{"id":1483,"date":"2010-05-13T11:08:57","date_gmt":"2010-05-13T09:08:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/?p=1483"},"modified":"2010-05-13T11:08:57","modified_gmt":"2010-05-13T09:08:57","slug":"finanzmarkt-teenager","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gegenstrom.net\/wordpress\/2010\/05\/13\/finanzmarkt-teenager\/","title":{"rendered":"Finanzmarkt-Teenager"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Die Finanzm\u00e4rkte erinnern an einen verliebten Teenager, der zwischen Ekstase und Verzweiflung taumelt. Eben noch wirkte die Eurozone stabil, jetzt scheint sie vom ultimativen Verfall bedroht&#8230;<\/p>\n<p>Will man sich dieser seltsamen B\u00f6rsenpsychologie n\u00e4hern, ist zun\u00e4chst &#8230; festzuhalten, dass &#8230; Pessimismus berechtigt ist. In vielen L\u00e4ndern sind Staat und B\u00fcrger hoffnungslos \u00fcberschuldet. Bedroht sind vor allem die USA und Gro\u00dfbritannien&#8230;<\/p>\n<p>Erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig ist also nur der Optimismus, zu dem die Herde der B\u00f6rsianer neigt. Selbst mitten in der Finanzkrise lassen sich viele Investoren nicht irritieren, wie die H\u00f6chstst\u00e4nde der Aktien zeigen. Dieser manische Hang zur Zuversicht folgt der Logik der Spekulation: Mit Leerverk\u00e4ufen kann man zwar auch auf fallende Kurse wetten &#8211; aber dabei gewinnen immer nur Einzelne, w\u00e4hrend die Masse verliert&#8230;<\/p>\n<p>56 Prozent der Deutschen wollen nicht f\u00fcr &#8222;die faulen Griechen&#8220; zahlen. In ihrem nationalistischen Furor entgeht den Bundesb\u00fcrgern, dass viele Griechen umgekehrt genaus denken: Sie wollen nicht f\u00fcr die ausl\u00e4ndischen Geldgeber bluten m\u00fcssen&#8230;<\/p>\n<p>Ein ungeordneter Staatsbankrott w\u00e4re tats\u00e4chlich katastrophal. In Griechenland w\u00fcrden s\u00e4mtliche Banken sofort zusammenbrechen. Schlie\u00dflich besitzen sie etwa 40 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen&#8230; Auch f\u00fcr die Deutschen w\u00fcrde ein chaotischer Staatsbankrott teuer, schon weil Pleitebanken wie die Hypo Real Estate, die Commerzbank und einige Landesbanken in Griechenland investiert haben&#8230;<\/p>\n<p>Der Sinn der Rettungspakete ist schlicht: EU und IWF versuchen Zeit zu kaufen. F\u00fcr drei Jahre werden nun alle Verbindlichkeiten Griechenlands \u00fcbernommen, auf dass es danach seine Schulden allein bedienen kann&#8230;<\/p>\n<p>Politisch bedenklich ist &#8230;, dass die Wellen der Emp\u00f6rung in dieser Finanzkrise immer &#8230; gleich verlaufen: Stets wird nach individuellen Schuldigen gesucht. Jetzt sind es eben &#8222;die faulen Griechen&#8220;&#8230; Offen wird nicht verstanden, dass die Finanzkrise eine weltumspannende, systemische Krise ist&#8230; Stattdessen wird der Fehler der B\u00f6rsianer kopiert: Auch die w\u00fctenden B\u00fcrger glauben, dass es sich nur um einzelne Krisenph\u00e4nomene handele&#8230;<\/p>\n<p>Diese &#8222;Privatisierung&#8220; der Krise ist unpolitisch, weil ausgeblendet wird, dass indirekt alle Anleger profitieren, wenn das Finanzsystem stabilisiert wird. Folglich w\u00e4ren auch alle Investoren an den Rettungskosten zu beteiligen &#8211; durch eine Finanztransaktionssteuer, durch h\u00f6here Spitzensteures\u00e4tze und steigende Steuern auf Kapitalertr\u00e4ge. Solche Ma\u00dfnahmen haben jedoch keine Chance, solange nur nationalistisch auf die &#8222;faulen Griechen&#8220; geschimpft wird.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Ulrike Herrmann in der &#8222;taz&#8220; (3.5.2010)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Finanzm\u00e4rkte erinnern an einen verliebten Teenager, der zwischen Ekstase und Verzweiflung taumelt. Eben noch wirkte die Eurozone stabil, jetzt scheint sie vom ultimativen Verfall bedroht&#8230; Will man sich dieser seltsamen B\u00f6rsenpsychologie n\u00e4hern, ist zun\u00e4chst &#8230; festzuhalten, dass &#8230; Pessimismus berechtigt ist. In vielen L\u00e4ndern sind Staat und B\u00fcrger hoffnungslos \u00fcberschuldet. 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