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Neues Spiel, neues Unglück

Zuerst sackt der Euro an den Devisenmärkten durch, dann brechen die Börsen wegen anschwellender Dollar-Spekulationen ein. Dahinter stehen wieder einmal die Antreiber der Spekualtionsblasen, die Rating-Agenturen und dabei vor allem Standard & Poors. Vermutlich wieder einmal im Spekulanten-Auftrag behaupten sie frech, dass bald Spanien unter den europäischen „Rettungsschirm“ flüchten müsse. Und dann behaupten sie ebenso frech, dass bald die USA ihre Staatsschulden nicht mehr zu günstigen Zinsen refinanzieren können.

Solche Aussagen sind Gold für die unregulierten Spekulationsmärkte, wo dann in Sekunden die Wetten platziert werden – Wetten darauf, dass die Menschen in Europa und den USA die Gewinne der Spekulanten und Banken finanzieren werden und sich selbst dabei in die Armut stürzen – über sinkende Löhne, höhere Staatsverschuldung zur Bankenfinanzierung, Abbau des Sozialstaats und andere Neoliberale Verarmungsrezepte für die Mehrheit.

Mit der angekündigten Dollar-Herabstufung haben die Rating-Agenturen und die Spekulanten eine neue Runde im Spekulationscasino eröffnet. Während es bei der Euro-Spekulation vor allem darum ging, kurzfristige Gewinne dadurch zu erwirtschaften, dass die Zinsspanne zwischen dem Basiszinssatz der eruopäischen Zentralbank und dem Zinssatz für Staatsanleihen auseinandergetrieben wurde, geht es jetzt darum, noch einmal abzukassieren, ehe die USA ihre Bankenschulden nicht mehr zahlen können und dann die gesamte Weltwirtschaft in die Hyperinflation getrieben wird.

Dabei hätten die Völker eine Alternative, um sich vom Abgrund wegzubewegen: Sie müssten Banken und Spekulanten regulieren und besteuern (damit diese für ihre Gewinne auch gerecht bezahlen) und dann in Form einer moderaten Inflation (5 bis 8 Prozent bei entsprechenden Lohnsteigerungen) die Staatsschuld auf Kosten der Vermögensbesitzer abbauen. Doch die neoliberalen und rechtspopulistischen Regierungen werden genau das nicht tun, sondern weiter die Interessen der Banken und Spekulanten pflegen und dabei dann die Bevölkerung und die Staaten in den Ruin treiben.

Unverantwortliche Kanzlerin

In einer sehr lesenswerten Zusammenfassung macht die „telepolis“ auf das verantwortungslose Reden und Handeln und anderer deutscher Politiker im Zusammenhang mit den Zahlungsproblemen des griechischen Staats aufmerksam – und verweist gleichzeitig auf die dadurch ausgelösten Crash-Risiken. Hier ein paar der Argumente kurz zusammengefasst:

  • Anstatt mit dem Feuer zu spielen und Griechenland durch Rating-Agenturen in den Staatsbankrott schicken zu lassen, hätten EU und IWF Überbrückungskredite für die nächsten 18 Monate zusagen können, um die Spekulation gegen Griechenland und den Euro einzudämmen.
  • Die – nicht erfolgte – Einrichtung eines europäischen Währungsfonds wäre notwendig, um mittel- und langfristig die Sicherheit der Staatsanleihen Portugals, Irlands, Italiens und Spaniens zu garantieren.
  • Es sind nicht Spekulanten, die jetzt griechische Staatspapiere ins Bodenlose schicken, sondern – notgedrungen – Lebensversicherer und Pensionsfonds, die bisher mit den Zinsaufschlägen für diese Papiere notwendige Renditen erwirtschafteten und jetzt gezwungen sind die griechischen „Schrottpapiere“ unter Wert schnell zu verkaufen.
  • die deutsche Politik des „Nein“ macht den Euro insgesamt anfälliger für Spekulationen auf den Staatsbankrott weiterer Länder.
  • Griechenland hat 309 Milliarden Dollar Schulden, die PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanen) insgesamt 2,13 Billionen Dollar. Bei einem durch Staatsbankrotte ausgelösten Abschreibungsbedarf von nur einem Viertel dieser Schulden wäre das Finanzsystem mit über 500 Milliarden Dollar in Gefahr – eine Größenordnung weit über der Lehman-Krise.
  • Deutsche Banken halten 32 Milliarden Euro griechische Staatsanleihen – die Pleite-Banken gehen dabei voran: Hypo Real Estate mit 7,9 Milliarden, Commerzbank 3 Milliarden und auch die Landesbanken. Diese Verluste müssten wieder die Steuerzahler finanzieren.
  • Am 19. Mai muss klar sein, wie die Euro-Statten, die EU insgesamt und der IWF Griechenland refinanzieren wollen – sonst muss dieser Staat offiziell seinen Bankrott erklären. Und einen Tag später werden portugiesische Staatsanleihen im Wert von 5,6 Milliarden Euro zur Refinanzierung fällig.

Die Telepolis kommentiert:

Angela Merkel hat Griechenland besten Wissens ins offene Messer laufen lassen und damit auch die Abstufung griechischer Papiere auf „Ramsch-Niveau“ zu verantworten…

Die Linie der deutschen Regierung ist nicht nur chaotisch, sie ist auch in sich unlogisch und desaströs. Wenn Merkel wirklich den Euro retten und das Vertrauen der Märkte in Griechenland wiederherstellen will – wie sie stets bekundet – ist ihre Taktik im besten Falle kontraproduktiv. Das Vertrauen ist weg, der Euro steht unter Beschuss.

Dollarspekulation schadet Exportwirtschaft

Die Spekulationsgeschäfte, bei denen die Spekulanten sich (wegen niedriger Zentralbankzinsen) billige Dollars leihen und in Ländern mit höherem Zinsniveau kurzfristig anlegen schaden vor allem den Exportindustrien in Ländern wie Deutschland, China und Japan. Der schwache Dollar verteuert ihre Waren auf dem Weltmarkt.

Man darf gespannt sein, wie Kanzlerin Merkel bei diesen Spekulations-Rahmenbedingungen ihr Versprechen einlösen will, die deutsche Wirtschaft wieder zum „Exportweltmeister“ zu machen.

Dollar-Spekulation

Die Schwäche der „Weltreservewährung“ US-Dollar nimmt zu. Erstmals seit 1993 waren Drei-Monats-Kreditzinsen in Dollar billiger als in japanischen Yen. Das macht den Dollar für Spekulanten attraktiv, die mit sogenannten Carry Trades arbeiten. Dabei leiht man sich die günstigen Dollar und legt sie in Hochzins-Staaten kurzfristig an. Nach Abzug der dort meist höheren Inflation bleibt ein guter Zins-Schnitt für den Spekulanten – und die US-Währung wird noch schwächer.