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Die Karstadt-Spieler

Noch immer ist kein Ende des Dramas um die Karstadt-Pleite in Sicht. „Die Zeit“ (12.8.2010) hat dankenswerterweise einmal die verschiedenen Interessengruppen aufgelistet, die hier im Spiel sind:

  • Investor Nicolas Berggruen, der das Vertrauen der Gewerkschaftsvertreter von ver.di genießt, weil sein Sanierungskonzept anerkennt, dass die Karstadt-Mitarbeiter bereits in den vergangenen Jahren durch Lohnverzichte viel zur Rettung der Warenhäuser beigetragen haben.
  • Die Goldman Sachs Tochterfirma Whitehall mit dem Bankier Alexander Dibelius an der Spitze, die 51 Prozent am Vermieterkonsortium der Karstadt-Warenhäuser hält. Diese Warenhäuser waren 2007 für 4,7 Milliarden Mark an das Konsortium verkauft worden. Das Problem: Whitehall hat sich die Karstadt-Kredite nicht wie üblich durch Grundschulden gesichert, sondern breit an Anleger gestreut – und die sind sich nicht einig, auf wieviel ihres Engagements sie verzichten wollen.
  • Die Valovis Bank unter Robert K. Gogarten, die Highstreet einen grundschuldbesicherten Kredit von 850 Millionen Euro für den Warenhauskauf gewährte und nun dieses Geld vorzeitig zurückhaben möchte, da die Forderung von Investor Berggruen nach Mietsenkungen diese Grundschuld im Wert senken und damit den Eigenkapitalbedarf der Valovis-Bank erhöhen würde.
  • Die Deutsche Bank mit Josef Ackermann an der Spitze, die weitere 49 Prozent am Vermieterkonsortium hält und sich bislang öffentlich nicht geäußert hat.
  • Der Mailänder Unternehmer Maurizio Borletti, der 2 Prozent am Deutsche Bank-Anteil am Vermieterkonsortium hält und jetzt überraschend ein Angebot für Karstadt vorgelegt hat, das wie Berggruen beinhaltet, dass keine weiteren Entlassungen von Personal vorgenommen werden und die Warnhauskette als Ganzes erhalten bleibt. Allerdings trauen die Gewerkschaftsvertreter von ver.di Borletti nicht über den Weg. Borletti hält – finanziert von der Deutschen Bank – 40 Prozent an der französischen Warenhauskette Printemps und 4 Prozent am italienischen Warenhauskonzern La Rinascente.

Bank will 850 Millionen

Noch bis 10. August läuft die Frist des Essener Insolvenzgerichts, um den Warenhauskonzern Karstadt planmäßig aus der Insolvenz hereaus zu sanieren. Käufer Nicolas Berggruen, der alle Arbeitsplätze im Karstadt-Konzern erhalten will, muss sich dabei vor allem mit der Anlegergruppe „Highstreet“ auf niedrigere Mieten einigen.

Zur Erinnerung: Der frühere Boss des pleite gegangenen Karstadt-Mutterkonzerns, der ehemalige Bertelsmann-Manager Thomas Middelhoff, hatte die Karstadt-Häuser an Highstreet verkauft (Middelhoff hatte dort selbst Geschäftsanteile) und dafür gesorgt, dass Karstadt die Warenhäuser zu völlig überhöhten Preisen zurückmietet.

Innerhalb von Highstreet wehrt sich vor allem die Valovis-Bank gegen Mietsenkungen. Valovis hieß früher Karstadt-Quelle-Bank und lieh Highstreet 850 Millionen Euro für den Kauf der Karstadt-Warenhäuser. Bei niedrigeren Mieten müsste die Bank Wertberichtigungen vornehmen und länger auf die Kreditrückzahlung warten. Deshalb blockiert Highstreet die Rettung von Karstadt.

Quelle: taz 17.7.2010