{"id":2717,"date":"2012-08-03T13:31:39","date_gmt":"2012-08-03T11:31:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/?p=2717"},"modified":"2012-08-03T13:31:39","modified_gmt":"2012-08-03T11:31:39","slug":"die-grundsatzliche-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/2012\/08\/03\/die-grundsatzliche-krise\/","title":{"rendered":"Die grunds\u00e4tzliche Krise"},"content":{"rendered":"<p><em>Nachstehend einige Zitate aus dem ersten Teil eines <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/37\/37365\/1.html\">Interviews<\/a> der &#8222;telepolis&#8220; mit den Autoren des Buchs &#8222;Die gro\u00dfe Entwertung&#8220;, Ernst Lohoff und Norbert Trenkle. Buch und Interview besch\u00e4ftigen sich mit der grundliegenden Krise hinter der Finanzkrise: N\u00e4mlich die Tatsache, dass ab den 1970er-Jahren die kapitalistische Wirtschaft nur noch durch eine Aufbl\u00e4hung der Finanzm\u00e4rkte &#8211; also die vorweggenommenen Gewinne zuk\u00fcnftiger Warenverk\u00e4ufe &#8211; in Gang gehalten werden konnte:<\/em><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Unter den Bedingungen der modernen Warenproduktion, also in der kapitalistischen Gesellschaft, wird stofflicher Reichtum immer nur produziert, soweit sich dieser auch als Wert darstellen l\u00e4sst, soweit er also zur Kapitalverwertung beitr\u00e4gt. Die G\u00fcterproduktion ist hier also immer nur Mittel zu einem ihr \u00e4u\u00dferlichen Zweck, dem Selbstzweck, aus Geld mehr Geld zu machen. Wo dieser Zweck nicht erf\u00fcllt werden kann, weil die Kapitalverwertung ins Stocken ger\u00e4t, stockt auch die Produktion stofflichen Reichtums; es werden sogar G\u00fcter vernichtet, weil sie nicht verk\u00e4uflich sind, obwohl massenhaft Bed\u00fcrfnisse unbefriedigt bleiben. Zum Beispiel m\u00fcssen dann Menschen in Zelten wohnen, w\u00e4hrend ihre H\u00e4user leer stehen, blo\u00df weil sie ihre Kredite nicht mehr abbezahlen k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Zun\u00e4chst einmal gibt es eine strukturelle Krise der realen Wertproduktion. Die wirkt untergr\u00fcndig schon seit den 1970er Jahren, wurde nie \u00fcberwunden und l\u00e4sst sich auch gar nicht \u00fcberwinden, denn sie resultiert daraus, dass die Produktivit\u00e4t mittlerweile zu hoch ist, um den Prozess der Kapitalverwertung in Gang zu halten. Kapital muss sich vermehren, denn sonst h\u00f6rt es auf Kapital zu sein, und dazu muss eine best\u00e4ndig wachsende Zahl von Arbeitskr\u00e4ften in der Produktion von Waren vernutzt werden. Gleichzeitig wird aber durch die Konkurrenz ein unaufhaltsamer Produktivit\u00e4tswettlauf angestachelt, der im Kern darauf hinausl\u00e4uft, permanent Arbeitskraft durch Sachkapital zu ersetzen. Das ist der innere Grundwiderspruch der kapitalistischen Produktionsweise, der sich letztlich gegen diese selbst richten muss. Wenn n\u00e4mlich die Produktivit\u00e4t so hoch ist, dass massenhaft Arbeitskraft \u00fcberfl\u00fcssig gemacht wird, werden die Grundlagen der Kapitalverwertung in Frage gestellt. Genau das macht den Kern der grundlegenden Strukturkrise aus, in die das kapitalistische Weltsystem seit dem Ende des Nachkriegsbooms hineingeraten ist.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Diese eben beschriebene Krise ist jahrzehntelang durch die Aufbl\u00e4hung der Finanzm\u00e4rkte \u00fcberspielt worden. Die gesamtgesellschaftliche Kapitalakkumulation kam nach den Krisen der 1970er Jahre wieder auf Touren und die Weltwirtschaft fand zur\u00fcck auf die Wachstumsspur. Dieses Wachstum wurde aber nicht mehr von tats\u00e4chlicher Wertproduktion durch Arbeitskraftvernutzung getragen, sondern durch die explosionsartige finanzindustrielle Vermehrung von Kapital. Indem die Finanzindustrie immer mehr Eigentumstitel (Schulden, Aktien, Derivate) in Umlauf brachte, gelang ihr das Kunstst\u00fcck zuk\u00fcnftigen Wert, also Wert, der noch gar nicht produziert ist und vielleicht nie produziert werden wird, in abstrakten Reichtum zu verwandeln.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Diese Kapitalvermehrung durch Wertantizipation, die l\u00e4ngst astronomische Ausma\u00dfe angenommen hat, ist aber selber in die Krise geraten. Die permanente Vermehrung von Eigentumstiteln, ohne die der Kapitalismus nicht mehr lebensf\u00e4hig ist, l\u00e4uft zwar nach wie vor, ja sogar beschleunigt weiter, aber nur weil dieses Gesch\u00e4ft jetzt von den Staaten und vor allem den Zentralbanken betrieben wird. Die Staaten treiben ihre Verschuldung in die H\u00f6he und die Zentralbanken gew\u00e4hren den Privatbanken exzessiv Kredit zu faktischen Nullzinsen, w\u00e4hrend sie gleichzeitig Staatspapiere aufkaufen, die sonst keiner mehr kauft. Doch auch hier werden langsam die Grenzen erreicht, wie etwa die Eurokrise zeigt.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachstehend einige Zitate aus dem ersten Teil eines Interviews der &#8222;telepolis&#8220; mit den Autoren des Buchs &#8222;Die gro\u00dfe Entwertung&#8220;, Ernst Lohoff und Norbert Trenkle. 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