfeil-und-Bogen-Niveau ausgefochten werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Deshalb hoffen auch die Akteure des Finanzkapitals, dass sich den zunehmend irrsinnigen &#8222;Oberbefehlshaber&#8220;, die sich als &#8222;Ich-bin-der-Bestimmer&#8220; Kleinkind-Narzissten geb\u00e4rden, doch irgendwo in den milit\u00e4rischen und politischen Befehlsketten &#8222;rationale&#8220; Entscheider finden, die die finalen Explosionen verhindern.<\/p>\n<p>Die Gefahr eines &#8222;gro\u00dfen Knalls&#8220; ist im Kapitalismus systemisch angelegt, da die inneren und \u00e4u\u00dferen Wachstumsgrenzen (Senkung der L\u00f6hne und Zerst\u00f6rung der Natur) nur au\u00dferhalb, in einem nichtkapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell gel\u00f6st werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Update&#8220;, das Kundenmagazin von &#8222;Allianz Global Investors&#8220; listet in seiner neuesten Ausgabe (II\/2017) in einer Zeitreihe von 10 Jahren die Einsch\u00e4tzungen des World Economic Forum zu den jeweils f\u00fcnf Risiken mit den gr\u00f6\u00dften globalen Auswirkungen auf. 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