{"id":2824,"date":"2017-07-26T08:18:05","date_gmt":"2017-07-26T06:18:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/?p=2824"},"modified":"2017-07-26T08:18:05","modified_gmt":"2017-07-26T06:18:05","slug":"die-seele-der-bahnhoefe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/2017\/07\/26\/die-seele-der-bahnhoefe\/","title":{"rendered":"Die Seele der Bahnh\u00f6fe"},"content":{"rendered":"<p>Am Anfang war Altenbeken &#8211; einst Umsteigepunkt auf dem Weg von Bielefeld nach Kassel. Beim Warten auf den Anschlusszug blieb Zeit f\u00fcr ein Pils in der Bahnhofskneipe. Verraucht, mit Resopaltischen pr\u00e4sentierte sich der Ort noch um die Jahrtausendwende mit dem Charme der 1960er-Jahre. Es war ein Ort, an den zu kommen man sich ein- oder zweimal im Jahr freute. Die Kneipe war der Bahnhof Altenbeken.<\/p>\n<p>Auch der Stuttgarter Hauptbahnhof hatte so einen Kneipen-Ort bevor der Kopfbahnhof mit dem Baubeginn von &#8222;Stuttgart 21&#8220; seiner Seele beraubt wurde. Es war die Kneipe etwa in der Mitte der 16 Gleise, wo man sich auf eine &#8222;Halbe&#8220; traf. Der &#8222;Penner&#8220; und der Anzugtr\u00e4ger sp\u00fclten hier ihren \u00c4rger hinunter, die Pendler genehmigten sich ihr Feierabendbier &#8211; und manchmal kam man miteinander in ein kurzes Gespr\u00e4ch unter Fremden.<\/p>\n<p>So war es auch noch im Berliner Ostbahnhof bevor 2012 oder 2013 der &#8222;Food-Bereich&#8220; umgebaut wurde. Pl\u00f6tzlich war der Tresen weg, der f\u00fcr die von Ausw\u00e4rts-Terminen heimkehrenden sp\u00e4tabends noch die M\u00f6glichkeit bot, einen schnellen Schluck zu nehmen und mit dem Stuhl-Nachbarn bei einer Currywurst ein paar Worte zu wechseln. Heute ist das nicht mehr m\u00f6glich; das &#8222;rumsitzen&#8220; war wohl zu wenig umsatztr\u00e4chtig. Irgendwie konsequent, dass das Bahn-Management auch die Zahl der am fr\u00fcheren DDR-Hauptstadtbahnhof ankommenden und abfahrenden Fernz\u00fcge systematisch reduziert. Der neue Hauptbahnhof ist keine Alternative. Kein Bier und keine Currywurst wird nach 22 Uhr in Deutschlands zentralem Hauptstadt-Bahnhof gegen\u00fcber dem Kanzleramt verkauft. Nur Polizisten patroullieren durch die leeren Hallen.<\/p>\n<p>Als Jugendlicher h\u00e4tte ich gerne f\u00fcr die Modelleisenbahn den Bahnhofs-Bausatz &#8222;Baden-Baden&#8220; gehabt &#8211; allein, er war zu teuer. Wer heute dort ankommt oder abf\u00e4hrt befindet sich in einer Betonrinne auf einem schmalen Bahnsteig. Statt einem mond\u00e4nen Kurstadt-Bahnhof, ein unbedeutender Haltepunkt an einer Schnellstrecke.<\/p>\n<p>M\u00fcnchen und Frankfurt h\u00e4tten noch am ehesten das Zeug dazu, von Reisenden als begl\u00fcckende Orte des Ankommens, Abreisens und Umsteigens wahrgenommen zu werden &#8211; w\u00fcrde das Bahnhofsmanagement die Querungen des Kopfbahnhofs nicht vollstellen mit den Metallbuden, die die Filialen der Food-Ketten beherbergen. Coffe-to-go, Smoothies und Hamburger statt Bier und Leberk\u00e4s-Semmeln. Das Ziel des Bahn-Managements scheint zu sein, die unterirdische Ladenzeile mit Gleisanschluss des Hannoveraner Hauptbahnhofs als Standard durchzusetzen. Oder die geleckte Hochglanz-Marmorhalle der Leipziger Station. Orte wo man nicht hin will und die man fluchtartig verl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Und in Ulm, wo ich als Sch\u00fcler die Nummern der Dampfloks, die dort ein- und ausfuhren, in ein Heft schrieb, wo das Bundesbahnhotel eine Talentschmiede f\u00fcr sp\u00e4tere Sternek\u00f6che war, da versperrt gerade die Baustelle einer Tiefgarage den Ausgang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Anfang war Altenbeken &#8211; einst Umsteigepunkt auf dem Weg von Bielefeld nach Kassel. Beim Warten auf den Anschlusszug blieb Zeit f\u00fcr ein Pils in der Bahnhofskneipe. Verraucht, mit Resopaltischen pr\u00e4sentierte sich der Ort noch um die Jahrtausendwende mit dem Charme der 1960er-Jahre. 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