{"id":2564,"date":"2012-02-19T13:29:56","date_gmt":"2012-02-19T12:29:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/?p=2564"},"modified":"2012-02-19T13:29:56","modified_gmt":"2012-02-19T12:29:56","slug":"krise-und-kommende-depression","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/2012\/02\/19\/krise-und-kommende-depression\/","title":{"rendered":"Krise und kommende Depression"},"content":{"rendered":"<p><em>In einem umfangreichen <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/36\/36123\/1.html\" target=\"_blank\">Hintergrundartikel<\/a> mit vielen Querverweisen analysiert die &#8222;telepolis&#8220; den aktuellen Stand der Krisen-Entwicklung, die Ursachen und die kommende wirtschaftliche Depression im Detail. Unbedingt lesen!!!<\/em><\/p>\n<p><em>Hier einige Ausz\u00fcge aus dem ersten und letzten Teil des Artikels:<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Wir m\u00fcssen uns nur vergegenw\u00e4rtigen, dass die Kreditaufnahme eigentlich einen Wechsel auf die Zukunft darstellt, bei dem Finanzmittel im Hier und Jetzt zur Verf\u00fcgung gestellt werden, die erst sp\u00e4ter vom Kreditnehmer erwirtschaftet und zur\u00fcckgezahlt werden m\u00fcssen. Und diese Kredite werden ja f\u00fcr Investitionen, Baut\u00e4tigkeit oder Konsum aufgewendet. Somit schafft die Verschuldung eine zus\u00e4tzliche, kreditfinanzierte Nachfrage, die stimulierend auf die Wirtschaft wirkt.<\/p>\n<p>Es waren gerade diese Defizitkonjunkturen, die in der Epoche vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise in 2008 als ma\u00dfgeblicher Motor der Weltwirtschaft fungierten. Hierbei handelt es sich um einen langfristigen, graduell an Intensit\u00e4t gewinnenden Prozess, der zeitgleich mit der Durchsetzung des Neoliberalismus und dem Aufstieg des Finanzsektors in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts einsetzte. Diese mit der Expansion der Finanzm\u00e4rkte einhergehende Verschuldungsdynamik ging mit der Ausbildung von gigantischen Spekulationsblasen auf dem Finanzsektor einher, die ebenfalls &#8211; bis zu ihrem Zusammenbruch &#8211; stimulierend auf die Wirtschaft wirkten.<\/p>\n<p>Es ist gerade diese in den vergangenen Jahren immer weiter gesteigerte betriebswirtschaftliche Effizienz, die den Kapitalismus auf volkswirtschaftlicher Ebene in einen regelrechten Verschuldungszwang treibt. Das System ist zu produktiv, um weiterhin seine Reproduktion innerhalb seiner Produktionsverh\u00e4ltnisse ohne Defizitbildung aufrechterhalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Frei nach Marx lie\u00dfe sich zusammenfassen: Die Produktivkr\u00e4fte sprengen gerade die Fesslen der Produktionsverh\u00e4ltnisse. Diese kapitalistische Systemkrise ist also tats\u00e4chlich eine Krise des Kapitals. Das Kapital muss hier bei als ein soziales Verh\u00e4ltnis, als ein Produktionsverh\u00e4ltnis begriffen werden: Der Unternehmer investiert sein als Kapital fungierendes Geld in Maschinen, Arbeitskr\u00e4fte und Rohstoffe, um in Fabriken hieraus neue Waren zu schaffen, die mit Gewinn auf dem Markt verkauft werden. Das hiernach vergr\u00f6\u00dferte Kapital wird in diesem uferlosen Verwertungsprozess des Kapitals reinvestiert, um wiederum noch mehr Waren herzustellen. Dieser Prozess der Akkumulation oder Verwertung von Kapital funktioniert nicht mehr ohne die besagte Schuldenmacherei.<\/p>\n<p>Obwohl Lohnarbeit die Substanz des Kapitals bildet, strebt das Kapital zugleich danach, die Lohnarbeit m\u00f6glichst weitgehend durch Rationalisierung aus dem Produktionsprozess zu verbannen: Der gleiche technische Fortschritt, der zum Arbeitsplatzabbau in den etablierten Industriezweigen f\u00fchrt, l\u00e4sst aber auch neue Industriezweige entstehen. Schon immer gab es in der Geschichte des Kapitalismus einen Strukturwandel, bei dem alte Industrien verschwanden und neue hinzukamen, die wiederum Felder f\u00fcr Investitionen und Lohnarbeit er\u00f6ffneten.<\/p>\n<p>Dieser Strukturwandel funktioniert aber mit dem Aufkommen der dritten industriellen Revolution der Mikroelektronik und Informationstechnologie nicht mehr. Die IT-Industrie schafft zwar Arbeitspl\u00e4tze, aber ihre Technologien und Produkte erfahren eine gesamtwirtschaftliche Anwendung, bei der im Zuge von Rationalisierungsma\u00dfnahmen weitaus mehr Arbeitspl\u00e4tze verschwinden. Es findet ein Prozess des Abschmelzens der Lohnarbeit innerhalb der Warenproduktion statt: Immer weniger Arbeiter k\u00f6nnen in immer k\u00fcrzerer Zeit immer mehr Waren herstellen.<\/p>\n<p>Die wahren Krisenursachen liegen also kontr\u00e4r zu der populistischen Parole, wonach die Bev\u00f6lkerung der Schuldenl\u00e4nder Europas oder der USA &#8222;\u00fcber ihren Verh\u00e4ltnissen&#8220; gelebt habe. Es verh\u00e4lt sich gerade umgekehrt: Der Kapitalismus hat ein derartig hohes Produktivit\u00e4tsniveau erreicht, dass er nur noch durch ein &#8222;Leben \u00fcber den Verh\u00e4ltnissen&#8220;, also durch Schuldenmacherei eine Zeit lang eine Art Zombieleben f\u00fchren kann &#8211; bis zum gro\u00dfen Crash.<\/p>\n<p>Kurzfristig wird das System mit Sicherheit in einer schweren Wirtschaftskrise versinken, sobald die Verschuldungsdynamik zusammenbricht, die den Kapitalismus &#8211; noch &#8211; am Laufen h\u00e4lt. Die anstehende globale Depression k\u00f6nne durchaus die Sch\u00e4rfe und Dramatik der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts erreichen, inklusive schwerwiegender sozialer und politischer Verwerfungen und Umbr\u00fcche. Der Wirtschaftseinbruch in S\u00fcdeuropa wird nicht mehr von einem sp\u00e4teren Aufschwung abgel\u00f6st werden. Stattdessen findet in der Peripherie der EU ein dauerhafter wirtschaftlicher und sozialer Absieg statt, der die betroffenen L\u00e4nder in ihrer zivilisatorischen Entwicklung zur\u00fcckwerfen wird. Es ist, als ob die &#8222;Dritte Welt&#8220; von sich Nordafrika \u00fcber das Mittelmeer bis nach S\u00fcdeuropa ausbreiten w\u00fcrde. Es findet derzeit ein Prozess des &#8222;Abschmelzens&#8220; der reaktiven Wohlstandsinseln der &#8222;Ersten Welt&#8220; im globalen Ma\u00dfstab statt.<\/p>\n<p>Die kommende globale Depression bildet dabei nur das j\u00fcngste Stadium eines langfristigen, weltgeschichtlichen Prozesses, bei dem das kapitalistische Weltsystem nach einer gut 500-j\u00e4hrigen Entwicklungsperiode an die dargelegte innere Schranke seiner Entwicklungsf\u00e4higkeit st\u00f6\u00dft und an seinen eskalierenden Widerspr\u00fcchen zugrunde geht. Das System tritt nun in eine Phase des chaotischen Umbruchs ein, wobei die Richtung und der Ausgang dieses Prozesses nicht prognostizierbar sind.<\/p>\n<p>Immer mehr Menschen fallen aus dem Prozess der Kapitalakkumulation heraus, sie werden &#8222;\u00fcberfl\u00fcssig&#8220; &#8211; w\u00e4hrend der Druck auf die noch in Arbeit befindlichen Lohnabh\u00e4ngigen immer weiter w\u00e4chst. Die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen im arabischen Raum etwa bildete eine wichtige Triebkraft der Umbr\u00fcche in dieser Region. Deutschland kann als eine Burnout-Republik bezeichnet werden, w\u00e4hrend in S\u00fcdeuropa zweistellige Arbeitslosenraten erreicht werden.<\/p>\n<p>Mit zunehmender Krisenintensit\u00e4t werden sich diese Widerspr\u00fcche versch\u00e4rfen. Das kommende Weltsystem kann viel schlimmer (hieratischer und diktatorischer) als das Gegenw\u00e4rtige werden &#8211; oder auch besser, egalit\u00e4rer und demokratischer. Mit Sicherheit kann aber jetzt schon konstatiert werden, dass die aus dieser Transformation hervorgehende Gesellschaft keine kapitalistische sein wird, da es das dargelegte Kapitalverh\u00e4ltnis selbst ist, das an seine inneren Grenzen st\u00f6\u00dft und die tiefere Ursache der gegenw\u00e4rtigen Krise bildet.<\/p>\n<p>Letztendlich scheint es angebracht, diese Krise auch als Chance wahrzunehmen; als Chance auf die Errichtung eines besseren, demokratischeren und egalit\u00e4ren Gesellschaftssystems. Bei Abstrahierung von den konkreten Formen kapitalistischer Vergesellschaftung nimmt die Krise ja einen regelrecht absurden Charakter an: Die Gesellschaft erstickt an ihrem \u00dcberfluss.<\/p>\n<p>Der Kapitalismus verliert letztendlich seinen ewigen &#8222;Wettlauf mit den Maschinen.&#8220; Weil zu viele Waren mit immer weniger Arbeitskr\u00e4ften hergestellt werden k\u00f6nnen, versinken immer mehr Bev\u00f6lkerungsgruppen und Weltregionen in Marginalisierung und Verelendung. Die technischen und materiellen Voraussetzungen zur Errichtung einer Gesellschaft, die die Grundbed\u00fcrfnisse aller Menschen weltweit befriedigt, sind aber objektiv gegeben.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem umfangreichen Hintergrundartikel mit vielen Querverweisen analysiert die &#8222;telepolis&#8220; den aktuellen Stand der Krisen-Entwicklung, die Ursachen und die kommende wirtschaftliche Depression im Detail. Unbedingt lesen!!! 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